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Pharao (1966)

Nach einem Exkurs in die Moderne widmen wir uns wieder einem Klassiker. Weg von CGI, zu einem Film, der komplett darauf verzichtet. Sogar auf die damals üblichen Mattpaintings. Heute schreibe ich über den Film Pharao aus Polen.

Geschichte


Pharao (Original: Faron) basiert auf dem Buch von Boleslaw Prus und behandelt die Geschichte von Ramses XIII. Ägypten befindet sich am Rande seines Zerfalls. An den Grenzen stehen die Hetiter, die Staatskassen sind leer und die Macht liegt bei den Amun-Priestern. Unter diesen Voraussetzungen hat Ramses XIII es sich zum Ziel gesetzt seine Macht zu festigen, die Priesterschaft des Amun in ihre Schranken zu weisen und Ägypten vor den Fremdmächten zu Verteidigen und, ganz nach seinem Vorbild Ramses der Große, es wieder zur einstigen Größe zurückzuführen.
Die Geschichte an sich ist fiktiv, zu der Zeit als Prus sie schrieb, ging man jedoch tatsächlich von einem Ramses XIII und dem Priester Sa-Amen Herhor aus.
Der Film ist, wie das Buch auch, mehr als bloße Unterhaltung für einen Abend. Es ist eine anspruchsvolle Geschichte, die dem Zuschauer 100% Aufmerksamkeit abverlangt. Sonst verliert man nur zu schnell die Übersicht über die Figuren, und zusammenhängende Geschehnisse, da es doch einige gibt, die wichtig sind, aber nur einen kurzen Auftritt haben.
Obwohl der Fokus auf der Hauptfigur Ramses XIII liegt, haben Nebenfiguren wie Pentuer oder Herhor eine starke Präsenz.
Pharao ist in meinen Augen einer der wenigen Filme, die das Buch übertreffen. Auch wenn das Buch einige Stellen aufweist, die man im Film vermissen kann, so findet sich im Film die bessere Balance zwischen dem wechselhaften Charakter von Ramses XIII. Dies wirkt im Buch zuweilen gar erzwungen und scheint nur dazu zu dienen um dem Leser die entsprechenden Seiten in dem Ränkespiel zu erläutern.


Die Geschichte des Films ist weniger die eines Monumentalfilms, sondern vielmehr ein Kammerspiel oder eine griechische Komödie und bekommt daher, dank seiner Einzigartigkeit und Komplexität einen vollen Skarabäus.

Die Produktion

Anders als seine Pendanten aus der USA verzichtet der Film mehrheitlich auf visuelle Effekte. Keine Matte Paintings um die Schönheit von Ägypten darzustellen, keine hinzugefügten Sonnen oder Monde, nichts. Nur einmal wird mit einem Filter gearbeitet um in einer Szene ein Ereignis, das ebenfalls im Off stattfindet, zu veranschaulichen.


