Jagd und Sport

Großwildjagden, Fische fangen, Vögel erlegen – Freizeitvergnügungen der Oberschicht

Inhaltsverzeichnis

Mehr als nur Freizeitvergnügen

Die Großwildjagd war in den ersten Jahrhunderten ein Privileg des Pharao. Er jagte Großtiere wie Löwen, Wildstiere, Nilpferde, Nashörner oder Elefanten. Besonders beliebt war die Jagd nach Nilpferden, die mit einer Harpune erstochen wurden.

Einerseits war das Tier zwar der Schutzgöttin Taweret geweiht, andererseits fraß und zertrampelte es die Ernte der Bauern. Das männliche Nilpferd war auch ein Sinnbild des bösen Gottes Seth. Der Pharao zeigte mit der Nilpferdjagd seinem Volk: Ich bin stark genug, das Böse zu vernichten.
Ob die Ägypter das Fleisch der Nilpferde gegessen haben, wissen wir nicht genau. Aber aus den Zähnen wurden magische Amulette gemacht und außerdem wurden sie für Schnitzereien und Einlegearbeiten verwendet. Kot und Fett fanden ihre Verwendung in der Medizin. Aus der dicken Haut der Nilpferde verarbeiteten die Ägypter Gurte und Peitschen.

Nilpferdjagd im Grab des Kagemni

In den Gräbern des Alten Reiches war die Nilpferdjagd ein beliebtes Motiv. Zu dieser Zeit galt das männliche Nilpferd ganz besonders als böse und zerstörerische Kraft, die vernichtet werden musste.
Grab des Kagemni, Sakkara
Altes Reich, 6. Dynastie

Auf der Großwildjagd

Ab dem Neuen Reich kamen auch die kleinen, wendigen Streitwagen zum Einsatz, mit denen es einfacher wurde, schnelle Wildtiere zusammenzutreiben und sie mit Pfeil und Bogen, Speeren oder Lanzen zu erschießen. Das erforderte schon viel Geschick, kamen doch die Wagen bis auf eine Geschwindigkeit von 50 km/h.

Viele Inschriften und Abbildungen berichten vom Jagderfolg ihrer Majestät, als Beweis für seinen Mut, seine Kraft und Geschicklichkeit. Amenophis III. berichtete auf einem Gedenkskarabäus, der bis in den Libanon und sogar auf Zypern bei Ausgrabungen gefunden wurde, stolz, dass er von seinem 1. bis 10. Regierungsjahr 102 wilde Löwen erlegt hat.

Der Grabherr Nacht bei der Vogeljagd

Auf der linken Seite jagt der Grabherr Vögel mit dem Wurfholz. Hinter ihm auf dem Schilfboot steht seine Frau. Unter ihm kniet seine Tochter, während sein Sohn ihm ein neues Wurfholz reicht. Rechts ist der Grabherr mit zwei seiner Töchter nochmal abgebildet. Dieses Mal mit einer typischen Speerhaltung (leider auf diesem Bild nicht zu sehen, der Speer wurde vom Maler vergessen), um die zwei Fische, die vor ihm in einer Wasser-„Ausbeulung“ zu sehen sind, aufzuspießen. Ursprünglich waren auf dem Bild noch zwei Gänse zu sehen, die aber, da sie ein Symbol des Gottes Amun waren, von Anhängern des „Ketzers“ Echnaton herausgehackt wurden.
Grab des Nacht (TT52), Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Jagd auf Fische und Vögel

Die adlige Gesellschaft traf sich in Sumpfdickichten des Nildeltas, um dort Jagd auf Fische und Vögel zu machen. Zu diesem gesellschaftlichen Großereignis trafen sich ganze Familien mit Müttern und Kindern auf kleinen Schiffen und hielten Ausschau nach guter Fangbeute. Die Fische wurden mit zweispitzigen Speeren im Wasser aufgespießt, die Vögel erschlug man mit Wurfhölzern, die wie ein Bumerang aussahen.

Abgerichtete Katzen

Auf Abbildungen tragen die Männer herumflatternde Vögel in der Hand, die wahrscheinlich als Lockvögel herhalten mussten. Die Jäger schickten auch abgerichtete Katzenarten in ein Dickicht um die Vögel aufzuscheuchen bzw. ihrem Herrn die erlegten Vögel zu bringen. Oder man schüttelte einfach heftig das Papyrusdickicht, um die Vögel aufzuscheuchen. Die Wahrscheinlichkeit, einen Vogel mit dem Wurfholz zu treffen, war bei einem Schwarm von Vögeln natürlich größer als bei einem einzelnen.