Buchcover "Im Bann der Pharaonin" von Volker Groh

Im Bann der Pharaonin. Der Weg zur Macht

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Peter und seine Frau Melanie streiten sich heftig, weil sie keine Lust auf einen erneuten Urlaub in Ägypten hat. Peter, Dozent für Archäologie und Ägyptologie, kennt aber nur dieses eine Reiseziel – und das seit Jahren! Doch diesmal kann er sie nicht mehr überreden. Sie packt ihre Sachen und verschwindet; Peter muss alleine nach Ägypten. Dort angekommen, findet er in einer abgelegenen Ecke des Karnaktempels ein junges Mädchen in einem altägyptischen Gewand, dessen Sprache niemand außer ihm versteht. Und was sie sagt, schockiert ihn noch mehr: Er sei ihr Vater und sie aus der Vergangenheit hierher gereist, um ihn zu suchen!

Um ihre verrückte Geschichte zu überprüfen, begibt er sich im großen Tempelkomplex von Karnak zu einem völlig unbekannten, verfallenen, kleinen Thot-Tempel, der ihr angeblich die Zeitreise ermöglicht hatte – und wacht kurz darauf tatsächlich im Alten Ägypten auf. Hier nimmt ihn die Dame Nofret auf, eine Vertraute der Königin Hatschepsut. Peter verliebt sich in beide Frauen und erwirbt sich auch das Ansehen der Königin, die ihn bald als ihren Berater ansieht. Nur einen geeigneten Namen braucht er noch, beschließt sie: Senenmut! Peter protestiert, denn er weiß natürlich um die geschichtsträchtige Rolle dieses Mannes und will eigentlich nicht in die Vergangenheit eingreifen und damit eventuell die Zeitlinie verändern – aber eine Königin duldet keinen Widerspruch.

Schon nach den ersten 20-30 Seiten wollte ich das Buch wieder zur Seite legen und nicht weiter lesen. Zu viele anzügliche Altherrenfloskeln und sexuelle Gedanken des Helden störten mich massiv. Aber wenigstens die Zeitreise ins Alte Ägypten wollte ich dann doch noch “mitnehmen” und sehen, wie der Autor diese Geschichte entwickelt. Denn grundsätzlich ist es ja eine schöne Romanidee, einen Menschen aus der heutigen Zeit in die Vergangenheit zu werfen und so diese Epoche, die uns ja aus den Geschichtsbüchern bekannt ist, durch einen modernen Blickwinkel zu sehen und sie auch mit Worten und Ausdrücken der heutigen Zeit kommentieren zu können. Da kann man dann auch die Königin ein “Meeting” abhalten lassen und im Badehaus eine Dusche einbauen. Trotz der modernen Sprache aber merkt man an vielen Details, dass der Autor sich im Alten Ägypten auskennt oder gut recherchiert hat. Alte Namen, Bauwerke und Gebräuche werden durchaus zutreffend beschrieben.

Die Story hat allerdings nur wenige wirklich fesselnde Momente, zu einfach und glatt verlaufen Hatschepsuts Regierungsjahre. Ihr junger Widersacher Thutmosis III. möchte zwar auf den Thron, lässt seine Tante aber lange relativ ungestört schalten und walten. Erst ganz zum Ende des Romans begehrt er wirklich auf. Interessant ist dafür der Charakter der Hatschepsut, die einerseits als kalte und unnahbare Königin dargestellt wird, deren Gefühlsausbrüche gefürchtet sind, die andererseits aber auch eine verletzliche Seite hat und romantische Gefühle, die sie nur selten zulassen darf. Die Stärke des Romans sind daher eindeutig die Szenen, in denen es um Hatschepsuts Gedanken und Gefühle geht sowie um das Ergreifen der vollständigen pharaonischen Macht – durch eine Frau!

Schön eingestreut sind auch die üblichen Verstrickungen eines Zeitreiseromans, wenn z.B. der echte Priester Senenmut am Hofe auftaucht und Peter sich fragt, wie es wohl die Zeit verändert, wenn er den echten Senenmut nun verbannen oder gar töten lassen würde. Oder wenn Hatschepsuts Totentempel am Ende nach Peters Entwurf gebaut wird, der ja weiß, wie der berühmte Terrassentempel im heutigen Luxor tatsächlich aussieht. Oder wenn Peter sich fragt, wie er denn zurück in seine Zeit gelangen soll, wenn es einen Tempel des Thot in Karnak zu dieser Zeit noch gar nicht gibt.

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Im Bann der Pharaonin – Der Weg zur Macht

Aber trotz allem musste ich mich durch dieses Buch echt durchkämpfen, weil Peter/Senenmut wirklich zu jeder Frau, die er sieht, sexuelle Gedanken hat – sogar zu seiner eigenen Tochter! Und fast alle Frauen in diesem Buch lieben ihn oder verfallen ihm sogar. Man fühlt sich ein bisschen erinnert an James Bond: Er ist der tollste Hecht und kriegt jede Frau. Leider geht diesem Buch aber der Humor und der süffisante Unterton der frühen Bond-Filme ab. Das Frauenbild ist dafür ähnlich überholt: Wenn in dieser Geschichte eine neue weibliche Romanfigur auftaucht, werden immer zuerst ihre Brüste oder andere köperliche Vorzüge beschrieben, die unter den dünnen Leinenkleidern auch ständig sichtbar sind. Nicht immer bleibt es dann so eindimensional – aber es beginnt eben immer so.

Wenn ich in anderen Bücherportalen die positiven Kritiken des Buches sehe, scheinen sich andere Leser nicht so sehr an der Übersexualisierung gestört zu haben, wie ich. Meinen Geschmack hat der Roman aber nun mal gar nicht getroffen, weshalb ich eine [inzwischen bereits erschienene] Fortsetzung – und das Buch endet ziemlich abrupt und ohne, dass alle Erzählstränge zuende erzählt wären – definitiv nicht mehr in die Hand nehmen würde. Meine Meinung ist: Der Roman hat eine gute Grundidee, die handwerklich auch solide erzählt ist, fährt diese aber leider durch ständige sexuelle Anspielungen und die erotische Verherrlichung der Hauptfigur mit Karacho an die Wand.