Jener Sommer in Wien, als Tutanchamun bei mir wohnte

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Ach ja, welcher (weibliche) Ägypten-Fan träumt nicht davon, einmal Tutanchamun zu treffen. Zumindest so ein Tutanchamun wie ihn die Autorin Micha Wölfer beschreibt. Charmant, sexy, clever,… Ein Mann ohne Fehl und Tadel. Und dieser tritt ausgerechnet in das Leben von Isa, einer Malerin aus Wien. Unscheinbar, introvertiert, unsicher. Jahrelang wurde sie unterdrückt und gedemütigt von ihrem Ex. Eigentlich hatte die 23-jährige schon mit ihrem Liebesleben abgeschlossen.

Aber dann kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung in der ägyptischen Abteilung des kunsthistorischen Museums Wien. In einem Sarkophag liegt ein gutaussehender junger Mann, gekleidet und geschminkt wie ein Ägypter aus längst vergangenen Zeiten. Es bedarf schon einiger Überzeugungskraft, Isa klarzumachen, dass er wirklich DER Tutanchamun und kein Betrüger ist –  wiedergekehrt aus der ägyptischen Unterwelt durch seinen Ba, den er unglücklicherweise verloren hat, weshalb er nicht mehr zurückkehren kann. Also nistet er sich erst in Isas Atelier und dann in ihr Herz ein. Die beiden verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Der Ba tritt erst einmal in den Hintergrund doch bald schlägt das Schicksal schwer zu und Isa muss sich auf die Suche nach dem Ba machen – wohlwissend dass ihr Liebster sie dann verlassen und wieder zurück in die ägyptische Unterwelt kehren muss…

Wenn ein seit 3000 Jahren toter Ägypter auf die Welt von heute trifft, kommt es natürlich zu merkwürdigen Situationen, die gepaart mit skurrilen Nebenfiguren, wie dem Museumswächter Hubert und der resoluten Tante Nora, zu einigen Lachern führen. Die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz, allen voran die Hauptperson Isa, die die Ereignisse in Tagebuchform vorträgt und die durch den schwungvollen Stil der Autorin die Geschichte zu einem vergnüglichen Abenteuer macht.

Leider können Isas ausschweifende Gedankensprünge manchmal zu einer langatmigen Episode werden, worauf man sich einfach einlassen muss. Genau wie einige für meinen Geschmack ein wenig zu übertriebene und zu kitschig geratene Situationen, aber so ist das vielleicht mit Märchen, denn genau das ist die Geschichte in meinen Augen: ein modernes Märchen. Er, der makellose Prinz, und sie, die Unscheinbare, die durch ihn vom hässlichen Entlein zum bildschönen Schwan mutiert. Der böse Ex, der seiner Liebsten so viel Leid angetan hat, wird natürlich zum Duell herausgefordert (hier ein Boxkampf), aus dem Tut, wie solte es anders sein, als (mehr oder weniger) strahlender Sieger hervorgeht und der Andere gedemütigt den Ring verlässt. Ob das Märchen auch mit „Und wenn sie nicht gestorben sind…“ endet, wird hier natürlich nicht verraten.

Micha Wölfer hat mit „Jener Sommer in Wien, als Tutanchamun bei mir wohnte“ eine klasse Idee zu Papier gebracht, die ein wenig an das Buch „Jesus liebt mich“ erinnert. Eine spritzige und fantasievolle Geschichte mit ein paar kleinen Längen aber dennoch lesenswert.

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