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Buchcover "Im Bann der Pharaonin" von Volker Groh

Im Bann der Pharaonin. Der Weg zur Macht

Peter und seine Frau Melanie streiten sich heftig, weil sie keine Lust auf einen erneuten Urlaub in Ägypten hat. Peter, Dozent für Archäologie und Ägyptologie, kennt aber nur dieses eine Reiseziel – und das seit Jahren! Doch diesmal kann er sie nicht mehr überreden. Sie packt ihre Sachen und verschwindet; Peter muss alleine nach Ägypten. Dort angekommen, findet er in einer abgelegenen Ecke des Karnaktempels ein junges Mädchen in einem altägyptischen Gewand, dessen Sprache niemand außer ihm versteht. Und was sie sagt, schockiert ihn noch mehr: Er sei ihr Vater und sie aus der Vergangenheit hierher gereist, um ihn zu suchen!

Um ihre verrückte Geschichte zu überprüfen, begibt er sich im großen Tempelkomplex von Karnak zu einem völlig unbekannten, verfallenen, kleinen Thot-Tempel, der ihr angeblich die Zeitreise ermöglicht hatte – und wacht kurz darauf tatsächlich im Alten Ägypten auf. Hier nimmt ihn die Dame Nofret auf, eine Vertraute der Königin Hatschepsut. Peter verliebt sich in beide Frauen und erwirbt sich auch das Ansehen der Königin, die ihn bald als ihren Berater ansieht. Nur einen geeigneten Namen braucht er noch, beschließt sie: Senenmut! Peter protestiert, denn er weiß natürlich um die geschichtsträchtige Rolle dieses Mannes und will eigentlich nicht in die Vergangenheit eingreifen und damit eventuell die Zeitlinie verändern – aber eine Königin duldet keinen Widerspruch.

Schon nach den ersten 20-30 Seiten wollte ich das Buch wieder zur Seite legen und nicht weiter lesen. Zu viele anzügliche Altherrenfloskeln und sexuelle Gedanken des Helden störten mich massiv. Aber wenigstens die Zeitreise ins Alte Ägypten wollte ich dann doch noch “mitnehmen” und sehen, wie der Autor diese Geschichte entwickelt. Denn grundsätzlich ist es ja eine schöne Romanidee, einen Menschen aus der heutigen Zeit in die Vergangenheit zu werfen und so diese Epoche, die uns ja aus den Geschichtsbüchern bekannt ist, durch einen modernen Blickwinkel zu sehen und sie auch mit Worten und Ausdrücken der heutigen Zeit kommentieren zu können. Da kann man dann auch die Königin ein “Meeting” abhalten lassen und im Badehaus eine Dusche einbauen. Trotz der modernen Sprache aber merkt man an vielen Details, dass der Autor sich im Alten Ägypten auskennt oder gut recherchiert hat. Alte Namen, Bauwerke und Gebräuche werden durchaus zutreffend beschrieben.

Die Story hat allerdings nur wenige wirklich fesselnde Momente, zu einfach und glatt verlaufen Hatschepsuts Regierungsjahre. Ihr junger Widersacher Thutmosis III. möchte zwar auf den Thron, lässt seine Tante aber lange relativ ungestört schalten und walten. Erst ganz zum Ende des Romans begehrt er wirklich auf. Interessant ist dafür der Charakter der Hatschepsut, die einerseits als kalte und unnahbare Königin dargestellt wird, deren Gefühlsausbrüche gefürchtet sind, die andererseits aber auch eine verletzliche Seite hat und romantische Gefühle, die sie nur selten zulassen darf. Die Stärke des Romans sind daher eindeutig die Szenen, in denen es um Hatschepsuts Gedanken und Gefühle geht sowie um das Ergreifen der vollständigen pharaonischen Macht – durch eine Frau!

Schön eingestreut sind auch die üblichen Verstrickungen eines Zeitreiseromans, wenn z.B. der echte Priester Senenmut am Hofe auftaucht und Peter sich fragt, wie es wohl die Zeit verändert, wenn er den echten Senenmut nun verbannen oder gar töten lassen würde. Oder wenn Hatschepsuts Totentempel am Ende nach Peters Entwurf gebaut wird, der ja weiß, wie der berühmte Terrassentempel im heutigen Luxor tatsächlich aussieht. Oder wenn Peter sich fragt, wie er denn zurück in seine Zeit gelangen soll, wenn es einen Tempel des Thot in Karnak zu dieser Zeit noch gar nicht gibt.

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Im Bann der Pharaonin – Der Weg zur Macht

Aber trotz allem musste ich mich durch dieses Buch echt durchkämpfen, weil Peter/Senenmut wirklich zu jeder Frau, die er sieht, sexuelle Gedanken hat – sogar zu seiner eigenen Tochter! Und fast alle Frauen in diesem Buch lieben ihn oder verfallen ihm sogar. Man fühlt sich ein bisschen erinnert an James Bond: Er ist der tollste Hecht und kriegt jede Frau. Leider geht diesem Buch aber der Humor und der süffisante Unterton der frühen Bond-Filme ab. Das Frauenbild ist dafür ähnlich überholt: Wenn in dieser Geschichte eine neue weibliche Romanfigur auftaucht, werden immer zuerst ihre Brüste oder andere köperliche Vorzüge beschrieben, die unter den dünnen Leinenkleidern auch ständig sichtbar sind. Nicht immer bleibt es dann so eindimensional – aber es beginnt eben immer so.

Wenn ich in anderen Bücherportalen die positiven Kritiken des Buches sehe, scheinen sich andere Leser nicht so sehr an der Übersexualisierung gestört zu haben, wie ich. Meinen Geschmack hat der Roman aber nun mal gar nicht getroffen, weshalb ich eine [inzwischen bereits erschienene] Fortsetzung – und das Buch endet ziemlich abrupt und ohne, dass alle Erzählstränge zuende erzählt wären – definitiv nicht mehr in die Hand nehmen würde. Meine Meinung ist: Der Roman hat eine gute Grundidee, die handwerklich auch solide erzählt ist, fährt diese aber leider durch ständige sexuelle Anspielungen und die erotische Verherrlichung der Hauptfigur mit Karacho an die Wand.

