All posts by srkt

Die Deutsche am Nil – Meine Geschichte

Die deutsche Auswanderin Khadiga Iris Liebhart erzählt in dem Buch die mitreißende Geschichte ihrer Auswanderung nach Ägypten. Nach einigen gescheiterten Beziehungen und einer tiefen Depression, entschließt sie sich nach langer Zeit endlich mal wieder Urlaub zu machen. Da sie sich schon immer für die ägyptische Kultur und Geschichte interessiert hat, soll es jetzt endlich Ägypten sein. So reist sie für eine Woche nach Hurghada.

Zum ersten Mal in diesem Land, hat sie mit einigen kulturellen Schwierigkeiten zu kämpfen und spricht ausgerechnet die ägyptischen Poolboys des Hotels an, ob sie auf die persönliche Einladung eines ägyptischen Kamelführers eingehen sollte. Wobei einige jetzt vielleicht den Kopf schütteln mögen, ist es für sie ein absoluter Glücksfall. Denn unter den beiden Poolboys, die sie begleiten möchten, ist ihr zukünftiger Mann Mahmoud.

Zuerst entwickeln die beiden nur freundschaftliche Gefühle. Weder ist Mahmoud Iris‘ Typ, die eigentlich mehr auf blonde Männer steht, noch scheinen die kulturellen Unterschiede überwindbar. Die westlich eingestellte Iris, die sich auch mal gerne die Haare pink färbt und ihre Freundinnen immer vor muslimischen Männern gewarnt hat und der streng religiöse Mohamed der nicht mit der in Top und Rock gekleideten Deutschen auf den Souk in Hurghada gesehen werden möchte. Doch trotz oder gerade auch wegen dieser Unterschiede, verlieben sich die beiden schließlich ineinander.

Es folgt eine schwierige Zeit der Trennung, in der insbesondere Mahmoud zu zweifeln beginnt, ob die Beziehung eine Zukunft hat. Doch schließlich gewinnt die Liebe und Iris lässt ihre Familie, ihr Haus und ihre geliebten Hunde in Deutschland zurück und zieht nach Hurghada. Hier beginnt ihr neues aufregendes Leben, was noch die ein oder andere Überraschung, positiv wie negativ, für sie bereithalten wird.

Eine spannende und bewegende Liebe-überwindet-alle-Grenzen Geschichte. Trotz aller Warnungen ihrer Familie und in diversen Foren über binationationalen Beziehungen hat Khadiga Iris auf ihr Herz gehört und hat ihren ägyptischen Mann geheiratet. Ein bemerkenswerter Schritt einer bemerkenswerten Frau, der Mut macht und vielen Skeptikern zeigt, dass es durchaus auch ein Happy End geben kann, mögen die kulturellen Unterschiede auch noch so groß sein.

Ein kurzweiliges und gut geschriebenes Buch, durch das man nicht nur Einblicke in die Schwierigkeiten einer deutsch-ägyptischen Beziehung bekommt sondern auch mehr über das Leben der Ägypter und insbesondere der männlichen Ägypter erfährt, die teilweise einen schwierigen Spagat zwischen ihren Wertvorstellungen und ihren eigenen Gefühlen hinlegen müssen. Wenn man etwas bemäkeln sollte, dann den Preis. 15€ für 132 eBook-Seiten sind jetzt nicht unbedingt wenig. Dennoch eine klare Kaufempfehlung. Ich habe das Buch an einem Nachmittag durchgelesen und freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.

Das eBook (ein PDF, man braucht also nicht unbedingt einen eBook-Reader) kann über die Internetseite bestellt werden.

Khadiga Iris Liebhart hat eine erfolgreiche Facebook-Gruppe „Die Deutsche am Nil„, in der sie lustige und bewegende Geschichten aus ihrer neuen Heimat Ägypten auf Youtube erzählt. Käufer des Buches erhalten zudem Zugang zu einer speziellen Gruppe, in der Fragen rund um Khadiga, Ägypten und den ägyptischen Männern 😉 gestellt werden kann.

Am Nil 2 – Die Geliebte der Sonne

Anchet-Bast ist im Palast des Pharaos Echnatons die Karriereleiter hochgeklettert. Von einer einfacherin Sängerin der Katzengöttin Bastet ist sie nun zur Priesterin und Vorsteherin der Sängerinnen des Aton berufen worden. Doch obwohl sie viel mehr erreicht hat, als sie sich je zu hoffen wagen konnte, konnte sie doch eines noch nicht erreichen: Das Herz des Pharaos erobern.

Obwohl er sie gerne in sein königliches Bett holt, weil Nofretete keine Kinder mehr gebähren darf, liebt er seine Gemahlin Nofretete. Mit der Großen Königsgemahlin verbindet Anchet-Bast ein böses Geheimnis, das niemals jemand erfahren darf. Doch trotz dieses Bündnisses ist die Königin ihr weiter fremd. Zu sehr hat die gottgleiche Gemahlin des Pharaos Anchet-Bast schmählich für ihre Zwecke benutzt.

Das Schicksal scheint es plötzlich gut mit Anchet-Bast zu meinen, als der König sie bittet, ihn auf seine Reise nach Theben zu begleiten. Nofretetes Warnung, dass sie nie weiter gelangen wird als jetzt und sie mit dem zufrieden sein soll, was ihr bisher gewährt wurde, ignoriert sie. Zu sehr sieht sie ihre Chance gekommen. Und tatsächlich scheint der Pharao auf ihrer Reise mehr Gefühle für sie zu entwickeln. Doch die Regentschaft Echnatons steht unter keinem guten Stern. Anchet-Bast hat auf der Reise böse Vorwarnungen und tatsächlich wird ein Attentat auf den Pharao ausgeübt. Ein ungeheurer Frevel, den Echnaton nur mit viel Glück überlebt.

