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In der Stadt
Eine typische altägyptische Stadt bestand aus einem Gewirr aus Straßen,
engen Durchgängen und Sackgassen. Häuser wurden dorthin gebaut, wo noch
Platz war. Ganze 182 Häuser aus allen möglichen Schichten drängelten
sich nach einer "Ortsliste vom Westen Thebens" aus dem Neuen
Reich zwischen den Tempeln Sethos I. und Ramses III. (ca. 2 1/2 km,
unterbrochen von weiteren Tempeln)
Wegen Platzmangels baute man einfach auch mal ein paar Stockwerke auf
sein Haus.
Erbaut wurden die Häuser aus kurzlebigen Lehmziegel. Daher hatten die Häuser
eine Lebenszeit von höchstens 30 - 40 Jahren. Auf Überresten von alten Häusern wurde einfach ein neues
errichtet, weshalb manche Häuser etwas höher lagen als andere.
In Städten muss regsame Betriebsamkeit geherrscht haben. Etliche Menschen
wie Händler, Barbiere, Bäcker und Wäscher tummelten sich in den
Straßen. Diebe und Betrunkene trieben ihr Unwesen in den Gassen.
Schenken und was wir heute als Rotlichtbezirke bezeichnen gehörten
ebenfalls zum Stadtbild.

Dieses Haus wurde zum
Schutz vor Überflutung auf einer Anhöhe gebaut.
Auf dem Dach befinden sich die trichterförmigen Windöffnungen, in denen
die Luft hereinströmen konnte.
Die Bäume vor dem Haus waren sowohl Zierde als auch Schattenspender
Neues Reich, 18. Dynastie

Die Häuser
Die Wohnhäuser der
Ägypter waren einfach und zweckmäßig gebaut. Sie hatten eine
rechteckige Form, waren weiß bemalt um die sengende Sonne zu reflektieren
und meistens nicht mehr als zwei
Stockwerke hoch. Die Häuser selbst bestanden aus getrocknetem Schlamm,
der zu Ziegeln verarbeitet wurde.
Dattelpalmstämme beim einfachen
Volk und ausländische Hölzer bei den Reichen dienten als Dachbalken. Das fertig gestellte
Mauerwerk kleidete man mit einer Lehmschicht aus.
In jedem Haus, egal, ob es einem
Wohlhabenden oder Armen gehörte, gab es einen Eingangsbereich, einen zentral
gelegenen Wohnbereich und eine Küche.
Um sich vor der heißen Sonne und neugierigen Blicken zu schützen, waren die Fenster sehr klein
und weit oben im Zimmer angebracht, wodurch die Räume nur mit dämmrigem
Licht beleuchtet wurden.
Lüftungslöcher sollten den kühlen Nordwind einfangen, der als
göttlicher Atem Atums galt. In manchen Häusern gab es trichterförmige Öffnungen, die
den Luftstrom ins Gebäudeinnere weiterleiteten. In den heißen
Jahreszeiten schliefen und trafen sich die Ägypter abends auf dem Dach.
In Deir el-Medinah waren die größten Häuser 27 Meter lang und 6 Meter breit, die
kleinsten 13 Meter lang und 4 Meter breit. Die Reichen in Achet-Aton
lebten in 20 - 28 Zimmern.

