Mittelägyptische Grundgrammatik

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Viele hieroglypheninteressierte Laien, die Einsteigerbücher wie Zauzichs „Hieroglyphen ohne Geheimnis“ durchgearbeitet haben und ihre Kenntnisse im klassischen Ägyptisch weiter vertiefen wollen, stehen vor einem grundlegenden Problem: Womit mache ich weiter? Viele greifen dann zu Hellmut Brunners „Mittelägyptische Grundgrammatik“, die von Boyo Ockinga überarbeitet wurde und 2012 in der mittlerweile 3. überarbeiteten Auflage erschienen ist.

Die „Mittelägyptische Grundgrammatik“ führt den Interessierten durch alle wichtigen Bereiche der Grammatik, wozu die „Schrift und Transkription“ und die „Formen und Satzlehre“ gehören, in der verschiedene Satztypen, Zeiten, usw. besprochen werden. Im Prinzip könnte man also nach Durcharbeitung dieses Buches Texte mit Mittelägyptischer Schrift lesen – im Prinzip. Denn ist das Buch wirklich für weiterführende Hieroglyphen-Studien geeignet? Die Antwort lautet: sehr begrenzt.

Das fängt schon bei den recht knapp gehaltenen Erläuterungen an und hört bei den Übungen auf. Zwar hat Ockingas Grammatik an den meisten Stellen Beispiele parat, um das Erlernte zu vertiefen, doch reichen die Erläuterungen nicht immer, um das dort Erlernte auch wirklich zu vertiefen und zu verstehen. Zudem fehlt es an praxisnahen Übungen, was für den interessierten Laien wahrscheinlich das größte Manko sein wird. Am Ende des Buches befinden sich zwar einige Hieroglyphentexte (als längster Text die Geschichte des Schiffbrüchigen), doch die Übersetzungen dazu sucht man in dem Buch vergeblich.

Und es warten weitere Hindernisse auf den Einsteiger: Nicht nur die ägyptische Grammatik verlangt dem Lernenden einiges an Selbststudium ab, sondern bei vielen könnte wahrscheinlich auch die längst im Hinterstübchen verschwundene deutsche Grammatik zum Problem werden. So stoßen wir auf Begriffe wie Reflexivum, Radikale oder ein syntaktisches Äquivalent, die hier nur dürftig bis gar nicht weiter erklärt werden.

Ein Ärgernis ist die Tatsache, dass sich die Ägyptologen nicht auf eine einheitliche Transkriptionsschrift einigen können, wofür das Buch, zugegebenermaßen, nichts kann, was ich aber hiermit mal erwähnen möchte. Einige Umschriften sind hier aber dennoch ungewöhnlich, wie die Endung .wy für den Dual (normalerweise .wj). Schade finde ich, dass im Gegensatz zur 2. Auflage keine konkreten Hinweise erwähnt sind, welche Überarbeitungen denn nun in der 3. Auflage Einzug gefunden haben.

Die „Mittelägyptische Grundgrammatik“ ist in meinen Augen mehr ein Begleit- als ein Lehrbuch. Für den Studenten sicherlich eine wertvolle Nachschlagelektüre zu seinen Studien, für einen Laien aber nicht ideal. Mangels besserer Bücher auf dem deutschen Markt muss er sich aber wohl oder übel durch das Buch durchbeißen. Doch ob man die Hieroglyphen mit Ockingas „Mittelägyptische Grundgrammatik“ wirklich erlernen kann, wage ich zu bezweifeln (es ist halt nur eine GRUNDgrammatik). Viel Selbstdisziplin und weiterführende Studien sind ein Muss für all diejenigen, die zumindest des Mittelägyptischen mächtig werden möchten.

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