Auch das Schicksal Anchet-Basts wird diese Reise in unruhige Bahnen lenken. Glaubt sie durch die Liebe Echnatons ans Ziel ihrer Träume zu kommen, gerät die Liebe bald zum Albtraum. Anchet-Bast gibt sich für diesen Mann fast gänzlich auf und Echnaton nutzt diese Situation schamlos aus. Zudem gibt sich ihr Bruder, der mittlerweile am Hof Echnatons eine Anstellung erhalten hat, in eine gefährliche Situation und die Attentäter sind immer noch auf freien Fuß und planen schon den nächsten Anschlag auf den Pharao…

Jetzt kaufen bei amazon

Wie auch schon den ersten Teil „Am Nil – Der Traum der Sonne“ habe ich den Fortsetzungsroman in nur wenigen Tagen durchgelesen. Sehr heftig und aufwühlend ist die Liebesgeschichte zwischen Echnaton und Anchet-Bast, der sowohl in allen möglichen erotischen wie auch psychisch grausamen Bahnen beschrieben wird. Sicherlich der bewegenste Handlungstrang, von dem (vermutlich insbesondere Frauen) wissen wollen, wie es zwischen den beiden weitergeht und ob es doch noch ein Happy End geben wird.

Keine Allerweltsgeschichte aus dem alten Ägypten. Manchmal etwas schwere Kost, die aber durch den wunderbaren Schreibstil der Autorin und den faszinierenden Charakteren aufgewogen wird. Ich bin sehr gespannt, wie es im dritten und letzten Teil der Reihe weitergehen wird.

Sachmet 2 – Die Rache der Löwin

Die Archäologin Anna hat sich nach ihren Ausgrabungen in Kom el Hetan am Totentempel Amenophis III. in ihrer Heimatstadt Saarbrücken zurückgezogen. Sie ist mittlerweile von ihrem Ehemann geschieden und trifft zufällig ihren alten Freund Alex wieder. Der kommt mit weniger guten Nachrichten: Seine Ehefrau und Annas Freundin Karen ist ermordet worden. Wurde sie wegen einer altägyptischen Schreiberpalette ermordet, die aus ihrem Besitz gestohlen wurde?

Noch rätselhafter ist die plötzlich blutende Statue aus Ägypten, die sie in ihrem letzten Abenteuer im Grab des Bek entdeckt hatte. Zudem fand ihre Partnerin Andrea eine hölzerne Ptah-Statue in Amenophis III. Totentempel mit geheimnisvollen Worten und dem Siegel der Königin Teje. Ihr Freund Ahmed bringt ihr aus Luxor noch eine seltsame Substanz mit, die sich sofort schmerzhaft in Annas Hand frisst. „Du wirst zurückgeben, was mir gehört“ schallt es aus Annas Radio und sie weiß, dass alles wieder beginnt.

Theben zur Zeit Echnatons: Teje ist tot. Bent, Hohepriesterin der Isis unter den Namen Sahu-Re, spürt, dass ihre gute Freundin Teje ihren letzten Atemzug im weit entfernten Achet-Aton gemacht hat. Und die bösen Mächte der Göttin Sachmet, die Teje all die Jahre im Zaun gehalten haben, erwachen. Ein schweres Erdbeben erschüttert den Tempel Amenophis III. in Kom el-Hattan. Nur mit Mühe kann Bent noch einmal die Göttin in ihrer Zerstörungswut aufhalten. Dank einer Phiole mit dem Blut der Göttin und einer Zauberformel, die Teje in der Statue Ptahs versteckt hatte, konnte sie die Macht über Sachmet wiedererlangen. Doch Bent weiß: Sachmet wird zurückkehren und ihre Macht zurückfordern…

15 Jahre nach „Sachmet“ erzählt die Autorin Katharina Remy die Geschichte der Priesterin Bent und der Archäologin Anna weiter. Dieses Mal liegt der Schwerpunkt der Geschichte aber auf die Priesterin Bent und Annas Geschichte der Gegenwart wird eigentlich nur kurz am Anfang und am Ende erzählt. Es ist wie im ersten Band immer noch Bent, mittlerweile gealterte Priesterin der Isis, deren Leben im Kampf für die Götter und gegen die Göttin Sachmet den Leser fesselt.

Annas Geschichte mit der blutenden Statue, den seltsamen Funden (die sich im Laufe von Bents Geschichte aufklären) und dem Mord ihrer Freundin ist nur wie eine Randnotiz, bei der noch einige Fragen offen bleiben. Zumindest das offene und überraschende Ende gehört aber eindeutig Anna, während die letzten Seiten von Bent eher dahinplätschern und mit der Begegnung des neuen Thronfolger Tutanchamuns und den Umzug von Achet-Aton nach Theben endet.

Ein großes Lob geht an die liebevolle Gestaltung des Buches. Zusammen mit der Grafikerin Elke Bassler hat Katharina Remy einige Szenen mit der Hauptprotagonistin Bent illustriert. So wird die Priesterin nicht nur vor dem geistigen Auge zum Leben erweckt.

Jetzt kaufen bei

Sachmet 2 – Die Rache der Löwin ist ein guter Fortsetzungsroman für alle, die wissen möchten, wie es mit Bent und Sachmet weitergeht. An dem 184-seitigen Buch werden aber nur diejenigen richtig Freude haben, die Teil 1 gelesen haben. Ansonsten fehlen einfach zu viele Zusammenhänge. Sechs Jahre nachdem ich den ersten Band von „Sachmet“ in den Händen hielt, konnte ich mich zwar grob noch an einige Personen und Handlungen erinnern aber an einigen Stellen versagte dann doch das Gedächnis. Das war dann so, als wenn man eine Serie erst in der dritten Staffel anfängt zu schauen, also nicht unbedingt empfehlenswert. Daher gibt es noch mal einen Skarabäus Abzug.

