Der Gehilfe des Mumienmachers

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Als die Armee des Pharao Sethos I. den Aufstand in Tyros niederschlägt, nimmt sie viele Männer, Frauen und Kinder als Sklaven mit nach Ägypten. Auch der junge Ayat wird mit seiner Familie dorthin verschleppt. In Ägypten angekommen, werden Ayat und seine Mutter dem Hause des edlen Kesire in Waset zugeteilt. Dort muss Ayat niedere Arbeiten verrichten, wie Gefäße auswaschen oder Tinte herstellen. Als eine Kopfwunde, die er sich während der Überfahrt von Tyros nach Ägypten zugezogen hat, immer mehr schmerzt, bittet er den jungen Arztschüler Hepu, die Wunde zu versorgen. Zwischen Hepu und Ayat entsteht mit der Zeit eine Freundschaft und ein paar Mal werden Ayat und seine Mutter sogar zu Hepus Familie eingeladen. Bei diesen Treffen lernt Ayat Hepus Schwester Tentperet kennen. Er findet sie wunderschön, doch sie beachtet ihn kaum. Ayat hofft, sie irgendwie dennoch für sich gewinnen zu können.
Doch dann wird Ayat von Kesire dem Balsamierungshaus auf der anderen Seite des Flusses zugeteilt. Fortan muss er dort die Einbalsamierungspriester unterstützen. Seine Mutter und seinen Freund Hepu kann er nun bis auf Weiteres nicht mehr sehen und von Tentperet kann er nur noch träumen.

Der oberste Einbalsamierungspriester Wah ist ein unangenehmer Vorgesetzter. Er ist stets mürrisch und kurz angebunden und behandelt Ayat vom ersten Tag an schlecht. Gute Laune bekommt er nur, wenn ein reicher Toter zur Einbalsamierung gebracht wird und Ayat beobachtet manchmal, dass Wah die wertvollen Schmuckstücke sehr lange in der Hand hält und sie anscheinend nur ungern zwischen die Leinenbinden der Toten steckt. Überhaupt verhält sich Wah manchmal recht merkwürdig, findet Ayat. Ob er wohl in irgendwelche krummen Geschäfte verwickelt ist?
Ayat erinnert sich, dass Hepu ihm erzählt hat, dass einmal ein Gefangener vom Pharao die Freiheit zurückerhielt, weil er einen Diebstahl im königlichen Palast aufgedeckt hatte. Dieser Gedanke lässt Ayat nicht mehr los. Wenn er beweisen könnte, dass der Oberpriester Wah die Toten bestiehlt, könnte er vielleicht auch freigelassen werden und dann nach seinem Vater suchen, der während der Verschleppung von seiner Mutter und ihm getrennt wurde. Und als freier Mann könnte er vielleicht sogar Tentperet näherkommen, was für ihn undenkbar scheint, solange er noch ein gefangener Fremdling für sie ist.
So beschließt Ayat, der Sache auf den Grund zu gehen. Doch trotz aller Vorsicht scheint Wah etwas zu ahnen. Oder bildet sich Ayat das nur ein? Die Hoffnung auf ein besseres Leben für sich und seine Familie und auf ein Wiedersehen mit Tentperet treibt Ayat dennoch an. Er weiß, dass er Risiken eingehen muss, um etwas herauszufinden und dass dies lebensgefährlich für ihn werden kann. Er behält Recht…

Dieser historische Jugendroman hat eigentlich alles, was eine gute Geschichte braucht: einen sympathischen jugendlichen Helden, liebevoll gezeichnete Nebenfiguren, ein bisschen Gefahr, eine Prise Romantik und viele Details über die historische Epoche, in der die Handlung spielt. Es ist daher eine interessante und gute Geschichte geworden. Allerdings mit ein paar kleinen Schwächen. So werden Figuren eingeführt, die nach ein, zwei Unterhaltungen mit Ayat nie wieder auftreten (z.B. der Gehilfe Seb). Oder Ayats Vater taucht am Ende des Buches wieder auf, ohne dass auch nur mit einem einzigen Wort darauf eingegangen wird, was er in Ägypten erlebt hat. Ebenfalls enttäuschte mich, dass Ayat am Finale der Geschichte eigentlich überhaupt keinen Anteil mehr hat. Das Vorantreiben der Aufklärung der Verbrechen geschieht allein durch Ayats Freund Hepu. Dass nach all der gefährlichen Vorarbeit der eigentliche Held im „Showdown“ völlig außen vor bleibt, fand ich unverständlich. Zumindest über seine Gedanken und Gefühle während seines verzweifelten Kampfes hätte ich gerne etwas gelesen.

Dennoch insgesamt ein gutes Buch, das man einem Jugendlichen gerne empfehlen kann. Obwohl der Held und seine Familie gegen ihren Willen nach Ägypten verschleppt werden, wird insgesamt ein freundliches Bild von Ägypten und seinen Menschen gezeichnet. Ayat beginnt sich sogar für die Lebensweise, die Götter und insbesondere für die überlegene ägyptische Heilkunst zu interessieren. Und mit den Fragen, die er stellt, erfährt auch der Leser so Manches über die alten Ägypter. Das Buch ist daher durchaus dazu geeignet, Wissen zu vermitteln und Interesse zu wecken. Oder auch einfach nur, um ein paar spannende Stunden zu verbringen. Und das ist ja auch nicht das Schlechteste…

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