Ramses II.

Die Schlacht von Kadesch

Ramses‘ ruhmloe Schlacht

Zwischen Ägyptern und den Hethitern (das Hethiterreich lag ungefähr in Teilen der Türkei, Syrien und des Iraks) kriselte es schon lange vor Ramses‘ Zeiten. Schon als sein Vater Sethos regierte, kam es zu einigen Zwischenfällen. Der Höhepunkt der Feindseligkeiten zwischen den beiden Großmächten war aber die Schlacht bei Kadesch (ungefähr in der Mitte zwischen den beiden syrischen Städten Damaskus und Aleppo).

Darstellung von der Schlacht bie Kadesch

Ramses auf seinem Streitwagen „Sieg in Theben“ mit gespannten Bogen. Unter und vor ihm ein wirrer Haufen von gefallenen und im Orontes ertrunkenen Hethitern.
Tempel von Luxor
Neues Reich, 19. Dynastie

Ramses provoziert die Hethiter

In seinem 4. Regierungsjahr beschloss Ramses, das Reich Amurru (im heutigen Syrien) zurückzuerobern, das seit 50 Jahren nicht mehr in Ägyptens Besitz war. Mit Hilfe seiner schlagkräftigen Armee gelang es ihm, Amurru in seine Gewalt zu bringen. Da das Land ein Vasallenstaat des Hethiterkönigs Muwatalli war, konnte dieser sich das natürlich nicht gefallen lassen. Er scharte eine Armee aus Aliierten und Vasallen um sich, von der Ramses später schrieb, dass sie so groß wie eine „Heuschreckenschar“ war. Ramses musste nun ebenfalls reagieren.

Im 5. Jahr seiner Regierung marschierte er mit der wahrscheinlich größten Armee, die Ägypten je gesehen hatte, Richtung Norden. Sie bestand aus 20 000 Mann zu je vier Divisionen. Sie trugen die Namen der ägyptischen Götter Amun, Re, Ptah und Seth. Den Soldaten folgte ein Trupp aus Ärzten, Dienern und Marketendern. Der riesige Tross kam nur sehr langsam voran.

Ein taktischer Fehler

Ramses machte bei der Führung seines Heeres einen schwerwiegenden Fehler, der einem Feldherrn eigentlich nicht passieren sollte. Die vier Divisionen marschierten mit einem Abstand von jeweils 10 km. Viel zu weit voneinander entfernt, um bei einem Angriff auf Unterstützung einer anderen Divisionen zu hoffen. Dies sollte sich bitter rächen.

Das Märchen der Beduinen

Ramses schritt mit seiner Amun-Division voran und kurz, nachdem sie den Fluss Orontes überquert hatten, trafen sie auf zwei Beduinen. Sie versprachen, mit ihren Stämmen zu Ramses überzulaufen, wenn er sie nur von den verhassten Hethitern befreien würde. Sie gaben als Standort von Muwatallis Armee die Stadt Aleppo an. Doch die beiden Beduinen waren von Muwatalli geschickt worden, um Ramses eine Falle zu stellen. Und der Pharao erkannte diese List nicht.

In dem Glauben, die Streitkräfte der Hethiter lägen noch viel weiter nördlich, wartete er nicht auf seine anderen drei Divisionen sondern marschierte weiter voran. Erst nordwestlich von Kadesch schlug er sein Lager auf, um auf den Rest seiner Armee zu warten.

Muwatallis Streitmacht kampfbereit

Während sie lagerten, griffen sie zwei Spione der Hethiter auf, die unter Folter gestanden, dass Muwatalli mit seiner Streitmacht ganz in der Nähe, östlich der Stadt Kadesch lauerte. Anstatt über seine eigene Gutgläubigkeit, ereiferte sich Ramses über die Inkompetenz seiner Kundschafter, die nicht in der Lage gewesen waren, eine riesige hethitische Armee zu entdecken. Aber nun galt es erst mal, zu retten, was noch zu retten war.

