Eheglück und Eheweib – Die Stellung der Frau

Treue und Sexualität

Eine hohes Gut

Sexualität war kein Thema, über das man mit vorgehaltener Hand sprach. Eine berühmte Statue zeigt ein Ehepaar beim Geschlechtsakt, während die Kinder davor spielen. Auch etliche Ostraka (bemalte Steinscherben), Felsbilder und Figürchen zeigen Frau und Mann beim Geschlechtsverkehr.

Der Turiner Königspapyrus

Eine der berühmtesten Aufzeichnungen beinhaltet der Turiner Papyrus aus der 19. Dynastie. Er zeigt, wie eine Ägypterin mit einem ungepflegt aussehenden Mann in verschiedenen Stellungen verkehrt.

Auf dem Papyrus wird auch die sexuelle Emanzipation der Frau deutlich. Das Mädchen ergreift die Initiative, während der Mann in fast demütigen Stellungen zu sehen ist.

Was von Manchen als Pornographie abgewertet wird, war für die alten Ägypter ganz natürlich. Überall gibt es Darstellungen von erigierenden Göttern und eine Schöpfungsgeschichte berichtet, dass die ersten Götter durch Masturbation des Gottes Atum entstanden sind. Eine weitere Göttergeschichte erzählt vom alt und trübsinnig gewordenen Sonnengott Re, der durch die Göttin Hathor wieder aufgeheitert wurde, in dem sie ihr Kleid hochhob und ihm ihre Scham zeigte.

Beischlaf
In der Hieroglyphenschrift wird das Wort „beischlafen“ mit einem Phallus und/oder einer weiblichen Scham dargestellt.

Die Geschichte der untreuen Ägypterinnen

Der griechische Reisende Herodot erzählt uns eine Geschichte, in der es die Ägypterinnen mit der Treue nicht so genau hielten. Sie handelt von Sesostris‘ Sohn Pheros, der nach dem Tod seines Vaters die Herrschaft übernommen hatte.

Als eines Tages der Nil viel zu hoch gestiegen war, ergriff Pheros in einem Anflug von Übermut seine Lanze und warf sie in den Strudel des Flusses. Die Götter rächten sich für diese Freveltat, bestraften ihn mit einer Augenkrankheit und der Pharao erblindete. Nach 10 Jahren war seine Schuld gebüßt.

Das Orakel von Buto versprach ihm, dass sein Fluch beendet sei, wenn er sich die Augen mit dem „Wasser eines Weibes“ waschen würde, die nur mit ihrem eigenen Mann das Bett geteilt hat. Pheros versuchte es zuerst bei seiner eigenen Frau doch er konnte danach immer noch nicht sehen. Er versuchte es danach bei vielen anderen, jedoch ohne Erfolg. Als er nach vielen Fehlversuchen endlich wieder sehen konnte, ließ er alle Frauen, bei denen der Versuch nicht zum Erfolg geführt hatte, in die Stadt Erythrabolos führen und ließ sie dort mit der gesamten Stadt verbrennen. Doch die eine, der er seine erneute Sehkraft zu verdanken hatte, nahm er zur Ehefrau.

Wer weiß, ob nicht auch in dieser Geschichte ein Körnchen Wahrheit steckt. Doch Treue war, anders als uns Herodot mit dieser Erzählung weismachen möchte, für die meisten Ägypter nicht nur ein leeres Wort. Ehebruch war auch im alten Ägypten kein Kavaliersdelikt und konnte hart bestraft werden.

Untreue wurde hart bestraft!

Aus der oben erzählten Geschichte wissen wir, wie die Bestrafung einer untreuen Frau ausgesehen haben könnte: Tod durch Verbrennung. Im Brüdermärchen, einer bekannten Erzählung aus dem alten Ägypten, tötet der Mann seine untreue und heuchlerische Ehefrau und wirft ihre Leiche den Hunden zum Fraß vor. Die Vernichtung des Körpers war eine besonders schlimme Strafe, denn ohne intakten Leib konnte der Verstorbene im Jenseits nicht weiterleben.

Bei Frauen ein größeres Verbrechen

Die Frau eines Priesters aus der 4. Dynastie nahm sich einen Geliebten aus dem einfachen Volk. Als die Affäre aufflog, wurde der Geliebte den Krokodilen zum Fraß vorgeworfen und die Frau nach dem Urteil des Pharaos verbrannt. Obwohl die Männer genauso angehalten wurden wie die Frauen, keinen Ehebruch zu begehen, war es bei der Frau moralisch gesehen ein schlimmeres Verbrechen. Denn wer konnte dem Mann garantieren, dass es seine leiblichen Kinder sein würden, die im Falle einer Scheidung oder seines Todes sein Vermögen untereinander aufteilten?

Liebhaber durfte vom geprellten Ehemann getötet werden

Der Liebhaber wurde genauso scharf verurteilt. Der gehörnte Ehemann bekam sogar das Recht, den Liebhaber seiner Frau sofort zu töten. Und vor der Waagschale des Totengerichtes musste der Verstorbene versichern „Ich habe nicht mit einer verheirateten Frau geschlafen.“, andernfalls drohte ihm die ewige Verdammnis.

Strafe für untreuen Mann und der gehörnten Ehefrau?

Diodor berichtet uns (wobei solche Erzählungen immer mit Vorsicht zu genießen sind, da sie nicht aus erster Hand stammen und Diodor zudem zu Übertreibungen neigte) von der Bestrafung eines untreuen Mannes: tausend Stockschläge. Wenn die gehörnte Ehefrau stillschweigend die Beziehung ihres Mannes zu einer anderen Frau billigte, drohte laut Diodor sogar ihr eine Strafe. Ihr wurde die Nase abgeschnitten und somit war ihr Gesicht bis zum Rest ihres Lebens verschandelt.

Vergewaltiger drohte die Entmannung

Vergewaltiger von Ehefrauen drohte übrigens die Entmannung. Dies war eine harte Strafe, aber laut Diodor gerechtfertigt, denn neben dem Angriff auf die Frau, konnte wieder keiner mit Gewissheit sagen, ob ein eventueller Nachkomme von dem Ehemann oder dem Vergewaltiger stammte.

Sicher waren diese Maßnahmen sehr abschreckend, inwieweit solche Strafen aber wirklich durchgeführt wurden, ist aufgrund der wenigen schriftlichen Belege nicht sicher. In der Regel hatte aber Ehebruch die Scheidung zur Folge – wenn die Schuld bei der Frau lag, natürlich ohne finanzielle Absicherung.