So wohnten die alten Ägypter

Innenansicht eines ägyptischen Hauses
Nachzeichnung einer Grabmalerei des königlichen Schreibers Thutnefer,
der unter der Herrschaft Thutmosis III. und Amenophis II. diente (Neues Reich)
Im Untergeschoss des dreistöckigen Hauses mussten Diener in stickiger Luft spinnen, weben und die Spreu vom Getreide trennen.
Eine Etage höher war der Empfangsraum, in dem der Hausherr seinen Geschäften nachging und Gäste empfing.
In der 2. Etage befanden sich die Wohnräume der Familie. 

 


Woher wissen wir, wie die alten Ägypter wohnten?

Die Entwicklung der Städte

In der Stadt

Die Häuser

Das Leben in den Häusern

Schöner Wohnen

Der Garten

 

 

Woher wissen wir, wie die alten Ägypter wohnten?

Dies verdanken wir drei Siedlungen, mit deren Hilfe die Archäologen die Wohnkultur der alten Ägypter rekonstruieren können:
Amarna (altägypt. Achetaton) erstreckte sich 13 Kilometer von Norden nach Süden und war die Hauptstadt Echnatons. Gegen Ende seiner Herrschaft verließen die Bürger Hals über Kopf die Stadt und zogen wieder zurück nach Theben. Die Stadt hat also eine vergleichsweise kurze Geschichte. Dennoch eignen sich die Grundmauern der Gebäude hervorragend, um den Wohnstil der Menschen aus dem Neuen Reich zu rekonstruieren.
Die Stadt Kahun hat indes eine viel längere Geschichte. Bereits im Alten Reich (12. Dynastie) war Kahun eine Beamtensiedlung für Arbeiter und Verwalter des Pyramidenkomplexes. Bis zu 2000 Menschen vollzogen etwa 150 Jahre den Totenkult des Pharao Sesostris II., weshalb die Stadt im altägyptischen wohl Hetepsesostris ("Sesostris ist zufrieden") hieß. Aus Dankbarkeit waren die Bürger von jeglichen Abgaben für den regierenden König befreit. Im Mittleren Reich wurde Kahun zu einer eigenständigen Stadt mit eigenem Bürgermeister. Ca. 3000 Einwohner hatte die Siedlung zu dieser Zeit. 
Eine der berühmtesten Siedlungen ist wohl Deir el-Medinah, der "Ort der Wahrheit", wie ihn die Ägypter nannten. In ihr lebten Arbeiter, die im nahe gelegenen Tal der Könige beschäftigt waren. Sie war ca. 130 x 50 m groß und wurde von einer Stadtmauer mit zwei Toren umschlossen. Im Durchschnitt lebten in dieser Siedlung 30 bis 40 Handwerker, Steinmetze, Bildhauer, Graveure und Maler mit ihren Frauen und Kindern. Sie besaß ein eigenes Gericht, einen eigenen Tempel, sowie eine eigene Nekropole. Gegründet wurde die Siedlung Anfang der 19. Dynastie von Amenophis I. (oder Thutmosis I.) und "überlebte" bis Ende der 20. Dynastie.
Von anderen Städten ist heute kaum mehr was zu sehen. Auf den Überresten stehen die Häuser der heutigen Bevölkerung und falls nicht, ließ die feuchte Umgebung am Nil die Häuser verrotten. Außerdem verlagerte sich der Nil im Laufe der Jahrtausende immer weiter nach Osten und vernichtete so viele Städte in Mittelägypten. Des weiteren wurden Lehmziegelreste von den Bauern einfach als Dünger, den so genannten "Sebbach" verwendet. Da verwundert es also kaum, dass die Fundstätten in der Wüste und nicht im Niltal liegen.