Das offene Ende lässt erahnen, dass es noch einen dritten Band von „Sachmet“ geben wird. Trotz der Kritik, werde ich auch diesen lesen, denn natürlich möchte ich unbedingt wissen, wie die Geschichte um Bent und Anna enden wird. Ich würde mir dann aber wünschen, dass der Roman ein paar Seiten mehr hätte und auch die Leser mit einem nicht ganz so guten Gedächnis (wie ich 😉 ) ganz in die Geschichte eintauchen könnten.

Die ägyptischen Abenteuer von Kathryn Black – Der Fluch von Luxor

Es dauert eine Weile bis die 14-jährige Kathryn Black ihre ungeliebte Pflegemutter zu einer Reise nach Luxor überreden kann. Aber sie muss dort unbedingt hin, denn im British Museum in London hatte sie ein einschneidenes Erlebnis. Vor ihren Augen erschienen auf einem Uschebti die Hieroglyphen eines Pharaos, den vorher noch niemand kannte: Nachtifi Obwohl Kate eigentlich gar keine Hieroglyphen lesen kann, hat sie sich nicht getäuscht – da ist sie sich ganz sicher.

Kaum in Luxor angekommen, begibt sie sich zusammen mit ihrem besten Freund Alex und dem ägyptische Jungen Kairo auf die Suche nach Antworten. Ihr Weg führt sie ins Tal der Könige und in das Grab von Tausret/Sethnacht. Als Kate dort den Namen Nachtifi ausspricht, erscheinen plötzlich alte ägyptische Soldaten, denen die drei Freunde nur dank des plötzlichen Erscheinens der Götter Anubis, Thot und Re-Harachte noch einmal entrinnen können. Anstatt Erklärungen gibt ihnen der ibisköpfige Gott Thot nur noch mehr Rätsel auf. Er gibt Kate zur Aufgabe, das Grab Nachtifi zu finden und zu erkennen, wer sie wirklich ist. Es beginnt eine spannende Jagd nach dem vergessenen Pharao und dem Geheimnis um Kates wahrer Herkunft.

Graham Warren hat hier ein mit flotter Feder geschriebenes Erstlingswerk veröffentlicht. Das Buch liest sich sehr flüssig und hat einige spannende Momente und tolle Charaktere zu bieten. Wobei es mir am Anfang ehrlich gesagt noch schwer fiel, Sympathien für die Hauptprotagonistin zu empfinden. Kate ist ein rotzfreches Gör, das weder vor persönlich verletztenden Worte, noch vor einer Ohrfeige zurückschreckt. Trotz ihrer Schicksalsschläge (früher Tod ihrer Eltern, garstige Pflegemutter), war es für mich an einigen Stellen einfach ‚too much‘ und vor allem ihr bis über beide Ohren verliebte Freund Alex, tat mir manchmal richtig leid. Glücklicherweise bessert sich Kate im Laufe der Geschichte und das Aufprallen der unterschiedlichen Charaktere – die aufbrausende Kate, der schüchterne Alex und der spitzbübische Kairo, sorgt dann doch noch für ganz besondere (Lach-)Momente. Schließlich habe ich dann doch noch alle drei ins Herz geschlossen.

Jetzt kaufen bei

Man merkt es der Geschichte an, dass sich der Autor viel mit dem alten Ägypten beschäftigt und jahrelang in Luxor gelebt hat. Die Schauplätze sind gut recherchiert und nebenbei wird auch noch so einiges Wissenswertes über das alte Ägypten vermittelt. Besonders Luxor-Reisende werde ihre Freude an dem Buch haben und sicherlich den ein oder anderen Schauplatz wiedererkennen.

Eine Mischung aus Fantasy- und Abenteuerroman, der sowohl Kinder als auch Erwachsene zu einem kurzweiligen Lesevergnügen einlädt. Das Buch war in einem Rutsch durchgelesen.

Echnaton. Oder: Die Abschaffung des Bösen

Nach dem Tod seiner Mutter reist der „Bauernbub“ Ani zusammen mit seinem Vater nach Theben. Hier wollen sie den Gott Amun durch ein Opfer besänftigen, doch als Anis Vater durch eine Hintertür unwissentlich in das Allerheiligste des Tempels eintritt, stirbt er durch die Hand der Amun-Priester. Ani flüchtet und der schwere Schicksalsschlag nimmt im nächsten Moment eine überraschende Wendung. Ani trifft auf den jungen Prinzen Amenhotep.

Nach anfänglichen Standesdünkeln merken die beiden recht schnell, dass sie eine gemeinsame Ebene haben und der junge Prinz nimmt ihn mit in den Palast. Hier wird er zum treuen Weggefährten und engsten Vertrauten, der seinem Freund Amenhotep aus Dankbarkeit sein ganzes Leben lang loyal sein wird. Auch die Familie, Pharao Amenhotep III., seine Mutter Mutemwia und seine Ehefrau Teje schließen ihren Bauernbub schnell ins Herz und schätzen ihn als unvoreingenommenen Berater.

Als der eigentliche Thronfolger Thutmosis stirbt, wird Amenhotep zum Kronprinzen und seine Kusine Nofretete, die eigentlich Thutmosis versprochen war, zu seiner Frau. Insbesondere Amenhotep hat eine tiefe Abscheu gegenüber den mächtigen und selbstgefälligen Amun-Priestern.

Ani, Nofretete und Amenhotep verfolgen ein großes Ziel: Ägypten muss in der Wahrheit leben. Das Böse soll verschwinden und nur noch das Gute existieren. Die Sonnenscheibe Aton soll diese Finsternis vertreiben.