Buchcover "Das Flüstern des Nils" von Anni R. Ledies

Das Flüstern des Nils

Die 16-jährige Maren ist mit ihrer Familie nach Ägypten in den Urlaub geflogen. Während der Nilkreuzfahrt sieht sie ein unerklärliches Leuchten im Nil, beugt sich über die Reling, um es besser sehen zu können – und fällt über Bord. Als sie wieder zu sich kommt, guckt sie in die Augen eines jungen Ägypters, der sie aus dem Nil gezogen hat. Wer sie ist und woher sie kommt, weiß sie im Moment nicht mehr, vermutlich hat sie sich irgendwo den Kopf angestoßen. Als sie mit ihrem Retter, der sich als Siamun vorstellt, zu dessen Haus geht, beginnt sie aber zu begreifen, dass dies unmöglich ihre Zeit sein kann. Irgendwie ist sie im alten Ägypten gelandet!

Kurz darauf wird Siamun zusammen mit einer Reihe vielversprechender, junger Männer an den Hof beordert, um dort ausgebildet zu werden. Mara, wie das Mädchen mit dem Gedächtnisverlust von Siamun und seiner Schwester getauft wurde, reist mit ihm in die Hauptstadt. Dort werden beide in die Ränkespiele und Intrigen um die Nachfolge des kranken Pharaos hineingezogen und geraten dabei in immer größere Gefahr, die schließlich sogar lebensbedrohend wird.

Der Roman beginnt mit der Landung der Familie auf dem Flughafen Kairo und Anni R. Ledies beschreibt sehr schön, was jeder Ägyptenurlauber bei seinem ersten Besuch auch so erlebte: die Hitze beim Aussteigen, die Hoffnung, der Koffer möge im ägyptischen Flughafen-Durcheinander nicht verloren gegangen sein und die große Freundlichkeit der ägyptischen Reiseleiter. Man merkt, hier schreibt jemand, der das Land wirklich mag.

Interessant ist, dass die Geschichte aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln geschrieben ist. Natürlich ist Maren/Mara die Hauptfigur dieses Romans, aber die Autorin schiebt immer wieder Abschnitte ein, die aus der Sicht Siamuns, also Maras Retter, geschrieben sind. So erfährt der Leser die Gedanken und Gefühle beider Jugendlicher und das macht das Lesen ziemlich abwechslungsreich.

Eine kluge Idee war es auch, dass Mara ihr Gedächtnis verliert und nicht mehr weiß, wer sie ist und woher sie kommt. So muss Siamun ihr gerade am Anfang viel erklären – und das hilft auch den Lesern, sich leichter in die Geschichte (und in das alte Ägypten) einzufinden. Die Story ist in Teilen ziemlich unwahrscheinlich, z.B. Maras rasanter Aufstieg am Hofe des Pharaos, aber sie wird nie langweilig und macht zu jeder Zeit Spaß. Die Charaktere, auch die der Nebenfiguren, werden schön herausgearbeitet, ob der kränkelnde und zweifelnde Pharao, die selbstsüchtige Prinzessin oder der loyale Diener. All diese Figuren “leben” wirklich und machen es dem Leser leicht, sie vor dem geistigen Auge auferstehen zu lassen.

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Das Flüstern des Nils

Aufgrund des lockeren, modernen Sprachstils liest sich das Buch leicht und ich war immer gespannt, wie die Autorin sowohl die altägyptische Geschichte, aber auch die Zeitreise, zu einem guten Ende bringen wollte. Namen und Gebräuche des Alten Ägyptens stehen dabei nicht so sehr im Vordergrund, wie eingefleischte Fans dieser Epoche sich das in einem historischen Roman wünschen würden, aber letztlich liest man lieber eine gut erzählte Geschichte mit wenigen altägyptischen Informationen als eine informative, aber zähfließende Geschichte.

Wer das Buch aufmerksam gelesen hat, der merkt spätestens auf der letzten Seite, dass diese Geschichte hier noch nicht zuende erzählt sein kann, denn die Autorin hat einige Ankerpunkte gelegt, auf die sie im Laufe dieses Romans dann aber nicht zurückkommt: z.B. den ägyptischen Jungen, dem Maren im Kairoer Museum begegnet und der Siamun ähnelte, oder die geheime Schrift-Verschlüsselung, die Mara erfindet und von der Siamun sagt: “Wenn ich Dir je eine geheime Nachricht zukommen lassen will…”. Beide Elemente hätte man nutzen können, um diesem Buch ein bittersüßes Ende zu geben – oder man könnte die Fortsetzung damit beginnen. Anni R. Ledies – der Name ist übrigens ein Pseudonym – hat sich für den letzteren Weg entschieden und diese Geschichte sogar als Trilogie angelegt, was für ein Erstlingswerk durchaus ambitioniert erscheint. Aber ich freue mich schon auf die Fortsetzung und hoffe, dass die Autorin wieder so schöne Einfälle für die Story hat und ihrem locker-leichten Erzählstil treu bleibt.
Ein Buch, das weder langweilt, noch schwer auf der Seele liegt; eines, das man einfach so, locker-flockig, hintereinander weg lesen kann.

Buchcover »Götter aus schwarzer Erde«

Götter aus schwarzer Erde

Das Buch erzählt die Geschichte der ganz besonderen Beziehung zwischen König Djeser und seinem Wesir und besten Freund, Imhotep, der eigentlich Akhenaten heißt. Eine Freundschaft, die schon in der Kindheit zwischen dem Prinzen Djeser und Akhenaten, dem Sohn des Wesirs, entsteht. Beide Söhne werden nach einer sorglosen Kindheit zunehmend von ihren Vätern auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet und in getrennte Ausbildungen geschickt, wodurch sie sich lange nicht sehen können. Aber Akhenaten erträgt seine Ausbildung im Tempel nicht. Zwar findet er hier seine erste große Liebe, aber er glaubt nicht an die Götter und den Dienst an ihnen. Als sein Freund Djeser verheiratet wird, flieht er aus dem Tempel und verlässt heimlich die Stadt. Er macht sich auf in den Süden, um herauszufinden, wo die alljährliche Flut des Nils ihren Ursprung hat.
Nach langen Jahren – Djeser ist inzwischen glückloser König eines niedergehenden Reiches – treffen beide wieder zusammen und Akhenaten, der sich nun Imhotep nennt, kehrt mit seinem Freund in die Hauptstadt Men-nefer zurück. Gemeinsam wollen sie versuchen, das Land zu retten.

