Der Osiris-Mythos

Zeugung und Geburt von Horus

Und die Flucht vor Seth

Wieder in Ägypten, zog Isis die Lade an Land, wo bereits Nephthys auf sie wartete. Beide stimmten einen magischen Gesang an, der so stark war, dass die Wärme und der Lebensatem wieder in Osiris Glieder flossen.

Gerade lang genug, damit Isis mit ihm ein Kind zeugen konnte. Aber Seth bekam Wind davon, schnappte Isis und sperrte sie in seinem Kerker ein. Doch Anubis half seiner Stiefmutter aus dem Gefängnis zu fliehen und sie versteckte sich in den Sümpfen. Als der Tag der Geburt kam, lag Isis in schlimmen Wehen. Ihr Sohn wollte einfach nicht das Licht der Welt erblicken. Doch auf einmal tauchten zwei Götter vor ihr auf, beschmierten ihre Stirn mit Blut (als ein Zeichen von Leben) und schließlich riss ihr Bauch auf und ihr Sohn sprang heraus.

Isis und Nepthths vor der Bahre Osiris

Der schakalsköpfige Anubis balsamiert den Körper von Osiris ein. Isis (links) und Nephthys knien vor der Bahre des Osiris. Ihre Hände liegen auf einen schen-Ring, einen Symbol für Ewigkeit.
Grab des Maya
Neues Reich, 18. Dynastie

Isis war sehr glücklich über die Geburt ihres Sohnes, dem sie den Namen Horus gab. Doch ihre Freude währte nicht lange. Thot erschien und drängte Isis, vor den herannahenden Seth zu fliehen. Er empfahl ihr, sich so lange zu verstecken, bis ihr Sohn alt genug wäre, auf dem Thron Ägyptens zu sitzen. Und so entschloss Isis, sich mit ihrem Sohn noch tiefer in den Sümpfen des Nildeltas zu verstecken.

Horus im Papyrusdickicht

Der Horusfalke sitzt im Papyrusdickicht
Tempel von Philae

Die sieben Skorpione der Isis

Die Göttin Selket schickte Isis sieben Skorpione zu ihrem Schutz. Zusammen mit ihrem Sohn und den Skorpionen streife Isis rastlos durch die Sümpfe des Deltas. Schließlich kamen sie zu einer kleinen Ansiedlung und zu dem Haus einer wohlhabenden Dame, die beim Anblick von Isis und ihren Begleitern erschrocken die Tür vor ihnen schloss, worüber Isis sehr verärgert und verletzt war.

Schließlich fand die Göttin Unterschlupf in dem Haus einer anderen Frau, doch Isis war immer noch erzürnt über das Verhalten der feinen Dame. Also übertrugen sechs der Skorpione ihr Gift an den siebten mit dem Namen Tefen. Dieser krabbelte zurück zu dem ersten Haus, schlüpfte durch einen Spalt unter der Tür ins Zimmer und stach den Sohn des Hauses mit dem Gift von sieben Skorpionen.
Verzweifelt rannte die Mutter aus dem Haus und erbat Hilfe für ihren totkranken Sohn. Doch dieses Mal war sie diejenige, die keine Hilfe fand. Schluchzend sah sie ihren Fehler ein, denn nun hatte sie am eigenen Leibe erfahren, wie es ist, alleine zu sein und keine Hilfe zu erhalten. Und so hatte Isis doch noch Mitleid mit ihr und sie schickte ihre Skorpione fort, um das Gift aus dem Körper des Jungen zu entfernen.

Horus liegt im Sterben

Einige Zeit später verließ Isis ihre Unterkunft in der Gestalt einer Bettlerin und die große Göttin bettelte für sich und ihren Sohn um Essen. Als sie wieder zurückkehrte, lag Horus weinend auf dem Boden und Speichel rann aus seinem Mund. Isis gab ihm die Milch einer göttlichen Brust zu trinken doch nichts geschah. Isis war außer sich vor Verzweiflung, als schließlich eine Frau vorbei kam und die Wurzel des Übels erkannte: Horus war von einem Skorpion gestochen worden.

Die Welt in Dunkelheit

Isis sagte sofort alle Zaubersprüche auf, die sie kannte, doch wieder geschah nichts. Schließlich kam Thot zu ihr und er erzählte Isis, dass er direkt von der Sonnenbarke kommen würde. Sie würde still stehen, die Welt wäre in tiefer Dunkelheit und die Barke würde erst wieder weiterziehen, wenn der zukünftige Sonnengott wieder geheilt sein würde. Isis machte ihm zuerst Vorwürfe, dass er so spät zu ihr gekommen war, doch Thot ließ sich dadurch nicht beirren und rezitierte eine lange magische Formel. Thots Zaubersprüche hatten Erfolg und Horus gesundete.

Thot gab Horus in die Obhut der Göttin Uto, die in Pe – einer Stadt auf einer schwimmenden Insel – residierte. Isis löste die Seile, welche die Insel festhielten und diese trieb so tief hinein in die Sümpfe, dass weder Gott noch Mensch sie finden konnte.