Wie schreibt man seinen Namen in Hieroglyphen? – für Fortgeschrittene

3. Die Gruppenschrift

Manch einer wird fragen, ob denn die Ägypter selbst niemals Fremdwörter oder fremde Namen aufgeschrieben haben. Die Antwort darauf lautet: Selbstverständlich!

Nur nutzten sie dafür nicht die Einkonsonantenzeichen, sondern die sogenannte Gruppenschrift, dessen Nutzung im Neuen Reich ihren Höhepunkt erreichte. Man muss allerdings dabei beachten, dass die ägyptische Sprache sich vom Alt- und Mittelägyptischen zum Neuägyptischen stark gewandelt hat: Einige Laute sind weggefallen (vor allem Auslaute) andere Laute sind mit anderen zusammengefallen (/z/ wurde beispielsweise zu /s/, so dass /s/ seitdem auch mit geschrieben werden konnte; alle Laute mit folgendem Knacklaut fielen mit den Lauten ohne Knacklaut zusammen). Die folgende Tabelle zeigt die Zeichen der Neuägyptischen Gruppenschrift (man beachte die zahlreichen mit Semikolon abgetrennten Varianten):3

a1 ;a2;a3 ; a4a-umschrift/ʔ/
y1 ; y2y/j/
ajin1; ajin2ah-umschrift/ʕ/
ww/w/
b1 ; b2b/b/
p1 ; p2 ; p3p/p/
ff/f/
m2 ; m1m/m/
n1 ; n2 ; n3n/n/
r1 ; r2 ; r3 ; r4r/r/
l (sonst wie r)l/l/
hh/h/
h-p1 ; h-p2h-punkt-umschrift/ħ/
h-boh-bogen-umschrift/x/
s1 ; s3 ; s2s/s/
schsch-umschrift/ʃ/
k-puk/kʔ/
k1 ; k3 ; k2k/k/
gg/g/
t1 ; t3 ; t2t/t/
tj1 ; tj2t-unterstrich-umschrift/tʃ/
d1 ; d3 ; d2d/d/
dj1 ; dj2d-unterstrich-umschrift/dʃ/

Die Zeichen stammen also im wesentlichen von den Ein- und Zweikonsonantenzeichen. Einige Ägyptologen sind der Ansicht, dass mit dieser Schrift sogar die nachfolgenden Vokale angedeutet sein könnten, weshalb diese Schrift auch die Syllabische Schrift genannt wird. So könnte ein nachfolgender Adler den Vokal /a/ andeuten, zwei Striche das /i/ und eine Schlaufe das /u/. Diese Regel trifft aber nur zum Teil zu. Einige Beispiele für tatsächlich belegte fremde Namen aus dem Bereich der Geografie in Gruppenschrift sind:

jordan-hieroglyphen y-r-d-n (der Fluss) Jordan

israel-hieroglyphen y-s-r-l (das Volk) Israel

uruk-hieroglyphen a-umschrift-r-k die Stadt) Uruk

Könnte also diese Schrift verwendet werden, um einen europäischen Namen zu schreiben? Versuchen wir es erneut mit unserem Alexander:

Der Name Alexander wird /ʔaleksander/ gesprochen. Diesmal müssen wir nur die e’s abstoßen, denn die a’s könnte man versuchen anzudeuten. Es bleibt als Gerüst /ʔalksandr/. Man beachte, dass es diesmal, wie am Beispiel des Jordan ersichtlich, möglich ist das /d/ zu schreiben. Das Ergebnis lautet: alexander3

Nun ja, das Ergebnis ist zwar authentischer als ein Name in Einkonsonantenzeichen, aber zufriedenstellend ist es irgendwie nicht.