Flüche, Totenopfer, Briefe – Die Lebenden und die Toten

Flüche und Verwünschungen

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Rache an den Toten

Nicht nur die Toten konnten den Lebenden Leid zufügen, sondern auch umgekehrt. Name und Abbildungen des Grabherrn konnten ausgehackt, seine Mumie zerstört werden. Wenn sein Name ausgelöscht war fanden seine Seelen das Grab und seinen Körper nicht mehr und er starb den endgültigen Tod.

Eine solche Zerstörungswut finden wir bei einigen Mitgliedern von Echnatons Familie. Echnaton wurde wegen seines Ein-Gott-Glaubens verfemt, weshalb man alle Bildnisse und Namen von ihm zerstört hat.

Wenig genutzt haben Pharao Eje die vier “magischen Ziegel”, die ursprünglich in der Einbuchtung einer jeden Wand seiner Grabkammer zu finden waren (siehe rechts unten) und die seine Mumie sowie sein Grab vor bösen Mächten schützen sollten (mehr zu den “magischen Ziegeln” unter → Von Flüchen in Gräbern).
Die Reliefs mit seinem Konterfei wurden wegen seiner Verbindung zu Echnaton und seiner Familie wahrscheinlich schon von seinem direkten Nachfolger Haremhab mutwillig zerstört (zu sehen über der Nische), genauso wie die meisten seiner Namenskartuschen in seinem Grab. Von der Mumie fehlt bis heute jede Spur.
Grab des Eje, Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Doch es waren noch andere recht effektive Maßnahmen bekannt, um dem Verstorbenen einen endgültigen Tod zu bereiten. Dazu beschrieb man Töpfe und Figuren mit Fluchformeln, die in großer Anzahl den Namen des Verfluchten enthielten. Geister wurden in der Fluchformel beschwört, die bei der Vernichtung des Unglückseligen helfen sollten. Dazu legte man die Figuren in verlassene Gräber, deren Besitzer über viele Jahre keinen Totenkult erhalten hatten. Die Verschwörer zählten auf den Zorn der vergessenen Toten und hofften, dass diese sich der Sache schon annehmen würden.

Die Figuren konnten zusätzlich noch mit kleinen Messern und Nadeln durchbohrt werden, ähnlich wie bei einem Voodoo-Zauber. Anschließend zerbrach und verbrannte man sie. Die so Verfluchten konnten eine verfeindete Familie sein, Verbrecher oder Verschwörer. Aber man fand auch Figuren mit Namen noch lebender Herrscher aus verfeindeten Nachbarstaaten. Die Intention solcher Verfluchungen war aber immer die gleiche: ein endgültiger Tod.