Der Roman hat starke und schwache Seiten. Stark ist der Grundgedanke der Geschichte: zwei Freunde, von Kindesbeinen an bis in den Tod. Gut auch der formale Aufbau: Nach der gemeinsamen Kindheit teilt sich die Geschichte durch die Trennung der beiden Freunde in zwei unterschiedliche Erzählstränge auf, die sich erst mit dem Wiedertreffen der beiden Hauptfiguren wieder vereinen. Sehr gelungen sind auch die Darstellungen der Gefühlswelten der beteiligten Personen und die Charakterzeichnungen der Hauptfiguren.
Nicht so gelungen finde ich das seltene Abgleiten ins Mystische, wenn z.B. Akhenaten nach einem langen, beschwerlichen Weg zur “Quelle” des Nils den letzten Teil der Reise nur als Vogel beenden kann, weil sich nach einem körperlichen Zusammenbruch seine Seele als Eule in den Himmel emporschwingt und zu dem großen See und seinen Zuflüssen fliegt.
Oder wenn nach der “Erfindung” der Hieroglyphenschrift durch Imhotep diese Schrift angeblich so verständlich ist, dass selbst einfache Bauern sie lesen und verstehen können, dann schießt der Autor hier meines Wissens nach weit über das Ziel hinaus. Der Beruf des Schreibers war ja auch deshalb so angesehen, weil das gemeine Volk eben nicht Lesen und Schreiben konnte – weder die Hieroglyphen, noch eine andere Gebrauchsschrift.

Schwach auch die wirklich vielen grammatischen Fehler dieses Buches, die meinen Lesegenuss doch etwas trübten, sowie das Fehlen eines Nachwortes, in dem man Fakten und Fiktion voneinander hätte trennen können.

Unverständlich war für mich auch der Sinn mancher sexueller Szene. So kam z.B. die Vergewaltigung einer Dienerin durch den eigentlich freundlich dargestellten Djeser, der sich auch sofort anschließend dafür schämt, für mich völlig unvermittelt und hinterließ ein großes Fragezeichen in meinem Kopf. Auch den Sinn der homoerotischen Neigungen Djesers habe ich nicht verstanden, die zwar nur sporadisch auftauchen, aber nie wirklich thematisiert werden und deshalb für mich auch nicht nötig gewesen wären. Nur die inzestuöse Beziehung eines Priesters zu seiner Nichte macht – zumindest am Ende des Romans, wenn die wahre Beziehung der beiden offengelegt wird – wirklich Sinn.

Dennoch ist dies kein schlechtes Buch. Es ist mit viel Fachwissen, originalen Ausdrücken für Orte, Personen und Titel und mit spürbarer Recherche der damaligen Lebensumstände geschrieben. Mit dem Namen seiner Hauptfigur liegt der Autor allerdings ziemlich daneben. Akhenaten bedeutet: “Der Aton dient” – aber den Gott Aton gab es im Alten Reich, zur Zeit Djosers und Imhoteps, noch gar nicht; er taucht erst einige Jahrhunderte später, im Mittleren Reich, erstmals auf. Da Akhenaten – im deutschsprachigen Raum sagen wir Echnaton – ja nun auch nicht irgendein Name, sondern ein sehr berühmter ist, ist diese Namenswahl ein für mich unerklärlicher Fauxpas!

Ein Spannungsbogen hätte dem Roman, der hauptsächlich als Geschichtserzählung mit Charakterstudie angelegt ist, auch sehr gutgetan. So fiel es mir doch allzu leicht, das Buch für eine ganze Weile aus der Hand zu legen.
Imhotep war Baumeister, Heilkundiger, Schriftgelehrter, Erfinder und Staatsmann – wohl ein Universalgenie. Der Autor wollte diesem großen Ägypter, der von der Nachwelt noch Jahrhunderte lang fast wie ein Gott verehrt wurde, und seinem König Djoser, dessen Name heute noch durch seine Stufenpyramide in Sakkara weltbekannt ist, mit diesem Buch wohl ein kleines Denkmal setzen – und das ist für mich nur halbwegs gelungen.

Buch-Cover "Krieger der Maat" von Monika Mangal

Krieger der Maat

In einer Zeit, da Ägypten in zwei Teile, den Norden und den Süden, geteilt ist, lebt der junge Nebka nahe der Grenze dieser beiden Königreiche. Hier kommt es häufig zu Überfällen feindlicher Truppen. Als bei einem solchen Überfall Nebkas Mutter verschleppt wird und er von seinem Stiefvater, von dem er sich ohnehin unverstanden fühlt, daran gehindert wird, ihr zu helfen, hält ihn nichts mehr in seinem Zuhause. Und als dann noch seine Jugendfreundin einen Anderen heiratet, meldet sich Nebka freiwillig zum Heer. Schon lange träumt er von einem einigen und starken Ägypten. Nun will er seinem König Merikare helfen, den Süden zu besiegen und das Land wieder zu vereinen.
Wenigstens geht sein bester Freund Rani mit ihm, mit dem er schon seit Kindertagen befreundet ist und der unbedingt mit ihm zusammen bleiben will. Rani entpuppt sich schon in der Grundausbildung als guter Bogenschütze. Nebka hingegen hat kein Talent dafür und Rani stellt aus Freundschaft zu ihm seine eigene Karriere zurück und bleibt mit ihm bei den einfachen Kämpfern. Doch als nach einigen Schlachten Nebka zu der Überzeugung gelangt, dass der König des Südens, Mentuhotep, der bessere Herrscher wäre und er daraufhin die Seiten wechselt, will Rani ihm nicht mehr folgen. Von nun an kämpfen die Freunde auf unterschiedlichen Seiten – und nur einer von ihnen kann diesen Kampf gewinnen.

Es ist eine sehr kriegerische Geschichte geworden, die uns Monika Mangal hier erzählt. Kampfhandlungen, Verletzungen, Vergewaltigungen, der Tod und das Töten sind Teil dieser Geschichte und mussten es wohl auch sein, wenn man den Fund berücksichtigt, der sie zu diesem Roman inspiriert hat: ein Massengrab von mehreren Dutzend getöteten Kriegern, das in Luxor nahe des Totentempels von Mentuhotep II. gefunden wurde. Die schweren Verletzungen der im Mentuhotep-Tempel mumifizierten Soldaten bezeugen die heftigen Kämpfe, in denen sie starben – der Ort ihres Grabes und die Königskartusche auf ihren Mumienbinden bezeugen die Ehre, die ihr König ihnen dafür zollte. Mangals Version der Geschichte, wie es wohl zu diesem ungewöhnlichen Massengrab kam, ist durchaus glaubwürdig und fügt sich nahtlos in die bekannten geschichtlichen Fakten um den Zwist des Nordens und des Südens in dieser Epoche ein, die wir heute die erste Zwischenzeit nennen.

