Einkaufen und Preise in Ägypten

Beim Einkaufen in Ägypten zahlt der unbedarfte Tourist wohl das meiste Lehrgeld, im wahrsten Sinne des Wortes. Bei meinem ersten Tassen-Kauf war ich stolz darauf, den Preis für fünf Tassen um über die Hälfte heruntergehandelt zu haben – aber letztendlich hatte ich dennoch das 5-fache zu viel bezahlt. Der Gipfel der Unverschämtheit war dann bei einem Einkauf im Souk (Bazar) von Luxor. Hier wollte ich mich mit wunderschönen Tüchern eindecken, die es dort in allen Farbvariationen überall zu kaufen gibt. Ich hatte mich vorher über den Preis eines Tuches informiert: ab 15 LE (je nach Qualität, ungefähr 1,80 €). Ich dachte erst, ich hör nicht richtig, als der Händler umgerechnet einen Preis von 95€ für die drei Schals haben wollte! Der Händler wurde dann schließlich so aggressiv und aufdringlich, dass wir den Laden schnell wieder verlassen haben – was ihn allerdings nicht daran gehindert hat, uns bis auf die Straße zu folgen und wild gestikulierend und mit vollem Körpereinsatz die Qualität seiner Waren anzupreisen.

Der Souk in Luxor

Jagdszenen

Wenn man solche Szenen, die so oder so ähnlich in den Händlergassen oder bei den fliegenden Händlern in den historischen Stätten stattfinden, verfolgt, fragt man sich unwillkürlich, ob die Ägypter nicht mehr Geld verdienen würden, wenn sie nicht so aggressiv verkaufen würden. Man wagt ja kaum einen Blick auf eine Ware zu werfen, aus Angst, man würde sofort angequatscht werden. Aber wer weiß wie wir verkaufen würden, hinge unsere Existenz von seidenen Tüchern ab.

Die Kunst des Feilschens

Bevor man die historischen Stätten errieicht (oder sie wieder verlassen möchte), muss man manchmal durch solche Einkaufsgässchen, die nicht selten in einem Spießrutenlauf ausarten

Feilschen ist nicht gerade das, was uns “Westlern” in die Wiege gelegt wurde. Auch ich tue mich da zugegebenermaßen noch schwer damit, da mir die gewisse Kaltschnäuzigkeit dafür fehlt. Letztendlich schlummern aber in vielen von uns derartige Talente bzw. gilt hier wie in so vielen Situationen im Leben auch: Übung macht den Meister. Die nachfolgenden Tipps klappen natürlich nicht immer aber sie geben zumindest eine gute Grundlage, um die Kunst des Feilschens zu erlernen.

Wenn ihr an einem typischen Touristenort oder in in einem typischen Touristengeschäft nach einem Preis fragt, könnt ihr mit an 100% grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich um einen Fantasiepreis handelt. Nun geht es es also ans Feilschen. Und das tut am besten nicht in Euro, wie euch oft angeboten wird, sondern lieber in Ägyptische Pfund. So behaltet ihr besser die Relation und könnt in kleineren Schritten runterhandeln als in Euro.

Kommt man in die Nähe des Assuan-Staudamms, kann man besonders pfiffige Händler antreffen. Sie vertauen ihr Boot mit dem Schiff und preisen ihre Waren an. Kommt es zum Kauf, müssen sowohl Händler als auch Touristen zielgenau werfen können

Überlegt euch am Anfang eine Schmerzgrenze, welchen Preis ihr höchstens ausgeben wollt und startet mit eurem ersten Gebot deutlich darunter. Natürlich wird das Geschreie bei so einem niedrigen Angebot erst einmal groß sein. Lasst euch nicht davon beeindrucken und habt immer eure Schmerzgrenze im Kopf. Wenn ihr kurz vor eurem Limit angekommen seid und keine Einigung in Sicht ist, kehrt dem Händler den Rücken und geht ein paar Schritte weiter. Der Händler wird euch folgen und mit seinem Preis noch weiter runtergehen und bestenfalls eure Schmerzgrenze erreichen. Vielleicht liegt eure Schmerzgrenze aber weit unter der seinen, was ihr in der Regel an der hartnäckigen Wiederholung des Preises, gepaart mit Ausführungen über die Vorzüge und der Schönheit seines Artikels erkennen könnt. Wenn der Händler dann partout nicht mehr runtergehen möchte, könnt ihr noch versuchen, den letzten Trumpf zu ziehen und den Betrag zücken, den ihr zu zahlen bereit seid. Bargeld hat oft eine überzeugendere Wirkung als Worte.

Was ist der richtige Preis?

Bei diesem Tuchhändler in Kom Ombo kann man wunderschöne Tücher kaufen – und wenn man gut feilschen kann auch zu einem ordentlichen Preis. Zumindest hatte ich hier mehr Glück als im Souk in Luxor

Der Pferdefuß an der Kunst des Feilschens besteht in der Frage: Wie hoch ist denn eigentlich der Preis? Bestenfalls erkundigt ihr euch vorher wie hoch der Preis für euer Souvenir sein soll, z.B. wie der aktuelle Goldpreis liegt (an der Hotelrezeption). Wenn ihr dazu keine Möglichkeit habt oder ihr einen Spontankauf tätigen wollt, gab mir ein Freund den folgenden Tipp: Warte darauf, was der Händler als ersten Preis nennt und nimm als Schmerzgrenze 10% dieses Preises. Schlägt der Händler also 400LE vor, dann habe 40LE im Kopf. Natürlich ist das eine sehr einfache Rechnung, die auch nur für die typischen Touristengeschäfte oder die fliegenden Händler in den Touristenhochburgen gilt. Manchmal ist auch ein wenig mehr als 10% ein gerechtfertigter Preis für eine Ware, manchmal habt ihr damit auch noch zu viel bezahlt (siehe Tuchhändler). Aber als Leitlinie sollte euch das schon ein wenig helfen.

