Hund

„Ein Hund, der stets ein Beschützer für seine Majestät war“

Der Hund war auch schon für die alten Ägypter ein wichtiger Gefährte. Wie der Hund heute wachten die ägyptischen Hunde über Haus und Hof, halfen bei der Jagd, hüteten zusammen mit den Hirten die Schafe und waren tapfere und starke Kampfgefährten des Pharaos bei der Schlacht. Selbst die Medjai, die Polizisten im alten Ägypten, hatten Hunde, die sie auf ihren Kontrollgängen mit sich führten.

Die Herkunft des ägyptischen Hundes

Der Hund war sicherlich einer der ältesten Gefährten der Menschen. Eine seiner Vorfahren war der Wolf (Canis Lupus) aber mit wem er sich vermischt hat ist umstritten. Manche Forscher glauben an eine Verbindung mit dem Kojoten (Canis Latrans) oder dem Goldschakal (Canis aureus), doch Sicherheit gibt es kaum. Erste archäologische Beweise für eine Domestizierung des ägyptischen Hundes finden sich im Delta (Merimde-Beni-Salame) im Neolithikum (ca. 5000 v. Chr.), doch höchstwahrscheinlich begleitete der Hund den Menschen schon viel früher bei der Jagd, erbeutete mit feiner Nase das Wild und apportierte anschließend die Beute.

Wie der Hund domestiziert wurde

Als der Ackerbau für die Ägypter wichtiger wurde als die Jagd, folgten ihm die Hunde auf der Suche nach Nahrung und Abfällen an den Rand ihrer Siedlungen. Schließlich erkannten die Menschen die Nützlichkeit der Hunde außerhalb der Jagd und setzten ihren tierischen Begleiter als Hüter von Haus und Hof und als Unterstützung für die Viehhirten ein.

Wie sahen die ägyptischen Hunde aus

Die meisten altägyptischen Hunde waren mittelgroß und schlank und erinnern von ihrer Statur her an die Windhunde, auch wenn sie nicht so schlank waren wie die heutigen. Ohren und Rute waren so unterschiedlich wie bei den heutigen Hunden. Ab dem Mittleren Reich sehen wir Jagdwindhunde mit Steh-, Kipp,- und Schlappohren und mit den unterschiedlichsten Ruten, vom Ringelschwanz bis zur Säbelrute.

Basenji, Whippet, Saluki – wie die normalgroßen ägyptischen Hunde aussahen

Das älteste Abbild eines Hundes, den die alten Ägypter tjesem nannten, stammt von einem Becher aus der Naqada-I-Zeit (um 4500 v. Chr.). Ein mit Pfeil und Bogen bewaffnet Jäger, vermutlich libyscher Herkunft, führt vier Hunde an der Leine. Manche Forscher vermuten, dass dies der Urahn der heutigen Basenjis ist. Tatsächlich erinnern die langbeinigen Hunde mit Stehohren und Ringelschwanz sehr an diese Hunderasse aus Zentralafrika.  Diese Art von Hund findet man im gesamten Alten Reich.

Zu der Zeit (evtl. auch etwas früher) erscheint eine etwas zierlichere Gattung mit Schlappohren, die mehr einem Whippet aus der Gattung der Jagdwindhunde ähnelt.

Eine weitere Rasse, die auf Wandbildern des Mittleren und Neuen Reichs zu sehen ist, hat eine kleinere Schnauze, Hängeohren und einen langen hängenden oder aufgerichteten Schwanz. Mit seinen mittellangen Haaren an Schwanz und Ohren erinnert er an den heutigen persischen Windhund Saluki.

Bologneser und Torfspitz – wie die kleinen ägyptischen Hunde aussahen

Funde von kleinen Hunden gab es in Abydos, deren Schädelform an die heutigen Bologneser erinnern. In Gräbern des Alten und Mittleren Reiches ist ein kleiner Hund mit Spitzohren, kräftigem Körper, langem Hals und kleinen Dackelbeinen abgebildet. Etwas größere Schädel erinnern an unseren heutigen Torfspitz. Auch dackelbeinige Hunde mit kleinen gedrungenen Körpern, kurzen Beinen, hellem Fell und Hängeohren lebten schon im alten Ägypten.

Importschlager Hund

Während der 18. Dynastie, als die Ägypter insbesondere unter Thutmosis III. ihr Reich immer weiter ausdehnten, kamen weitere Hundetypen aus Libyen, Nubien und den sagenumwobenen Punt nach Ägypten. Einzelne Hundearten zu selektieren wird zu diesem Zeitpunkt immer schwieriger.

Hunderassen?

