Tutanchamun war Inzest-Kind, hatte Knochenkrankheit und Malaria

Die Ergebnisse von Tutanchamuns DNA-Tests brachten einige interessante Dinge zu Tage. Der Pharao litt vor seinem Tod an diversen Erkrankungen und war ein Kind von Bruder und Schwester.

Fest steht nun, dass der Vater von Tutanchamun Echnaton war - vorausgesetzt die Mumie aus KV55 ist auch wirklich die von Echnaton. In dem Grab mit der vermeintlichen Mumie Echnatons sind die Namen auf dem Sarkophag ausgekratzt worden. Einige Forscher vermuten, dass Semenchkare, der direkte Nachfolger von Echnaton, hier bestattet wurde. Frühere Tests ergaben, dass es sich bei der Mumie um einen 20-25-jährigen Mann handelt. Nach der letzten Untersuchung sind sich die Wissenschaftler aber sicher, dass er zwischen 45-55 Jahren verstorben ist. Wenn diese Untersuchungsergebnisse stimmen, dann wird es sich bei der Mumie höchstwahrscheinlich um Echnaton handeln.

Tutanchamuns Großeltern waren Pharao Amenophis III. und die "Ältere Dame" aus dem Grab KV35, die nun mit ziemlicher Sicherheit als Königin Teje identifiziert werden kann. Seine Urgroßeltern waren Juja und Tuja (Eltern von Teje). Die Sicherheit der Verwandtschaftsgrade liegt bei 99,9%. Nur bei den beiden Föten, die in Tuts Grab gefunden wurden, war das Erbgut zu stark beschädigt, um mit Sicherheit sagen zu können, dass die beiden Tutanchamuns Kinder waren.
Ebenfalls unsicher ist die Verbindung von zwei Frauen, die den wissenschaftlichen Namen nach ihrem Fundort  KV21A und KV21B tragen. Die Dame KV21A könnte die Mutter der beiden Totgeburten gewesen sein. Dies konnte genetisch bisher aber noch nicht eindeutig identifiziert werden. Ebenso wenig ob es sich bei der Mumie dann folglich um Anchesenamun handelt (dann müsste die DNA auch mit Echnatons Mumie, der ja ihr Vater war, übereinstimmen). Weitere Tests an der Mumie sollen folgen.

Die Mutter von Tutanchamun ist ebenfalls identifiziert worden. Leider kennt keiner den Namen der Mumie, die nur den Namen KV35YL (Grab, in der die Mumie gefunden wurde + Abk. für "Younger Lady") trägt. Einige Forscher vermuteten, dass es sich bei der Frau um Nofretete handeln könnte aber die Altersangabe der Mumie, 25-35 Jahre, lassen Zweifel an dieser Theorie aufkommen. Bei einer Sache sind sich die Forscher aber sicher: Die Mumie in KV35 und Mutter Tutanchamuns war direkt mit Echnaton verwandt, vermutlich seine Schwester. (Lt Zahi Hawass seine Schwester, Albert Zink hingegen, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Untersuchung, sagte in der NZZ: "Ob es sich um seine Schwester oder seine eigene Tochter handelt, ist noch unklar.") Echnatons. Tut war also ein Inzest-Kind, was bei den Pharaonen aber nicht außergewöhnlich war. Aber wer war dann die Mutter? An keiner bisher gefundenen Stelle wurde erwähnt, dass Nofretete oder die oft benannte Nebenfrau Echnatons Kija, Töchter von Amenophis und Teje waren. Wir kennen 5 Schwestern von Echnaton: Nebetiah, Iset, Sitamun, Henuttaunebu und Baketaton (bei der nicht sicher ist, ob es sich um eine Tochter von Amenophis und Teje handelt.

Eventuell in Folge der Inzucht litt Tutanchamun an einer Knochenkrankheit am linken Fuß, der aseptischen Knochennekrose (Gefäßverschluss, der die Blutversorgung des Knochens blockiert). Der Fuß war keulenförmig (Klumpfuß). Knochenbereiche im zweiten und dritten Mittelfußknochen waren bereits wegen schlechter Durchblutung abgestorben. Wahrscheinlich schon von Geburt an, fehlte am zweiten linken Zeh der Mittelknochen, er war also kürzer als die anderen. Er konnte sich wahrscheinlich nur mit Hilfe eines Stockes fortbewegen, was eine Erklärung für die 143 Gehstöcke, einige mit Gebrauchsspuren, in Tuts Grab sein könnte. Außerdem hatte der Pharao an einer Gaumenspalte.
Tutanchamun litt vor seinem Tod an der schwersten Form von Malaria. Dies muss aber nicht unbedingt zum Tod geführt haben. An drei weiteren Verwandten fanden die Forscher Spuren des Malaria-Erregers Plasmodium falciparum.
Nicht zu vergessen wäre die Fraktur des linken Oberschenkels, die bei einem CT-Scan 2005 zu Tage kam. Die Wunde könnte sich entzündet und Tut daran gestorben sein. Vielleicht stürzte Tut wegen seiner Behinderung und zog sich infolge dessen diese Wunde zu. Oder die Kombination von allen seinen Leiden haben den Pharao so sehr geschwächt, dass er starb. Zumindest fand man in seinem Grab fiebersenkende Mittel und Salben.

Ausschließen können die Forscher, dass Echnaton und Tutanchamun an dem Marfan-Syndrom erkrankt waren. Einige vermuteten diese Diagnose, da sich vor allem Echnaton mit weiblichen Brüsten und Hängebauch abbilden ließ.
Die ganze Familie litt an der Skoliose, eine Verbiegung der Halswirbelsäule, die eine Buckelbildung zur Folge haben kann.

Auch das Alter einiger Verstorbenen wurde bekannt gegeben: Tuts Urgroßeltern Juja und Tuja (beide litten ebenfalls an Malaria) wurden zwischen 50-60 Jahre alt. Amenophis III. ebenfalls, Echnaton, wie bereits erwähnt, ca. 45-55 Jahre, Tutanchamun 19 Jahre.

Insgesamt wurden DNA-Tests und CT-Scans an 16 Mumien (5 aus einer anderen Herrscherdynastie) vollzogen. Zwei Jahre dauerte dieses Projekt, denn es war sehr schwierig den Mumien noch brauchbare Gewebeproben zu entnehmen. Die Mitarbeiter mussten sogar selbst Gewebeproben abgeben, damit keine Verwechslungsgefahr bestand. Ebenso durften sie nur in Schutzanzügen die Mumien berühren.
Die Proben durften nur von fachlich geschulten Ägyptern entnommen werden (wahrscheinlich laut Anweisung von Zahi Hawass), Ausländer, wie der Tübinger Humangenetiker Carsten Pusch und Albert Zink von der europäischen Akademie Bozen arbeiteten im Hintergrund und wurden als "klassische Teacher" (Pusch) eingesetzt.

Ein Artikel mit kritischen Stimmen und über die Neuinterpretation des Reliefs "Königspaar im Garten" im Neuen Museum Berlin findet ihr unter Tagesspiegel.de

Ein Interview mit Zahi Hawass, in dem er u.a. über weitere DNA-Analysen von der Familie Ramses II. spricht, findet ihr unter kurier.at

Auf der Webseite des Discovery Channels findet ihr einige englische Videoausschnitte von einer 2-teiligen Dokumentation über die DNA-Tests, die am 21. und 22. Februar 2010 in Amerika ausgestrahlt wurden.

Quellen:
Zahi Hawass' Blog
Discovery.com
Kurier.at

Stern.de
Welt.de

 

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