Dafür bietet der Film Massenszenen, tolle Kulissen von Palästen und Tempel, sowie Dreharbeiten an Originalschauplätzen, wie zum Beispiel die Pyramiden von Gizeh und das Ramasseum. Im vergleich zu „Der Ägypter“ ist der Film Prachtlos und in Brauntönen gehalten, so spielt er mehrheitlich in der Wüste. Nur selten, ich glaube sogar nur einmal, wird das Gesamtbild von grünen Palmen durchbrochen. Für den wissenden Zuschauer mag das befremdlich wirken, so waren doch die Tempel und Paläste alle reichlich bemalt und Ägypten ist am Nil eigentlich alles andere als eine Wüstenlandschaft. Aber hier hat der Regisseur Jerzy Kawalerowicz in meinen Augen ein gutes Gespür bewiesen und kreiert eine Szenerie, die Ägypten in einer Depression zeigt. So imposant, die Pylonen und Statuen wirken, so trostlos sind sie doch, beraubt ihrer Farben und die gezeigten Ruinen, gepaart mit dem Reichtum der Amun-Priester, unterstreichen den Zerfall der Gesellschaft, während sich die Elite bereichert.
Die Massenszenen bestehen mehrheitlich von Darstellungen des ägyptischen Heeres. Diese gefallen mir besonders gut, hat man sich offenbar an den gefunden Miniaturen aus der 11. Dynastie orientiert. Interessant hier, dass man aus den schwarzen Haaren, so etwas wie Helme kreiert hat. Hier kommen wir zu einem Punkt, der dem Zuschauer seltsam anmuten könnte.
Die Frisuren. So sind wir es doch gewohnt, in Filmen mit Echthaar oder zumindest realistischen Perücken konfrontiert zu werden. Pharao bricht komplett mit diesem Bild. Die Frauen tragen riesige Perücken, die auch als das zu erkennen sind. Man könnte meinen, da trägt die Königin-Mutter die Haare aller Frauen des Palastes auf dem Kopf. Dies aber ist wiederum zwei interessanten Details geschuldet. Zum einen lassen gewisse Wandbilder und stauten wirklich solche riesigen Perücken vermuten, zum anderen waren Perücken im alten Ägypten üblich. Da ein allgemeines Läuse-Problem vorherrschte und man sich scheinbar einfachhalber, den Kopfrasierte und eine Perücke kaufte, die man dann wegwerfen konnte, wenn sie dann ebenfalls von Läusen befallen war.
Neben den Phöniziern tragen zwei Ägypter Echthaar. Der eine ist Ramses XIII, womöglich um die Distanz zur Priesterkaste zu Symbolisieren und der Andere eine Figur, die ich hier jetzt nicht nennen möchte, aber seine Haartracht passt gut zu seinem zerlumpten Aussehen. Allgemein sind die Kostüme in meinen Augen großartig. Trotz ihrer weißen Schlichtheit wirken sie authentisch und detailreich. Auch hier hat man sich stark auf ein einfaches aber wirksames Spiel mit den Farben eingelassen. So tragen die Ägypter weiss, das nur von braunem Leder oder Gold durchbrochen wird. Die einzig farbig gekleideten sind die Phönizier, doch auch ihre Kleider sind in Erdtönen gehalten.
Allgemein wirkt das Auftreten der Figuren authentisch, wie bei kaum einem anderen Film. Während zum Beispiel amerikanische Produktionen addieren wo es irgendwie nur geht und dann neue Kostüme erfinden, scheint der Film im Gegenteil sich verpflichtet zu fühlen ein mögliches, authentisches Bild zu liefern und eher zu subtrahieren, das aber im Einklang mit dem allgemeinen Bild, das er vermitteln will. So ist jedes Detail, das man im Film sieht, sei das Schmuck, Kleidung oder Accessoire, für die entsprechende Figur überliefert. So sucht man das Was-Szepter im alltäglichen Ägypten vergebens. Die Nebendarsteller laufen auch nicht mit Nemes-Kopftücher umher. Und die Doppelkrone oder die bekannten königlichen Kriegshelme sind dem Pharao vorbehalten, und die können sich sehen lassen.


Somit ist bei der Produktion alles Perfekt?
Mitnichten. Die „Farblosigkeit“ ist verzeihbar, so ist sie doch ein Stilmittel „Ägypten versinkt in der Wüste“.
Wo man sieht, dass hier keine Profis aus Hollywood beteiligt waren, sind die Kampfszenen. Die sind zwar rar gesät, gerade deswegen erkennt man gut, dass sie mit unerfahrenen Statisten gedreht wurden. Das versuchte man dadurch zu kaschieren, dass man eine Handkamera einsetzte, die das Kriegsgeschehen aus der Perspektive des Kriegers zeigt.


Das ist eigentlich für die damalige Zeit ein gewagter Schritt. Der Vorteil dieser Aufnahmetechnik ist, dass sie kostengünstig ist und während dem Drehkein grosses Heer dargestellt werden muss. Dennoch ist der Zuschauer mittendrin und kein reiner Beobachter. Aber gerade bei solchen Nahaufnahmen, wiegt jeder Fehler schwer. Da fällt es einfach auf, wenn einer von einem Stein getroffen wird und zu spät realisiert, dass er doch eigentlich hinfallen müsste. Oder derjenige der plötzlich von einem Pfeil niedergestreckt wird, der vom Winkel her, aus dem Boden hätte emporschießen müssen und sich zum sterben gegen die Kamera dreht. Den eigentlichen aufprall der Heere wird dann durch schnelle Schnitte und unscharfe Szenen des Kampfes gezeigt, gemischt misch Schlachtengeschrei und einer sich wiederholenden Einstellung eines Nubiers, der auf den Kameramann einzuschlagen versucht, das ganze unterlegt mit Soundeffekten, die aus einem Asterix-Film stammen könnten. Es wirkt schon fast unfreiwillig komisch. Kawalerowicz entsinnt sich aber selbst da auf das eigentliche Thema des Films und lässt die Schlacht innert wenigen Momenten verstreichen.
Irritierend ist auch, dass alle Schauspieler, alles Polen, scheinbar bräunlich angemalt wurden, um dem Bild des Ägypters zu entsprechen, dies wirkt zuweilen seltsam, da es in manchen Momenten doch offensichtlich ist.
Eine Bresche möchte ich hier aber noch für die Arbeit des Kameramanns schlagen, die wirklich gut ist, sei das am Anfang als die Kamera einem Soldaten folgt, der durch das Heer rennt, bei den Streitwagen aufnahmen oder eben auch bei der eigentlich schlecht inszenierten Schlacht. Die Nähe, die der Film hier schafft, sucht, zumindest bei den Filmen zum Thema Ägypten, seines gleichen.