Amenhotep und Nofretete beginnen, den Priestern und unfähigen Würdenträgern immer mehr Macht zu entziehen. Sie fördern Künstler und Handwerker aus niedrigen Schichten und ihre Lehren stoßen vor allem bei der jungen Bevölkerung auf Begeisterung. Schnell sammeln sich viele Anhänger um das junge Thronfolgerpaar und auch Ani steigt die Karriereleiter weiter empor und hilft Amenhotep bei seinen Zielen wo er kann.

Als sein Vater stirbt, wird Amenhotep Pharao. Das Volk liebt Nofretetes und Echnatons offen gezeigte Liebe und Verbundenheit. Beide treiben ihre Ideen mit Hilfe von Ani weiter voran, bis Amenhotep schließlich seinem alleinigen Gott zu Ehren seinen Namen in Echnaton ändert.

Der Pharao akzeptiert anfangs noch die Verehrung der anderen Götter, doch als die Amunpriester und ihre Anhänger immer wieder gegen die Königsfamilie integrieren und sogar einen Mordanschlag auf den Pharao ausüben, reicht es Echnaton. Er verbietet die anderen Götter und schafft seine eigene Stadt inmitten der Wüste Ägyptens – Achetaton. Hier sollen nur ehrenhafte Menschen und Anhänger der neuen Religion ihren Platz finden. Doch bald wird Ani klar, dass man das Böse nicht einfach abschaffen kann. Und in der Traumstadt Achetaton beginnt der Wunsch nach einer neuen Welt zu scheitern…

Bewertung von Echnaton. Oder: Die Abschaffung des Bösen

So viele Romane über Echnaton habe ich schon gelesen und jedes Mal hat es mich geärgert, wie Echnaton beschrieben wurde. Vom irren Despoten über einen geisteskranken Träumer bis hin zu einem abscheulichen Wahnsinnigen mit Ödipus-Syndrom habe ich schon alles gelesen. Hier geht der Autor einen komplett anderen Weg. Echnaton ist jemand, mit dem sich der Leser identifizieren kann. Er ist ein normaler junger Mann, der seine Träume und Ziele verfolgt und mit seiner Begeisterungsfähigkeit andere Menschen mitzieht. Er will etwas verändern und in keinem Moment kamen mir seine Ideen naiv oder gar dumm vor. Man versteht seine Sicht der Dinge und seine Beweggründe werden absolut plausibel dargestellt.

Eine große Stärke des Buches ist die Darstellung der Personen, insbesondere die der Königsfamilie, die trotz ihrer Macht herrlich bodenständig geblieben ist. Ich mochte sie alle, mit all ihren Ecken und Kanten. Insbesondere die Darstellung Echnatons finde ich, wie oben bereits erwähnt, absolut gelungen. Die einzige Ausnahme bildet Anis Frau Meritaton, die merkwürdig blass und einfältig wirkt, die aber auch nur eine Nebenrolle in der Geschichte spielt.

Jetzt kaufen bei

Und so ist das Buch nicht nur eine Geschichte über die Amarna-Zeit, sondern eine über die Menschen. Schicksalsschläge und mitmenschliche Probleme begleiten die Familie. Auch ihr Leben ist bestimmt von Tod, Leben, Angst und Zweifeln. Der Tod der geliebten Großmutter, die durch Inzest bedingten Behinderungen der Töchter, Nofretetes Angst Echnatons Liebe zu verlieren, Tejes Dispute und Zweifel über die Außen- und Innenpolitik ihres Sohnes,… Die vielen kleinen Geschichten tragen die große Geschichte um Echnatons, Nofretetes und Anis Wunsch nach einer neuen, besseren Welt, die am Ende an der Bosheit und Machtgier der Menschen scheitert.

Dem Autor Wieland Barthelmess ist es mit „Echnaton. Oder: Die Abschaffung des Bösen“ gelungen, eine plausible und frisch wirkende Geschichte über die Amarna-Zeit zu schreiben. Er bedient sich dabei an die neuesten Erkenntnisse über Echnaton und seine Zeit. Ein absoluter Lesegenuss, den ich jeden Kenner und Interessierten dieser besonderen Epoche in der Geschichte Ägyptens ans Herz legen möchte.

Am Nil – Der Traum der Sonne

Gesegnet mit einer außergewöhnlichen Stimme, gelangt das einfache Mädchen Anchet-Bast in den Harem des Pharaos Echnaton. Sie findet sich schon mit dem gemütlichen Leben einer unbeachteten Nebenfrau ab, als sie durch ihren schönen Gesang die Aufmerksamkeit des Pharaos erregt.

Ihr Ehrgeiz ist entfacht und sie tut alles, um nicht wieder in die Bedeutungslosigkeit einer unbeachteten Nebenfrau abzugleiten. Spätestens nach der Geburt ihres Sohnes werden auch die beiden Königsgemahlinnen auf sie aufmerksam und Anchet-Bast rutscht mitten hinein in das Ränkespiel um Macht und Ansehen. Schließlich muss Anchet-Bast sich entscheiden: Stellt sie sich auf die Seite der Großen Königsgemahlin Nofretete oder auf die Seite Kijas, der Schwester und Geliebten Echnatons.

Obwohl Nofretetes Stern bereits am Sinken ist, entscheidet sich Anchet-Bast gegen die machthungrige Kija. Doch schon bald kommen ihr Zweifel an der Richtigkeit ihrer Entscheidung, denn sie muss um ihr Leben und das Leben ihres Sohnes fürchten, als sich Kija mit ihrer ehemaligen Rivalin verbindet. Will Nofretete ihr wirklich helfen und sie gegen die Drohungen der beiden schützen? Oder ist sie nur Spielball der ehemals mächtigen Königin? Schließlich eröffnet Nofretete ihr einen teuflischen Plan und Anchet-Bast muss sich entscheiden, ob ihr Ehrgeiz stärker als ihre Vernunft ist…

Ich liebe dieses Buch!! Was auf dem ersten Blick nach einer Geschichte unter vielen aus der Amarna-Zeit klingt, ist auf dem zweiten ein unglaublich fesselndes Buch, das mich hauptsächlich wegen der vielschichtigen und glaubwürdigen Charaktere in seinen Bann gezogen hat.

