Weihrauch für den Pharao

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Der 12-jährige Sklave Karidon, dessen Herkunft unbekannt ist, wird auf dem Sklavenmarkt vom Schiffskapitän Jehoumilq gekauft. Schnell erweist er sich als ein fleißiger und gelehriger Schiffjunge, den der Kapitän langsam in sein Herz schließt. Daher schenkt er Karidon nach einigen gemeinsamen Handelsreisen die Freiheit und lässt ihn auf dem Gut des wohlhabenden Parennefer zurück, wo er Lesen und Schreiben lernen soll. Auch hier zeigt sich Karidon eifrig und neugierig auf alles Unbekannte. Er überhäuft jedermann mit Fragen und will alles wissen. Schnell wird auch Parennefer klar, dass er es hier mit einem sehr intelligenten jungen Mann zu tun hat, der durchaus einer höheren Gesellschaftsschicht entstammen könnte.
Parennefer plant im Auftrag des Pharaos eine Handeslexpedition in das sagenumwobene Land Punt, von dem man nicht mehr genau weiß, wo es liegt, zu dem aber schon in früheren Jahrhunderten ägyptische Schiffe gefahren waren. An dieser Reise soll auch Karidon teilnehmen und als Schiffsschreiber die Fahrt in allen Einzelheiten festhalten. Trotz aller Vorfreude auf eine weitere Reise mit seinem väterlichen Freund Jehoumilq fällt es Karidon schwer, das Gut Parennefers zu verlassen und damit auch die Sklavin Amisu, mit der er viel Zeit verbracht hat.
Nach einer langen und entbehrungsreichen Reise erreicht die Expdition schließlich Punt, wo die ägyptischen Seefahrer von den Einheimischen freundlich aufgenommen werden. Mehrere Monate bleiben sie in dem fernen Land, reparieren die Schiffe, füllen die Lebensmittelspeicher für die Rückreise wieder auf und tauschen die mitgebrachten Waren gegen das begehrte Weihrauch, Elfenbein und vieles Andere. Karidon wird durch die Häuptligstochter Askaia in die Liebe eingeführt und wieder fällt es ihm schwer, als der Tag der Abreise kommt. Doch Karidon weiß, wenn sie mit gut gefüllten Schiffen zurückkehren, werden sie vom Pharao sicher ausgezeichnet werden. Außerdem hat Jehoumilq ihm versprochen, dass sie nach der Rückkehr gemeinsam nach Karidons verlorener Familie suchen wollen.

Hanns Kneifel ist zweifellos ein guter Erzähler. Die Geschichte liest sich flüssig und es fällt einem leicht, sich die Orte und Situationen vorzustellen. Dennoch konnte mich das Buch nicht völlig begeistern. Zu glatt und schnörkellos verläuft die Geschichte. Alle Personen, auf die Karidon trifft, mögen und fördern ihn. Es gibt in der gesamten Story keinen Gegenspieler, keine Gefahr und keinen falschen Freund. Zwar haben die ägyptischen Seeschiffer mit Durst und Hunger zu kämpfen, aber ich musste nie Angst darum haben, dass sie evtl. ihr Ziel nicht erreichen könnten. Dadurch entwickelt sich leider keine Spannung, die den Leser auf das Kommende neugierig macht.

Nun könnte ein Roman nicht nur durch die Spannung zwischen Gut und Böse sondern bspw. auch durch eine gute Liebesgeschichte, die vielleicht in Gefahr gerät, mein Interesse wecken. Aber auch dieser Aspekt wird vom Autor sträflich vernachlässigt. Zwar ist Karidon im Laufe der Geschichte mit zwei jungen Frauen zusammen, aber in keiner dieser Beziehungen werden intensive Gefühle geschildert. Keine von beiden ist die eine große Liebe, die mein Herz erwärmen könnte. Kneifel schafft es zwar wunderbar, verschiedene Männerfreundschaften zu beschreiben, aber eine wirkliche Liebesgeschichte bringt er nicht zusammen.
Auch die Nebenhandlung, in der eine Frau aus Kreta namens Amina ihren von Sklavenhändlern verschleppten kleinen Bruder sucht, ist von Anfang an vorhersehbar. Und auch dieses vorhersehbare Ende gerät unterwegs nie in Gefahr oder wird in Zweifel gezogen.

Die von Hanns Kneifel durchaus interessant erdachten Handlungsstränge hätten eine wirklich gute und spannende Geschichte ergeben können, wenn Intrigen, Gefahr oder Leidenschaften vorkommen würden. Ohne all dies blieb sie für mich jedoch seicht und keinesfalls fesselnd.

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