Der sparsame Umgang mit Effekten schlägt sich auch im klanglichen Bereich nieder. Musik ertönt nur, wenn es die Szene verlangt und auch dann sehr sparsam. Bereits beim Intro sollte einem klar werden, dass hier einen kein epischer Monumentalfilm erwartet. Das Bild zeigt vertrocknete Erde und es erscheint ein Geräusch, das sich anhört als, ob man versucht durch eine verstopfte Posaune zu blasen, während man in einer Halle mit einem Streitwagen über den Boden geschleift wird. Schlichtweg verstörend und doch sphärisch. Der andere Einsatz von Musik beschränkt ist zwar weniger verstörend, jedoch auf seine art sphärisch.
So gravierend die Fehlgriffe sind, so klein sind sie doch im Vergleich zu den vielen positiven Dingen. So runde ich den 3/4 Skarabäus gerne auf.

Das Medium


Ich habe den Film als DVD von EMS. Die DVD weist durchgehend ein gutes und restauriertes Bild. Der Film verfügt über zwei restaurierte und nachträglich wieder eingefügte Szenen, die sich optisch perfekt einfügen, da die Szenen leider nicht in der ursprünglichen Fassung vorhanden waren, sind sie jedoch nur in der Originalsprache, Polnisch, vorhanden, dafür jedoch untertitelt.
Der Ton kommt in Deutsch auf Mono 2.0 und auf Polnisch in 5.1. daher. Abgesehen vom Mono-Sound ist der deutsche Ton jedoch jeder Zeit klar und für meine Ohren ausreichend. Der Film lebt ja auch nicht vom akustischen Bombast, sondern vielmehr von der Geschichte und der Art wie sie erzählt wird. Die EMS-Fassung bietet zusätzlich noch zwei Dokumentationen, die aber weniger spektakulär sind. Leider scheinen beide DVD-Fassungen vergriffen zu sein und eine Blu-Ray ist (noch) nicht angekündigt. Die DVD wurde unter der Reihe „Lichtspielhaus“ neu aufgelegt, scheint aber abgesehen vom Cover keine nennenswerte Änderungen zu enthalten. Leider ist die DVD vergriffen, wer sich aber ein Exemplar ergattern kann, kann zuschlagen.

Die Ägyptiness


Womöglich bin ich nicht in der Lage den Film objektiv zu beurteilen, ist er doch mein erster Film, der sich rein um das alte Ägypten dreht, doch schafft es er es, den offensichtlichen Schwächen zum trotz, eine Authentizität aufzubauen, die in meinen Augen, seines Gleichen sucht. Er spielt an Original Schauplätzen und zeigt nicht nur ein Bild vom alten Ägypten, er zeigt zugleich ein Bild von Ägypten. Die Hochkultur von der Ägypten lebt, ist vergangen und doch versucht der Herrscher sie wieder aufleben zu lassen. Ob bewusst oder unbewusst, so ist es doch eine Reflexion des tatsächlichen Ägyptens. Kawalerowicz spielt mit solchen Stilmitteln immer wieder, so zum Beispiel wenn er, offensichtlich weibliche Muslime in der Ruine des Ramasseum aufwarten lässt. Der Film ist somit auf mehreren Ebenen von Ägypten durchdrungen. So zum einen von den Originalschauplätzen (die echten Pyramiden sind atemberaubend und majestätisch), sowie von den Kostümen und den Kulissen, die weniger auf amerikanische Bombast, als mehr auf Sorgfältigkeit setzen und das Gleichgewicht zur Bildsprache halten.
Zusätzlich möchte ich hier anfügen, dass es bisher der einzige Film ist, der die dezente Erotik, die viele Wandmalereien aus dem alten Ägypten ausstrahlt, wirklich einfängt. Filme die vorher oder während dieser Zeit veröffentlicht wurden, kamen aus Amerika und reflektierten eine prüdere Haltung, die für Amerika üblich war und ist. Polen übte sich weit natürlicher und kommt hier dem Ägypten weitaus näher, als es Hollywood damals und heute es könnte (private Kabelsender wie z.B. HBO zähle ich jetzt mal nicht dazu). Pharao erschafft eine natürliche Erotik, die Amerikanische Werke bis heute selten erreichen, indem er Nacktheit oder die leichte Bekleidung der Darsteller als natürlich hinnimmt und sie so auch darstellt.
Ich komme hier nicht drum herum, als dem Film den vollen Skarabäus zu überreichen.