In der Geschichte spielen ganz klar die Frauen die Hauptrolle. Da ist zum einen die ehrgeizige Anchet-Bast, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, dann die arrogante und von Eifersucht zerfressene Kija und schließlich natürlich die geheimnisvolle Nofretete, bei der man nie so recht weiß, ob sie wirklich Sympathien für Anchet-Bast hegt oder sie nur als Werkzeug benutzt.

Jetzt kaufen bei

Vorbildlich wurden von der Autorin Eli Hirvi die historischen Fakten aufgearbeitet und in die fiktive Geschichte um Anchet-Bast eingebettet (auf künstlerische Freiheiten weist die Autorin noch mal separat in einem Nachwort hin). Wenn man das Buch nach dem Lesen beiseite legt und denkt ‚Ja, so hätte es wirklich passiert sein können‘, spricht das schon sehr für einen historischen Roman.

„Das war doch jetzt nicht alles, oder?“ entfuhr es mir entsetzt, als ich nach einer halb durchwachten Nacht über die letzten Zeilen des offenenen Endes stolperte. Und glücklicherweise ist es das auch nicht, denn „Der Traum der Sonne“ ist nur der erste Teil einer Trilogie (der zweite Band soll schon im Herbst 2015 erscheinen). Da bleibt mir erst einmal nichts anderes übrig, als den nächsten beiden Teilen entgegenzufiebern.

Klare Empfehlung: Lesen!

Das hier gezeigte Cover stammt von der Kindle-Version. „Am Nil. Der Traum der Sonne“ gibt es aber auch als Taschenbuch zu kaufen

Die schwarze Taube von Siwa

London im Jahr 1888: Auf einer Mumienparty lernt das Ehepaar Larissa und Ernest Wood den Reiseveranstalter Thomas Cook kennen. Dankbar nehmen die beiden Fotografen sein Angebot, an einem Bildband über Ägypten mitzuwirken, an.

In ihrer Pension in Kairo lernen sie den smarten Archäologen Max Wellink kennen. Zwischen Max und Larissa, die beide aus Deutschland stammen, besteht sofort eine Verbindung – sehr zum Missfallen ihres Ehemanns Ernest, der das Treiben der beiden argwöhnisch beobachtet.

Wellink führt die beiden durch die archäologische Ausgrabungsstätte in Sakkara. Einer der Fellachen behauptet, sein Schwager wüsste den Standort des Grabes Alexanders des Großen in Siwa. Während Max und Larissa die Geschichte als Ammenmärchen abtun, ist Ernest sofort gefangen von der Idee, das sagenumwobene Grab zu finden. Ohne seiner Frau davon zu erzählen, macht er sich auf die beschwerliche Reise durch die Wüste nach Siwa.

Larissa stürzt daraufhin in große Verzweiflung. Wie kann Ihr Ehemann sie nur sitzenlassen? Ist das der Mann, den sie zu kennen glaubt? Zudem wird sie noch von schlimmen Albträumen geplagt: Gibt es einen Zusammenhang zwischen einer alten Fellachin auf dem Markt, die ihr die Zukunft vorausgesagt hat, dem Herzskarabäus, der bei der Mumienparty im Hause Cook abhanden gekommen ist und ihrem Ehemann Ernest?

Schließlich macht sie sich zusammen mit Wellink und dem ägyptischen Dienstmädchen Semirames auf den Weg nach Siwa. Doch Ernest ist nicht dort und bei den Anwohnern treffen sie auf eine Mauer des Schweigens. Was ist mit Ernest passiert? Hat er wirklich das Grab Alexanders gefunden?

Eigentlich lautet die spannendste Frage des Buches nicht, ob die Abenteurer auf das Grab Alexanders stoßen werden, sondern für wen sich Larissa entscheiden wird 😉 . Für ihren bodenständigen Ehemann Ernest, für den sie ihr Leben im Wohlstand in Deutschland aufgegeben hat oder für den verwegenen Archäologen Max, der sich trotz ihres Ehestandes auf der Stelle in die hübsche Frau verliebt hat.

Jetzt kaufen bei

Leider haben sich in der ansonsten schlüssig erzählten Geschichte einige inhaltliche Fehler eingeschlichen, wie die Sphinx von Gizeh, die von Larissa mit weiblichen Brüsten beschrieben wird oder Amun (statt Re), der durch die Unterwelt reist. (Wurde in der Neuauflage verbessert) Dafür ist es eine prima Idee, am Anfang eines jeden Kapitels eine kurze Einführung eines speziellen Themas mit einem weiterführenden Link hinzuzufügen (auch von selket.de sind einige Nachweise dabei, worüber ich mich sehr gefreut habe).

Die Geschichte liest sich sehr flüssig und hat durchaus einige spannende Momente zu bieten. Wer sich jedoch einen großen Showdown mit einer dramatischen Entdeckung des berühmten Grabes wünscht, wird enttäuscht werden. Freunde der Romantik, eingebettet in das ägyptische Leben des 19. Jh., werden an dem Buch aber bestimmt ihre Freude haben.

Forschung und Begegnung: Archäologie in Ägypten. Verleihung des Gerda Henkel Preises 2014

Seit 2006 wird der Gerda Henkel Preis alle zwei Jahren an Wissenschaftler verliehen, die in ihrem Forschungsbereich herausragende Leistungen erzielt haben. 2014 ging er das erste Mal an einen deutschen Ägyptologen: Stephan Seidlmayer, Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Kairo.

