Buch-Cover "Krieger der Maat" von Monika Mangal

Krieger der Maat

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In einer Zeit, da Ägypten in zwei Teile, den Norden und den Süden, geteilt ist, lebt der junge Nebka nahe der Grenze dieser beiden Königreiche. Hier kommt es häufig zu Überfällen feindlicher Truppen. Als bei einem solchen Überfall Nebkas Mutter verschleppt wird und er von seinem Stiefvater, von dem er sich ohnehin unverstanden fühlt, daran gehindert wird, ihr zu helfen, hält ihn nichts mehr in seinem Zuhause. Und als dann noch seine Jugendfreundin einen Anderen heiratet, meldet sich Nebka freiwillig zum Heer. Schon lange träumt er von einem einigen und starken Ägypten. Nun will er seinem König Merikare helfen, den Süden zu besiegen und das Land wieder zu vereinen.
Wenigstens geht sein bester Freund Rani mit ihm, mit dem er schon seit Kindertagen befreundet ist und der unbedingt mit ihm zusammen bleiben will. Rani entpuppt sich schon in der Grundausbildung als guter Bogenschütze. Nebka hingegen hat kein Talent dafür und Rani stellt aus Freundschaft zu ihm seine eigene Karriere zurück und bleibt mit ihm bei den einfachen Kämpfern. Doch als nach einigen Schlachten Nebka zu der Überzeugung gelangt, dass der König des Südens, Mentuhotep, der bessere Herrscher wäre und er daraufhin die Seiten wechselt, will Rani ihm nicht mehr folgen. Von nun an kämpfen die Freunde auf unterschiedlichen Seiten – und nur einer von ihnen kann diesen Kampf gewinnen.

Es ist eine sehr kriegerische Geschichte geworden, die uns Monika Mangal hier erzählt. Kampfhandlungen, Verletzungen, Vergewaltigungen, der Tod und das Töten sind Teil dieser Geschichte und mussten es wohl auch sein, wenn man den Fund berücksichtigt, der sie zu diesem Roman inspiriert hat: ein Massengrab von mehreren Dutzend getöteten Kriegern, das in Luxor nahe des Totentempels von Mentuhotep II. gefunden wurde. Die schweren Verletzungen der im Mentuhotep-Tempel mumifizierten Soldaten bezeugen die heftigen Kämpfe, in denen sie starben – der Ort ihres Grabes und die Königskartusche auf ihren Mumienbinden bezeugen die Ehre, die ihr König ihnen dafür zollte. Mangals Version der Geschichte, wie es wohl zu diesem ungewöhnlichen Massengrab kam, ist durchaus glaubwürdig und fügt sich nahtlos in die bekannten geschichtlichen Fakten um den Zwist des Nordens und des Südens in dieser Epoche ein, die wir heute die erste Zwischenzeit nennen.

Der rote Faden, an dem entlang die Autorin diesen Roman schreibt, ist das Erwachsenwerden des Jungen Nebka, Sohn des Dorfvorstehers. Wie die meisten Jugendlichen, fühlt er sich von seinen Eltern – in diesem Fall von seinem Stiefvater – nicht verstanden und nicht respektiert. Als seine Mutter nicht mehr da ist, verlässt er daher sein Heim und geht zum Heer. Das harte Leben als Soldat, schwere Kämpfe, viele bittere Momente, aber auch einige glückliche Zufälle lassen ihn zu einem Mann werden, der sich am Ende mit seinem Leben – und sogar mit seinem Stiefvater – aussöhnt. Er ist endlich erwachsen geworden.

Die Autorin legt also viel Wert auf die psychologische Seite ihres Helden. Sie beschreibt uns seine Gedanken und Schlussfolgerungen, die natürlich nicht immer richtig, aber dennoch nachvollziehbar sind. Er erkennt nicht, dass sein Vater ihn nicht bevormunden sondern beschützen will und dass sein bester Freund seinen eigenen Aufstieg – ja sein ganzens Leben – seiner Freundschaft zu ihm unterordnet, sondern er unterstellt beiden im Gegenteil sogar Eigennutz und Egoismus. Es sind zwei der traurigsten Szenen in diesem Buch, wenn sich die Freunde endgültig trennen, um auf verschiedenen Seiten zu kämpfen, und wenn Nebka später seinen toten Freund in den Armen hält. Obwohl es sicher möglich gewesen wäre, wollte die Autorin hier kein glückliches Ende dieser Jugendfreundschaft schreiben. Der Leser kann so besser nachvollziehen, welche Bedeutung das „Grab der Krieger“ beim Montuhotep-Tempel wirklich hatte.