Fazit


In meinen Augen ist Pharao ein Film, der der Perfektion nahe kommt. Er schlittert in meinen Augen nur knapp daran vorbei, dass er in der Inszenierung der Schlacht, zwar gute Ansätze hat, schlichtweg aber die Professionalität missen lässt. Gut ist, dass der Fokus definitiv nicht darauf verschwendet wurde, sondern auf die subtilen Machtkämpfe zwischen Pharao, Priestertum und äußeren Einflüssen.
Wer sich auf einen ruhigen Film voller Intrigen und Machtkämpfe, dafür aber mit weniger „Khopeshrasseln“ einstellen kann, wird hier auf seine Kosten kommen.

Am Ende gebe ich den Film 4 von 5 Skarabäen.

Gods Of Egypt

Kein Film hat mich im letzten Jahr, innerlich so sehr gespalten wie Gods of Egypt. Zum einen hätte es ein Film werden können, auf den ich seit Kindheitstagen gewartet habe, andererseits hat man, in meinen Augen, so ziemlich alles falsch gemacht, was man bei dieser Geschichte hätte falsch machen können. Warum ich den Film aber dennoch mehr als einmal gesehen habe und das nicht mal wegen dem Review, will ich hier erläutern.

Achtung: Für dieses Review sind Spoiler leider unumgänglich.

Die Geschichte

Hier fängt‘s schon großartig an, man verfilmt den berühmten Mythos wie Seth die Macht ergreift, indem er Osiris tötet und Horus ihm dann den Königstitel wieder streitig macht. Was hätte man daraus tolles machen können?
Osiris der über das Land am Nil regiert, Seth der nach eben diesem Land giert und dann Osiris zerstückelt und über ganz Ägypten verteilt. Isis, wie sie mit Hilfe von Thot die Teile zusammensucht, zusammensetzt, wiederbelebt (und somit die erste Mumie erschafft) und dann den Sohn Horus empfängt. Das alles hätte funktioniert, ohne direkt explizit zu werden, und man hätte einen tollen Einstieg in die Geschichte gehabt.

Horus hätte sich dann mit seiner göttlichen Hebamme Hathor an den Ufern des Nils versteckt, wo er sich auf den kommenden Kampf mit Seth vorbereiten würde, das hätte dann, in einer riesigen Schlacht enden können, wo Seth besiegt und in die Wüste verbannt worden wäre. Das ganze Götter Tribunal hätte man von mir aus weglassen können, die Dualitäten der Götter, die heute sehr wohl bekannt sind, ebenfalls.

Man hätte aber auch auf den ganzen mythischen Firlefanz verzichten und stattdessen die Götter vermenschlichen und eine Intrige à la MacBeth inszenieren können.
Anstelle also einer getreuen oder mutigen Interpretation kriegen wir bei Gods of Egypt den typischen Hollywood Einheitsbrei. Horus ist bereits erwachsen und er ist alles andere als der Vorzeigegott. Er ist der verhätschelte Gott-Sohn, dem alles zufällt und alles mit Links gelingt. Nur sein Ego scheint noch größer zu sein, als sein göttlicher Körper (ja, die Götter werden etwa zwei Meter größer als die Menschen dargestellt). Seine Überheblichkeit ist schlussendlich auch das was ihm zum Verhängnis wird. Seines Augenlichts beraubt wird er verbannt und Seth regiert über Ägypten.

Das alles wäre eigentlich ok, hätte man den Mut gehabt den Fokus auf den Göttern zu belassen. Aber da schwenkt der Fokus auf zwei Sterbliche, einen Meisterdieb namens Bek und seiner Freundin Zaya, eine kaufmännische Angestellte bei einem Architekten (ähm, wie bitte was?). Der Dieb, der so gar kein Vertrauen in die Götter hat, wird von seiner Freundin, die immer noch an den blinden Horus glaubt, beauftragt, die Augen aus der Festung des Seth zu stehlen und es Horus zu bringen. Das geht dann natürlich schief, was zufolge hat, dass sie aus der Stadt fliehen müssen. Aber nicht ohne dass Zaya von einem Pfeil durchbohrt wird, der ihr der Ex-Chef nachgeschossen hat. Zum Glück ist diese Art der Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr so geläufig. Also, nicht nur, dass Mann und Gott Ägypten aus den Fängen Seths befreien müssen, nein, Bek will noch seine Geliebte aus dem Totenreich befreien.