Warum sollte ich nicht einfach den “höheren” Preis zahlen?

Einige von euch mögen sich jetzt vielleicht denken, ob ich nun 10€ oder 1,80€ für ein Tuch ausgebe, billiger als in Deutschland ist das allemal und ich tue den Menschen hier was Gutes – gerade in der momentanen Situation in Ägypten. Richtig. Aber beim Einkaufen in Ägypten solltet ihr dennoch immer im Hinterkopf behalten, wie niedrig die Löhne dort sind. Die Ägypter verdienen nur einen Bruchteil von dem, was wir hier verdienen und wenn wir dem Tuchhändler sein verlangtes Geld gegeben hätten, dann hätte er zwei Monatsgehälter eines Lehrers erhalten. Man muss also immer die Relation sehen und sollte sich nicht zu sehr übers Ohr hauen lassen.

Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Einige Ägypter verstehen sich sehr gut darin, Touristen in den Laden zu locken. Oft verwickeln sie ihr “Opfer” so geschickt in ein Gespräch, dass man die Hinterlist erst bemerkt, wenn man schon mit einem Bein im Laden steht. Da können sich unsere Vertriebler hier noch eine Scheibe von abschneiden ;-) Die beliebteste Masche der Händler ist: Vertrauen aufbauen. Das kann ein deutscher Bekannter in Berlin, Düsseldorf, Köln usw. sein oder das Überreichen einer einfachen Visitenkarte und eh man sich versieht, werden einem schon die Waren oder Dienstleistungen angepriesen.

“Tupperfahrten”

Auch Taxifahrer wittern mit dieser Masche den Geruch des Geldes und schleppen einen in die Alabasterfabrik des “Bruders” und in die Papyrusfabrik des “besten Freundes”.

Diese Schlepper erhalten 30-50% des Verkaufspreises – ebenso wie die Reiseleiter, die ihre Touristengruppe in solche Läden führen. Die 30-50% Provision für den Schlepper schlägt der Verkäufer natürlich auf seinen Preis auf, schließlich will er ja kein Minusgeschäft machen. Daher solltet ihr bei Läden, die an Hauptverkehrsstraßen liegen und von großen Touristenbussen angesteuert werden, generell mit diesem Aufschlag rechnen.

Gewürzhändler

Bei einem Gewürzhändler

Auf eine Masche bin ich leider beim letzten Mal auch reingefallen (ja ja, man lernt nie aus ;-) ). Ein Gewürzhändler stopfte meine gewünschte Gewürzen in kleine Tütchen und erst am Ende zählte er alles zusammen und heraus kam ein stolzer Preis. Auf Feilschversuche ging er überhaupt nicht ein und da ich es als gut erzogene Frau es nicht übers Herz brachte zu sagen, er soll die 12 Päckchen wieder auspacken und sich zum Teufel scheren, habe ich mit Murren den ganzen Preis bezahlt. Eine Begleiterin, die des arabischen mächtig ist, hat vielleicht nur ein Viertel von meinem Preis bezahlt. Also: lieber den Preis bei jedem Gewürzbeutelchen einzeln ausmachen und merken oder irgendwo aufschreiben.

Taxifahrer

Zum Edfu-Tempel werden Reisende mit einer Kalesche kutschiert. Aber auch an anderen Orten lohnt sich die Fahrt an frischer Luft, um Eindrücke von Land und Leuten zu erhalten

Einem Fahrer (egal ob Taxi, Kalesche oder Felukke) solltet ihr das vorher ausgemachte Geld übrigens immer sofort geben – es sei denn er soll bei einem verabredeten Punkt auf euch warten, dann natürlich erst am Schluss – sonst kann er sich auf einmal nicht mehr an den richtigen Preis erinnern und verlangt mehr als vorher ausgemacht. Das Geld solltet ihr möglichst passend haben, sonst heißt es hinterher eh immer, er hätte kein passendes Geld zum Wechseln.

“Gute Qualität”

Einkaufen in Ägypten heißt immer aufpassen wie ein Luchs. Der Händler wird manchmal nicht nur versuchen, euch mit seinen Preisen übers Ohr zu hauen, sondern euch auch das Blaue vom Himmel versprechen, was die Qualität und Echtheit seiner Waren betrifft. Echte antike Stücke erweisen sich oft als billige Nachmache (generell solltet ihr “angeblich Echtes” gar nicht erst kaufen, denn es drohen empfindliche Gefängnisstrafen, wenn ihr erwischt werdet). Der hochwertige Papyrus erweist sich als billige Fälschung aus Bananenblättern (erkennt ihr, wenn beim Knicken die Ecke abbricht). Wunderbar duftendes Parfümöl kann mit Speiseöl-Fusel versetzt sein, usw.

Wenn Preise auf den Waren stehen

Die Preise auf den Waren sind IMMER ägyptische Pfund und nicht Euro, Dollar oder sonst was, auch wenn die Währungseinheit nicht explizit vermerkt ist. Wenn es keine typischen Touristenshops sind, wird hier übrigens auch nicht gefeilscht (siehe oben).

Preise in Ägypten

  • Tuch/Schal: ca. 15 LE
  • echter Papyrus: ab 50 LE
  • Tasse: ca. 10 LE
  • Porto für Postkarte: 2,50 LE (Stand 2012)
  • 1,5 l Mineralwasser: 2,50 LE
  • reines Parfüm 10 ml: 25 LE
  • Parfümflakons: ab 20 LE (je nach Größe)
  • Pizza bei Pizza Hut: ca. 30 LE
  • Kugelschreiber: ca. 5 LE