Die Entwicklung der Städte

Ausgrabungen legten zu Tage, dass es schon in früher Zeit komplexe Gemeinden gab.
Die erste bekannte Siedlung war in Merimde Beni Salama, etwa 25 km nordwestlich von Kairo zu finden. Sie war 181 000 qm groß und bestand aus ca. 16 000 Einwohnern.
Die frühen Häuser waren Windbrecher und Pfahlhütten, später baute man sie aus Lehmziegeln. Die ältesten Siedlungen fand man im Nildelta, die ersten Städte mit Umwallungen in Oberägypten. Siedlungen wurden von sesshaften Nomaden gegründet, die anstatt zu jagen und zu sammeln, Ackerbau und Viehzucht betrieben.
Die Lage der Städte richtete sich nach den Überschwemmungen des Nils. Logisch, dass kein vernünftiger Mensch sein Haus gerade dorthin baut, wo die Überschwemmung das Land erreicht. So errichteten die Ägypter ihre Häuser auf Anhöhen, die mindestens einen halben Meter über den normalen Hochwasserstand lagen.
Städte entwickelten sich um Kultzentren oder wurden zur Hauptstadt einer Provinz. An großen Handelsstraßen entwickelten sich Handelsstädte oder Versorgungsstellen, wie in Elephantine, das ganz nah an der nubischen Grenze lag. Dort wurde mit vielen Gütern wie Gold und Elfenbein gehandelt.
Am Hieroglyphenzeichen für Stadtplan Hieroglyphenzeichen für Stadtplan kann man erkennen, wie die alten Ägypter ihre Städte planten. Zwei Hauptstraßen teilen das Stadtgebiet in vier Teile. Dieses Grundprinzip lässt sich grob in einigen Orten erkennen, von denen man noch einen ungefähren Stadtplan zeichnen kann. Ansonsten gab keiner städtebauliche Pläne vor und so baute man sein Häuschen eben dorthin, wo es eben noch passte.
Die Ägypter benutzten in späteren ägyptischen Texten drei verschiedene Namen für ihre Städte. Whyt stand für Dorf, Dmi verwendete man für "Stadt" und niwt für Großstadt. Im Alten und Mittleren Reich bezeichnete man wahrscheinlich gewöhnliche Städte als niwt, während hwt ein "Zentrum königlicher Macht" war. Dmi schien einfach für einen Schrein oder eine Kultstätte verwendet worden zu sein.

Ganz interessant sind vielleicht noch einige Städtegrößen, die ich aus "Egyptian Towns and Cities" von Eric P.Uphill, 1988 entnommen habe:

Deir el-Medinah 0,65 ha
Elephantine 4,5 ha
Bubastis 75 ha
Memphis 460 ha
Achetaton 440 - 1200 ha
Theben 740 ha
Pi-Ramesses 1500 ha
Heliopolis 2300 ha



In der Stadt

Eine typische altägyptische Stadt bestand aus einem Gewirr aus Straßen, engen Durchgängen und Sackgassen. Häuser wurden dorthin gebaut, wo noch Platz war. Ganze 182 Häuser aus allen möglichen Schichten drängelten sich nach einer "Ortsliste vom Westen Thebens" aus dem Neuen Reich zwischen den Tempeln Sethos I. und Ramses III. (ca. 2 1/2 km, unterbrochen von weiteren Tempeln)
Wegen Platzmangels baute man einfach auch mal ein paar Stockwerke auf sein Haus. Erbaut wurden die Häuser aus kurzlebigen Lehmziegel. Daher hatten die Häuser eine Lebenszeit von höchstens 30 - 40 Jahren. Auf Überresten von alten Häusern wurde einfach ein neues errichtet, weshalb manche Häuser etwas höher lagen als andere.
In Städten muss regsame Betriebsamkeit geherrscht haben. Etliche Menschen wie Händler, Barbiere, Bäcker und Wäscher tummelten sich in den Straßen. Diebe und Betrunkene trieben ihr Unwesen in den Gassen. Schenken und was wir heute als Rotlichtbezirke bezeichnen gehörten ebenfalls zum Stadtbild.

Bild eines typischen Hauses
Dieses Haus wurde zum Schutz vor Überflutung auf einer Anhöhe gebaut. 
Auf dem Dach befinden sich die trichterförmigen Windöffnungen, in denen die Luft hereinströmen konnte.
Die Bäume vor dem Haus waren sowohl Zierde als auch Schattenspender
 Neues Reich, 18. Dynastie

Die Häuser

Die Wohnhäuser der Ägypter waren einfach und zweckmäßig gebaut. Sie hatten eine rechteckige Form, waren weiß bemalt um die sengende Sonne zu reflektieren und meistens nicht mehr als zwei Stockwerke hoch. Die Häuser selbst bestanden aus getrocknetem Schlamm, der zu Ziegeln verarbeitet wurde. Dattelpalmstämme beim einfachen Volk und ausländische Hölzer bei den Reichen dienten als Dachbalken. Das fertig gestellte Mauerwerk kleidete man mit einer Lehmschicht aus.
In jedem Haus, egal, ob es einem Wohlhabenden oder Armen gehörte, gab es einen Eingangsbereich, einen zentral gelegenen Wohnbereich und eine Küche.
Um sich vor der heißen Sonne und neugierigen Blicken zu schützen, waren die Fenster sehr klein und weit oben im Zimmer angebracht, wodurch die Räume nur mit dämmrigem Licht beleuchtet wurden.
Lüftungslöcher sollten den kühlen Nordwind einfangen, der als göttlicher Atem Atums galt. In manchen Häusern gab es trichterförmige Öffnungen, die den Luftstrom ins Gebäudeinnere weiterleiteten. In den heißen Jahreszeiten schliefen und trafen sich die Ägypter abends auf dem Dach.
In Deir el-Medinah waren die größten Häuser 27 Meter lang und 6 Meter breit, die kleinsten 13 Meter lang und 4 Meter breit. Die Reichen in Achet-Aton lebten in 20 - 28 Zimmern.