Die nachfolgende Re-Division gab er offensichtlich schon verloren, denn es wurde der Wesir losgeschickt, um die Ptah-Division zu warnen. Währenddessen überquerte das Re-Bataillon gerade den Orontes. Als das Heer der Hethiter auf sie zupreschte, waren sie völlig überrascht und nicht kampfbereit. Die Division des Re wurde aufgerieben und die Soldaten flüchteten in alle Richtungen.

Muwatalli stürmte nun auf Ramses‘ Heeresteil zu. Die Situation schien aussichtlos. Ramses, seine Leibgarde und seine 5000 Mann Armee waren umzingelt, das Re-Bataillon zersprengt und die Ptah- und Seth-Divisionen viel zu weit entfernt.

Ramses – der Held von Kadesch

Der Pharao erzählt uns in seinem Bericht über die Schlacht von Kadesch, dass seine Soldaten ihn im Stich ließen und er alleine gegen die Hethiter kämpfte. Natürlich mögen einige Soldaten aufgrund der Übermacht geflohen sein, aber auch wenn er so stark und furchtlos „wie Seth“ war, wäre er alleine wohl kaum gegen eine hethitische Streitmacht von mindestens 2500 Streitwagen angekommen. Und daher wird nicht nur der Pharao selbst sondern auch seine Soldaten verbissen gegen die Hethiter gekämpft haben.

Hilfe naht

Die Situation schien aussichtlos. Doch schließlich erhörte Amun die Stoßgebete Ramses‘. Vom Westen her erreichte die militärische Eingreiftruppe, die abseits der vier Divisionen über die palästinische Küstenstraße marschiert war, das Schlachtfeld. Zwar konnten sie den Ausgang der Schlacht nicht mehr abwenden, aber immerhin konnten sie das Überraschungsmoment nutzen und Ramses aus seiner misslichen Lage befreien. Muwatalli zog sich vorerst zurück. Zeit für Ramses, seine Divisionen bzw. was von ihnen übriggeblieben war, einzusammeln. Angeblich soll Muwatalli ihm am nächsten Tag ein Friedensangebot gemacht haben. Angesichts der Übermacht der Hethiter hat Ramses aber wohl eher den geordneten Rückzug angeordnet.

Das Land Amurru, das durch die Eroberung Ramses‘ die Schlacht bei Kadesch erst herausgefordert hatte, fiel jedenfalls wieder zurück an die Hethiter.

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„Alles was ich tat gelang, denn ich war Month. Ich schoss zu meiner Rechten und erbeutete mit meiner Linken. Ich war wie Seth in seiner Stunde des Erscheinens vor ihnen, und ich fand, dass 2500 Streitwagen, in deren Mitte ich war, vor meinem Gespann zu einem Leichenhaufen wurden.“
nach Michael Höveler-Müller. Am Anfang war Ägypten, S. 240

Durch Ramses‘ schlechte Kriegsführung hätte er also fast gegen die Hethiter verloren. Bestenfalls konnte man daraus ein Unentschieden machen, da Muwatalli seine Überlegenheit nicht genutzt hatte. Das passte nun aber gar nicht in das Bild eines großen, von den Göttern auserwählten Königs und so drehte er den Spieß einfach um und pries sich in der Heimat auf zahlreichen Tempelwänden als großer Held, der nur mit Hilfe von Amun ganz alleine das hethitische Heer besiegt hatte.

Sein Streitwagen „Sieg-in-Theben“ überrollte die Hethiter, bis sie zu „Leichenhaufen“ vor seinen Pferden wurden. Der König durchbohrte sie mit seinen Pfeilen, bis sie allesamt vor ihm in „ihrem Blut“ lagen und sie ertranken zu Massen im Orontes. All diese heroischen Bilder ließ Ramses in Stein verewigen. Begleitet wurden sie von nicht minder heroischen Texten.

Die Inkompetenz und Hilflosigkeit seiner Heerführer und hohen Offizieren hingegen, stellte er öffentlich an den Pranger. Das Militär verlor dadurch stark an Einfluss und Macht.