Opet-Fest und Talfest – Feste zu Ehren der Götter

Das Opet-Fest

Eines der schönsten und größten Feste des alten Ägyptens war ganz bestimmt das Opet-Fest. Jedes Jahr im Spätsommer begab sich der Gott Amun mit seiner Frau Mut und deren Sohn Chons auf den Weg vom Karnak-Tempel zum Luxor-Tempel der antiken Stadt Theben (griechisch, auf ägyptisch hieß sie Waset).

Götterschreine vor neugierigen Blicken geschützt

Der Weg führte teilweise durch die Straßen von Theben, streckenweise auf dem Wasserweg, wo die Barken auf prächtige Nilschiffe verladen wurden. Priester schulterten die 3-4m langen Schiffsbarken mit den Statuen der Götter auf große Tragestangen und schleppten sie durch die jubelnde Menschenmasse. Zu sehen bekam das einfache Volk ihre Götter jedoch nicht, denn sie waren in vergoldeten Schreinen vor den Blicken der einfachen Menschen geschützt.

Ein Fest fürs Volk

Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Das Volk erfreute sich an der Nähe des höchsten Staatsgottes Amun und seiner Familie, die ansonsten im tiefsten Inneren ihrer Tempel verborgen blieben. Großer Jubel brandete auf, wenn die Barken mit einem Gefolge an Priestern, Opfertieren und Mitgliedern der königlichen Familie an den Zuschauern vorbeizogen. Die Ägypter lauschten den Gesängen und Gebeten und bestaunten die Vorführungen der Tänzer und Akrobaten. Auch die Ärmsten konnten sich beim Opet-Fest endlich mal satt essen, denn es wurden kostenlos Speisen und Getränke verteilt.

 

Amun-Barke beim Opet-Fest in der Roten Kapelle der Hatschepsut

Während der Prozession des Opet-Festes hielt die Barke des Amun an verschiedenen Stationen, wo Priester unterschiedliche Kulthandlungen durchführten. Auf dem Bild steht sie gerade in der 4. Barkenstation. Links unten ist der Name der Station vermerkt. Rechts sieht man ihr Symbol – die Lattichpflanzen. An den beiden Enden der Barke sind Widderköpfe befestigt – das Tier des Amun. Ein Baldachin bedeckt den Schrein, der mit schützenden Uräusschlangen verziert ist. Der Schrein ist teilweise von einem Schleier umhüllt, der von Geierflügeln gehalten wird. Die Besatzung der Barke besteht aus kleinen goldenen Götter- und Königsfiguren. Ihnen voran steht die Göttin Nebet-wia, die “Herrin der Barke”. Flankiert wird die 4. Station von zwei Osiris-Figuren der Hatschepsut.
In der Roten Kapelle der Hatschepsut, von der dieses Relief stammt, wurde einst die Barke des Amun aufbewahrt und an hohen Festtagen, wie zum Opet-Fest oder zum Talfest herausgeholt.
Rote Kapelle der Hatschepsut, Karnak
Neues Reich, 18. Dynastie

Göttliche Kräfte an den Pharao

Im Luxor-Tempel angekommen, traf sich der Pharao mit dem Gott Amun. Durch verschiedene Rituale übergab Amun seine Ka-Seele und somit seine göttlichen Kräfte an den Pharao. Verstärkt und mit göttlicher Energie aufgeladen, trat der Pharao aus dem innersten Heiligtum des Tempels wieder heraus, wo ihn seine Familie, die Priester und sein Hofstaat begeistert empfingen.

11 Tage feiern

Das Opet-Fest feierten die Ägypter 11 Tage lang, unter Ramses III. dauerten die Feierlichkeiten sogar 27 Tage. Die Königin Hatschepsut führte dieses Fest in den altägyptischen Kalender ein. Belegt ist es bis zur Herrschaft von Pianchi in der 25. Dynastie.