Querschnitt eines Hauses in Deir el-Medinah
Querschnitt eines Hauses in Deir el-Medinah
(1) Straße. Eingang des Hauses mit zwei, drei Treppen, die nach unten zum ersten Raum führten (2) quadratischer Raum mit Deckenöffnung für Licht und Luft. In einer Ecke eine Art Bettschrank, aus Lehmziegeln gemauert, der 75 cm über den Boden lag. Die Wände waren unten weiß gestrichen. Eine kleine Treppe führte zum nächsten Raum. (3) Dies war in der Regel das größte Zimmer. Die Decke war höher und bestand aus Palmholz und Stroh, das von zwei hölzernen Säulen gestützt wurde. Auch hier schien das Licht wieder von einem hoch gelegenen Fenster rein. In dem Raum befanden sich Götterschreine und so genannte Scheintüren, Nischen in den Wänden, vor denen geopfert wurde. Der Hausherr empfing seine Gäste auf einem niedrigen, aus Lehmziegel gebautem Podest. Daneben befand sich eine Falltür, die zum Keller führte. (4) Im kühlen Keller wurden Lebensmittel sowie die wichtigsten und wertvollsten Güter aufbewahrt. (5) Dieses Zimmer war kleiner als der Hauptraum. Hier schliefen die Bewohner und hier lagerte man ebenfalls Lebensmittel. (6) Diese Treppe führte hinauf aufs Dach, wo man die Kühle des Abends genoss. (7) Hier befand sich die Küche. Auch in diesem Raum fand man oft einen Schrein mit einer Gottheit. Lebensmittel zogen neben Ungeziefer auch gefährliche Tiere an, weswegen sich die Bewohner des Hauses von einem Götterschrein Schutz erhofften. (8) Manchmal führte eine Treppe hinab zu einem zweiten Lagerraum.

Rekonstruktion einer Villa in Achetaton

Rekonstruktion einer Villa in Achetaton
Das Anwesen aus dem Neuen Reich erstreckte sich über 3000 Quadratmeter. Durch dem bewachten Haupteingang, der Name und Rang des Hausherrn verriet, gelangten Besucher in das Haus. Frauen und Kinder lebten in kleineren Räumen, während der Hausherr in einer Luxussuite mit Duschzelle, Salbungsraum und Toilette residierte.

Das Leben in den Häusern

Die Küche lag in der Regel im hinteren Teil des Hauses, bei Villen auch in Nebengebäuden. In der Ecke befand sich ein Mahlstein, auf dem Mehl und Schrot hergestellt wurde, sowie ein kleiner Ofen zum Brotbacken und eine gemauerte Feuerstelle zum Grillen und Kochen. Da das Essen auf offenem Feuer gekocht wurde, hatte die Küche kein festes Dach. Trotzdem breitete sich der Rauch im gesamten Haus aus und schwärzte die Decken. In vielen Mumien konnte man Rußablagerungen in der Lunge feststellen. 
Die Vorräte wurden in große und kleine Tongefäße gelagert, die zudem beschriftet waren. Verderblichere Lebensmittel befanden sich in kleinen Vorratskellern, die von der Küche aus über eine Treppe erreichbar waren.
Die wohlhabenden Bürger schliefen in einem Bett, das auf einem erhöhten Podest stand. So wollten sie sich vor kriechenden Tieren, wie Skorpione schützen. Kleidung und andere Sachen, wie Schmuck, verstaute man in Kästen und Truhen aus Holz und Flechtwerk.
Die Armen hatten es meist nicht so gut. Sie schliefen auf einfachen Matten und teilten sich ihre kleinen Behausungen mit Vieh und bis zu zwei Dutzend Personen.
Reiche Bürger genossen zudem die Vorzüge eines Badezimmers, obwohl es kein fließendes Wasser gab. Die Toilette war ein einfacher Holzsitz auf Ziegelsteinen, unter dem ein halb mit Sand gefülltes Gefäß stand. Die Armen hatten vermutlich auch eine sanitäre Einrichtung, wobei die nur aus einem Topf mit Sand bestand, der irgendwo in der Zimmerecke stand. Vergeudet wurden die Fäkalien nicht. Zusammen mit denen von Tieren wurden sie auf dem Dach getrocknet und als Brennmaterial weiterverwendet.
Die Reichen konnten auch in den Genuss einer "Dusche" kommen. Ein Diener übergoss seinen Herrn mit einem Gefäß Wasser, wobei ein Rohr das Abwasser durch ein Loch in der Badezimmerwand wieder abfließen ließ. Das Abwasser wurde wahrscheinlich nicht vergeudet und für die Bewässerung der Pflanzen weiter verwendet.

