Die Prinzessin am Nil

Anchesa, Tochter Pharao Echnatons und seiner Frau Nofretete, ist ein Wildfang. Sie hält es nicht innerhalb den Mauern ihres Palastes in der Sonnenstadt Achetaton. Stattdessen streift sie heimlich mit ihrer Katze durch die Straßen der Stadt und sorgt durch ihr wildes Temperament für allerlei Aufruhr. Bei einem ihrer Streifzüge lernt sie den jungen Tutanchaton kennen, der sie anfangs wegen ihrer frechen Art einfach nur unsympathisch findet. Umso größer ist der Schock, als ihm ausgerechnet Anchesa als seine zukünftige Braut vorgestellt wird. Die beiden weigern sich, in eine gemeinsame Ehe einzutreten.

Doch bald überschlagen sich die Ereignisse. Anchesa belauscht bei einer Konferenz die Warnungen General Haremhabs an ihren Vater. Die Hethiter wären schon in ägyptisches Gebiet eingefallen und es wäre nur eine Frage der Zeit, bis sie ganz Ägypten erobern würden. Echnaton jedoch weigert sich die Hethiter anzugreifen. Sein Glaube verachtet die Gewalt und daher soll kein Tropfen Blut auf die Erde Ägyptens fallen. Anchesa kann die Blindheit ihres Vaters angesichts der Gefahr, die von den Hethitern ausgeht, nicht verstehen. Und als sie dann noch von ihrer stolzen Schwester Meritaton hört, sie würde bald ihren eigenen Vater heiraten und an seiner Seite regieren, brechen bei ihr alle Dämme. Sie beschließt aus dem Palast zu fliehen und ihre Mutter Nofretete zu finden, die schon seit vielen Jahren nicht mehr am Hofe Achetatons lebt. Ihre Mutter soll Echnaton zur Vernunft bringen, so zumindest ist Anchesas Plan. Gleichzeitig hofft sie eine Antwort auf die Frage zu finden, warum Nofretete ohne ein Wort des Abschieds die Sonnenstadt in aller Eile verlassen hat.

Ausgerechnet unter Tuts Sänfte versucht sie sich, natürlich ohne sein Wissen, aus dem Palast zu schmuggeln. Ihr Fluchtversuch fliegt auf und da Tut eine Bestrafung wegen seiner „Mithilfe“ befürchtet, erklärt er sich widerwillig bereit Anchesa zu helfen. So können die beiden doch noch aus Achetaton fliehen und brechen gemeinsam nach Süden zur Elefanteninsel auf, wo Anchesa den geheimen Aufenthaltsort ihrer Mutter vermutet. Doch es kommt zu einem Zwischenfall. In Theben, im Tempel des von Echnaton verfemten Gottes Amun, werden sie Zeuge eines Bündnisses von Haremhab und den Amun-Priestern, die dem General die Krone Ägyptens versprechen. Doch Anchesa und Tut werden entdeckt und haben nun neben dem Suchtrupp Echnatons auch noch General Haremhab und die Priester auf dem Hals. Werden Anchesa und Tut es schaffen, Nofretete zu finden und das Reich vor der Bedrohung der Hethiter und der machtgierigen Amun-Priester zu beschützen?

Der Animationsfilm, der nur auf DVD erschienen ist, erzählt die Geschichte der 3. Tochter Echnatons und Nofretetes frei nach Christian Jacqs Roman „La Reine Soleil“, der in Deutschland unter dem Titel „Nofretetes Tochter“ erschienen ist. Zu Gunsten der Dramatik, wird der Fantasie noch mehr freien Lauf gelassen als in Christian Jacqs Romanvorlage. So dankt z.B. Pharao Echnaton nach dem vermeintlichen Tod Anchesas und dem Druck des Hohen Rates ab, was weder im Buch noch in der Realität der Fall war. Er zieht sich in der Pyramide seiner Sonnenstadt zurück, um sich mit seinen Vorfahren zu vereinigen. Obwohl diese Szenerie völlig frei erfunden ist, so ist sie doch eine der Höhepunkte des Films, was nicht zuletzt der, in den meisten Teilen sehr atmosphärischen, Filmmusik des Komponisten Didier Lockwood zu verdanken ist. Jüngere Kinder (FSK ab 6 Jahren) könnten mit der dramatisch aufgebauten Szene von Echnatons Vereinigung mit seinen Vorfahren aber überfordert sein, und obwohl in den meisten Kinderfilmen das Dahinscheiden von Personen eher Seltenheitsfaktor hat, segnen bei „Die Prinzessin am Nil“ vor den Augen der Zuschauer gleich mehrere das Zeitliche.

Animationsfilme wären auch durchaus etwas für junggebliebene Erwachsene, wie einer der Drehbuchautoren in dem „Making of“ (das neben einem Trailer das einzige Special dieser mager ausgestatteten DVD ist) meint. Das kann ich trotz einiger kindlichen Elemente (Anchesas Ritt auf einer Raubkatze) durchaus unterstreichen, denn für jüngere Kinder ist der Film definitiv nicht geeignet.

Die Charaktere sind durchweg gut entwickelt und bestechen durch ihre gegensätzlichen Eigenschaften. Anchesas freche und unbeschwerte Art gegen Tuts häufige Verlegenheit, die er mit (manchmal leider etwas nervigen) Trotz zu überspielen versucht. Der spirituelle und friedliebende Echnaton steht im krassen Gegensatz zu den machthungrigen Hethitern und vor allem zu den skrupellosen Amun-Priestern, die – ebenfalls eher untypisch für einen Zeichentrickfilm – an Boshaftigkeit kaum zu überbieten sind. Und irgendwo dazwischen steht der General Haremhab, der eigentlich nur das Wohl Ägyptens im Sinn hat.

All jenen „junggebliebenen Erwachsenen“ und älteren Kindern, für die einige historische Ungenauigkeiten nicht von Bedeutung sind (wer erwartet das eigentlich auch schon von einem Zeichentrickfilm und dann noch nach einer Romanvorlage von Christian Jacq? 😉 ), bietet „Die Prinzessin am Nil“ abendfüllende Unterhaltung, eine spannende und manchmal auch witzige Geschichte, gute Animationen und einen ins Ohr gehenden Soundtrack. Empfehlenswert.

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