Das Zweibrüdermärchen

Anfang

Die Abenteuer von Bata und Anubis

Für mich eines der schönsten Märchen des alten Ägypten, obwohl die Frauen dort nicht gerade gut wegkommen 😉 Kaum zu glauben, dass diese Geschichte vor 3000 Jahren auf einen Papyrus geschrieben wurde. Sie ähnelt eher einem Märchen der Gebrüder Grimm als eine antike Erzählung. Sprechende Tiere, böse Frauen, ein Herz auf einer Zeder, göttlicher Beistand und natürlich ein starker und gerechter Held.

Die hier vorliegende Übersetzung ist dennoch sehr nah am Original, daher mag manches für unsere Ohren heute etwas merkwürdig klingen. Aber da es schon genug fein herausgearbeitete Versionen gibt, möchte ich euch das Zweibrüdermärchen hier ungeschliffen präsentieren. Nur einige Zusätze habe ich für ein besseres Verständnis des Textes in Klammern dazu geschrieben, für eine bessere Lesbarkeit habe ich die vielen „unds“ am Satzanfang weggelassen und einige Absätze in Kapitel/mit Überschriften unterteilt.

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Der Anfang des Zweibrüdermärchens, transkripiert in Hieroglyphen

Kapitel 1

Was sie betrifft so sagt man: Es waren zwei Brüder von einer Mutter und einem Vater. Anubis war der Name des älteren, Bata der Name des jüngeren.

Und was Anubis betrifft: er hatte ein Haus, er hatte eine Frau und sein jüngerer Bruder war bei ihm in der Art eines Sohnes. Er war derjenige, der für ihn Kleidung machte und er ging stets hinter seinen Rindern hin zu den Feldern. Er war derjenige der pflügte, er war derjenige der für ihn erntete und er war derjenige, der für ihn alle Aufträge erfüllte, die auf dem Feld waren.

Außerdem war sein jüngerer Bruder ein guter Kämpfer. Nicht gab es Seinesgleichen im ganzen Land, denn es gab die Stärke eines Gottes in ihm.

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Ausschnitt des Originaltextes in hieratischer Schrift.
Papyrus D’Orbiney aus der 19. Dynastie
British Museum in London
By ancient Egyptian [Public domain], via Wikimedia Commons

Kapitel 2

Nachdem einige Tage vergangen waren nach diesem, war sein Bruder hinter seiner Viehherde nach seiner täglichen Gewohnheit. Er kehrte zurück zu seinem Haus wie jeden Abend und er war beladen mit allen Kräutern des Feldes, mit Milch, mit Holz und allen guten Dingen des Feldes.

Er legte sie vor seinem älteren Bruder. Er (der ältere Bruder) saß mit seiner Frau und er trank und er aß. Er (Bata) ging hinaus, um in seinem Stall zu schlafen, inmitten seiner Viehherde

Kapitel 3

Nachdem das Land hell geworden war und der nächste Tag entstanden war (wörtlich: als ein 2. Tag entstanden war) (ein paar Hieroglyphen sind hier zerstört) … indem sie erhitzt waren. Er legte sie vor seinem älteren Bruder und er gab ihm Brote für das Feld. Er holte herbei seine Rinder, um zu veranlassen, dass sie auf den Feldern essen. Er zog los hinter seinen Rindern und sie (Anubis und seine Frau) sagten zu ihm: „Gut sind die Kräuter an diesem und jenen Ort“ Und er hörte stets auf all das was sie sagten.

Er führte sie zu dem guten Ort der Kräuter, den sie sich wünschten. Die Rinder unter seiner Aufsicht waren außergewöhnlich prächtig und ihr Nachwuchs verdoppelte sich außerordentlich sehr.

Kapitel 4

Und als die Zeit des Pflügens kam, da sagte sein älterer Bruder stets zu ihm: „Lass für uns ein Rindergespann vorbereiten, um zu pflügen, denn der Acker ist herausgekommen, indem er gleichermaßen gut zu pflügen ist. Komm das Saatgut tragend zum Feld, denn wir werden am Morgen beginnen zu pflügen“, so sprach er zu ihm.

Daraufhin erledigte sein jüngerer Bruder alle Angelegenheiten, von denen sein großer Bruder gesagt hatte: Mache dies!