So wohnten die alten Ägypter

Schöner Wohnen

Farbenprächtige Häuser, Möbel und Gärten

Bemalungen an Wänden und Säulen ließen den Wohnbereich häuslicher erscheinen. Sowohl die Außenseite als auch die Räume der Häuser konnten mit weißer Farbe getüncht sein. Die Türen in Deir el Medina waren rot angestrichen. In den Häusern der Oberschicht in Amarna fanden sich an den Türen Inschriften mit Lobhudeleien an den Pharao sowie weitere Reliefs und Malereien mit Namen und Titel des Hausherrn.

Symmetrie in den Häusern

Symmetrie war für die Oberschicht sehr wichtig. Die Säulen in den Hallen wurden immer in einer Achse angelegt. Private Wohnräume waren in der Regel quadratisch, die Empfangshallen in Amarna waren genau doppelt so breit wie lang. Wo eine Tür keinen funktionellen Zweck erfüllte, aber optisch hinpasste, ließen die Bewohner große Wandnischen, so genannte „Scheintüren“ in ihre Wände meißeln. So konnte ein Zimmer auf einer Seite zwei „echte“ Türen haben, und genau auf der gegenüberliegenden Seite eine „echte“ und eine „Scheintür“.

Vorbild Natur

Die Wände der Ober- und Mittelschicht waren farbenprächtig bemalt. Dekorationen, die ihre Vorbilder in der Natur hatten, wie Papyruspflanzen und Lotusblumen, vielleicht auch Darstellungen von Tieren oder einfach nur hübsche Muster schmückten die Wände. Wandborden mit floralen Mustern zierten den oberen Teil der Räume.

Möbel

Stuhl Tutanchamuns Copyright Mohamed Ahmed Soliman | Dreamstime.com

Stuhl Tutanchamuns
Copyright Mohamed Ahmed Soliman | Dreamstime.com

Stühle waren im Neuen Reich der Hit. Die Varianten waren zahlreich und reichten von einem einfachen Schemel über einen Klappstuhl bis hin zu Sesseln. Je nach Vorliebe mit Rücken- oder Armlehne. Natürlich gehörten zu einem anständigen Haus auch Tische. Dabei gab es keine Festtafeln, sondern bei Feiern bekam jeder Gast seinen eigenen kleinen Tisch. Das Material der Tische und Stühle bestand entweder aus Holz oder aus stabilem Flechtwerk. Die Tischplatte konnte auch aus Ton oder – sehr edel – aus Kalzit-Alabaster angefertigt sein.

Betten

Die wohlhabenden Bürger schliefen in einem Bett, das auf einem erhöhten Podest stand. So wollten sie sich vor kriechenden Tieren, wie Skorpionen, schützen. Kleidung und andere Sachen, wie Schmuck, verstaute man in Kästen und Truhen aus Holz und Flechtwerk. In Amarna hatten einige Oberschicht-Häuser einen nur 1,50×1,50 m kleinen und nur 1,20 m niedrigen Keller unter dem Schlafraum, wo wahrscheinlich persönliche Gegenstände aufbewahrt wurden.

Die Armen hatten es nicht so luxuriös. Sie schliefen auf einfachen Matten und teilten sich ihre kleinen Behausungen mit Vieh und oft auch mit weiteren Personen.

Bett mit Kopfstütze
Luxor-Museum

Der Garten

Der Garten scheint der Stolz eines jeden angesehenen Ägypters gewesen zu sein, denn in ihren Privatgräbern berichteten die Grabherren immer wieder stolz von ihrer Anlage. Ein Beamter namens Ineni, der Anfang der 18. Dynastie lebte, zählt in seinem Grab akribisch alle 540 Bäume auf, die er sich in einem Wüstenareal mit großer Mühe hat anpflanzen lassen. In Achet-Aton entlockten dem kargen Wüstenboden gerade einmal 4,1% der Hausbesitzer eine fruchtbare Oase.

Ein prachtvoller Garten
Im Garten des Ineni (Neues Reich) standen laut seiner Grabinschrift u.a. 170 Dattelpalmen, 120 Dumpalmen, 73 Sykomoren, 31 Persea-Bäume und 12 Weinstöcke.

Der Garten des Rechmire. Um den Gartenteich wuchsen verschiedene Pflanzen und Bäume, wie Sykomoren und Dattelpalmen. Links ist sein Haus (oder sein Grab?) eingezeichnet. Grab des Rechmire (TT100), Theben-West Neues Reich, 18. Dynastie

Der Garten des Rechmire. Um den Gartenteich wuchsen verschiedene Pflanzen und Bäume, wie Sykomoren und Dattelpalmen. Links ist sein Haus (oder sein Grab?) eingezeichnet.
Grab des Rechmire (TT100), Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Wunderschöne Blumen, schattenspendende Bäume und ein Wasserbecken zur Bewässerung zierten den Garten eines wohlhabenden Bürgers. Besonders beliebt war der Lotus, der weiß und blau in den Gärten blühte. Der Sonnengott Re soll der Sage nach aus einer Lotosblüte entstanden sein. Teiche mit Schilf und vielen bunten Fischen luden zum Verweilen ein. In schattigen Lauben und weinbewachsenen Pergolen aus Papyrusstängeln wurde so manches Schläfchen gehalten, unter Feigenbäumen und Dattelpalmen gelustwandelt.

Der Garten war aber nicht nur für Mußestunden gedacht. Der Anbau von Nahrungsmitteln sollte die Bewohner des Hauses zusätzlich versorgen können. Selbst die Armen besaßen manchmal kleine Gemüsegärtchen.