Partyspaß mit
Mumien
Das Auswickeln von Mumien war im 19. Jahrhundert der Partyspaß schlechthin. So
lud z.B. der Hohenzollern-Prinz Friedrich-Karl im April 1883 in seinem Jagdschloss zum
Diner mit anschließendem Mumien-Auswickeln ein. Nachdem die feine Gesellschaft also
prächtig gespeist hatte, kam der Höhepunkt des Abends. Die Gäste versammelten sich vor
dem Billardtisch, auf dem die Mumie mit ihrem braunen Leinen lag und mit Spannung wurde
verfolgt, wie Stück für Stück die Mumie ausgewickelt wurde, bis das Antlitz einer
jungen Frau zum Vorschein kam. Trotzdem war die Enttäuschung riesengroß, denn man fand
weder Amulette noch Papyrusrollen, noch irgendetwas anderes. Die Kartonagehülle wurde dem
ägyptischen Museum Berlin übergeben. Was aus der Mumie wurde ist ungewiss. Man
munkelt
sie wurde als Brennholz in den Kamin geworfen.
Besondere Beachtung wurde der Auswicklung von Ramses II. zuteil, denn man glaubte, dass
während seiner Herrschaft die biblische Geschichte von Moses stattgefunden hat. 1886 lud
der Direktor des ägyptischen Museums Kairo die High Society ein und ließ die Mumie unter
großem Medieninteresse und in der Rekordzeit von 15 Minuten auswickeln.

Ausschnitt aus einem Plakat anlässlich der Auswicklung Ramses II. der Bostoner
Buchhandlung "The Old Corner Bookstore"
Privatsammlung
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