Ägyptische Religion

„Der Eine und die Vielen“

Über unsere heutige Verwirrung bezüglich der ägyptischen Götterwelt könnte ein Zeitreisender aus dem alten Ägypten nur müde lächeln. Für die Ägypter war ihr Götterglauben das Selbstverständlichste auf der Welt. Bei allem, was sie sehen oder fühlen konnten, jedes noch so kleine Ereignis, jede noch so kleine Beobachtung – hinter allem steckte eine göttliche Macht. Das Göttliche wohnte überall.

Tempelgötter

Rechts eine Göttin, die einen Tempel personifiziert. Die beiden dicklichen Götter symbolisieren Kanäle, die zu dem Tempel fließen
Rote Kapelle der Hatschepsut, Karnak
Neues Reich, 18. Dynastie

Und diese göttliche Macht musste irgendwie dargestellt werden, damit sie für jeden greifbar und vorstellbar wird und Namen erhalten, damit man diese Macht auch benennen konnte. Wilde und unberechenbare Kräfte sind im Spiel? Was ist wilder und unberechenbarer als ein Löwe? Fehlt noch ein Name. Sachmet, Mahes oder vielleicht doch lieber Hathor in ihrer Löwengestalt?
Je nachdem, wie es die Situation, der Ort oder die eigene Vorliebe verlangte, suchte man sich neben der Gestalt noch einen göttlichen Namen aus. Der Autor und Ägyptologe Erik Hornung stellte in seinem Buch „Der Eine und die Vielen“ die bahnbrechende These auf, dass die Ägypter eigentlich nur einen Gott verehrten. Und dieser manifestierte sich in vielerlei Gestalten und Namen.