So wohnten die alten Ägypter

Das Leben in den Häusern

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In der Küche

Für die Versorgung ihrer Familienmitglieder war die “Herrin des Hauses”, die Ehefrau des Hausherren, zuständig. Der Ort, an dem das Essen zubereitet wurde (die Ägypter hatten kein Wort für das, was wir heute als Küche bezeichnen), lag in der Regel im hinteren Teil des Hauses, bei Villen, wo sich die Dienerschaft um ein reichhaltiges Essen kümmerte, auch in den Nebengebäuden. In der Ecke befanden sich ein Mahlstein, auf dem Mehl und Schrot hergestellt wurde, sowie ein kleiner Ofen zum Brotbacken und eine gemauerte Feuerstelle zum Grillen und Kochen. Da das Essen auf offenem Feuer gekocht wurde, hatte die Küche kein festes Dach. In sehr kleinen Häusern, kochten die Frauen draußen. Die Vorräte wurden in großen und kleinen Tongefäße gelagert, die zudem beschriftet waren. Verderblichere Lebensmittel befanden sich in kleinen Vorratskellern, die von der Küche aus über eine Treppe erreichbar waren.

Im Wohnraum

Im Wohnraum spielte sich das tägliche Leben einer durchschnittlichen altägyptischen Familie ab. Hier zog man sich vor der heißen Mittagshitze zurück, traf sich zum Essen und Spielen. Hier beteten sie zu ihren Göttern, deren Statuetten in Kultnischen oder kleinen Schreinen standen und hier schliefen die Familienmitglieder der Unterschicht des Nachts auf ihren Matten. Ein Feuerbecken im Wohnraum sorgte in manchen Häusern für Wärme in den kühlen Nächten des Winters.

Auf dem Dach

Bestenfalls besaß ein Haus auch eine Treppe, die nach oben aufs Dach führte. Dort trafen sich die Familienmitglieder in heißen Sommernächten auf einen Plausch oder einfach nur zum Schlafen.

Im Bad

Reiche Bürger genossen die Vorzüge eines Badezimmers, obwohl es kein fließendes Wasser gab. In ihrem Bad gab es einen mit einer halbhohen Wand abgetrennten Bereich, wo sie sich in ein rechteckiges Becken stellen und mit Krügen voll Wasser übergießen konnten. Das verbrauchte Wasser lief in ein Becken, teilweise konnte es auch durch ein Loch in der Badezimmerwand in ein Außenbecken abfließen. Das aufgesammelte Schmutzwasser musste von den Dienern hinterher abgeschöpft werden und wurde vielleicht hinterher noch fürs Blumengießen verwendet.

Die Toilette war ein einfacher Sitz aus Holz, Ziegeln oder Stein, unter dem ein halb mit Sand gefülltes Gefäß stand. Die Armen hatten vermutlich auch eine sanitäre Einrichtung, wobei die nur aus einem Topf mit Sand bestand, der irgendwo in der Zimmerecke stand. Vergeudet wurden die Fäkalien nicht. Zusammen mit denen von Tieren wurden sie auf dem Dach getrocknet und als Brennmaterial weiterverwendet. Dies war eine gute Alternative zu Holz, denn das war sehr rar in Ägypten. Und immerhin landeten die Fäkalien vermutlich nicht auf der Straße oder im Nil – im Gegensatz zu ihrem sonstigen Abfall.

Sauberkeit und Plagegeister

Ihren Abfall entsorgten die Ägypter einfach im Nil. Aber es gab auch schon riesige Abfallgruben, in denen Archäologen etliche, teilweise beschriftete oder bemalte Stein- und Tonscherben fanden.

Die Ägypter legten einen großen Wert auf eine saubere Behausung. Einige medizinische Papyri sprechen von allerlei Schädlings-Bekämpfungsmitteln wie Natronwasser gegen Flöhe. Vor allem die Armen hatten aber trotzdem mit Ungeziefer zu kämpfen. In den Mumien fand man Nissen, in den Zimmerecken Rattenlöcher, die – wahrscheinlich wenig effektiv – einfach mit Lumpen und Steinen verstopft wurden.

Besonders während der Überschwemmungszeit müssen Fliegen und Stechmücken eine Plage gewesen sein. Einwohner, die in der Nähe von Sumpfgebieten wohnten, hängten Moskitonetze auf, die sie aus ihren Fischernetzen angefertigt hatten.

Die Wasserversorgung

Die Wasserversorgung war durch Brunnen gewährleistet, die unterirdisch vom Nilwasser gespeist wurden. Reiche Bewohner hatten ihren eigenen Brunnen, Ärmere mussten zu einer öffentlichen Anlage gehen. Wenn die Stadt weit in der Wüste lag, wie Deir el-Medina, musste das Wasser mit Eseln oder per Hand dorthin gebracht werden. Das kostbare Nass wurde in großen Keramikbehältern untergebracht, die rings um die Hauptsiedlungen lagen und von wo aus das Wasser weiter verteilt wurde.