Ramses II.

Der erste Friedensvertrag der Weltgeschichte

Inhaltsverzeichnis

Ein ruhmreicher Schachzug

Nach der Schlacht von Kadesch witterten die tributpflichtigen südsyrischen Städte ihre Chance. Der Pharao hatte die Schlacht verloren – ein schwacher Herrscher regierte Ägypten. So glaubten sie zumindest und stellten ihre Tributzahlungen ein. Doch sie täuschten sich in Ramses, der in seinem 7. oder 8. Regierungsjahr gegen sie zu Felde zog. Nun zeigte der Pharao seine wahre Stärke.

Der Friedensvertrag und die UNO
Eine Kopie des ersten Friedensvertrages der Weltgeschichte kann heute im UNO-Hauptquartier in New York bestaunt werden.

Der siegreiche nächste Feldzug

Ramses und sein Sohn, Kronprinz Amunherchepeschef, konnten die Gebiete zurückerobern und ihr Territorium sogar noch erweitern. Der König drang erneut bis nach Dapur in Amurru vor. Die Lage der Stadt ist unbekannt, sie muss aber viel weiter nördlich als Kadesch gelegen haben. Die Hethiter schauten stillschweigend zu, denn sie hatten zu der Zeit ganz andere Probleme.

Die Hethiter standen vor großen Problemen


König Muwatalli war gestorben und es entbrannte ein Machtkampf zwischen seinem Nachfolger, dem Bastardsohn Mursilis und seinem Onkel Hattuschili. Um das 18. Regierungsjahr von Ramses schaffte es Hattuschili an die Macht und verbannte seinen Neffen Mursilis. Dieser konnte jedoch aus seinem Exil fliehen und fand am Hof von König Ramses Zuflucht. Hattuschili forderte die Auslieferung, doch Ramses weigerte sich.

Den König der Hethiter plagten bald große Sorgen. Unter seinem Volk machten sich wegen Mursilis Absetzung Unruhen breit. Zudem hielten sich hartnäckig die Gerüchte, dass die expansionsfreudigen Assyrer bald in sein Land einfallen würden. Und nun könnte ihm auch noch sein Neffe mit einer mächtigen ägyptischen Armee im Nacken gefährlich werden. Zu viel für Hattuschili. Er musste sich mit Ägypten verbünden.

Inhalte des Friedensvertrages zwischen Ramses und Hattuschili

Im 21. Jahr seiner Regierung willigte Ramses ein, mit den Hethitern Frieden zu schließen. Beide Völker unterzeichneten einen Friedensvertrag. Dieser beinhaltete einen Nicht-Angriffspakt und versicherte beiden Ländern gegenseitige militärische Unterstützung sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik. Politische Gefangene sollten frei gelassen werden. Hattuschili übertrug Ramses in dem Vertrag sogar die Aufgabe, nach seinem Tod dafür zu sorgen, dass sein Sohn den Thron bestieg.

„So bin ich als großer Fürst des Hethiterlandes mit Ramses von Amun geliebt, dem großen Herrscher von Ägypten, in einem guten Frieden und im guten, brüderlichen Verhältnis. Die Kindeskinder der großen Fürsten des Hethiterlandes sollen in Brüderlichkeit und Frieden sein mit den Kindeskindern von Ramses von Amun geliebt, dem großen Herrscher von Ägypten,… und keine Feindseligkeiten dürfen zwischen ihnen entstehen, ewiglich nicht.“
Auszug aus dem Friedensvertrag
nach Hermann A. Schlögl, Das alte Ägypten. Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis Kleopatra, S.285

Der Originalvertrag, der ursprünglich auf Silbertafeln verfasst war, existiert nicht mehr. Aber Ramses schrieb ihn auf einer Wand im Tempel von Karnak und in den Ruinen der einstigen Hauptstadt der Hethiter kamen zwei Tontafeln mit dem Friedensvertrag in babylonischer Keilschrift zum Vorschein.

