Tutanchamun

Tutanchamuns Aussehen

Die Rekonstruktionen

Die Totenmaske Tutanchamuns ist berühmt für ihre Schönheit. Doch wie so oft im alten Ägypten ist der Pharao auch hier idealisiert dargestellt worden.

Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren mittlerweile drei Mal versucht, anhand von Röntgen- und CT-Aufnahmen den Kopf Tutanchamuns zu rekonstruieren. Herausgekommen ist bei allen drei Rekonstrunktionen keine Schönheit im eigentlichen Sinne. Bei einer Gesichtsrekonstruktion im Jahr 2002 beschrieb der Focus Tutanchamun süffisant als „grobschlächtiger antiker Skinhead mit wollüstigen Lippen, breiter Nase und fliehendem Kinn“1. Eine Ähnlichkeit zum Fußballstar Ronaldo sei unverkennbar. Fest steht, dass Tutanchamun 1,67 m und von schmächtiger Gestalt war.

Für reichlich Diskussionen sorgte diese Rekonstruktion von Tutanchamuns Aussehen im Oktober 2014. Der Kindkönig mit Pferdegebiss, weiblichen Brüsten und Hüften und einen Klumpfuß? Bild: STV Production

Für reichlich Diskussionen sorgte diese Rekonstruktion von Tutanchamuns Aussehen im Oktober 2014, die im Zuge der BBC Doku „Tutankhamun: The Truth uncovered“ angefertigt wurde. Der Kindkönig mit Klumpfuß und Pferdegebiss? Sein Körper mit weiblichen Brüsten und Hüften, die durch ein hormonelles Ungleichgewicht in Folge des Inzests stammen sollen? Zumindest zeigten auch vorherige Rekonstruktionen, dass Tutanchamun vermutlich keine Schönheit im klassischen Sinne war.
Bild: STV Production

Die berühmte Totenmaske von Tutanchamun Copyright Mohamed Ahmed Soliman | Dreamstime.com

Die berühmte Totenmaske von Tutanchamun
Copyright Mohamed Ahmed Soliman | Dreamstime.com

„Man muss sagen, er war eigentlich ein armer Junge“ 2

(Kommentar von Carsten Pusch, vom Institut für Humangenetik der Universität Tübingen, wissenschaftlicher Leiter bei den DNA-Tests an Tuts Mumie)

Ein Klumpfuß

Bei der 2-jährigen Studie, die 2010 veröffentlicht wurde, fanden die Forscher heraus, dass Tutanchamun auf der linken Seite einen Klumpfuß hatte. Wahrscheinlich schon von Geburt an, fehlte am zweiten linken Zeh der Mittelknochen, so dass er kürzer war als die anderen. Tutanchamun litt zudem an einer Osteonekrose (Gefäßverschluss, der die Blutversorgung des Knochens blockiert) am linken Fuß. Wegen dieser Krankheit, war Tutanchamun wahrscheinlich gezwungen, am Stock zu gehen. Das würde jedenfalls auch die über 130 Gehstöcke in seinem Grab erklären.

Skoliose und Kieferspalte

Ebenfalls diagnostiziert wurde eine Skoliose, eine Verbiegung der Halswirbelsäule, die eine Buckelbildung zur Folge gehabt haben könnte, sowie eine Kieferspalte. Mit diesen Krankheiten hatten auch schon seine Vorfahren zu kämpfen, ebenso wie mit einem leichtem Überbiss und großen Schneidezähnen.

Keine Schädelkrankheit

Wenigstens haben sich frühere Vermutungen, Tutanchamun könnte an dem Marfan-Syndrom (eine genetische Bindegewebserkrankung) gelitten haben, was eine Deformierung des Schädels zur Folge haben kann, nicht bestätigt. Echnaton ließ sich selbst und seine Kinder mit überdimensional nach hinten gestreckten Schädeln abbilden. Und auch Tutanchamuns Kopf sieht auf den ersten Blick so aus, als ob der Schädel ungewöhnlich weit nach hinten ausgerichtet wäre. Aber laut dem kürzlich erschienen Untersuchungsbericht ist die Länge nicht anormal.

1Zitat aus: Gabi Czöppan: „Ägyptenkult, Entzauberte Könige“, Focus, 14.10.2002
2Zitat aus: Uschi Hahn: „Einige Rätsel um ägyptischen Pharao gelöst“, Tagblatt, 18.02.2010