Zentrum des Wissens und Mammons

Manchmal nicht sehr religiös

Wer glaubt, dass in einem ägyptischen Tempel nur dem Dienst eines Gottes gefrönt wurde, der irrt. Die Tempel waren vielmehr riesige Verwaltungszentren, in denen sich Schreiber um Ländereien, Bedienstete und Berge von Reichtümern kümmerten.


Diese Reichtümer stammen aus den wirtschaftlichen Erträgen des Tempels und aus Schenkungen, die vom Pharao und der Oberschicht stammten. Die Menschen erhofften sich damit, die Gunst des jeweiligen Gottes zu erkaufen. Zur Zeit Ramses III. besaß der Tempel des Amun alleine 2300 Quadratkilometer Ackerland. Weinbaugebiete, Gärten, Steinbrüche und weitere Ländereien nicht mitgerechnet.


Wirtschaftszweig Tempel

Auf den Ländereien eines Tempels arbeiteten einfache Arbeiter wie Bauern, Fischer, Viehhirten oder Vogelfänger, die Angestellte des Tempels waren. Arbeiter für den alltäglichen Bedarf wie Bäcker, Brauer und Weber waren dem Tempel unterstellt.

Wirtschaftsimperium!
Zur Zeit Ramses III. (ca. 1183-1152 v. Chr.) beschäftigte der Amun-Tempel in Theben 81 322 Menschen, besaß 42 1362 Stück Vieh, 2393 km2 Felder, 83 Schiffe sowie 433 Gärten
aus dem Papyrus Harris I.

Handwerker wie Bildhauer, Töpfer, Juweliere, Sattler, Schuster, Tischler, Maurer, Maler, Gerber, Seiler usw. gehörten ebenfalls zu einem Gotteshaus und belieferten dessen Schatzhaus mit ihren Produkten. Tänzer- und Sängerinnen sorgten für die Unterhaltung der Götter.

Waffen und Streitwagen

Wenig religiös aber zweckmäßig war die Herstellung von Waffen und Streitwagen, die ebenfalls zu den Tempelwerkstätten gehören konnten. Selbst Soldaten konnten den Tempeln des Landes untergeben sein.

Viehbestand des Amun-Tempels

Viehbestand des Amun-Tempels
Grab des Userhat (TT56), Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Import und Arbeitgeber

Für den täglichen Kult an den Gott mussten neben Lebensmitteln auch allerlei weitere Dinge herangeschafft werden, wie Kleidung, Parfum, wertvolle Öle und kostbare Salben, um die Herzen der Götter zu erfreuen. Natürlich mussten auch die Priester und weiteres Tempelpersonal für ihre Dienste bezahlt werden.

Zentrum des Wissens

Ein ägyptischer Tempel war auch Zentrum des Wissens. Schriftrollen mit antiken Texten und magischen Formeln wurden in den Archiven aufbewahrt. Schüler lernten im „Haus des Lebens“ die Methoden der Wissenschaft, der Medizin und Magie. Astronomische Beobachtungen wurden notiert und daraus ein Festkalender geschrieben.