Der rote Faden, an dem entlang die Autorin diesen Roman schreibt, ist das Erwachsenwerden des Jungen Nebka, Sohn des Dorfvorstehers. Wie die meisten Jugendlichen, fühlt er sich von seinen Eltern – in diesem Fall von seinem Stiefvater – nicht verstanden und nicht respektiert. Als seine Mutter nicht mehr da ist, verlässt er daher sein Heim und geht zum Heer. Das harte Leben als Soldat, schwere Kämpfe, viele bittere Momente, aber auch einige glückliche Zufälle lassen ihn zu einem Mann werden, der sich am Ende mit seinem Leben – und sogar mit seinem Stiefvater – aussöhnt. Er ist endlich erwachsen geworden.

Die Autorin legt also viel Wert auf die psychologische Seite ihres Helden. Sie beschreibt uns seine Gedanken und Schlussfolgerungen, die natürlich nicht immer richtig, aber dennoch nachvollziehbar sind. Er erkennt nicht, dass sein Vater ihn nicht bevormunden sondern beschützen will und dass sein bester Freund seinen eigenen Aufstieg – ja sein ganzens Leben – seiner Freundschaft zu ihm unterordnet, sondern er unterstellt beiden im Gegenteil sogar Eigennutz und Egoismus. Es sind zwei der traurigsten Szenen in diesem Buch, wenn sich die Freunde endgültig trennen, um auf verschiedenen Seiten zu kämpfen, und wenn Nebka später seinen toten Freund in den Armen hält. Obwohl es sicher möglich gewesen wäre, wollte die Autorin hier kein glückliches Ende dieser Jugendfreundschaft schreiben. Der Leser kann so besser nachvollziehen, welche Bedeutung das “Grab der Krieger” beim Montuhotep-Tempel wirklich hatte.

Mit Frauen hat Nebka ebenfalls kein Glück: seine Jugendfreundin heiratet bei erster Gelegenheit seinen Widersacher und die einzige Frau, der er sonst nahe kommt – eine Dienerin im Hause des Gaufürsten – will außer einigen Schäferstündchen ebenso wenig von ihm, wie er von ihr. Liebe und glückliche Beziehungen, die der Autorin sonst so gut gelingen, fehlen hier also. Am Ende findet Nebka zwar seine wahre Mutter und söhnt sich auch mit seinem Stiefvater aus, hat aber bis dahin viel verloren und nur wenige glückliche Momente erlebt. Der Geschichte fehlt es dadurch etwas an der Wärme, die frühere Romane der Autorin auszeichnete.

Dafür glänzt sie wieder mit einigen Informationen über das alte Ägypten, z.B. über die Ziegelherstellung, das Bauen von Papyrusbooten oder die Bedeutung des alljährlichen Aufgangs des Sothissterns. Das Verwenden der Originalnamen für Personen und Orte sowie ein Nachwort, das die Geschehnisse in die historische Faktenlage einordnet, sind da schon fast selbstverständlich.
Sehr ungewöhnlich ist dagegen der Anfang, der in der Ich-Perspektive und im Präsens erzählt wird. »Point of view« nennt man diese Perspektive im digitalen Zeitalter wohl. Der Leser steckt dadurch unvermittelt im Körper einer Mutter, deren Haus gerade von Soldaten überfallen wird und die versucht, irgendwie ihre beiden Kinder zu schützen. Ich war damit etwas überfordert und froh, als ich sah, dass der Rest der Geschichte dann in der üblichen Form abgefasst ist.

Konnte man an ihren früheren Romanen manchmal die mangelnde Charakterentwicklung der Figuren kritisieren, so gelingt der Autorin mit dieser Geschichte um das Erwachsenwerden des jugendlichen Nebka genau das. Man möchte dem Kerl auf seinem Weg zum jungen Mann ein paar Mal zurufen: “Mach doch mal die Augen auf! Es sind doch gar nicht alle gegen Dich! Siehst Du denn nicht die Menschen, die Dich lieben”? Natürlich ist es im wahren Leben auch manchmal so, dass Heranwachsende denken, die ganze Welt sei gegen sie, aber Nebka gelingt es in dieser Geschichte gründlich, sich mit fast allen zu verkrachen, die ihm wichtig sind, und das macht es dem Leser ziemlich schwer, sich mit dem Protagonisten zu identifizieren. Eine schöne Liebesgeschichte oder die Wiedervereinigung der beiden früher unzertrennlichen Freunde hätte da vielleicht geholfen und auch einen warmen Kontrapunkt zur ansonsten recht martialischen Handlung gesetzt. Aber das ist auch schon mein einziger Kritikpunkt an der Handlung.

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Krieger der Maat

Monika Mangals fünfter Roman zeigt, was diese düstere Epoche Ägyptens – die erste Zwischenzeit, in der Ägypter gegen Ägypter kämpften – ausmachte und er erklärt, wie es vielleicht zu dem ungewöhnlichen »Grab der Krieger« in Luxor kam. Daneben beschreibt er die Entwicklung eines Jugendlichen, der in die Welt hinauszieht und als Mann zurückkehrt. Etwas Herzenswärme hätte geholfen, den Leser auch emotional an den Helden zu binden, aber auch so ist es eine interessante, lehrreiche und gut zu lesende Geschichte geworden, die man jedem Ägyptenbegeisterten nur ans Herz legen kann.

Buchcover: Das Geheimnis des Pharaos

Das Geheimnis des Pharaos. Eine Zeitreise zu den alten Ägyptern

Nachdem die Zwillinge Mathilda und Felix durch Zufall entdeckt haben, dass sie mit Hilfe von Museumsstücken in die Vergangenheit reisen können, brechen sie in diesem Buch zu ihrer zweiten, diesmal allerdings geplanten Zeitreise auf, und zwar in das Ägypten der Pyramidenbauer.

Kurz nach ihrer Ankunft dort rettet Felix ein Mädchen vor dem Ertrinken. Zum Dank nimmt die gerettete Merit die Zwillinge mit zu sich nach Hause. Mathilda und Felix leben sich schnell in der kleinen Familie ein. Felix geht mit Pamu, Merits Bruder, tagsüber auf die Baustelle an der Pyramide, wo Pamu als Bildhauer arbeitet. Mathilda versieht mit Merit die typischen Hausarbeiten, wie Einkaufen und Bierbrauen. Die Geschwister lernen so den Alltag der Ägypter des Alten Reiches, ca. 2200 Jahre vor unserer Zeitrechnung, kennen.

