Eheglück und Eheweib – Die Stellung der Frau

Eine ägyptische Hochzeit

Ein großes Fest?

Eigentlich hatte der Begriff „Ehe“ nicht dieselbe Bedeutung, wie wir sie heute kennen. Es gibt keinen Hinweis, dass irgendeine religiöse oder juristische Zeremonie den Bund fürs Leben schloss. „Geheiratet“ wurde, wenn der Partner in den Haushalt des anderen zog.

Wir können nur vermuten, ob es tatsächlich ein großes Fest mit Freunden und Verwandten gegeben hat. Zumindest ein Text aus der ptolemäischen Zeit berichtet von einer Hochzeitsfeier: „So brachte man mich als Gattin ins Haus des Ni-neferka-Ptah. Der König schickte mir ein Geschenk aus Silber und Gold. Der ganze Hofstaat des Pharao überbrachte es mir. Ni-neferka-Ptah verbrachte einen schönen Tag mit mir, und er bewirtete den ganzen Hofstaat des Pharaos.“

Paser und Henut im Luxor Museum

Der „Anführer der Bogenschützen“ Paser und seine Frau Henut. Die Statuengruppe aus Granit wurde in der Festung von Tell Hibua, an der mitlitärischen Route „Straße des Horus“, im Sinai gefunden.
Luxor-Museum
Neues Reich, 19. Dynastie

Ein Partner zieht in das Haus des anderen ein

In den meisten Fällen zog die Frau bei der Eheschließung in das Haus des Mannes ein, aber es gibt auch Schriftstücke die den umgekehrten Fall belegen. In das Haus der Eltern oder Schwiegereltern zu ziehen sollte man(n) aber tunlichst vermeiden: „Bau dir ein Haus, oder suche eines und kaufe es. Vermeide Streitigkeiten. Sage nicht: Wenn dann die (Erb-)Teilung mit deinen Geschwistern kommt, dann ist dein Anteil vielleicht ein Schuppen.“3, so besagt die Lehre des Ani.

Eheverträge

Bei jeder Eheschließung (oder danach) setzten beide Ehepartner einen Vertrag auf, der die Frau beim Tod ihres Mannes oder bei einer Scheidung finanziell absicherte (belegt ab der 22. Dynastie, aber wahrscheinlich waren Eheverträge auch schon viel früher die Regel).

3 Helmut Brunner, Die Weisheitsbücher der Ägypter, S. 205