Bestattungsriten

Am Grab – Das Mundöffnungsritual und das Festmahl

Die Wiederherstellung der Sinne

Am Grab angekommen, stellte man die Mumie, begleitet von Beschwörungsformeln, die den Ba und Ka dazu animieren sollten, wieder in den Körper des Toten zurückzukehren, in eine senkrechte Position. Es folgten Reinigungen, Räucherungen und Opferungen. Der wichtigste Teil der Bestattungsprozedur war das Mundöffnungsritual.

Ein Priester mit Anubis-Maske hält die senkrecht aufgestellte Mumie des Roy. Ein Sem-Priester hält in beiden Händen ein Gefäß, mit dem er ein Trankopfer durchführt. Der Mann neben dem Priester (vielleicht sein Sohn?) wird mit einer Dechsel das Mundöffnungsritual durchführen.
Grab des Roy (TT255), Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Das Mundöffnungsritual

Mit einer Dechsel oder anderen Ritualwerkzeugen berührte der älteste Sohn bzw. ein Priester den Mund des Verstorbenen, damit dieser wieder sprechen, essen und trinken konnte. Augen, Nase und Ohren wurden berührt, damit er wieder sehen, hören und riechen konnte.

Das Mundöffnungsritual begleiteten die Priester erneut mit Gesängen und Gebeten. Die Sinne des Verstorbenen konnten so komplett wieder hergestellt werden.

Ein anschließendes Stieropfer sollte für das leibliche Wohl des Verstorbenen sorgen. Duftende Salböle, mit denen die Priester die Mumie einrieben, sollten sein Herz erfreuen und Weihrauchopfer ihn näher zu den Göttern bringen.

Das Festmahl

Den Sarkophag mit der Mumie und die persönlichen Gegenstände des Verstorbenen trug man nun ins Grab, das anschließend verschlossen und versiegelt wurde. Angehörige und Freunde hielten ein Festmahl vor dem Grab ab. Der Geist des Verstorbenen war ihrem Glauben nach dabei anwesend. Um sich in einen Rauschzustand zu versetzen, der sie näher in die Sphäre des Verstorbenen bringen sollte, tranken die Gäste jede Menge Alkohol.

Nach der Bestattung wurde das "Zerbrechen der roten Töpfe" durchgeführt, bei dem das Geschirr vom Totenmahl zerstört wurde. Die rote Farbe spielt auf den bösen Gott Seth an. Der Lärm der dabei gemacht wurdee, sollte ihn erschrecken und vom dem Grab fernhalten. Grab des Haremhab, Sakkara Neues Reich, 18. Dynastie

Nach der Bestattung wurde das „Zerbrechen der roten Töpfe“ durchgeführt, die vorher für das Totenmahl benutzt wurden. Die rote Farbe spielt auf den Gott Seth an. Der Lärm der dabei gemacht wurde, sollte ihn erschrecken und das Böse vom dem Grab fernhalten.
Grab des Haremhab, Sakkara
Neues Reich, 18. Dynastie