Eheglück und Eheweib – Die Stellung der Frau

Die Herrin des Hauses

Gleichberechtigung

„So gehen in Ägypten die Frauen auf den Markt und treiben Handel, wogegen die Männer zu Hause sitzen und weben.“, stellte Herodot entsetzt fest.

Mit der weiteren Bemerkung, die Ägypterinnen würden ihr Wasser im Stehen und die Männer im Sitzen lassen, wird er übertrieben haben. Seine überspitzten Aussagen über die Rolle der Frau zeigen aber, welch einzigartige Stellung die Ägypterin in der Antike besaß.

Auch die Bezeichnung nebet per („Herrin des Hauses“) zeugt von ihrer hohen Stellung. Ägypterinnen waren dem Mann nicht untergeordnet sondern gleichgestellt. Eine Ägypterin durfte sich überall hinbegeben, eigene Entscheidungen treffen und ihren eigenen Besitz verwalten. Sie konnte an Festmählern und Banketten teilnehmen, erben und vererben und war auch vor Gericht dem Mann gleichgestellt.

Festgäste im Grab des Ramose

Die Festgäste Amenhotep und seine Gattin May, die zärtlich ihre Arme um ihren Mann legt. Auf ihrem Kopf trägt sie eine kunstvolle geflochtene Perücke, die mit einem Stirnband und einer Lotusblüte verziert ist.
Grab des Ramose, Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Die Aufgaben einer Ägypterin

Trotz der Gleichstellung von Mann und Frau gibt es dennoch nur wenige Beispiele über Frauen in gehobenen Positionen. Der Grund lag aber nicht darin, dass man es ihr verwehrte, sondern dass Haus und Familie ein hohes Gut im alten Ägypten war und eine „Hausfrau“ nicht minder geachtet wurde als eine Ärztin. Manche Frauen übten Nebenberufe aus, wie das Herstellen von Parfüm oder Textilien oder sie waren als Hebamme tätig. Reiche Ägypterinnen vertrieben sich ihre Zeit als Sängerinnen und Tänzerinnen in den Tempeln des Landes.

Die Aufgabe einer Ehefrau bestand aber nicht alleine darin, für das Wohl ihrer Familie zu sorgen. Sie verwaltete die Besitztümer ihres Mannes und organisierte die Dienerschaft. Sie hatte ein Auge auf die Finanzen und war für die Organisation von Banketten zuständig. Aber auch ‚einfache‘ Arbeiten, wie Brotbacken, gehörte zumindest in der Unterschicht zu ihren Tätigkeitsfeldern.

Prinzessin Idut

Schon um ca. 2330 v. Chr besaß Prinzessin Idut (eine Tochter oder Enkelin von König Unas) das Privileg, ein eigenes Grab in Sakkara zu besitzen (das ursprünglich einen Wesir unter Pharao Unas namens Ihi gehörte)
Grab der Idut, Sakkara
Altes Reich, 6. Dynastie

Ägyptenland in Frauenhand?

Zum Anfang der Ägyptologie sprachen viele von einem Matriarchat. Kein Wunder, denn was die Ägypterinnen für Rechte hatten, war in keinem anderen antiken Land zu finden. Heute spricht man eher von Gleichberechtigung.

Die Ehefrau Sennefers kauert zu Füßen ihres Mannes Grab des Sennefer (TT96), Theben-West Neues Reich, 18. Dynastie

Die Ehefrau Sennefers kauert zu Füßen ihres Ehemannes
Grab des Sennefer (TT96), Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Grundsätzlich konnte eine Frau alles machen und besaß die gleichen Rechte, wie ein Mann. Die Praxis sah aber meistens anders aus. Die Frau sitzt auf Bildern immer hinter dem Mann. Auf manchen Abbildungen wird sie viel kleiner und an den Füßen ihres Gatten kauernd dargestellt. Sie gab in der Ehe nicht den Ton an, der Ehemann durfte aber auch nicht nach Belieben mit ihr umgehen.

Keine Emanzipation aber Wertschätzung

Das höchste Gut einer Ägypterin war, eine gute Ehefrau und Mutter zu sein. Sie war also nicht das, was wir heute als emanzipiert bezeichnen. Doch Hausfrau und Mutter zu sein, wurde von der ägyptischen Gesellschaft akzeptiert und als ehrbar empfunden – anders als in anderen antiken Kulturen oder heutzutage.

Die Stellung der Frau im alten Ägypten war einzigartig in der gesamten antiken Welt.