Der Fluch des Pharao

Fluch-Hysterie!

Eine Geschichte geht um die Welt

Nach Carnarvons Tod gab es eine wahre Fluch-Hysterie, die in den Medien derart aufgeputscht wurde, dass völlig verängstigte Engländer ihre gesamte Sammlung echter und unechter (und das war die Mehrheit) ägyptischer Artefakte an das verzweifelte British Museum sandte.

Wenn jemand starb, der nur irgendetwas mit dem Grab zu tun hatte, wurde es mit dem Fluch assoziiert. Ein Tourist wurde von einem Taxi überfahren: Das muss der Fluch gewesen sein! Ein Grabbesucher wurde von seiner Frau erschossen: Der Fluch hat wieder zugeschlagen! Sogar Menschen, die eines natürlichen Todes, wie Altersschwäche, oder nach langer Krankheit gestorben sind, wurden mit dem „Fluch des Pharao“ in allen Gazetten betitelt. Manche hatten noch nicht einmal einen Fuß in das Grab gesetzt und trotzdem hatte auch bei ihnen der Fluch zugeschlagen.

Medium von Maketaton

Doch nicht nur die Presse, sondern auch Geistheiler und Spirituelle kamen zu Wort. Einer von ihnen war ein Mann namens Cheiro (Kiro ausgesprochen), der Carnarvon noch vor seinem Tod vor einem Fluch gewarnt haben soll. Keine geringere als Maketaton, Tochter Echnatons und (Halb-?) Schwester Tutanchamuns, soll warnende Worte wie von Geisteshand zu Papier gebracht haben. ‚Im Grab würde er eine Krankheit erleiden, von der er sich nie wieder erholen würde und der Tod würde ihn noch in Ägypten ereilen‘, so soll Maketaton geschrieben haben. Ihre Mumienhand, so erzählte Cheiro, hatte er einen Tag zuvor verbrannt, da sie ständig von selbst blutete.

„Fluch-Opfer“

Jede Menge Leute, die mit dem Grab des Tutanchamun direkt oder indirekt in Berührung gekommen waren, sollen Opfer des Fluchs geworden sein. Darunter waren:2

  • Georges Bénédite, damaliger Leiter der Abteilung für ägyptische Altertümer im Louvre. Er starb – immerhin 69-jährig – an einem Schlaganfall nach Besuch des Grabes.
  • Arthur Mace, Konservator der ägyptischen Abteilung des Metropolitan Museums of Art in New York. Er litt schon lange an einer Rippenfellentzündung und starb – 53-jährig – kurz nach Besuch des Grabes
  • Georg Gould, Sohn eines amerikanischen Finanziers. Er kollabierte mit hohem Fieber nach Besuch des Grabes und starb einige Zeit später an einer Lungenentzündung. Er hatte schon vor dem Besuch des Grabes mit starken gesundheitlichen Problemen zu kämpfen
  • Lord Carnarvons jüngster Bruder. Er starb 1923
  • Lord Carnarvons Frau Lady Almina. Sie starb 1929 ebenfalls nach einem Insektenstich (was zu dieser Zeit aber nichts Außergewöhnliches war)
  • Howard Carters Sekretär Richard Bethel. Er starb ebenfalls 1929 unter mysteriösen Umständen in einem Club, woraufhin sein Vater aus Kummer Selbstmord beging. Zu allem Unglück überfuhr der Leichenwagen auch noch ein 8-jähriges Mädchen.

So starben einige, die mit dem Grab irgendwie in Verbindung standen. Aber es waren letztendlich hunderte, die zu jener Zeit das Grab besucht hatten. Und derjenige, der das Grab entdeckte und auf dem der Fluch ja eigentlich erst recht lasten müsste, starb erst 17 Jahre nach der Entdeckung. Howard Carter schied erst 1939 im Alter von 55 Jahren aus dem Leben. Und genauso wie Carter starben viele andere, die direkt mit dem Grab zu tun hatten, erst viele Jahre nach der Entdeckung.

2Die Liste stammt aus Charlotte Booth: The curse of the mummy and other mysteries of ancient egypts, S. 188 – 189