Querschnitt eines Hauses
in Deir el-Medinah
(1) Straße. Eingang des Hauses mit zwei, drei Treppen, die nach unten zum ersten
Raum führten (2) quadratischer Raum mit Deckenöffnung für Licht und Luft. In
einer Ecke eine Art Bettschrank, aus Lehmziegeln gemauert, der 75 cm über
den Boden lag. Die Wände waren unten weiß gestrichen. Eine kleine Treppe
führte zum nächsten Raum. (3) Dies war in der Regel das größte Zimmer.
Die Decke war höher und bestand aus Palmholz und Stroh, das von zwei
hölzernen Säulen gestützt wurde. Auch hier schien das Licht wieder von
einem hoch gelegenen Fenster rein. In dem Raum befanden sich
Götterschreine und so genannte Scheintüren, Nischen in den Wänden, vor
denen geopfert wurde. Der Hausherr empfing seine Gäste auf einem
niedrigen, aus Lehmziegel gebautem Podest. Daneben befand sich eine
Falltür, die zum Keller führte. (4) Im kühlen Keller wurden
Lebensmittel sowie die wichtigsten und
wertvollsten Güter aufbewahrt. (5) Dieses Zimmer war kleiner als der
Hauptraum. Hier schliefen die Bewohner und hier lagerte man ebenfalls
Lebensmittel. (6) Diese Treppe führte hinauf aufs Dach, wo man die Kühle
des Abends genoss. (7) Hier befand sich die Küche. Auch in diesem Raum
fand man oft einen Schrein mit einer Gottheit. Lebensmittel zogen
neben Ungeziefer auch gefährliche Tiere an, weswegen sich die Bewohner
des Hauses von einem Götterschrein Schutz erhofften. (8) Manchmal führte
eine Treppe hinab zu einem zweiten Lagerraum.

Rekonstruktion
einer Villa in Achetaton
Das Anwesen aus dem Neuen Reich erstreckte sich über 3000 Quadratmeter. Durch
dem bewachten Haupteingang, der Name und Rang des Hausherrn verriet,
gelangten Besucher in das Haus. Frauen und Kinder lebten in kleineren
Räumen, während der Hausherr in einer Luxussuite mit Duschzelle,
Salbungsraum und Toilette residierte.

Das
Leben in den Häusern
Die Küche lag in
der Regel im hinteren Teil des Hauses, bei Villen auch in Nebengebäuden.
In der Ecke befand sich ein Mahlstein, auf dem Mehl und Schrot hergestellt
wurde, sowie ein kleiner Ofen zum Brotbacken und eine gemauerte
Feuerstelle zum Grillen und Kochen. Da das Essen auf offenem Feuer gekocht
wurde, hatte die Küche kein festes Dach. Trotzdem breitete sich der Rauch
im gesamten Haus aus und schwärzte die Decken. In vielen Mumien konnte
man Rußablagerungen in der Lunge feststellen.
Die Vorräte wurden in große und kleine Tongefäße gelagert, die zudem
beschriftet waren. Verderblichere Lebensmittel befanden sich in kleinen
Vorratskellern, die von der Küche aus über eine Treppe erreichbar waren.
Die wohlhabenden Bürger schliefen in einem Bett, das auf einem
erhöhten Podest stand. So wollten sie sich vor kriechenden Tieren, wie Skorpione
schützen. Kleidung und andere Sachen, wie Schmuck, verstaute man in Kästen
und Truhen aus Holz und Flechtwerk.
Die Armen hatten es meist nicht so gut. Sie schliefen auf einfachen Matten
und teilten sich ihre kleinen Behausungen mit Vieh und bis zu zwei Dutzend
Personen.
Reiche Bürger genossen zudem die Vorzüge eines Badezimmers, obwohl es
kein fließendes Wasser gab. Die Toilette war ein einfacher Holzsitz auf
Ziegelsteinen, unter dem ein halb mit Sand gefülltes Gefäß stand. Die
Armen hatten vermutlich auch eine sanitäre Einrichtung, wobei die nur aus
einem Topf mit Sand bestand, der irgendwo in der Zimmerecke stand.
Vergeudet wurden die Fäkalien nicht. Zusammen mit denen von Tieren wurden
sie auf dem Dach getrocknet und als Brennmaterial weiterverwendet.
Die Reichen konnten auch in den Genuss einer "Dusche" kommen.
Ein Diener übergoss seinen Herrn mit einem Gefäß Wasser, wobei ein Rohr
das Abwasser durch ein Loch in der Badezimmerwand wieder abfließen ließ.
Das Abwasser wurde wahrscheinlich nicht vergeudet und für die
Bewässerung der Pflanzen weiter verwendet.