Das vorliegende Buch enthält, neben einigen Grußworten und Lobreden, auch die Rede von Seidlmayer anlässlich der Verleihung des mit 100 000 Euro dotierten Preises. Seidlmayer gibt uns darin Einblicke in die archäologische Arbeit vor Ort, z.B. bei den Grabungen von Dahschur. Er erzählt über die Bemühungen, das kulturelle Erbe des Landes insbesondere der armen Bevölkerung Ägyptens näher zu bringen, die wegen des fehlenden Tourismus – nicht zuletzt auch eine Folge der völlig überzogenen Berichterstattung seitens der Medien – mit Raubgrabungen ihren Lebensunterhalt verdienen.

Aufklärung und eine enge Zusammenarbeit mit den Ägyptern steht dabei an erster Stelle der Agenda und in diesem Bereich leisten Seidlmayer und das Deutsche Archäologische Institut vorbildliche Arbeit. Zur Zeit arbeitet das DAI an einem topographischen Denkmalregister, das Behörden als Referenzbasis dienen soll. Damit sollen Ereignisse wie in Assuan vermieden werden, wo die Behörden aus Unkenntnis einen Felsen mit antiken Inschriften, die für den Laien kaum erkennbar waren, beim Bau eines neuen Stadtteils einfach wegsprengen ließen.

Jetzt kaufen bei

Auch die Bevölkerung soll in Form von Materialien für den Schulunterricht und mithilfe von Flyern aufgeklärt werden. In Assuan erhielten Anwohner einen Flyer auf englisch und arabisch, der die Bedeutung einer unmittelbar in der Nähe liegenden Gruppe pharaonischer Stelen erklärt. Die Menschen lernen dadurch, was dort in ihrer Nachbarschaft liegt und können ihr Wissen auch an die Touristen weitergeben. Wertschöpfung durch den Tourismus und Wertschätzung für die Altertümer sind dabei das primäre Ziel. Das DAI geht mit der Erstellung eines digitalen Reiseführers für die Menschen vor Ort sogar noch einen Schritt weiter.

Ein interessanter und aufschlussreicher Blick hinter die Kulissen des Deutschen Archäologischen Instituts.

Jener Sommer in Wien, als Tutanchamun bei mir wohnte

Ach ja, welcher (weibliche) Ägypten-Fan träumt nicht davon, einmal Tutanchamun zu treffen. Zumindest so ein Tutanchamun wie ihn die Autorin Micha Wölfer beschreibt. Charmant, sexy, clever,… Ein Mann ohne Fehl und Tadel. Und dieser tritt ausgerechnet in das Leben von Isa, einer Malerin aus Wien. Unscheinbar, introvertiert, unsicher. Jahrelang wurde sie unterdrückt und gedemütigt von ihrem Ex. Eigentlich hatte die 23-jährige schon mit ihrem Liebesleben abgeschlossen.

Aber dann kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung in der ägyptischen Abteilung des kunsthistorischen Museums Wien. In einem Sarkophag liegt ein gutaussehender junger Mann, gekleidet und geschminkt wie ein Ägypter aus längst vergangenen Zeiten. Es bedarf schon einiger Überzeugungskraft, Isa klarzumachen, dass er wirklich DER Tutanchamun und kein Betrüger ist –  wiedergekehrt aus der ägyptischen Unterwelt durch seinen Ba, den er unglücklicherweise verloren hat, weshalb er nicht mehr zurückkehren kann. Also nistet er sich erst in Isas Atelier und dann in ihr Herz ein. Die beiden verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Der Ba tritt erst einmal in den Hintergrund doch bald schlägt das Schicksal schwer zu und Isa muss sich auf die Suche nach dem Ba machen – wohlwissend dass ihr Liebster sie dann verlassen und wieder zurück in die ägyptische Unterwelt kehren muss…

Wenn ein seit 3000 Jahren toter Ägypter auf die Welt von heute trifft, kommt es natürlich zu merkwürdigen Situationen, die gepaart mit skurrilen Nebenfiguren, wie dem Museumswächter Hubert und der resoluten Tante Nora, zu einigen Lachern führen. Die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz, allen voran die Hauptperson Isa, die die Ereignisse in Tagebuchform vorträgt und die durch den schwungvollen Stil der Autorin die Geschichte zu einem vergnüglichen Abenteuer macht.

Jetzt kaufen bei

Leider können Isas ausschweifende Gedankensprünge manchmal zu einer langatmigen Episode werden, worauf man sich einfach einlassen muss. Genau wie einige für meinen Geschmack ein wenig zu übertriebene und zu kitschig geratene Situationen, aber so ist das vielleicht mit Märchen, denn genau das ist die Geschichte in meinen Augen: ein modernes Märchen. Er, der makellose Prinz, und sie, die Unscheinbare, die durch ihn vom hässlichen Entlein zum bildschönen Schwan mutiert. Der böse Ex, der seiner Liebsten so viel Leid angetan hat, wird natürlich zum Duell herausgefordert (hier ein Boxkampf), aus dem Tut, wie solte es anders sein, als (mehr oder weniger) strahlender Sieger hervorgeht und der Andere gedemütigt den Ring verlässt. Ob das Märchen auch mit „Und wenn sie nicht gestorben sind…“ endet, wird hier natürlich nicht verraten.

Micha Wölfer hat mit „Jener Sommer in Wien, als Tutanchamun bei mir wohnte“ eine klasse Idee zu Papier gebracht, die ein wenig an das Buch „Jesus liebt mich“ erinnert. Eine spritzige und fantasievolle Geschichte mit ein paar kleinen Längen aber dennoch lesenswert.