Die kleine Dienerfigur, ein Uschebti, mit deren Hilfe sie im Museum ihre Zeitreise gestartet haben, soll auch ihre Rückfahrkarte sein. Doch dafür müssen sie die Figur genau an die Stelle bringen, an die sie zu diesem Zeitpunkt in der Vergangenheit auch gehört – und das ist die Grabpyramide des Pharaos Pepi II., der aber noch quicklebendig auf seinem Thron sitzt.
Doch dann wird ihnen bei einem Besuch im Palast das Uschebti weggenommen und zu allem Überfluss werden die Zwillinge auch noch voneinander getrennt! Wenn sie je wieder in die Gegenwart zurück wollen, müssen sie sich nicht nur wiederfinden, sie müssen das Ushebti auch zurückholen und es zur Bestattung des Pharaos auch noch irgendwie in die bestens gesicherte Grabpyramide bringen. Ein fast unmögliches Vorhaben…

Die Autorin Sabine Wierlemann hält sich nicht mit langen Vorreden auf: Schon auf der ersten Seite des Romans landen die Zwillinge – schwups – im Matsch des Nilufers in der Nähe von Memphis, der unterägyptischen Hauptstadt des Alten Reichs. Von da an beginnt ihr Abenteuer, das sowohl gefährliche Situationen, wie auch viele glückliche Zufälle für sie bereit hält.

Sehr schön ist, dass dabei auch der Gegensatz zwischen unserer heutigen, fast “sorglosen” Zeit und dem damals recht mühsamen Leben beschrieben wird. So soll Felix ein Huhn fangen und schlachten, damit dieses für das Abendessen zubereitet werden kann und seine Schwester neckt ihn damit, dass er danach endlich einmal wisse, wo die von ihm heißgeliebten Chicken Nuggets eigentlich herkommen. Doch auch Mathilda kommt dabei nicht ungeschoren davon, denn das Huhn muss anschließend auch noch gerupft und ausgenommen werden!

Die Geschwister werden dabei sehr positiv und liebevoll beschrieben. So ist Mathilda die Intelligentere und Planvollere der Beiden, die immer alles wissen und lernen möchte. Felix hingegen ist der spontane, sportliche und zuverlässige Typ, der es mit dem Lernen allerdings nicht immer so genau nimmt. Dass beide aus ihren Fähigkeiten das Beste machen und sich sogar sehr schön ergänzen, ist ein gutes Beispiel für jugendliche Leser. Ein geschickter Schachzug der Autorin ist es noch dazu, zwei Helden zu haben; und das nicht nur, weil damit sowohl Jungen wie Mädchen angesprochen werden, sondern auch deshalb, weil dadurch ganz leicht zwei Erzählstränge aufgebaut werden können, die sich immer wieder abwechseln und so die jungen Leser leichter fesseln können.

Denn – und das wurde noch gar nicht erwähnt – dies ist ein Buch für Kinder und Jugendliche. Das in der »Kollektion OLMS junior« erschienene Buch soll laut Verlagsangaben für Kinder ab 10 Jahren geeignet sein. Etwas schade ist, dass man diese Information nirgendwo auf dem Umschlag oder den ersten Seiten auch finden kann, denn beim Kauf eines Kinderbuchs ist es ja schon entscheidend, für welche Altersgruppe dieses Buch gedacht ist. Auch das Alter der Helden, das ja in der Regel Aufschluss darüber gibt, für welche Zielgruppe ein Buch geschrieben wurde, wird im ganzen Roman nirgendwo erwähnt. Vermutlich hatte die Autorin die Zwillinge in ihrem ersten Roman ausführlicher vorgestellt. Wer aber, wie ich, nur diesen zweiten Band liest, der kann über das genaue Alter der Protagonisten nur Mutmaßungen anstellen.

Sehr erfreulich ist, dass die Autorin auch vor etwas schwierigeren Themen nicht zuückschreckt. So soll die kleine Merit, die altersmäßig erst am Beginn der Pubertät steht, bereits heiraten – und dann auch noch einen viel älteren Mann, den sie gar nicht liebt. Aber da sie keine Eltern mehr haben und die Großmutter schon sehr alt ist, möchte ihr älterer Bruder sie eben gut versorgt wissen, und hat daher diese Ehe arrangiert. Und Merit weiß selbst, dass es vermutlich so am besten ist. Unsere zeitreisenden Zwillinge sind darüber zwar schockiert, wissen aber auch, dass wir unsere heutigen Werte nicht einfach zur Beurteilung einer fremden Kultur heranziehen können. Ein Gedanke, der im Schulunterricht (und die Autorin – selbst Lehrerin – bietet zu dieser Geschichte auch unterrichtsbegleitendes Material an) gerne einmal tiefer besprochen werden sollte, wenngleich das in keiner Weise bedeuten soll, dass wir diese spezielle Praktik in unserer heutigen Zeit gutheißen können. Aber darüber nachzudenken, dass die eigene Kultur nicht das Maß aller Dinge ist, schadet unseren Schülern sicher nicht.

Lobenswert ist das ausführliche Glossar, das die verschiedenen Götter und altägyptischen Ausdrücke erklärt. Allerdings hat sich hier ein Fehler eingeschlichen, denn es wird mehrfach von Pharao Pepi I. und dessen Regierungszeit gesprochen, obwohl es im Roman um Pepi II. geht, was durch die Verwendung seines Thronnamens Neferkare eindeutig ist. Auch auf dem, vom Hamburger Illustrator Christoph Clasen sehr schön gestalteten, Umschlag sieht man auf dem abgebildeten Uschebti ganz klar die Namenskartuschen von Pepi II.

Einige weitere, kleine Ungenauigkeiten – z.B. gab es im alten Ägypten die Musikinstrumente Klarinette und Oboe noch nicht – trüben den Lesegenuss aber ebensowenig, wie manche nicht ganz logischen Passagen, wenn z.B. darauf hingewiesen wird, dass aus Geheimhaltungsgründen nur wenige ausgewählte Künstler in der Grabkammer des Pharaonengrabes arbeiten dürfen, aber Felix als fremder Besucher einfach so dorthin mitgenommen werden kann. Oder wenn am Anfang Mathilda ihrem Bruder erklärt, dass die Ägypter einfache Gewänder aus weißem Leinen trugen, aber mit keinem Wort darauf eingegangen wird, warum dann die Zwillinge in ihrer “modernen” Kleidung dort nicht auffallen. Aber wer will in einem Zeitreiseroman schon nach Logik suchen…

Leider wird die Geschichte um Merits arrangierte Ehe am Ende nicht mehr aufgenommen. Hier hat die Autorin die Chance vertan, die darin liegende Bitterkeit durch eine kleine Wendung etwas abzumildern – was sie für Merits Bruder Pamu durchaus schafft, der von den Zwillingen vor dem selbst gewählten Tod bewahrt wird.

