Die Priester

Von 'Vollzeit-' und 'Teilzeit'- Priestern

Sem-Priester mit Leopardenfell im Grab des Roy

Sem-Priester mit seinem für ihn typischen Leopardenfell
Grab des Roy (TT255), Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Ein Leben neben dem Gottesdienst

Die ägyptische Priesterschaft konnte man in zwei Klassen unterteilen

  • Die „Vollzeit-Priester“, die ihr ganzes Leben dem Dienst an ihrem Gott widmeten, nannten die Ägypter „hem-netjer“, was so viel wie „Gottesdiener “ hieß.
  • Es gab aber auch „Teilzeit-Priester“, die so genannten wab-(„Reinigungs“-) Priester. Arbeiter der gemeinen Klasse, wie Staatsbeamte, Handwerker oder Bauarbeiter konnten sich für einen Monat im Jahr für den Dienst eines Gottes verpflichten. Diese Priester traten hauptsächlich im Bereich der Totenrituale in Erscheinung. Sie waren Gast bei Bestattungen, wo sie Gebete für den Toten sprachen und Opfergaben darbrachten.

Ränge und Titel

Ähnlich wie bei den Beamten gab es auch bei den Priestern unterschiedliche Ränge und Titel

An oberster Stelle stand der Hohepriester, der den Titel „erster Gottesdiener“ (hem-netjer-tepi) trug. Als Stellvertreter galt der 2. Hohepriester und teilweise gab es sogar einen dritten und vierten Stellvertreter.

Weitere wichtige Titel waren:

  • der Vorlesepriester (cheriheb): bei Toten- und Kultritualen rezitierte er magische Texte und Kultformeln. Er trug eine breite Schärpe über seiner Brust
  • der sem-Priester: war sehr wichtig für Bestattungsrituale. Er führte das Mundöffnungsritual durch, damit die Seelen des Verstorbenen wieder in seinen Körper zurückkehren konnten. Ein typische Kleidung dieses Priesters war das Leopardenfell.