Ramses II.

Ramses der große Baumogul

Die vielen Bauten Ramses des Großen

Kaum ein Fleck im Land Ägypten, wo uns auf Baudenkmälern nicht der Name Ramses mit seinem Thronnamen User-Maat-Re („Stark ist die Gerechtigkeit des Re“) über den Weg läuft. Viele existieren heute nicht mehr, einige wurden von Ramses usurpiert, d.h. er schrieb seinen Namen einfach über die Namen von längst verstorbenen Pharaonen – keine unübliche Sitte im alten Ägypten.

Neben den unten genannten, sind seine berühmtesten Bauleistungen die Erweiterungen der Tempel von Luxor und Karnak und sein Totentempel, das Ramesseum in Theben West.

Koloss von Ramses II. in seinem Ramesseum

„Mein Name ist Ozymandias, König der Könige!
Seht auf meine Werke, ihr Mächtigen, und verzweifelt!“
Berühmte Zeile aus einem Gedicht von Percy Bysshe Shelley aus dem Jahr 1817, Ozymandias ist die griechische Form von Ramses‘ Thronnamen User-Maat-Re.
Die Reste der monumentalen Statue (ursprünglich um die 18m groß), die Shelley zu seinem Gedicht inspiriert hat, liegen heute noch im Ramesseum, in Theben-West

Die neue Hauptstadt – Pi-Ramesses

Von seinem Vater Sethos‘ I. bereits angefangen, vollendete Ramses die neue Hauptstadt im östlichen Nildelta, wo sich heute die Stadt Qantir befindet. Er vollendete sie in seinem 19. Regierungsjahr und nannte sie Pi-Ramesses (Haus des Ramses).

30 Quadratkilometer groß

Ungefähr 30 Quadratkilometer war die Stadt groß (etwa die Größe von Hildesheim), wovon Ramses‘ Palast „Groß an Siegen“ schon alleine 15 Quadratkilometer belegte. Vier überlebensgroße Statuen des Herrschers bewachten seinen Eingang. Mehrere Tempel fanden sich in der Stadt, einer von ihnen hatte alleine eine Größe von 41 000 Quadratmetern. Die Götter Amun, Seth, Astarte und Uto wurden hier verehrt.

Ca. 100 000 Menschen lebten in der Stadt

Im westlichen Teil von Pi-Ramesses standen die Villen der reichen Leute. Eine Villa nach der anderen reihte sich sorgfältig an gerade verlaufenden Straßen, die sich im rechten Winkel trafen. Anders sah es im östlichen Teil von Pi-Ramesses aus. Hier herrschte ein wildes Durcheinander an Straßen und Häusern, in denen Handwerksbetriebe angesiedelt waren und das gemeine Volk wohnte. Schätzungen zufolge lebten ca. 100 000 Menschen in der Stadt

Eine strategisch gute Lage

Der Standort der neuen Hauptstadt war strategisch klug gewählt. Pi-Ramesses lag an einem Nilarm und in der Nähe des Mittelmeeres. Ramses konnte seine Truppen von mindestens zwei Häfen aus schnell per Schiff nach Norden bringen und wegen der östlichen Lage der Stadt war der Weg nach Vorderasien viel kürzer als von den alten Hauptstädten Ägyptens.

Der Untergang Pi-Ramesses

Schon 150 Jahre nach Ramses musste seine prunkvolle Hauptstadt wieder aufgegeben werden. Die einst so fruchtbare Landschaft geriet immer mehr zu einer trockenen Einöde. Durch die jährliche Nilüberschwemmung gelangten große Massen an Schlamm in den so genannten „Pelusischen Nilarm“, an dem die Stadt lag. Der Schlamm lagerte sich mehr und mehr ab. Bald fand das Wasser seinen Weg nicht mehr durch den Fluss und er versiegte (dies passierte übrigens auch noch bei anderen Nilarmen).