Insgesamt ein sehr gutes Jugendbuch, das die altägyptische Kultur kindgerecht aufleben lässt. Wie hart die Menschen arbeiten mussten, woran sie glaubten, welche Feste sie feierten und welche ungeschriebenen Regeln es gab, die teilweise völlig von unseren heutigen Werten abweichen, in all das bekommt der Leser einen guten Einblick. Die Idee, Kinder von heute in eine vergangene Epoche reisen und dort Abenteuer erleben zu lassen, macht Geschichte greifbar und erlebbar. Aber das Buch ist nicht einfach nur die Fortsetzung des Geschichtsunterrichts “mit anderen Mitteln”, sondern auch ein spannendes Abenteuer, das man einfach nur so zum Spaß lesen kann. Ganz ohne an Schule zu denken.

Buchcover Spielvogel/Rohrmüller: Das Siegel des Sahure

Das Siegel des Sahure

Pharao Sahure wird alt; mit seiner Gesundheit steht es nicht mehr zum Besten. Ha-San-Bi, der Arzt des Pharaos und Vorsteher des Heiltempels, kennt einen Stein, der, an einer Kette um den Hals getragen, eine positive Wirkung auf die Gesundheit des Pharaos haben müsste. Aber diesen wohl wertvollsten Stein der Welt gibt es in ganz Ägypten nicht und auch nicht in den Nachbarländern, mit denen Ägypten in der Zeit des Alten Reiches Handel treibt. So wird eine Karawane zusammengestellt, die weit in den Osten reisen und im Land der Maharadjas einen geeigneten Stein finden soll. Mit der Führung dieser Fernkarawane wird Rakenefer beauftragt, der gerade erst in den Dienst des Königs getreten ist und eigentlich gar keine Erfahrung mit großen Karawanen hat. Aber König Sahure und Ha-San-Bi haben das Gefühl, dass er genau der richtige Mann für diese Aufgabe ist. So reist Rakenefers Karawane ab gen Osten, um dieses unbekannte Land und den großen Heilstein zu finden.

Auf den ersten Seiten des Buchs schildert Regina Rohrmüller, wie ihr vor vielen Jahren die Übersetzung eines verschollenen altägyptischen Papyrus zugespielt wurde. In diesem Schriftstück aus dem Grab eines Priesters des Alten Reiches war vom ältesten Heiltempel Ägyptens die Rede, in dem mit Edelsteinen geheilt wurde. Rohrmüller, ausgebildete Goldschmiedin und schon immer am alten Ägypten interessiert, befasste sich von da an weiter mit dem Thema und schrieb dann mit ihrem Mann und Geologen Gernot Spielvogel diesen Roman über den alten Tempel Ha-abeti und das Heilen mit Edelsteinen.

Dass sich die Autoren mit den beiden Themenbereichen wirklich auskennen, merkt man dem Buch deutlich an. Es werden unglaublich viele altägyptische Begriffe verwendet, die Rohrmüller auch immer gleich im Kontext erklärt, so dass sie auf ein Glossar, das ansonsten wirklich umfangreich hätte ausfallen müssen, verzichtet. Für den Leser ist es allerdings eine Herausforderung, sich die Bedeutung all der altägyptischen Namen und Titel zu merken, die immer wieder vorkommen, aber ja nur beim ersten Mal erklärt worden sind.

Ebenfalls merkt man den Autoren ihr Fachwissen an, wenn sie über Edelsteine, deren Herkunft, Wirkung und Verwendung berichten. Auch über die Gewinnung der Steine in den Minen und die nötigen Verarbeitungsprozesse erfährt der Leser Einiges. Dass einige Steinarten nicht nur durch Auflegen wirken sondern auch zu Pulver zermahlen eingenommen werden können, ist sicher vielen Lesern neu. Die durch Steine erzielten Heilerfolge scheinen einem skeptischen Leser wie mir allerdings allzu glorios dargestellt. Sie können nicht nur einen verjüngenden Effekt haben, wie sich der Heilpriester dies für seinen Pharao ja von einem großen Diamanten erhofft, auf der Reise der Karawane werden durch Steinwirkung auch Epilepsie geheilt, eine Lähmung beseitigt und sogar ein schielendes Auge wieder begradigt.

Die Geschichte selbst verspricht Spannung: Eine Karawane reist ins Unbekannte – durch Länder, die mit Ägypten befreundet sind und durch andere, die es nicht sind. Und wenn alles gut geht, haben sie auf dem Rückweg eine so wertvolle Fracht dabei, dass sie für Räuber ein lohnendes Ziel sind. Gefährliche Situationen, Kämpfe und Verluste werden nicht zu vermeiden sein.

Leider entwickeln die Autoren diese Geschichte dann aber fast gänzlich ohne Spannung. Die Karawanenführer sind gute Menschen, die überall, wo sie auftauchen, schnell den Reskpekt der heimischen Bevölkerung erfahren. Manche der Fremden sind sogar so angetan von der ägyptischen Karawane, dass sich Kämpfer, Prinzessinnen und Elefanten dem Zug anschließen, der dadurch immer größer und mächtiger wird. Und so kehrt die Karawane nach mehr als zwei Jahren deutlich größer zurück von ihrer gefährlichen Reise und hat nicht einen Mann und nicht ein Tier verloren! Das ist nicht nur unglaubwürdig sondern leider auch gar nicht spannend.

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Das Siegel des Sahure

Auch die Beziehungen der Hauptpersonen untereinander werden nicht speziell herausgearbeitet. Zwar mögen und respektieren sich alle, denn sie sind ja alle Gutmenschen, aber es gibt weder eine starke Frauen- oder Männerfreundschaft, die über dieses Mögen hinausgeht, noch eine Liebesbeziehung. Aufkeimende Gefühle zwischen Mann und Frau bleiben stets im Stadium “Sie sah ihn an und errötete” stecken. 450 Seiten und ein Zeitraum von fast drei Jahren hätten doch nun wirklich Platz genug für eine gefährliche Intrige oder eine schöne Liebesgeschichte geboten! So aber ist dieser Roman weder spannend noch berührend. Allerdings ist er interessant, was die Informationen über Edelsteine und den alten Heiltempel Ha-abeti angeht (den die Autoren übrigens geortet haben wollen und den sie gerne wieder aufbauen würden). Und einen Sonderpunkt bekommen die Autoren für das Bemühen um historische Genauigkeit und die vielen altägyptischen Ausdrücke, die auch meist erklärt werden. Trotzdem war ich froh, als ich endlich das Ende des Buches erreicht hatte.