Wenn ich mir das ganze so betrachte, habe ich einfach das Gefühl, der Drehbuchautor hat den Wikipedia Artikel „Egyptian Mythology“ kurz durchflogen und daraus eine Geschichte gezimmert. Diese bringt schlussendlich nicht viel mehr als Stereotypen ohne Tiefe, die einer stereotypischen Geschichte folgen, ohne jeglicher Stärke, die die Vorlage und heutiges Kino bieten könnte. Man beraubt die Geschichte fast jedem ägyptischen Charakter.

Die Produktion

Ich möchte hier nicht tiefer auf das „whitewashing“ eingehen, denn das ist nicht das Problem des Filmes. Das Problem ist eher dass die Macher des Filmes scheinbar Ägypten nur von Buchumschlägen her kennen. Dabei fängt der Film sehr atmosphärisch mit der Einführung von Osiris und Seth an. Dabei wechselt es auf eine Flusslandschaft inmitten einer Wüste (unverkennbar der Nil, natürlich), an dessen Ufer eine Stadt liegt. Damit man die Stadt als ägyptische Stadt erkennt, hat man wahllos Pyramiden und Obelisken hinein gepflanzt, scheinbar die einzigen architektonischen Bauwerke des alten Ägypten. Die Kamera schwenkt dann In eine Marktszene, die so nach Kulisse schreit, dass sie aus der Serie Herkules oder Xena stammen könnte.

Dabei zeigt die Produktion an anderen Orten wirklich Stärken. Wenn zum Beispiel der göttliche Palast mit Säulen geschmückt ist, die wie echte Papyrus oder Lotus Stauden wirken. Nach dem Prinzip, die Ägypter wollten den göttliche Palast in ihren Tempeln imitieren. Oder die Sonnenbarke, die zwar nicht mythologiegetreu aber visuell beeindruckend die Sonne an einer schweren Kette hinter sich herzieht mit Ra am Bug. Oder gar das Totengericht, wo Osiris, auf erhobenen Thron sitzt, umgeben von den anderen Richtern und mit Anubis, der die Schätze (ähm… ja Schätze nicht das Herz, da muss man Seth danken) gegen die Feder der Maat wägt. Das sieht toll aus und lässt erahnen, was alles hätte sein können.

Dann kommen aber wieder Fehlentscheidungen, wie das erwähnte Gold, das anstelle des Herzens gewogen wird. Was genau Seth davon hat, dass nur die Reichen ins Jenseits gelangen, worüber ja nun Osiris regiert, wird nicht erklärt. Bezahlen sie Osiris um ins Jenseits zu gelangen oder Seth? Hier fehlt komplett der Kontext und die Verbindung zur ägyptischen Mythologie. Man wollte wohl nur zeigen: Seth ist so unglaublich böse.

Und warum im Namen aller ägyptischen Götter tragen sie Kronen, die an westliche Kronen aus dem Mittelalter erinnern? Es ist ja nicht so, dass die ägyptischen Pharaonen ikonische und einzigartige Kopfbedeckungen gehabt hätten wie zum Beispiel das Nemes Kopftuch, die Doppelkrone und und und (Details findet Ihr hier: https://www.selket.de/pharaonen/wie-der-pharao-aussah/)

Anstelle verwendet man eine Art Kronreif. Ohne wirklich typische ägyptische Insignien. Dann aber beweist man aber wieder so viel Liebe zum Detail, dass man Seth Anat und Astarte zur Seite stellt, nur um sie danach auf Feuerspeienden riesen Kobras reiten zu lassen. Der ganze Film wirkt schlicht und ergreifend nicht durchdacht.

So zum Beispiel auch der Kampf zwischen Horus und Seth. Anstelle, dass man sich da an eine epische Schlacht zwischen den beiden mit ihren Gefolgsleute getraut hätte. Endet es in einem Gott gegen Gott Kampf, der genau so gut der Endkampf aus einem Computerspiel hätte sein können. Nicht, dass es keine Schlachten geben würde, die werden alle abseits der Kamera bestritten. Da hat wohl das Budget nicht gelangt. Also wer zumindest eine hübsche Fantasy-Schlacht mit Anubiten, riesigen Skarabäen usw. erwaret, wird ebenfalls enttäuscht.