Wo noch vor ein paar Jahrzenten Felder wuchsen, Gärten standen, die Menschen fischten und die Kinder im Nil schwammen, herrschte auf einmal nur noch Trockenheit. So siedelten die Einwohner in das 30km entfernte Tanis über. Die schönsten Bauwerke schaffte man von Pi-Ramesse in eine neu gebaute Siedlung in Tanis, weshalb diese Stadt fälschlicherweise lange Zeit für Pi-Ramesse gehalten wurde.

Der Tempel von Abu Simbel mit dem kleinen Tempel der Nefertari

Totalansicht des Tempels von Abu Simbel mit dem angrenzenden kleinen Tempel der Nefertari
Neues Reich, 19. Dynastie

Der Tempel von Abu Simbel

Eines der berühmtesten Baudenkmäler in Ägypten (neben den Pyramiden von Gizeh) ist der Tempel von Abu Simbel (280km südlich von Assuan), der im 23. oder 24. Regierungsjahr von Ramses eingeweiht wurde. Ungefähr 20 Jahre lang hauten Steinmetze einen 30m hohen und 35m breiten Tempel mit 22m hohen Ramses-Statuen aus dem harten Felsen.

Der vergöttlichte Ramses

Über ihm sitzen mehrere steinerne Paviane, die ihre Arme zum Gruß an den aufgehenden Sonnengott aufgerichtet haben. 60m tief schlugen sie einen Gang, der mit zehn 4m hohen Osiris-Statuen gesäumt ist. Der Gang endet in einem Schrein, in dem die Götter Ptah, Amun und Re-Harachte thronen. Und neben Amun sitzt Ramses, der sich somit selbst als Gott verherrlicht hat. Zweimal im Jahr (am 20. Februar und 20. Oktober) drangen die Strahlen der aufgehenden Sonne in das Allerheiligste und erleuchteten die Abbilder des Sonnengottes Re-Harachte, des Reichsgottes Amun und natürlich die Statue Ramses des Großen. Nur Ptah, der mit dem Totenreich verbunden war, saß im Halbdunkeln.

Der kleine Tempel der Nefertari

Rechts neben Ramses‘ Tempel ließ er einen zweiten, mit 12m Höhe und 28m Breite etwas kleineren, dafür genauso schönen Tempel für seine Lieblingsgemahlin Nefertari bauen. An der Fassade sieht man abwechselnd Nefertari und Ramses stehen. Dass die Königin dabei in gleicher Größe wie der Pharao abgebildet wurde, war für die Zeit absolut unüblich und zeigt, wie sehr Ramses seine Hauptfrau geliebt haben muss. Neben ihnen stehen die kleineren Statuen ihrer Söhne und Töchter. In der Antike strahlte das Heiligtum noch in den schönsten Farben. Doch Wind und Sand ließen zumindest an der Außenfassade nichts mehr von der Farbe übrig.

Der kleine Tempel der Nefertari Bild: Ali Sonay

Der kleine Tempel der Nefertari
Bild: Ali Sonay

Die gegenwärtige Geschichte von Abu Simbel

Der Schweizer Louis Burckhardt entdeckte den Tempel von Abu Simbel am 22.03.1813. Nachdem Massen von Sand weggeschaufelt wurden, die den Tempel über die Jahrhunderte hinweg fast vollständig bedeckt hatten, wurde er am 01.08.1817 von Giovanni Belzoni erstmals wieder betreten.

Durch den Bau des Staudamms von Assuan drohte der Tempel im Nasser-Stausee zu versinken. Nach einem Aufruf der UNESCO beteiligten sich alle Mitgliedsstaaten an der Rettung des Monumentes. Von 1964-1968 wurde der Tempel in viele Einzelteile zersägt und 64m höher sowie 180m weiter im Landesinneren neu errichtet. Dadurch wird heute das Innerste des Tempels erst einen Tag später, nämlich am 21.02. und 21.10. erleuchtet.