Schöner Wohnen

Bemalungen an Wänden und Säulen ließ den Wohnbereich häuslicher erscheinen. An manchen Wänden hingen Behänge aus bunt gefärbtem Leinen. Auf dem Boden lagen aus Pflanzenfasern geflochtene Matten die auch als Schlafunterlage dienten.
Stühle waren im Neue Reich der Hit. Bei, für einen Beamten lächerlichen 4-8 Deben das Stück, konnte sich jeder
Höhergestellte ein paar mehr leisten. Die Varianten gingen von einem einfachen Schemel und einem Klappstuhl bis hin zu Sesseln. Je nach Vorliebe mit Rücken- oder Armlehne. Natürlich gehörten zu einem anständigen Haus auch Tische. Dabei gab es keine Festtafeln, sondern bei Feiern bekam jeder Gast seinen eigenen kleinen Tisch.
Das Material der Tische und Stühle bestand entweder aus Holz oder aus stabilem Flechtwerk. Die Tischplatte wurde auch aus Kalzit-Alabaster oder Ton angefertigt.
Um den Gesamteindruck nicht zu zerstören, legte man sehr großen Wert auf eine saubere Behausung ohne Ungeziefer. Einige medizinische Papyri sprechen von allerlei Bekämpfungsmittel wie Natronwasser gegen Flöhe.
Vor allem die Armen hatten aber trotzdem mit Ungeziefer zu kämpfen. In den Mumien fand man Nissen, in den Zimmerecken Rattenlöcher, die wahrscheinlich wenig effektiv, einfach mit Lumpen und Steinen verstopft wurden.
Besonders während der Überschwemmungszeit mussten Fliegen und Stechmücken eine Qual gewesen sein. Einwohner, die in der Nähe von Sumpfgebieten wohnten, hängten Moskitonetze auf, die sie aus ihren Fischernetzen angefertigt haben.

Die Wasserversorgung war durch Brunnen gewährleistet, die unterirdisch vom Nilwasser gespeist wurden. Reiche Bewohner hatten ihren eigenen Brunnen, Ärmere mussten zu einer öffentlichen Anlage gehen. Wenn die Stadt weit in der Wüste lag, wie Deir el-Medinah, musste das Wasser mit Eseln oder per Hand herangeführt werden. Das Wasser wurde in große Keramikbehälter untergebracht, die rings um die Hauptsiedlungen verteilt waren und von dort aus weiter verteilt wurden.
Der Abfall wurde einfach im Nil beseitigt oder in große Gruben geworfen. Etliche beschriebene Stein- und Tonscherben fanden die Archäologen in solchen Gruben.

Der Garten

Der Garten schien der Stolz eines jeden angesehenen Ägypters gewesen zu sein. Warum sonst wurden in Privatgräbern immer wieder von solchen Anlagen berichtet? Ein Beamter namens Ineni, der Anfang der 18. Dynastie lebte, zählt akribisch alle 540 Bäume auf, die er sich in einem Wüstenareal mit großer Mühe hat anpflanzen lassen.
Wunderschöne Blumen, schattenspendende Bäume und ein Wasserbecken zur Bewässerung zierte den Garten eines jeden wohlhabenden Bürgers. Besonders beliebt war der Lotus, der weiß und blau in den Gärten blühte. Der Sonnengott Re soll der Sage nach aus einer Lotosblüte erschienen sein. Teiche mit Schilf und vielen bunten Fischen luden zum Verweilen ein. In schattigen Lauben und weinbewachsenen Pergolen aus Papyrusstengeln wurde so manches Schläfchen gehalten, u
nter Feigenbäumen und Dattelpalmen gelustwandelt. Damit der wohlhabende Bürger nicht gestört wurde, waren die großen Gärten mit Ziegelmauern vor den Blicken Neugieriger geschützt.
Der Garten war aber nicht nur für Mußestunden gedacht. Der Anbau von Nahrungsmitteln sollte die Bewohner des Hauses schnell und leicht versorgen können. Selbst die Armen besaßen manchmal kleine Gemüsegärtchen. Ein eigener Kornspeicher sorgte weiterhin für das leibliche Wohl.