Wie bereits gesagt, ich möchte nicht groß aufs Whitewashing eingehen. Ich mag Gerard Butler. In Filmen wie „The Gamer“, „Gesetz der Rache“ oder „300“ finde ich ihn wirklich toll und ich bin der Meinung, dass er bei weitem mehr Talent hat als ein gewisser Dwayne „the Rock“ Johnson, über den ich bei Gelegenheit auch mal, was fallen lassen werde. Dazu kommt Nikolay Coster-Waldau, den man als Jamie Lannister in Game of Thrones zuerst verabscheut und dann doch anfängt irgendwie zu mögen.

Beides an sich gute Schauspieler aber total fehlbesetzt in diesem Film, wie auch mehrheitlich der andere Cast. Über die schauspielerischen Leistungen lässt sich auch nicht viel sagen, da keine Rolle die Schauspieler wirklich fordert. Die Götter wirken unnahbar und fremd (da gibt es eine Szene mit Chadwick Boseman aka Thot (der ein göttlicher Sheldon Cooper aus Big Bang Theory zu sein scheint), bei der ersten Konfrontation zwischen Seth und Horus, die so künstlich und gestellt wirkt, dass die jetzt noch in meinem Kopf herumspukt.

Dazu bleiben die drei menschlichen Charaktere blass und sind nicht weiter als aktuelle Hollywood Abziehbildchen.

Das Medium

Der Film kam, wie bei solch einem Action Spektakel üblich, in 3D in die Kinos. So gibt es ihn auch auf BlueRay in 2D und 3D, auf 4K und natürlich auf DVD. Von der Bildqualität würde ich ganz klar zu 4K tendieren (auch weil, da alle Tonspuren in DTS-HD 7.1 sind), finde aber, dass der Film das Geld nicht wert ist. Die normale Blue Ray wird für diesen Film genügen. Die 4K Disc bietet zwar mehr Bonus Materialien, wie Dokumentationen und Interviews, aber schlussendlich sind sie den aktuellen Preis nicht wert.

Die Ägyptness

Ja, wie stark reißt mich der Film ins alte Ägypten? Um ehrlich zu sein,

und ich fühle mich wie im alten Ägypten. So etwa das Intro wie man die Hieroglyphen, Inschriften und Statuen sieht und bei der Darstellung des Totengerichts. Ansonsten atmet der Film nicht mehr Ägytpness als eine Folge der Trash Serien Hercules oder Xena, denn fast alle anderen starken Szenen werden durch böse Patzer zunichte gemacht.

Fazit

Anhand allem was ich jetzt geschrieben habe, könnte man meinen, ich würde den Film komplett verdammen. Und ja, eigentlich tue ich es. Der Film ist eine hollywoodsche Misshandlung des Mythos (in meinen Augen schlimmer als die Christianisierung von Sinuhe, der Ägypter). Kaum ein Stein bleibt auf dem anderen und vom Mythos bleibt nicht viel mehr übrig als die simple Lehre, dass der Held sein Ego überwinden muss um König zu werden. Alles hat man schon früher und viel besser und spannender gesehen. Manche betiteln den Film sogar als schlechtesten Film aller Zeiten. Diese Kritiker scheinen aber zum Glück die meisten Filme vom Studio Asylum oder Regisseur Uwe Boll verpasst zu haben.

Warum ich den Film dennoch mehr als zweimal (einmal aus Interesse und einmal für das Review) gesehen habe liegt daran, dass der Film sich perfekt während Hausarbeiten eignet. Man kann dabei perfekt die Wohnung reinigen, die Wäsche waschen und hat, wenn man dann Gelegenheit hat mal auf den Fernseher zu gucken, meistens eine Szene, die aus dem Kontext gerissen, doch zu unterhalten weiss. Sei das eine art Jump and Run Sequence, eine feuerspeiende Schlange, ein goldblutender Horus (ebenfalls eines der wenigen nettes Details übrigens) oder eine mit Rätsel um sich werfende Sphinx die gerade Thot auf die Probe stellt und dabei versucht Horus platt zu machen.

wenn man ihn links liegen lässt. Somit gebe ich je einen halben Skarabäus für den Unterhaltungswert und einen Halben für die Ausstattung, die dem Standard entspricht.