Hieroglyphen lesen und schreiben: In 24 einfachen Schritten

Hieroglyphen lernen mal ein wenig anders. „Hieroglyphen lesen und schreiben“ geht einen anderen Weg als die bisher vorgestellten Hieroglyphen-Bücher. Man lernt nicht die Grammatik Schritt für Schritt sondern lernt die Grammatik anhand von Beispielen und Hintergrundinformationen über Leben und Kultur der alten Ägypter. Dabei werden ihre wichtigsten „Lebensräume“ – Haus, Palast, Tempel und Grab – behandelt. In den jeweiligen Kapiteln befinden sich die dazu passenden Vokabeln, neue Konsonanten-Zeichen und ein Grammatikteil.

Zum Ende eines jeden Kapitels kann sich der Lernenende dann auf die Übungen stürzen, und die sind hier wirklich vorbildlich vorbereitet. Es gibt viele Tempelreliefs zu übersetzen, die auch normale Touris zu Gesicht bekommen. Die Reliefs und Stelen werden nicht nur präsentiert, sondern auch die Darstellung und Bedeutung beschrieben. Also perfekt, um bei der nächsten Ägypten-Reise mal so richtig anzugeben 😉

Schnödes Übersetzen ist jedoch nicht die einzige Aufgabe, die Michael Höveler-Müller den Lernenden stellt, sondern man muss auch grammatikalische Fragen zu den Texten beantworten. Eine gute Methode, um sich zu vergewissern, ob man auch alles verstanden hat.

Der Autor weist in seinem Vorwort darauf hin, dass die Grammatik auf ein „operatives Minimum“ heruntergeschraubt ist, was nur zum Teil stimmt. Einige Grammatikgrundlagen wurden zwar ausgelassen, doch dafür finden sich in anderen Kapitel Ausnahmen und Alternativen wieder, die man für eine Grammatikgrundlage meiner Meinung nach ruhig hätte weglassen können. Manchmal ist weniger mehr.

Diese Ausnahmen befinden sich, neben den üblichen Erklärungen und Hinweisen, in teilweise recht langen Fließtexten. Obwohl der Autor eine leicht verständliche Schreibweise hat, muss man die Texte mit der teils recht komplexen Grammatik daher sehr aufmerksam und konzentriert lesen. Manchmal auch mehrfach, um den Sinn zu verstehen. Da hätte ich mir eine klarere Strukturierung gewünscht.

Jetzt kaufen bei

Im Vorwort betont der Autor zwar, dass er sich nicht auf eine spezielle „Sprachstufe“ festlegen möchte, doch beinhaltet das Buch fast ausschließlich die Grundlagen des klassischen Mittelägyptisch. Da sich religiöse Inschriften im Laufe der Jahrhunderte aber wenig verändert haben, kann man mit der vorliegenden Grammatik Texte aus dem Alten, Mittleren und Neuen Reich lesen.

Ein Hieroglyphen-Buch für Anfänger und Fortgeschrittene, das mal etwas andere Wege geht und sich insbesondere durch seine ausgeklügelten Übungsteile von anderen Büchern abhebt. Wer das Buch konzentriert durcharbeitet, kann am Ende einige einfache bis mittelschwere Tempelinschriften lesen.

The temple of Deir el Bahari

Hrsg: Stefan Bergdoll

Bei dem hier besprochenen Buch handelt es sich um eine modifizierte Neuauflage der sechs Bände „The Temple of Deir el Bahari“ (1895 – 1908) von Édouard Naville. Der Schweizer Ägyptologe legte zwischen 1893 – 1907 im Auftrag des Egypt Exploration Fund den Hatschepsut-Tempel (und den angrenzenden Totentempel Mentuhoteps II.) frei. Die Dokumentation von Naville war ein wichtiger Bestandteil für die spätere Rekonstruktion einiger Teile des Tempels.

Beispielseite aus dem Buch The temple of Deir el Bahari

Naville berichtet in den sechs Bänden über seine Ausgrabungen und Restaurationsarbeiten. Im letzten Band folgen noch seine gewonnenen Erkenntnisse über Bau und Architektur des Totentempels. Doch den größten Platz nehmen die Erläuterungen der Reliefs ein, die Naville zumindest in den ersten drei Bänden größtenteils transkripiert und übersetzt hat. Wenn auch mit einer nicht mehr gängigen Transkription und einigen Fehlern, die dem Umstand geschuldet sind, dass die Übersetzung der Hieroglyphen damals noch in den Kinderschuhen steckte. Beispielsweise wurde zu der Zeit Navilles Hatschepsuts Thronname noch Ramaka anstatt Maat-Ka-Re gelesen (der Name des Gottes Re wird in der Kartusche zwar zu Ehren des Gottes am Anfang geschrieben, aber erst am Ende gelesen).

Durch die Arbeit am Totentempel entdeckte Naville Dinge, die uns heute verborgen oder nicht mehr erkennbar sind. In einer Szene sieht man noch die Hörner einer großen Kuh, die bei Restaurationsarbeiten in der Antike durch zwei kleine Kühe ersetzt wurden. Eine weitere Kuriosität ist eine Kartusche mit dem Namen Ramses II., der seinen Namen ausgerechnet (oder natürlich) über das Schiff einmeißeln ließ, das die Besatzung nach Punt bringen sollte. Wo selbst für Naville schon nichts mehr zu erkennen war, zieht er Vergleiche zu anderen Tempeln mit ähnlichen Szenen.

Das Buch ist auf Englisch geschrieben, ist aber trotz einiger für unsere heutigen Ohren recht befremdlicher Stellen (wenn Naville z.B. von Negern spricht) gut zu verstehen.

Der promovierte Informatiker Stefan Bergdoll hat sich die Mühe gemacht, alle sechs Bände in einer modifizierten Ausgabe zusammenzustellen. Die wohl wichtigste Änderung im Vergleich zum Original sind die Bilder, die der Herausgeber direkt im Text untergebracht hat und nicht in einem separaten Teil, wie in der Originalausgabe.

