Das Amarna-Grab

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Den Wissenschaftler Paul Starck verschlägt es mit einem besonderen Auftrag nach Kairo: Er soll die vermeintlichen Mumien von Echnatons Familie untersuchen und mit Hilfe von DNA-Tests Verwandtschaftsverhältnisse aufdecken. Die Mumie der so genannten „jüngeren Dame“ gibt ihm dabei Rätsel auf. Ihr Gesicht und ihr Brustkorb sind zerschmettert. An der Einschnittstelle, wo die Organe für die Mumifizierung entnommen wurden, findet Starck Blutgerinnsel. Und Blut gerinnt nur wenn, der Tod noch nicht eingetreten ist. Die „jüngere Dame“ muss also bei lebendigem Leibe mumifiziert worden sein! Als Starck noch versucht, die Zusammenhänge zu begreifen, kontaktiert ihn sein alter Studienkollege Velikowsky, der von einer aufregenden Entdeckung berichtet. In der Oase Siwa, unter dem Amun-Tempel, wo einst Amuns berühmtes Götterorakel stand, wurde eine Grabkammer gefunden. Doch dies ist keine normale Ruhestätte für die Ewigkeit. Durch das im Erdreich existierende Ammoniak, das seinen Namen von der antiken Bezeichnung des Amun-Tempels Ammonion hat, ist es dort sehr kalt. Velikowsky nennt die Grabstätte geheimnisvoll das „Grab des ungeborenen Lebens“. Und kein geringerer als Echnaton soll sie erbaut haben… Szenenwechsel.

Am Hofe des Königs Amenhotep IV. (Echnaton) verspricht der aramäische Sklave Aaron seinem König, ihm seinen größten Wunsch zu erfüllen: „Im Diesseits ewig zu leben“. Weder steinerne Monumente, die von seinen Nachfahren abgebaut werden können, noch Wandbilder und Statuen, die zerstört oder durch das Ersetzen seines Namens verändert werden können, haben die Macht dazu. Doch Aaron kennt das Geheimnis ewigen Lebens und fordert vom Pharao im Gegenzug die Freilassung seines in Knechtschaft lebenden Volkes. Um Amenhoteps Vertrauen zu gewinnen, verspricht er ihm zudem noch, unter seinem Volk die Lehre des einen Gottes Aton, den Amenhotep so sehr verehrt, zu verbreiten. Aber erst wenn der Pharao Aarons Volk für würdig empfunden hat, seine Lehre zu verbreiten, dürfen sie Ägypten freien Fußes verlassen.
Amenhotep willigt in Aarons Angebot ein und in der Oase Siwa wird tief im Erdreich eine Stätte gebaut, die dem Pharao ewiges Leben sichern soll…

Was folgt, ist eine unglaubliche Geschichte, die von mir anfangs mit ungläubigem Kopfschütteln registriert wurde, deren Faszination ich aber hinterher doch erlegen war. Wie nicht anders zu erwarten, birgt das Grab einige Überraschungen und neue Rätsel. Was am Anfang für einige Irritationen sorgte, beginnt sich nun bald aufzuklären. Die Frage nämlich, was Jesus denn mit der Geschichte Echnatons zu tun hat. Der Autor erzählt, parallel zu Paul Starcks und Echnatons Geschichte, den Verrat und die Kreuzigung Jesus. War Echnaton der „Urvater“ unserer christlichen Religion? Eine Theorie, die auch in wissenschaftlichen Kreisen schon mehrfach diskutiert wurde.
Der Autor liefert uns trotz der fiktiven Handlung, eine Fülle an Fakten und durchaus logischen Interpretationen der Geschichte, wie die Theorie, dass die Errichtung einer neuen Hauptstadt in einer Rekordzeit von 3 Jahren mit viel Schweiß und Blut einherging. Wie wir auf seiner Homepage erfahren, könnte es laut der NASA wirklich eine Sonnenfinsternis zur Zeit Echnatons gegeben haben, die ihn nachhaltig beeinflusst haben könnte (wobei ja leider keiner seine genaue Regierungszeit kennt). Faszinierend auch Normus‘ Feststellung weit vor Zahi Hawass‘ Veröffentlichung der DNA-Tests von Echnatons Familie, die Mumie der „jüngeren Dame“ sei die Mutter Tutanchamuns gewesen.
Jacob Normus hat viele Recherchen betrieben und sich unglaubliche Mühe gegeben, eine in sich schlüssige Geschichte zu erzählen. Der Leser erhält viele Hintergrundinformationen über die Amarna-Zeit, und damit auch wirklich jeder Leser seine Ideen und Ausführungen verstehen und nachvollziehen kann, hat der Autor sogar in den Kontext passende Bilder gezeichnet.
Der Wissenschaftler Paul Starck bleibt bis zum Schluss ein Skeptiker. Er kann die Ausführungen Velikowskys mit seinen pragmatischen Gedankengängen nicht nachvollziehen. Der Leser weiß es besser. Er kennt die Geschichte und daher auch die Wahrheit hinter Velikowskys Worten. „Forschung darf nicht nur auf Gewissheit basieren, sondern auch auf Inspiration.“ Diese Worte Velikowskys möchte man gerne dem Autor in den Mund legen und es als Appell an den Leser sehen, Raum für Interpretationen abseits aller wissenschaftlicher Fakten zu lassen.
Viel Begeisterung und jede Menge Recherchearbeit liegen in „Das Amarna-Grab“ – und das merkt man dem Buch von der ersten bis zur letzten Seite an.

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  1. Selket über “Das Amarna-Grab” | Jacob Nomus' Blog