Grab und Grabbeigaben

Grabbeigaben

Wichtig für ihr (Über-)leben im Jenseits.

Wer möchte schon im Jenseits gerne auf dem Boden sitzen und schlafen? Niemand. Und daher legten die Ägypter, die es sich leisten konnten, ihren Verstorbenen Stühle und Betten mit ins Grab, so wie viele weitere Lieblingsgegenstände und Nützliches für den Alltag im Jenseits.

Grabbeigabe, Essenbox in Form einer Gans

Diese „Essensbox“ in Form einer Gans wurde als Grabbeigabe mit ins Grab gelegt. Darin konnten mumifzierte Gänse oder Enten aufbewahrt werden, die der Grabherr im Jenseits verzehren konnte.
Imhotep-Museum Sakkara
Grab des Inti, Abusir
Altes Reich, 6. Dynastie

Natürlich konnte der Verstorbene nicht jeden Tag das Gleiche tragen und daher gehörten Kleidung und Perücken ebenfalls zu den Grabbeigaben. Für ihre Versorgung legten sie Krüge mit Wein und Bier, Körbe mit Brote und Obst sowie mumifiziertes Fleisch und Geflügel mit ins Grab. Spiele sorgten für Unterhaltung. Lampen spendeten dem Verstorbenen auf seinem Weg durch die dunklen Wege des Jenseits Licht. Waffen, wie Dolche und Schwerter, boten vor den bösartigen Dämonen des Jenseits Schutz.

Für ihre Schönheit nahmen sie Kosmetika, Salben und Öle mit in ihr Grab. Mit einem Spiegel konnten sie das Ergebnis betrachten und Schmuck wie Ketten und Ohrringe rundeten das Gesamtbild ab.

Uschebtis

Kleine Dienerfiguren aus dem Alten Reich Ägyptisches Museum Kairo

Kleine Dienerfiguren aus dem Alten Reich beim Fischen
Ägyptisches Museum Kairo


Unliebsame Aufgaben zu erledigen, kann auch schon im Diesseits lästig sein. Im Jenseits halfen kleine Dienerfiguren, die auf Abruf Arbeiten wie backen, brauen oder rudern übernehmen sollten.

  • Im Alten Reich stellte man kleine Figuren bei der Ausführung ihrer Arbeiten zusammen wie in einem Puppenhaus
  • In der chaotischen 1. Zwischenzeit, in der keine Zeit für eine aufwändige Mumifizierung blieb, sollten mumienförmige Figuren als eine Art Ersatzleichnam missliebige Arbeiten erledigen

Uschebtis

Uschebtis
Mit freundlicher Genehmigung
© Ägyptisches Museum München
Fayence
Spätzeit, 600-300 v.Chr

  • Aus diesen Figuren entwickelten sich im Mittleren Reich die Uschebtis („Antworter“). Diese mumienförmigen Figuren legte man in großen Holzkästen mit in das Grab, zusammen mit kleinen Modellen der benötigten Werkzeuge. Später malte man die benötigten Gerätschaften einfach auf den Uschebtis. In den Händen tragen sie in der Regel zwei Hacken für das Bestellen der Felder.

Die Uschebtis, die meistens aus Fayence oder Holz gearbeitet, trugen folgenden Spruch auf der unteren Hälfte ihres Körpers:

„O ihr Uschebti
Wenn ich verpflichtet werde, irgendeine Arbeit zu leisten,
die dort im Totenreich geleistet wird –
wenn nämlich ein Mann dort zu seiner Arbeitsleistung verurteilt wird -,
dann verpflichte du dich zu dem, was dort getan wird,
um die Felder zu bestellen und die Ufer zu bewässern,
um den Sand des Ostens und des Westens überzufahren.
„Ich will es tun – hier bin ich!“, sollst du sagen.
nach E. Hornung: Tal der Könige. Ruhestätte der Pharaonen, S. 196

Die Anzahl der Uschebtis, die dem Verklärten im Jenseits ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen sollten, variiert je nach Stellung und Geldbeutel. In der Regel waren es 365, einen für jeden Tag. Es konnten aber auch über 400 mit ins Grab gegeben werden. Einen Arbeiter für jeden Tag, einen Aufseher für jede Woche (10 Tage) und zusätzlich einen Aufseher für je einen Monat (30 Tage).

Kanopen

Diese zwei wunderschönen Scheinkanopen tragen die Köpfe von zwei der vier Horussöhne. In der Kanope mit dem schakalköpfigen Duamutef wurde der Magen aufbewahrt. Den Darm des Verstorbenen legten die Einbalsamierer in die Kanope des falkenköpfigen Kebehsenuef.
Mit freundlicher Genehmigung
© Ägyptisches Museum München
Scheinkanopen
Holz , bemalt wohl aus Theben
3. Zwischenzeit, um 1000 v. Chr. München, ÄS 27, 28

Kanopen

Die mumifizierte Eingeweide des Toten wurden in vier Kanopen aufbewahrt. Darm, Leber, Lunge und Magen verschloss man in ovale Gefäße, die ursprünglich mit einem flachen Deckel verschlossen waren. Im Neuen Reich stellten die Deckel den Kopf des Verstorbenen dar und ab der 18. Dynastie erhielten sie die Form der vier Horussöhne, die zusammen mit vier Göttinnen für den Schutz der Kanopen zuständig waren.

  • Den Darm bewachte der falkenköpfige Kebehsenuef und die Göttin Selket
  • die Leber der menschenköpfige Amset und die Göttin Isis
  • die Lunge der pavianköpfige Hapi und die Göttin Nephthys
  • der Magen der schakalköpfige Duamutef und die Göttin Neith

Der Gott Kanopus

Der Name „Kanope“ war die Folge einer Verwechslung. Die Menschen in Kanopus, bei Alexandria, verehrten in später Zeit den hellenistischen Gott Kanopus, dessen Körper die Form eines Kruges hatte. Die Antiquitätenhändler des vorletzten Jahrhunderts verwechselten die beiden Gefäße miteinander, so dass der Name Kanope bis zu der heutigen Zeit erhalten blieb.

gott-kanopus

In der Stadt Kanopus ließ Ptolemaios III. einen Tempel errichten, in dem Osiris in Form einer Vase mit dem Kopf des Gottes verehrt wurde. Die Antiquitätenhändler des vorletzten Jahrhunderts verwechselten die beiden Gefäße miteinander, so dass der Name Kanope bis zu der heutigen Zeit erhalten blieb.
1. Jh. nach Christus
Reichsmuseum Leiden, Niederlande

Weitere Grabbeigaben

Weitere Grabbeigaben waren ein → Totenbuch sowie → Amulette für die sichere Reise ins Jenseits, worauf in den einzelnen Themen noch mal gesondert eingegangen wird.