Buchcover "Der Fischer und die Königin"

Der Fischer und die Königin

Der 15-jährige Fischerjunge Hori rettet in Theben ein junges Mädchen aus den Fluten des Nils. Hori und die gerettete Inet-Amun, eine Tänzerin im Tempel des Amun, verlieben sich ineinander und verleben einige glückliche Tage, bevor Hori zurück muss in seine Heimatstadt Swenue. Sie versprechen sich ewige Liebe und planen ein gemeinsames Leben. Aber dann kommt der junge Pharao Ramses nach Theben, sieht die Tempeltänzerinnen bei einem Auftritt und beschließt, Inet-Amun zu seiner Frau zu machen. Und sich dem Wunsch des Pharaos zu widersetzen, ist undenkbar.

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Buchcover Die Seherin des Amun von Birgit Furrer-Linse

Die Seherin des Amun

Nachdem Hatschepsut gestorben ist, liegt nun auch ihre Halbschwester Nenefer, Priesterin des Amun mit seherischen Fähigkeiten, im Sterben. Um ihre Taten vor den Göttern zu rechtfertigen, schreibt sie ihr Leben auf Papyrus nieder. Thutmosis III, nach Hatschepsuts Tod endlich an der Macht, hatte Zeit seines Lebens Angst vor dieser Seherin. Die Papyrusrollen der Nenefer bieten ihm die Möglichkeit, die Wahrheit über die Vergangenheit herauszufinden. War es ein Komplott seiner Tante Hatschepsut, die ihn so lange von der Macht fernhielt? Oder war es tatsächlich der Wille Amuns, wie es Nenefer so oft behauptet hatte? Nach Nenefers Tod kann er der Gelegenheit nicht widerstehen, ihre persönlichen Aufzeichnungen zu lesen – obwohl sie das ausdrücklich verboten hatte.

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Hypatia

Der aus der Sklaverei in die Freiheit entlassene Schreiber Thonis will sein Glück im reichen Alexandria versuchen, das von den Griechen verwaltet wird. Alexandria ist in dieser Zeit ein brodelnder Schmelztiegel, in dem nicht nur Ägypter und Griechen aufeinander treffen sondern auch mehrere unterschiedliche Religionsgruppen. Neben den Anhängern der “alten Götter” gibt es auch Juden und Christen in der Stadt und die Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Gruppen verschärfen sich von Tag zu Tag.

Mit etwas Glück findet Thonis eine Anstellung bei der Gelehrten Hypatia, die am Musaion, der griechischen Hochschule, Vorlesungen über Philosophie hält. Ihre auf Mathematik, Astronomie und Logik basierende Weltsicht stößt allerdings bei Vielen auf Unverständnis, von denen sie als “gottlos” verunglimpft wird. Insbesonderem dem immer mächtiger werdenden christlichen Bischof Kyrill ist die Freidenkerin ein Dorn im Auge.

Hypatia gerät schließlich zwischen alle Fronten und auch Thonis muss sich für eine Seite entscheiden, als sein alter Lehrer Petrus, der inzwischen im Dienst des Bischoffs steht, von ihm Informationen über seine Herrin fordert. Und Petrus lässt keinen Zweifel daran, wie ernst ihm die Sache ist.

Der Roman spielt ca. 400 n.Chr. in der Zeit, da Ägypten unter der Herrschaft von Griechen und Römern stand und ihnen als Kornkammer diente. Alexandria wird zwar von einem griechischen Statthalter regiert, aber die religiösen Führer der Juden und Christen drängen ebenfall danach, Alexandrias Geschicke zu bestimmen.
Es ist erschreckend, wieviele Parallelen zur Jetztzeit bestehen: religiöse Gruppen, denen man Anschläge zutraut, und Einheimische, die sich von den vielen Fremden im eigenen Land bedroht fühlen und “Ägypten den Ägyptern” rufen.

Dabei schildert Arnulf Zitelmann die Zuspitzung der Ereignisse relativ emotionslos. Keine seiner Figuren löst beim Leser tiefe Gefühle aus. Nicht einmal die Liebesgeschichte oder das brutale Zusammenschlagen des Helden konnte mich wirklich berühren. Trotzdem ist die Geschichte um die ungewöhnliche Hypatia irgendwie interessant und konnte mich phasenweise sogar fesseln. Zitelmann schafft es außerdem insbesondere in den Beschreibungen des Haushalts der Hypathia, dem ägypteninteressierten Leser auch den Flair der damaligen Epoche zu vermitteln, wenn er z.B. über die Angestellten oder deren Mahlzeiten oder Feste schreibt.

Der Roman zeigt zudem, wie Ägypten endete: als politisch bedeutungslose Provinz unter einem griechischen Statthalter und einem römischen Kaiser. Die alten Götter werden kaum noch verehrt und das aufkommende Christentum verbreitet sich überall, sogar unter den Ägyptern. Die Konflikte ztwischen den verschiedenen Religionen und Weltanschauungen müssen gerade im griechisch orientierten Alexandria zu massiven Konflikten geführt haben.

In diesem Buch geht es nicht in erster Linie um Ägypten; es geht um die historische Figur der Hypatia, die eine der ersten großen Frauengestalten der Antike war und die von religiösen Fanatikern grausam ermordet wurde. Heute ist leider nur wenig über diese Anhängerin der Lehren Platons und Sokrates’ bekannt. Keine ihrer Schriften blieb erhalten. Es ist daher schön, dass Zitelmann sie mit seinem Buch ein wenig aus dieser Vergessenheit herausholt. In einem Nachwort stellt er dann auch die wenigen bekannten Fakten vor, die ihm als Grundlage für seine Geschichte dienten.