Ich vergebe also einen halben Skarabäus für die hübschen Effekte und einen halben für das Medium, da es in allen verfügbaren Formate angeboten wird. Also zusammen 1 von 5

DVD-Cover Sinuhe der Ägypter

Sinuhe der Ägypter

Sinuhe der Ägypter begleitet mich als Buch nun schon seit mehr als 15 Jahren. Auch das Hörbuch ist eines der wenigen, das ich eineingeschränkt weiterempfehlen kann.
Als ich dann erfuhr, dass es eine Verfilmung aus dem Jahre 1954 (also mitten in der Glanzzeit des Monumentalfilmes) gibt, war ich, als leidenschaftlicher Cineast, begierig darauf diesen in meinen Händen zu halten. Auch die ersten Bilder wirkten vielversprechend und als ich ihn dann das erste Mal sah (als qualitativer schlechter Import aus Asien), verstand ich, warum er oft als unterschätzte Perle des Monumentalfilms bezeichnet wird

Die Geschichte

Die Geschichte handelt vom Leben Sinuhes, der von dem Armen-Arzt Senmut und seiner Frau Kipa aufgenommen wurde. Das Ganze spielt zur Zeit Echnatons dem „Ketzerkönig“. Somit ist der Hintergrund für eine gute Geschichte gelegt.

Natürlich lässt sich ein Buch mit ungefähr 1‘100 Seiten nicht 1:1 in Spielfilmlänge (139 min) umsetzen. Auch ist der Film weniger finster und beinhaltet weniger Erotik. Dies wäre in einem Monumentalfilm von 1954 auch kaum denkbar gewesen. Schade ist es dennoch, dass Figuren wie Thutmose (Sinuhes Freund aus Kindertagen) oder gewisse Ereignisse kaum oder gar keine Erwähnung finden. Auch vermisst die Geschichte jegliche gesellschaftliche Kritik, die gerade im Buch sehr stark zur Geltung kommt.

Somit beschränkt sich der Film auf Sinuhes Leben, seiner Frage nach dem „warum“ und auf Echnaton, der mit seinem Aton-Kult Ägypten beinahe in den Ruin treibt. Über historischen Ungenauigkeiten und Freiheiten die sich der Film nimmt, kann man getrost hinweg sehen, da es sich nicht um eine Dokumentation handelt und das Buch selbst, auch nicht mehr dem aktuellen Wissensstand entspricht.

Die Produktion des Films

Der Film beginnt, für diese Zeit typisch mit den Credits. Anfänglich hat man noch eine Erzählerstimme, die kurz über die verlorene und einzigartige Kultur von Ägypten sinniert und man blickt auf den Nil, die Ruinen von Tempeln und natürlich auf die Sphinx mit den Pyramiden im Hintergrund. Eine Kombination von Matte Painting und Kulisse überblendet die Szene, die uns einen Blick auf den Glanz vergangener Tage werfen lässt. Natürlich ist das tricktechnisch nicht mehr zeitgemäss. Aber das Bild ist schön gezeichnet und die umherwandelnden Statisten sorgen für die notwendige Lebendigkeit.

Im Allgemeinen lässt sich über die Produktion nichts Schlechtes sagen. Die Kostüme, Massenszenen und Kulissen sind alle detailverliebt und entsprechen in etwa dem Bild, das ich von Ägypten in einem Film erwarte. Natürlich kann das Ganze nicht mit aktuellen Produktionen mithalten, das kann von einem 62 jährigen Film auch schlicht nicht erwartet werden.
Dennoch schaffen es die Bilder mich jedes Mal von neuem zu verzaubern.

Kostüme und Requisiten scheinen auf den ersten Blick, direkt aus einem Grab zu stammen oder von Wandmalereien übernommen worden zu sein. Bei keinem anderem gleichaltrigen Film über das alte Ägypten, findet man diese Liebe zum Detail. Der Film schmückt alles so weit wie möglich aus, ohne jedoch unnötigem Kitsch zu verfallen. Da verzeih ich auch die relativ modernen Frisuren gewisser Darsteller.

Der Musik fehlt das gewisse Etwas um bei mir wirklich im Gedächtnis zu bleiben. Selbst jetzt erinnere ich mich nur an den Refrain der Aton-Hymne „How Beautiful“. Dafür aber bettet sie sich perfekt ins Geschehen ein und untermalt Situationen und Emotionen ohne aufdringlich zu werden. So wird die Musik auch mit Instrumenten Gespielt, die in den Szenen vorkommen.