Mit Frauen hat Nebka ebenfalls kein Glück: seine Jugendfreundin heiratet bei erster Gelegenheit seinen Widersacher und die einzige Frau, der er sonst nahe kommt – eine Dienerin im Hause des Gaufürsten – will außer einigen Schäferstündchen ebenso wenig von ihm, wie er von ihr. Liebe und glückliche Beziehungen, die der Autorin sonst so gut gelingen, fehlen hier also. Am Ende findet Nebka zwar seine wahre Mutter und söhnt sich auch mit seinem Stiefvater aus, hat aber bis dahin viel verloren und nur wenige glückliche Momente erlebt. Der Geschichte fehlt es dadurch etwas an der Wärme, die frühere Romane der Autorin auszeichnete.

Dafür glänzt sie wieder mit einigen Informationen über das alte Ägypten, z.B. über die Ziegelherstellung, das Bauen von Papyrusbooten oder die Bedeutung des alljährlichen Aufgangs des Sothissterns. Das Verwenden der Originalnamen für Personen und Orte sowie ein Nachwort, das die Geschehnisse in die historische Faktenlage einordnet, sind da schon fast selbstverständlich.
Sehr ungewöhnlich ist dagegen der Anfang, der in der Ich-Perspektive und im Präsens erzählt wird. »Point of view« nennt man diese Perspektive im digitalen Zeitalter wohl. Der Leser steckt dadurch unvermittelt im Körper einer Mutter, deren Haus gerade von Soldaten überfallen wird und die versucht, irgendwie ihre beiden Kinder zu schützen. Ich war damit etwas überfordert und froh, als ich sah, dass der Rest der Geschichte dann in der üblichen Form abgefasst ist.

Konnte man an ihren früheren Romanen manchmal die mangelnde Charakterentwicklung der Figuren kritisieren, so gelingt der Autorin mit dieser Geschichte um das Erwachsenwerden des jugendlichen Nebka genau das. Man möchte dem Kerl auf seinem Weg zum jungen Mann ein paar Mal zurufen: „Mach doch mal die Augen auf! Es sind doch gar nicht alle gegen Dich! Siehst Du denn nicht die Menschen, die Dich lieben“? Natürlich ist es im wahren Leben auch manchmal so, dass Heranwachsende denken, die ganze Welt sei gegen sie, aber Nebka gelingt es in dieser Geschichte gründlich, sich mit fast allen zu verkrachen, die ihm wichtig sind, und das macht es dem Leser ziemlich schwer, sich mit dem Protagonisten zu identifizieren. Eine schöne Liebesgeschichte oder die Wiedervereinigung der beiden früher unzertrennlichen Freunde hätte da vielleicht geholfen und auch einen warmen Kontrapunkt zur ansonsten recht martialischen Handlung gesetzt. Aber das ist auch schon mein einziger Kritikpunkt an der Handlung.

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Krieger der Maat

Monika Mangals fünfter Roman zeigt, was diese düstere Epoche Ägyptens – die erste Zwischenzeit, in der Ägypter gegen Ägypter kämpften – ausmachte und er erklärt, wie es vielleicht zu dem ungewöhnlichen »Grab der Krieger« in Luxor kam. Daneben beschreibt er die Entwicklung eines Jugendlichen, der in die Welt hinauszieht und als Mann zurückkehrt. Etwas Herzenswärme hätte geholfen, den Leser auch emotional an den Helden zu binden, aber auch so ist es eine interessante, lehrreiche und gut zu lesende Geschichte geworden, die man jedem Ägyptenbegeisterten nur ans Herz legen kann.