Sinuhe der Ägypter

Sinuhe der Ägypter begleitet mich als Buch nun schon seit mehr als 15 Jahren. Auch das Hörbuch ist eines der wenigen, das ich eineingeschränkt weiterempfehlen kann.
Als ich dann erfuhr, dass es eine Verfilmung aus dem Jahre 1954 (also mitten in der Glanzzeit des Monumentalfilmes) gibt, war ich, als leidenschaftlicher Cineast, begierig darauf diesen in meinen Händen zu halten. Auch die ersten Bilder wirkten vielversprechend und als ich ihn dann das erste Mal sah (als qualitativer schlechter Import aus Asien), verstand ich, warum er oft als unterschätzte Perle des Monumentalfilms bezeichnet wird

Die Geschichte

Die Geschichte handelt vom Leben Sinuhes, der von dem Armen-Arzt Senmut und seiner Frau Kipa aufgenommen wurde. Das Ganze spielt zur Zeit Echnatons dem „Ketzerkönig“. Somit ist der Hintergrund für eine gute Geschichte gelegt.

Natürlich lässt sich ein Buch mit ungefähr 1‘100 Seiten nicht 1:1 in Spielfilmlänge (139 min) umsetzen. Auch ist der Film weniger finster und beinhaltet weniger Erotik. Dies wäre in einem Monumentalfilm von 1954 auch kaum denkbar gewesen. Schade ist es dennoch, dass Figuren wie Thutmose (Sinuhes Freund aus Kindertagen) oder gewisse Ereignisse kaum oder gar keine Erwähnung finden. Auch vermisst die Geschichte jegliche gesellschaftliche Kritik, die gerade im Buch sehr stark zur Geltung kommt.

Somit beschränkt sich der Film auf Sinuhes Leben, seiner Frage nach dem „warum“ und auf Echnaton, der mit seinem Aton-Kult Ägypten beinahe in den Ruin treibt. Über historischen Ungenauigkeiten und Freiheiten die sich der Film nimmt, kann man getrost hinweg sehen, da es sich nicht um eine Dokumentation handelt und das Buch selbst, auch nicht mehr dem aktuellen Wissensstand entspricht.

Die Produktion des Films

Der Film beginnt, für diese Zeit typisch mit den Credits. Anfänglich hat man noch eine Erzählerstimme, die kurz über die verlorene und einzigartige Kultur von Ägypten sinniert und man blickt auf den Nil, die Ruinen von Tempeln und natürlich auf die Sphinx mit den Pyramiden im Hintergrund. Eine Kombination von Matte Painting und Kulisse überblendet die Szene, die uns einen Blick auf den Glanz vergangener Tage werfen lässt. Natürlich ist das tricktechnisch nicht mehr zeitgemäss. Aber das Bild ist schön gezeichnet und die umherwandelnden Statisten sorgen für die notwendige Lebendigkeit.

Im Allgemeinen lässt sich über die Produktion nichts Schlechtes sagen. Die Kostüme, Massenszenen und Kulissen sind alle detailverliebt und entsprechen in etwa dem Bild, das ich von Ägypten in einem Film erwarte. Natürlich kann das Ganze nicht mit aktuellen Produktionen mithalten, das kann von einem 62 jährigen Film auch schlicht nicht erwartet werden.
Dennoch schaffen es die Bilder mich jedes Mal von neuem zu verzaubern.

Kostüme und Requisiten scheinen auf den ersten Blick, direkt aus einem Grab zu stammen oder von Wandmalereien übernommen worden zu sein. Bei keinem anderem gleichaltrigen Film über das alte Ägypten, findet man diese Liebe zum Detail. Der Film schmückt alles so weit wie möglich aus, ohne jedoch unnötigem Kitsch zu verfallen. Da verzeih ich auch die relativ modernen Frisuren gewisser Darsteller.

Der Musik fehlt das gewisse Etwas um bei mir wirklich im Gedächtnis zu bleiben. Selbst jetzt erinnere ich mich nur an den Refrain der Aton-Hymne „How Beautiful“. Dafür aber bettet sie sich perfekt ins Geschehen ein und untermalt Situationen und Emotionen ohne aufdringlich zu werden. So wird die Musik auch mit Instrumenten Gespielt, die in den Szenen vorkommen.

