Neue Theorie zur Todesursache Tutanchamuns

An was Pharao Tutanchamun schon alles gestorben sein soll... Mordanschlag, Schwerthieb, Reitunfall,... und zuletzt die wenig spektakuläre Theorie, dass Tut an einer Mischung aus Malaria und der Köhlerschen Knochenkrankheit verschieden ist. Diese Todesursache zweifeln nun die beiden Mediziner Christian Timmann und Christian Meyer von dem renommierten Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg an.

Sie stellen die Theorie auf, dass der Pharao an der Sichelzellkrankheit gestorben ist. Bei dieser Erbkrankheit nehmen die roten Blutkörperchen eine Sichelform an und verschließen Blutgefäße. Organe und Knochen können so nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt werden.

Die Krankheit verläuft ähnlich wie die Köhlersche Knochenkrankheit und kommt evolutionsbedingt in Gebieten mit häufigem Malariabefall vor. Denn wenn nur ein Elternteil die sichelförmigen Blutkörperchen vererbt, sind die Kinder vor Malaria geschützt. Wenn die Anzahl aber zu hoch ist, kommt es zu Durchblutungsstörungen, die wie bei Tutanchamun zu einem frühen Tod führen kann. Da Tut aus einer Inzest-Beziehung stammt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass er an der Sichelzellkrankheit gestorben sein könnte.

An Malaria sterben in den allermeisten Fällen nur Kinder, so die beiden Wissenschaftler.
Mit Hilfe einer weiteren Untersuchung von Tutanchamuns DNA könnte die Sichelzellkrankheit nachgewiesen bzw. ausgeschlossen werden.

Quellen:
Spiegel Online
Zeit Online

Nachtrag 11.07.10:
Fast untergegangen in der Presse ist der Hinweis von Carsten Pusch, der Mitverantwortlich für die DNA-Tests an Tutanchamuns Mumie war. Im Gewebe habe es keine Anzeichen einer Sichelzellanämie gegeben, so Pusch. Dies schließe die Theorie der beiden Mediziner des Bernhard-Nocht-Instituts aber nicht aus, doch eine Untersuchung des Mumien-Gewebes ist sehr schwierig und würde viele Monate dauern. DNA-Stränge von Mumien sind zerstückelt, Basenpaare im Laufe der Jahrhunderte teilweise chemisch verändert. Doch Christian Timmann vom BNI bleibt bei seiner Theorie, dass man die Sichelzellkrankheit innerhalb eines Tages nachweisen könnte. Schon kurze DNA-Stränge mit 300 Basenpaaren würden normalerweise reichen, um innerhalb kürzester Zeit die Sichelzellkrankheit nachzuweisen, So Timmann.

Frank Rühli, Paläopathologe von der Universität Zürich, der die Mumie Tutanchamuns mit CT-Scans untersuchte, bestätigte Puschs Aussage, dass es nicht einfach wäre bei dem schlechten Zustand von Tutanchamuns Mumie die genaue Todesursache zu bestimmen. Es gäbe nicht nur Schwierigkeiten bei der Analyse der DNA, sondern die fehlenden Organe Tuts machen es schwierig, seine Krankheiten zu bestimmen. Zudem gäbe es keine wissenschaftlichen Aufzeichnungen darüber, wie der Zustand des Gewebes bei der Entdeckung 1922 war. Mit Hilfe der modernen Computertomografie und Molekulargenetik kann man zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit herausfinden ob eine Krankheit vorlag aber ob es auch die Todesursache war, wird nie eindeutig geklärt werden können, so Rühli.

Quelle:
Welt Online

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