Von Flüchen in Gräbern

Die magischen Ziegel

Schutzzauber

Ab dem Neuen Reich findet man in vielen Gräbern vier Lehmziegel, die in allen vier Himmelsrichtungen in der Grabkammer aufgestellt wurden.

Auf ihnen legte man jeweils ein unterschiedliches Amulett:

  • ein Djed-Pfeiler aus Fayence (als Zeichen für Dauer) auf dem Ziegel der Westwand,
  • den schakalköpfigen oder – gestaltigen Anubis aus ungebranntem Ton an der Ostwand
  • eine mumiengestaltige Figur an der Nordwand
  • eine Fackel aus Schilfrohr steckte man in den Ziegel an der Südwand

Alle vier Symbole schauten auf die Mitte des Raumes, wo der Sarkophag lag.

In Pharao Ejes Grab sieht man noch die Nischen, in denen die magischen Ziegel gelegt wurden (die beiden Löcher an den Wänden, kurz über der Absperrung)
Grab des Eje, Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Auf den Ziegeln standen Teile des Kapitels 151 des Totenbuches „(…) Der du kommst, um mich anzugreifen, (… ) Ich werde dich angreifen, ich werde dich mit dem Lasso fangen, (denn) ich bin der Schutz des NN“1 (d.h. des Verstorbenen).

Es handelt sich also um einen Schutzzauber, der die Mumie und das Grab vor allem Bösen schützen soll. Damit waren aber nicht die Grabräuber gemeint, sondern böse Götter und Dämonen, die aus dem Reich des Osiris kamen, und dem Verstorbenen das ewige Leben rauben wollten. Auch in Tutanchamuns Grab fanden die Ausgräber vier magische Ziegel.

1zitiert aus Erik Hornung: Das Totenbuch der Ägypter, S. 320