An einigen Stellen verbesserte Bergdoll auch Fehler, wie er in seinem Vorwort schreibt. Das können einerseits Abschreibfehler sein, andererseits aber auch fehlende Übersetzungen oder gar ergänzte oder korrigierte Transkriptionen. Als Nicht-studierter Ägyptologe ist dies natürlich schwierig umzusetzen, weshalb sich bei einigen bearbeiteten Stellen leider Fehler eingeschlichen haben. Auch sind die korrigierten Stellen nicht gesondert markiert, was ein weiterer Kritikpunkt ist.

Jetzt kaufen bei

Die Zeichnungen, die im Laufe der Zeit vergilbten, wurden mittels Grafikprogramm wieder auf Vordermann gebracht. In den Bänden sind übrigens auch einige Zeichnungen von Howard Carter, dem späteren Entdecker von Tutanchamuns Grab, eingeflossen, der damals noch als Maler des Egypt Exploration Fund seinen Lebensunterhalt verdiente.

„The Temple of Deir el Bahari“ ist sicherlich eines der wichtigsten Bücher über den Totentempel der Hatschepsut. Naville rekonstruierte Szenen, die damals schon kaum mehr zu erkennen waren, und der Leser bekommt Einblicke in Szenen und Kulthandlungen, die für uns heute nicht mehr zu sehen oder für den Laien nicht zu erschließen sind. Es ist Stefan Bergdoll hoch anzurechnen, dass er sich die Mühe gemacht hat, die sechs Bände neu aufzulegen, auch wenn er auf die, sicher gut gemeinten, Korrekturen lieber hätte verzichten sollen. Dennoch gebührt einer solchen Arbeit und Mühe sicherlich jede Menge Anerkennung.

Kairo: Alltag und Ausnahmezustand

Ein Jahr in Ägypten. Ein Jahr in einem Land, das seit der Revolution 2011 nicht mehr zur Ruhe gekommen ist. Krisen, Missstände und viele Tote hat das Land seitdem zu beklagen. Insbesondere die Hauptstadt Kairo glich einem Pulverfass und genau dort hinein wagte sich Anfang 2013 der Deutsche Matthias Fabian. Ein Jahr lang besuchte er eine dort ansässige Sprachschule und lernte Alltag und Menschen in einer hochbrisanten Zeit kennen.

Es ist Anfang 2013, die Muslimbrüder sind an der Macht, doch es brodelt bereits in Ägypten. Fabian erlebt die neue Revolution, die Absetzung Mursis durch das Militär und den unaufhaltsamen Aufstiegs des Generals Al-Sisi.

Der Autor erzählt uns aus seinem Alltag in Ägypten. Es sind kleine, kurzweilige Geschichten, die ohne großen Faden aneinandergekettet sind. Doch jede dieser kleinen Geschichten hat ihren besonderen Reiz und erzählt vom alltäglichen Leben und Problemen in der Großstadt: Der ordnungsliebende Deutsche trifft auf das chaotische Kairo – da sind skurrile Situationen natürlich vorprogrammiert. Da wäre der ägyptische Elektriker, der eine Energiesparlampe einfach aus der Fassung bricht und über dem ein Funkenregen sprüht als er ohne die Sicherung vorher rauszunehmen einfach ein Stromkabel mit der Zange durchzwackt. „Jetzt ist die Sicherung draußen“ sagt er grinsend und man kann einfach nicht anders, als über den für die Ägypter so typischen Witz und Charme zu lachen.

Doch es gibt auch Momente, in denen der eben genannte ordnungsliebende Deutsche nur den Kopf schütteln kann, wie Fabians Erlebnis in dem berühmt berüchtigten Verwaltungsgebäude Mogamma in Kairo. Für die Verlängerung seines Visums musste er zwei Tage lang mehrere Schalter abklappern und sich in meterlange Schlangen einreihen. Und da meckern wir Deutschen über eine halbe Stunde Wartezeit in unseren Behörden. Das Erlebnis Mogamma endete dann auch noch in einer Verlängerung des Visums für drei Monate, anstatt der gewünschten sechs Monate.

Jetzt kaufen bei

Doch neben diesen kleinen, unterhaltsamen Anekdoten berichtet Fabian auch über das politische Kairo und seine Auswirkungen. Es ist ein Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne, Muslimbrüdern und Al-Sisi Anhängern, den Revolutionären, die nicht aufgeben wollen, und denen, die es einfach nur noch leid sind. Ägyptens Bevölkerung ist in viele kleine Teile zerbrochen. Auf der einen Seite ist da der politische Vertreter der Muslimbrüder, der in einem Interview auf die kritische Frage, was er denn gegen den explosionsartigen Bervölkerungszuwachs und die damit verbundene Probleme zu tun gedenke, antwortete, es wäre doch toll, dass der islamische Glaube die am schnellsten wachsende Religion der Welt sein. Auf der anderen Seite ist da der 15-jährige junge Mann, dessen Eltern von seiner ersten Liebe über seine Facebook-Seite erfahren, während der ältere Bruder Monate gebraucht hatte, um es seinen Eltern irgendwie beizubringen.
Auch Freunde und Bekannte von Fabian sind sich oft uneins. Doch glücklicherweise endet hier vieles in fruchtbaren Diskussionen, während auf den Straßen Kairos Ägypter gegen Ägypter kämpfen.

Der Autor hat eine Momentaufnahme der ägyptischen Gesellschaft eingefangen, fernab von der einseitigen Berichterstattung, die uns von den Medien unter die Nase gehalten wird. Ein hochinteressantes und brisantes Buch über „Alltag und Ausnahmezustand“ in Kairo.