Die Schauspieler machen einen guten Job. Besonders hervorzuheben ist Peter Ustinov als Kakfa. Seine Figur schliesst man sofort ins Herz. Er ist ein herzlicher Diener und Dieb, der für Heiterkeit sorgt und schlicht die klügste Figur der Geschichte ist. Auch Edmund Pedrum, dessen damalige Unbekanntheit oft als Grund für den geringen Erfolg des Filmes angesehen wird, leistet eine gute Vorstellung und bietet einen überzeugenden Sinuhe. Man achtet darauf, wie sich sein Sinuhe während dem Film verändert. Im Allgemeinen neigt das Schauspiel, für diese Zeit typisch, leicht zum theatralischen, und kann für heutige Zuschauer befremdlich wirken. Für mich unterstreicht es jedoch die literarischen Wurzeln.

Natürlich darf bei einem Monumentalfilm auch die Action nicht zu kurz kommen. So wird eine Löwenjagd auf einem (schönen ägyptischen!) Streitwagen geboten. Kämpfe und Schlachtgetümmel findet man beim Finale, da kann jedoch nicht wirklich von Schlacht gesprochen werden. Trotz dem Alter sind die meisten Kampfszenen gut inszeniert und wirken durchaus glaubhaft.

Gegen die Produktion des Films kann ich nichts Negatives sagen. Natürlich sind gewisse Effekte nicht mehr auf der Höhe der Zeit und gerade in der besagten Löwenszene sieht man dem Film das Alter an. Solches muss aber einem bewusst sein, wenn man einen Film aus dem Jahr 1954 schaut. Und selbst bei heutigen Produktionen wirken Frontalaufnahmen während der Fahrt (sei das in einem Streitwagen oder in einem Automobil) nicht immer realistisch.

Das Medium

Der Film erschien hierzulande auf DVD (in den USA auf Blu-ray). Die DVD bietet ein hervorragendes Bild, dass das Alter des Filmes Lügen straft. Ich habe schon Umsetzungen von neueren Filmen auf Blu-ray gesehen, die schlichtweg nicht halb so toll aussehen.
Die Ton-Spuren kommen in Mono (Deutsch) und Stereo (Englisch) daher. Die limitierte Blu-ray aus den USA hat ein aufbereitetes 5.1 DTS Master, wie gut das ist kann ich jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen. In dieser Hinsicht wäre scheinbar mehr drin gewesen. Jedoch ist die Abmischung gut und die Stimmen sind klar verständlich ohne, dass die Musik zu weit in den Hintergrund rückt.

Die DVD kommt mit Wendecover, somit kann man den FSK-Flatschen problemlos in die Innenseite verbannen und hat das Cover, das auf das alte Kinoplakat beruht, in voller Pracht.

Das Bonus-Material fällt verhältnismässig schwach aus. Deutscher Trailer, eine Postergalerie und Biografien, nichts das die Suchmaschine des Vertrauens nicht auch finden würde. Die US Blu-ray ist kaum noch erhältlich, ausser man ist bereit EUR 200.00 zu bezahlen. In anderen Ländern ist der Film jedoch auch auf Blu-ray verfügbar, bietet aber auch da nur Mono-Ton und noch weniger Bonusmaterial.
Somit ist die Deutsche DVD sicherlich die Beste Wahl und den anderen erhältlichen VÖ vorzuziehen.

Die Ägyptiness

Wie „altägyptisch“ fühlt sich der Film an? Um ehrlich zu sein, ich habe damals noch nicht gelebt und kann nicht sagen ob der Film authentisch ist. Aber die Bilder, die Musik, die Figuren sind einfach großartig. Oft scheint es man beobachte ein zum Leben erwecktes Relief. Die Set- und Kostüm-Designer haben sich wirklich selbst übertroffen und das sieht man über den ganzen Film hinweg. Mehr wünsche ich mir eigentlich nicht.

Fazit

Sinuhe der Ägypter ist sicherlich nicht so ein großartiger Film, wie die Vorlage ein großartiges Buch ist. Viel zu viel wurde für das damalige Publikum aufgegeben und verändert. Trotz Schwächen entstand einer der schönsten Filme über das Alte Ägypten, der Sehnsüchte weckt und zum Träumen verleitet. Der Film nistet ein ungerechtes Nischendasein im Monumentalfilm-Genre und die DVD kriegt von mir eine absolute Kaufempfehlung.

Einzig allein, der auf Brechen und Biegen eingefügte religiöse Unterton gegen Ende des Films, ist für mich ein Wehrmutstropfen, weshalb ich ihm nicht die vollen 5 Punkte geben kann.

Somit bleibt’s bei 4 von 5.

Das könnte Dich auch interessieren

  • Antworten

    Edmund

    Hallo, besten Dank für die Beschreibung des Films.
    Würde ihn gerne Kaufen wenn ich wüsste wo. Auch das Buch würde ich Kaufen, habe es aber nirgends gefunden. Bitte Kontakt.

Wie fandest Du das Buch/den Film?

Deine Bewertung