Das Siegel der Totenstadt

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In der Nekropole der ehemaligen Hauptstadt Theben gehen Grabräuber um. Mehrere einfache Beamtengräber sind bereits geplündert worden. Reich sind der Maler Pendua und der Steuereintreiber Meribast dabei aber nicht geworden – zu gering sind die Grabbeigaben dieser Gräber. Ein Königsgrab müsste man berauben! Aber dafür bräuchten die Grabräuber eines der Siegel der Totenstadt, mit dem man das Grabsiegel anschließend wieder anbringen könnte, sonst würde der Raub entdeckt, noch bevor man die Beute in Sicherheit gebracht hätte. Aber es gibt nur drei dieser Siegel, und als einfacher Bürger wird man nicht einmal in die Nähe von einem kommen.

Zu allem Unglück werden die Verschwörer seit kurzem auch noch von einem Unbekannten erpresst, der bei seinen Treffen stets eine Anubismaske trägt. Wer ist dieser Anubis und woher weiß er von ihnen? Und obwohl die Diebe immer vorsichtig waren und ihre Spuren stets verwischten, zieht sich so langsam doch die Schlinge um ihre Hälse zu.

Anke Dietrich überzeugt bei diesem sehr schön aufgebauten Roman nicht nur mit guten Charakteren und einer spannenden Handlung sondern auch mit Fachwissen. So gelingt ihr eine stimmige altägyptische Atmosphäre, die den Leser an die Ufer des Nils und in die heiße Wüste Ägyptens mitnimmt. Gekonnt beschreibt sie das Leben an der „Stätte der Wahrheit“, wie das Dorf der Grabhandwerker genannt wird.

Mit Verwunderung stellt man während des Lesens fest, dass es gar keine Hauptperson gibt, mit der man sich identifizieren kann. Das stört aber gar nicht, denn die Figuren sind allesamt interessant und ihre Charaktere klug herausgearbeitet. Die Spannung, wer der geheimnisvolle Anubis sein könnte, wird bis zum Schluss aufrecht erhalten und man fragt sich zum Ende hin unwillkürlich, wie Ramesse und Merenptah, die Söhne des Pharaos Ramses, die von ihrem Vater mit der Aufklärung des Raubes beauftragt wurden, wohl die Diebesbande überführen wollen.

Dies ist dann auch der große Kritikpunkt an der Story, denn die überraschende Auflösung wird nicht in die Handlung eingebettet sondern erfolgt auf den letzten Seiten in einer Art Monolog des Prinzen Ramesse während einer Gerichtsverhandlung. Schöner wäre es gewesen, wenn die Untersuchungen immer ein kleines Stückchen mehr aufgedeckt hätte und man als Leser in Andeutungen und Ahnungen der Lösung selbst hätte auf die Spur kommen können. So aber sind Merenptah und Ramesse – genau wie der Leser – kurz vor der Gerichtsverhandlung noch völlig ahnungslos, wer sich hinter der Maske des Anubis verbirgt. Und erst nach einer Befragung der Beteiligten erläutert dann Ramesse, wer es ist und wie das alles zusammenhängt. Das hätte man spannender machen können.

Dennoch: Im Zusammenspiel von guter Geschichte, interessanten Figuren und authentischer altägyptischer Atmosphäre ist dies ein wirklich guter und lesenswerter Ägyptenroman, der Lust auf weitere Bücher dieser Autorin macht.

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