Die Schauspieler machen einen guten Job. Besonders hervorzuheben ist Peter Ustinov als Kakfa. Seine Figur schliesst man sofort ins Herz. Er ist ein herzlicher Diener und Dieb, der für Heiterkeit sorgt und schlicht die klügste Figur der Geschichte ist. Auch Edmund Pedrum, dessen damalige Unbekanntheit oft als Grund für den geringen Erfolg des Filmes angesehen wird, leistet eine gute Vorstellung und bietet einen überzeugenden Sinuhe. Man achtet darauf, wie sich sein Sinuhe während dem Film verändert. Im Allgemeinen neigt das Schauspiel, für diese Zeit typisch, leicht zum theatralischen, und kann für heutige Zuschauer befremdlich wirken. Für mich unterstreicht es jedoch die literarischen Wurzeln.

Natürlich darf bei einem Monumentalfilm auch die Action nicht zu kurz kommen. So wird eine Löwenjagd auf einem (schönen ägyptischen!) Streitwagen geboten. Kämpfe und Schlachtgetümmel findet man beim Finale, da kann jedoch nicht wirklich von Schlacht gesprochen werden. Trotz dem Alter sind die meisten Kampfszenen gut inszeniert und wirken durchaus glaubhaft.

Gegen die Produktion des Films kann ich nichts Negatives sagen. Natürlich sind gewisse Effekte nicht mehr auf der Höhe der Zeit und gerade in der besagten Löwenszene sieht man dem Film das Alter an. Solches muss aber einem bewusst sein, wenn man einen Film aus dem Jahr 1954 schaut. Und selbst bei heutigen Produktionen wirken Frontalaufnahmen während der Fahrt (sei das in einem Streitwagen oder in einem Automobil) nicht immer realistisch.

Das Medium

Der Film erschien hierzulande auf DVD (in den USA auf Blu-ray). Die DVD bietet ein hervorragendes Bild, dass das Alter des Filmes Lügen straft. Ich habe schon Umsetzungen von neueren Filmen auf Blu-ray gesehen, die schlichtweg nicht halb so toll aussehen.
Die Ton-Spuren kommen in Mono (Deutsch) und Stereo (Englisch) daher. Die limitierte Blu-ray aus den USA hat ein aufbereitetes 5.1 DTS Master, wie gut das ist kann ich jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen. In dieser Hinsicht wäre scheinbar mehr drin gewesen. Jedoch ist die Abmischung gut und die Stimmen sind klar verständlich ohne, dass die Musik zu weit in den Hintergrund rückt.

Die DVD kommt mit Wendecover, somit kann man den FSK-Flatschen problemlos in die Innenseite verbannen und hat das Cover, das auf das alte Kinoplakat beruht, in voller Pracht.

Das Bonus-Material fällt verhältnismässig schwach aus. Deutscher Trailer, eine Postergalerie und Biografien, nichts das die Suchmaschine des Vertrauens nicht auch finden würde. Die US Blu-ray ist kaum noch erhältlich, ausser man ist bereit EUR 200.00 zu bezahlen. In anderen Ländern ist der Film jedoch auch auf Blu-ray verfügbar, bietet aber auch da nur Mono-Ton und noch weniger Bonusmaterial.
Somit ist die Deutsche DVD sicherlich die Beste Wahl und den anderen erhältlichen VÖ vorzuziehen.

Die Ägyptiness

Wie „altägyptisch“ fühlt sich der Film an? Um ehrlich zu sein, ich habe damals noch nicht gelebt und kann nicht sagen ob der Film authentisch ist. Aber die Bilder, die Musik, die Figuren sind einfach großartig. Oft scheint es man beobachte ein zum Leben erwecktes Relief. Die Set- und Kostüm-Designer haben sich wirklich selbst übertroffen und das sieht man über den ganzen Film hinweg. Mehr wünsche ich mir eigentlich nicht.

Fazit

Sinuhe der Ägypter ist sicherlich nicht so ein großartiger Film, wie die Vorlage ein großartiges Buch ist. Viel zu viel wurde für das damalige Publikum aufgegeben und verändert. Trotz Schwächen entstand einer der schönsten Filme über das Alte Ägypten, der Sehnsüchte weckt und zum Träumen verleitet. Der Film nistet ein ungerechtes Nischendasein im Monumentalfilm-Genre und die DVD kriegt von mir eine absolute Kaufempfehlung.

Einzig allein, der auf Brechen und Biegen eingefügte religiöse Unterton gegen Ende des Films, ist für mich ein Wehrmutstropfen, weshalb ich ihm nicht die vollen 5 Punkte geben kann.

Somit bleibt’s bei 4 von 5.