Recht und Ordnung

Verhandlung und Strafen

Inhaltsverzeichnis

Anklage, Strafen, Todesstrafe

Der Prozess folgte keinen starren Regeln. Die Richter hatten also genügend Spielraum, auf den jeweiligen Anklagepunkt einzugehen, konnten andererseits aber auch einen unliebsamen Angeklagten in Grund und Boden reden. Umgekehrt mögen die Fakten bei einem redegewandten Angeklagten in den Hintergrund getreten sein.

Vor Gericht angehört wurden der Kläger, der Angeklagte sowie Zeugen. Sie alle mussten einen Eid schwören, die Wahrheit zu sagen und gleichzeitig die Strafen zitieren, die im Falle eines Eidbruches auf sie warteten.

Die Strafen bei Eidbruch waren die gleichen, wie bei einer Verurteilung und gingen von Schadensersatzzahlungen und Schlägen über Zwangsarbeit bis hin zur Todesstrafe. Wollte ein Angeklagter oder Zeuge nicht aussagen, folterte man einfach die „Wahrheit“ aus ihm heraus.
Bei der Verurteilung nahmen die Richter Einsicht in die Gerichtsakten von früheren, ähnlichen Fällen und entschieden wie ihre Vorgänger. War die Beweislage eindeutig (für die Richter), folgte das Urteil auf dem Fuße und die Strafen waren nicht gerade zimperlich.

Folterung

Während der Verhandlungen griff man auch schon mal auf die Methode der Folterung zurück. Ob dabei immer die Wahrheit herauskam oder der Gefolterte einfach nur das sagte, was das Gericht hören wollte, kann sich jeder selbst denken.

Die Strafen – Von Stockschlägen bis Pfählen

Eine der häufigsten Strafen waren Stockschläge. Die Zahl 100 taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf. 100 Schläge und dazu noch 5 blutende Wunden waren eine häufig verhängte Strafe, die mit einem Stock oder einer Rute durchgeführt wurde. Manche Verurteilten mussten die Stockschläge auf ihren Fußsohlen ertragen, was besonders schmerzhaft war. Beamte, denen man Bestechung oder Nötigung beweisen konnte, wurden ihres Postens enthoben. Schlimmstenfalls steckte man sie zusammen mit Aufrührern und Schuldnern in ein „Arbeitshaus“, wo sie für den dortigen Tempel niedere Dienste verrichten mussten.

Besitz konfisziert

Unrechtmäßig erworbenes Gut wurde sofort konfisziert oder der Verurteilte musste sogar für den zwei- bis zehnfachen Ersatz der entwendeten Sachen sorgen. Einem Beamten konnte sein gesamter Besitz und sein Vermögen konfisziert werden und seine Frau und Kinder mussten Frondienst in den Tempeln leisten.

Abschneiden von Nasen und Ohren

Eine weitere schlimme Strafe war das Abschneiden von Nasen und Ohren. Der Verurteilte war so für sein ganzes restliches Leben als Verbrecher gekennzeichnet. Sein Leben währte aber wahrscheinlich nicht mehr lange. Denn er wurde als Zwangsarbeiter in die Steinbrüche geschickt, wo schwere und gefährliche Arbeit auf ihn wartete.

Stockhiebe für säumige Steuerzahler
Ohne eine Gerichtsverhandlung wurden Strafen an den gemeinen Bauern durchgeführt, die ihre Steuerabgaben nicht leisten konnten. Säumige Steuerzahler wurden ohne Prozess direkt zu dem für die Eintreibung zuständigen Beamten geschleppt und an Ort und Stelle mit Stöcken verprügelt.

Steuereintreiber verprügeln einen Bauern im Grab des Menna

Einer der beiden säumigen Steuerzahler bekommt den Stock zu spüren
Grab des Menna (TT69), Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Die Todesstrafe

Im alten Ägypten konnte der Richter auch die Todesstrafe verhängen. Diese war besonders grausam und menschenverachtend, denn es war üblich, Verbrecher zu pfählen – ihren Körper bei lebendigem Leibe auf einen spitzen Pfahl zu rammen.

Todesurteil Pfählen
Hieroglyphen für Pfählen

Die Hieroglyphen für „pfählen“ zeigen bildhaft, was einem Verbrecher im Lande Kemet blühen konnte.

Verbrennen

Ebenfalls bei lebendigem Leibe wurden Verurteilte verbrannt, wie wir von einer Ehebrecherin aus dem Mittleren Reich wissen. In der Spätzeit war die Verbrennung eine häufige Strafe, denn die Ägypter glaubten zu dieser Zeit, dass die Flammen das Böse austreiben und zerstören würden.

Privileg Selbstmord

Angehörige des Königshauses und hohe Würdenträger bekamen das Privileg, sich selbst das Leben zu nehmen. Niedere Verbrecher warf man den Krokodilen zum Fraß vor oder ihre Leichen wurden an die Hunde verfüttert – eine besonders schlimme Strafe für die alten Ägypter, denn ohne intakten Körper konnte der Verstorbene kein Leben im Jenseits führen.