Sammlerleidenschaften
Im 19. Jahrhundert wollte unbedingt jeder der was auf sich hielt, einen
altägyptischen Gegenstand in seiner antiken Sammlung haben. Dafür wurden horrende Preise
bezahlt und manche Antiquitätenhändler rochen das gute Geschäft. Also machte man sich
mit Arbeitern und Spitzhacken auf, um Objekte aus Gräbern zu entfernen und besonders
schöne Grabreliefs rauszuhacken und auf dem europäischen Kunstmarkt zu verschachern..
Auch wenn jetzt vielleicht einige den Kopf schütteln werden: die dadurch erstandenen
Antiquitäten bilden heute den größten Bestand der ägyptischen Sammlungen in den Museen
von Paris, London, Leiden, Turin und Berlin.
Aber auch für Privatpersonen war es "Pflicht" sich ein passendes Souvenir aus
Ägypten mitzubringen. Dies reichte von einem kleinen Amulett bis hin zu einem riesigen
Sarkophag, inklusive Mumie für die nächste Mumien-Party. Wer nicht nach Ägypten reisen
konnte oder wollte, für den bestand noch die Möglichkeit ägyptische Objekte auf
Auktionen zu erwerben. Besonders beliebt waren hierbei natürlich auch Mumien, wobei
einige, zum großen Ärger so mancher Käufer, eine gut verpackte Fälschung waren. Beim
Auswickeln stieß so mancher einfach nur auf ein Stück Holz oder bei Kindermumien kam
dann auch mal ein einbalsamierter Vogel zu Tage. Einige Sammlungen großer ägyptischer
Museen haben auch heute noch in der Tiefe ihrer Magazine solche Fälschungen liegen.
Neben antiken Objekten waren ägyptische Repliken und Möbel mit ägyptischen Touch
"in". Dies reichte vom Wandteller über dem Kerzenständer bis hin zur eigenen
Sphinx, die im privaten Garten aufgestellt wurde.

Wandteller mit Ägypterin
um 1870/80
Gustav-Lübcke-Museum Hamm
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