Sticheleien zwischen Ägyptern und Hethitern

Obwohl Hattuschili und Ramses in ihren nachfolgenden Korrespondenzen mit der Anrede „Bruder“ ihre Freundschaft betonten, gab es doch so einige Misstöne.

…Und warum sollte ich dir schreiben wie einem Diener, ausgerechnet ich?“2

Ein Thema blieb die Auslieferung des abgesetzten Königs Mursilis. Und nach mehreren Anfragen Hattuschilis antwortete Ramses nur noch genervt:“über den du mir diese vielen, vielen Worte hast geschrieben, die nicht wert sind, sie zu hören.“1 Hattuschili wiederum beschwerte sich über Ramses manchmal herablassende Art. Der Pharao beschwichtigte: „…Und warum sollte ich dir schreiben wie einem Diener, ausgerechnet ich?“2

Hattuschilis brennende Füße

Andererseits antwortete Hattuschili nach Ramses‘ Einladung in das Land am Nil zu kommen, auch nicht gerade höflich:“Mein Bruder möge mir schreiben, was wir dort in Ägypten eigentlich machen sollen!“3 Woraufhin Ramses empört zurückschrieb: „Was hat mein Bruder da bloß gesagt!“4 Wegen seiner herablassenden Art, befürchtete Hattuschili vielleicht, Ramses würde ihn nicht wie einen gleichberechtigten Herrscher sondern eher wie einen Vasallenkönig behandeln. Und so schob der Hethiterkönig seine „brennenden Füße“ als Begründung vor, nicht nach Ägypten reisen zu können.

Geschenke erhalten die Freundschaft

Doch im Großen und Ganzen war es ein sehr freundschaftlicher Austausch, der oftmals mit wertvollen Geschenken begleitet war.

Der Kinderwunsch einer 60-jährigen

Besonders begehrt bei den Hethitern waren die für ihre Heilkunst berühmten ägyptischen Ärzte. Aber bei Hattuschilis Bitte, einen Heiler für seine 60-jährige Schwester zu schicken, damit sie noch ein Kind bekäme, musste auch Ramses passen: „(…) Und siehe, eine Frau, die 50 Jahre alt ist, sollte sie sein? Nein, eine die sechzig Jahre alt ist, ist sie! Man kann für sie keine Arznei bereiten, um sie noch gebären zu lassen!“5 (im nächsten Brief verspricht er aber dann doch, einen Magier und einen fähigen Arzt zu schicken)

Ramses‘ Heiratspolitik

Das Heiratsangebot einer anderen 60-jährigen Schwester lehnte Ramses dankend ab, aber die junge Tochter Hattuschilis nahm er gerne zur Frau. Und so reiste im 34. Regierungsjahr Ramses II. die älteste Tochter Hattuschilis mit einer riesigen Mitgift aus Gold, Silber, Bronze, Diener, Pferdegespannen und einer großen Menge an Vieh nach Ägypten. Schauschka-Nu wurde zur Großen königlichen Gemahlin Maathorneferure. Ungefähr 10 Jahre später folgte eine weitere hethitische Prinzessin.

Der Frieden zwischen den beiden Ländern hielt auch nach dem Tod der Könige an. Als eine große Hungersnot das Hethiterreich schwächte, schickte Ramses‘ Nachfolger Merenptah Getreide zu seinen Verbündeten. Doch wenige Jahrzehnte später hielt sich Ägypten nicht mehr an den Vertrag und schickte dem Hethiterreich keine militärische Hilfe. Seevölker zerstörten die einstige Großmacht.

1, 2Zitiert nach E. Edel, Die ägyptisch-hethitische Korrespondenz I, S. 63, aus: Michael Höveler-Müller: Am Anfang war Ägypten, S. 243-244
3, 4Zitiert nach Hermann A. Schlögl, Ramses II., S. 89
5Zitiert nach Hermann A. Schlögl, Ramses II., S. 93