Erst in der griechisch-römischen Zeit hatte jede Hundeart seine eigenen angezüchteten Vorteile. Jetzt gab es Kriegs- und Jagdhunde, Hunde fürs Viehhüten oder Hunde für Hunderennen und -kämpfe. Rassen im heutigen Sinne gab es im alten Ägypten nicht. Es gab zwar äußerliche Unterschiede, aber das war mehr Zufall der Natur undkeine Zuchterfolge.

Gräber für den Hund

Hunde waren so beliebt, dass sie neben dem Grabherrn oder sogar in eigenen Gräbern bestattet wurden. Von der prädynastischen Zeit bis in die griechisch-römische Epoche wurde der Hund nahe des Herrchens bestattet. Hundebestattungen wurden u.a. in Amarna (18. Dynastie) oder in Tanis entdeckt. Der Hund von Psusennes I. (21. Dynastie) wurde in der Grabkammer des Pharaos mitbestattet als ob er auch nach seinem Ableben sein Herrchen bewachen sollte. Etwa 80 Hunde kennen wir namentlich. Und ein Name bedeutete auch für den Hund ein unendliches Leben im Jenseits.

Ein Hund, der stets ein Beschützer für seine Majestät war. Abuti war sein Name. Seine Majestät befahl, ihn zu bestatten. Ihm wurde gegeben ein Sarg aus dem Schatzhaus, sehr viel Leinenstoff und Weihrauch. Seine Majestät gab (ferner) Öl und ihm wurde errichtet ein Grab durch den Trupp der Maurer. Damit er versorgt sei, hat seine Majestät dies für ihn gemacht
Aus dem Grab des Hundes Abuti, ca. 5./6. Dynastie (etwa 2400 – 2200 v. Chr), Gizeh

Freund und Feind

Der Hund im alten Ägypten war nicht nur der tadellose Freund und Begleiter des Menschen. So manche Spitze gegenüber seiner anhänglichen und unterwürfigen Art konnten sich die Ägypter nicht verkneifen. Eroberte Feinde stehen vor dem Pharao in einer Parade in Aufstellung und werden von den Schreibern mit den Worten „Wir sind in der Tat deine Hunde“ zitiert.  Würdenträger oder Diener, die ihren Vorgesetzten den Bauch pinselten, waren „wie die Hunde“.

Es ist schon sehr auffällig, dass man Hunde nie mit Kindern spielen sieht oder von dem Herrchen gestreichelt wird. Vielleicht hatten die Ägypter ein anderes Bild von ihren Hunden und mehr Respekt vor Bissen und Krankheiten wie Tollwut wie wir heute.

Straßenhunde – ein öffentliches Ärgernis

Auch entwickelten sich so manche Straßenhunde zu einem öffentlichen Ärgernis. Ein Offizier aus der 18. Dynastie, der an der Grenze zu Palästina stationiert war, beschwerte sich in einem Brief bitterlich darüber, dass sobald er einen Krug guten Bieres öffnet,  200 große Hunde und 300 Schakale jeden Tag an der Tür bereitstehen (wahrscheinlich maßlos übertrieben) und angelockt durch den Duft des Alkohols jeden Tag auf ihn warteten (villeicht war sein Alkoholproblem aber auch ein größeres 😉 ). Glücklicherweise hielt er aber einen kleinen Wachhund im Haus, der ihn jedes Mal die Meute vom Hals hielt.

Der beste Freund des Menschen

Im Gegenzug dazu sehen wir in den Gräbern der Beamten die Hunde unter den Stühlen ihrer Herrchen und Frauchen sitzen oder den Besitzer auf der Jagd begleiten.

Hunde die im Haus gehalten wurden trugen Lederhalsbänder, einige mehrfarbig und geschmückt mit Metallnieten und tierischen Dekorationselementen. An einem Metallring wurde die Leine angebracht und gelöst, wenn der Hund ein  Tier jagen oder apportieren sollte.

Wie hießen die ägyptischen Hunde?

Manche Hunde hießen wie ihre Farben „Schwarzer“ (wie wir heute unsere Tiere „Blacky“ nennen oder „Ebenholz“ oder nach ihrem Charakter: „Guter Hirte“, „Zuverlässigkeit“ oder „Der Tapfere“. Hunde, die vielleicht sehr geschwind waren, hießen „Nordwind“, „Antilope“. Oder hießen nach dem Ort, an dem sie geboren wurden: „Die aus der Stadt“ (Theben). Andere wurden – wenig einfallsreich –  einfach durchnummeriert „Der Fünfte“, Der Sechste“, vielleicht nach der Reihenfolge ihres Wurfs.  Der Name „Nutzlos“ war vielleicht eher als Scherz oder Beleidigung gedacht.

Auf manchen Stelen kommen auch ausländische Namen von Hunden vor, die meisten libyscher Herkunft, andere vielleicht nubisch.