Schöner Wohnen
Bemalungen an
Wänden und Säulen ließ den Wohnbereich häuslicher erscheinen. An
manchen Wänden hingen Behänge aus bunt gefärbtem Leinen. Auf dem Boden
lagen aus Pflanzenfasern geflochtene Matten die auch als Schlafunterlage
dienten.
Stühle waren im Neue Reich der Hit. Bei, für einen Beamten
lächerlichen 4-8 Deben das Stück, konnte sich jeder
Höhergestellte ein
paar mehr leisten. Die Varianten gingen von einem einfachen Schemel und einem
Klappstuhl bis hin zu Sesseln. Je nach Vorliebe mit Rücken- oder
Armlehne. Natürlich gehörten zu einem anständigen Haus auch Tische.
Dabei gab es keine Festtafeln, sondern bei Feiern bekam jeder Gast seinen
eigenen kleinen Tisch.
Das Material der Tische und Stühle bestand entweder aus Holz oder aus
stabilem Flechtwerk. Die Tischplatte wurde auch aus Kalzit-Alabaster
oder Ton angefertigt.
Um den Gesamteindruck nicht zu zerstören, legte man sehr großen Wert auf
eine saubere Behausung ohne Ungeziefer. Einige medizinische Papyri
sprechen von allerlei Bekämpfungsmittel wie Natronwasser gegen Flöhe.
Vor allem die Armen hatten aber trotzdem mit Ungeziefer zu kämpfen. In
den Mumien fand man Nissen, in den Zimmerecken Rattenlöcher, die
wahrscheinlich wenig effektiv, einfach mit Lumpen und Steinen verstopft
wurden.
Besonders während der Überschwemmungszeit mussten Fliegen und
Stechmücken eine Qual gewesen sein. Einwohner, die in der Nähe von
Sumpfgebieten wohnten, hängten Moskitonetze auf, die sie aus ihren
Fischernetzen angefertigt haben.
Die Wasserversorgung
war durch Brunnen gewährleistet, die unterirdisch vom Nilwasser gespeist
wurden. Reiche Bewohner hatten ihren eigenen Brunnen, Ärmere mussten zu
einer öffentlichen Anlage gehen. Wenn die Stadt weit in der Wüste lag,
wie Deir el-Medinah, musste das Wasser mit Eseln oder per Hand
herangeführt werden. Das Wasser wurde in große Keramikbehälter
untergebracht, die rings um die Hauptsiedlungen verteilt waren und von
dort aus weiter verteilt wurden.
Der Abfall wurde einfach im Nil beseitigt oder in große Gruben geworfen.
Etliche beschriebene Stein- und Tonscherben fanden die Archäologen in
solchen Gruben.

Der Garten
Der Garten schien
der Stolz eines jeden angesehenen Ägypters gewesen zu sein. Warum sonst wurden in Privatgräbern immer wieder von solchen Anlagen berichtet? Ein
Beamter namens Ineni, der Anfang der 18. Dynastie lebte, zählt akribisch
alle 540 Bäume auf, die er sich in einem Wüstenareal mit großer Mühe
hat anpflanzen lassen.
Wunderschöne Blumen, schattenspendende Bäume und ein Wasserbecken zur
Bewässerung zierte den Garten eines jeden wohlhabenden Bürgers.
Besonders beliebt war der Lotus, der weiß und blau in den Gärten
blühte. Der Sonnengott Re soll der Sage nach aus einer Lotosblüte
erschienen sein. Teiche mit Schilf und vielen bunten Fischen luden zum
Verweilen ein. In schattigen Lauben und weinbewachsenen Pergolen aus
Papyrusstengeln wurde so manches Schläfchen gehalten, unter Feigenbäumen
und Dattelpalmen gelustwandelt. Damit der wohlhabende Bürger nicht
gestört wurde, waren die großen Gärten mit Ziegelmauern vor den Blicken
Neugieriger
geschützt.
Der Garten war aber nicht nur für Mußestunden gedacht. Der Anbau von
Nahrungsmitteln sollte die Bewohner des Hauses schnell und leicht
versorgen können. Selbst die Armen besaßen manchmal kleine
Gemüsegärtchen. Ein eigener Kornspeicher sorgte weiterhin für das
leibliche Wohl.
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