Buchcover Monika Mangal: Der Retter der beiden Länder

Der Retter der beiden Länder (2 Bände)

Der junge Arzt und Sechmetpriester Senmut führt ein einfaches, aber glückliches Leben mit seiner Familie in der Hauptstadt Mennefer. Doch seine heile Welt beginnt zu wanken, als eines Tages ein Toter vor seiner Haustür liegt, der ein Anhänger des Aton-Kults zu sein scheint und ihm anscheinend aufgelauert hatte. Kurz darauf wird er in den Palast gerufen zum mächtigsten Beamten des Landes: Amunhotep, Sohn des Hapu. Dieser bittet ihn darum, die Zähne des schwächelnden Pharaos höchstpersönlich zu behandeln. Und niemand, auch nicht der Leibarzt des Pharaos, darf davon wissen. Senmut kann sich das Ganze nicht erklären. Warum wird ein kleiner, unbedeutender Arzt ans Krankenbett des Pharaos gerufen? Warum interssieren sich die Mächtigen auf einmal für ihn? Und will ihn wirklich jemand umbringen? Die Antwort, die er von Königin Teje auf diese Fragen erhält, ist unglaublich: Der Wesir Amunhotep hat in einem Traum gesehen, dass Senmut einmal die beiden Länder vor dem Untergang retten wird. Auf einmal hat Senmut heimliche Förderer – aber auch Feinde. Sein bisher ruhiges Leben gerät allmählich aus den Fugen.

Dieser Zweiteiler ist Monika Mangals dritter Ägyptenroman. Wie auch in ihren beiden früheren Romanen hat sie sich wieder eine interessante Story ausgedacht und viele Details aus der geschichtlichen Epoche recherchiert. Dabei hat sie auch neuere archäologische Funde berücksichtigt, wie die über 100 Skelette eines Friedhofs in Amarna, auf dem überwiegend Kinder und Jugendliche begraben waren. Ihre Skelette zeigten Verletzungen und Deformitäten, wie sie nur von schwerster körperlicher Arbeit kommen können. Die Autorin bindet diese Tatsache elegant in ihren Roman um die Ereignisse am Hofe Echnatons ein.

Auch in diesem Roman würde man sich wieder wünschen, dass die Charaktere der handelnden Personen und ihre Beziehungen zueinander mehr entwickelt würden. Ihren Figuren Komplexität und Tiefe zu geben, ist keine der Stärken der Autorin. Und trotz einiger Spannungsbögen – Senmut wird vor Gericht gestellt, ins Gefängnis geworfen und muss außer Landes fliehen – konnte mich die Geschichte auch nicht so fesseln, dass ich das Buch in einem Rutsch verschlungen hätte. Ich konnte es leicht mal für ein paar Tage beiseite legen.

Aber Monika Mangal ist eben eine gute Erzählerin. Die Geschichte um den Arzt Senmut, dem prophezeit wird, dass er der Retter Ägyptens sein soll und der glaubt, er müsse dafür verhindern, dass Echnaton einen männlichen Nachfolger bekommt, ist nicht nur gut ausgedacht, sondern auch locker und flüssig erzählt. Hinzu kommt die Genauigkeit, mit der die Autorin sich um korrekte Namen und Beschreibungen der Örtlichkeiten bemüht. Die ausführliche Beschreibung des Sed-Festes des alten Pharaos Amunhotep ist ein kleines Highlight für den ägyptophilen Leser. Die Lektüre macht daher durchaus Spaß und man nimmt das Buch auch immer wieder gerne zur Hand, um weiterzulesen.

Der Ausgangspunkt der Geschichte, nämlich dass Senmuts Schicksal einem Hofbeamten in einem Traum vorhergesagt wurde und deswegen ein kleiner Mann umgehend ein sehr hohes Amt erhält, ist allerdings ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Ebenso wie der Falke am Himmel, der Senmut bei seiner Flucht den richtigen Weg zeigt. Aber haben nicht auch die alten Ägypter an solche Wunder und die Kraft der Götter geglaubt? Es passt daher wohl in die Zeit, auch wenn wir heute ein wenig darüber die Nase rümpfen.

Sehr informativ ist das Nachwort der Autorin, in dem sie begründet, warum sie Echnaton und Nofretete in dieses spezielle, etwas unschöne Licht gerückt hat und welche Fakten ihr beim Schreiben der Geschichte halfen. Insgesamt ein guter und leicht zu lesender Roman dem es nur ein wenig an Spannung und Charakterentwicklung fehlt.

Anchesenamun. Das Buch des Chaos

Im abschließenden dritten Teil seiner Trilogie um den Ermittler Rahotep wählt Nick Drake als Thema die sogenannte Dahamunzu-Affäre. In einem auf Tontafeln erhaltenen Brief bat eine kinderlose ägyptische Königswitwe den feindlichen Hethiterkönig Schuppiluliuma darum, ihr einen seiner Söhne zu schicken, der dann ihr Gemahl und Pharao von Ägypten werden sollte. Ob diese Königin eine der drei Witwen Echnatons oder aber Tutanchamuns Gemahlin Anchesenamun war, ist bis heute umstritten. In diesem Roman macht sich Rahotep im Auftrag der Königin Anchesenamun auf, den brisanten Brief in die Hauptstadt des Hethiterreiches zu bringen.

Obwohl der Wahrheitssucher Rahotep seiner Frau nach seinem letzten lebensgefährlichen Fall versprochen hatte, die Familie nie wieder allein zu lassen, kann er sich diesem Auftrag, der ihn monatelang von Ägypten fernhalten wird, nicht entziehen. Und er will diesen Auftrag auch gar nicht ablehnen, wurde doch erst kurz zuvor sein Freund Kheti bestialisch ermordet, und die Reise nach Hattuscha bietet Rahotep die Möglichkeit, eventuell die Hintergründe dieses Mordes aufzudecken. Für diese Chance, am Mörder seines Freundes Rache nehmen zu können, setzt er das Wichtigste aufs Spiel, das er hat: das Glück seiner Ehe und Familie.

Auch in diesem dritten Teil der Trilogie muss man Nick Drake bescheinigen, dass er wieder ein interessantes Thema gefunden und ausführliche Recherche dazu betrieben hat. Das wird auch in seinem Nachwort deutlich, in dem er einige Erläuterungen zur historischen Faktenlage gibt.

War schon der zweite Teil etwas gewalttätiger als der erste, so ist dieser abschließenden Teil nun noch deutlich düsterer und brutaler geworden. Wenn Gefangene reihenweise brutal abgeschlachtet werden und abgeschlagene Köpfe am Sattel befestigt herumgetragen werden, dann trifft das sicher nicht Jedermanns Geschmack.

An manch anderer Stelle ist die Geschichte dafür leider etwas zu langatmig geworden. Über mehr als 100 Seiten erzählt der Autor die Reise der ägyptischen Delegation in die hethitische Hauptstadt Hattuscha. Während dieser Reise passiert nichts wirklich Spannendes, dafür beschreibt Drake die verschiedenen Städte, durch die gereist wird, die Landschaften, das Wetter, bis hin zu den Blattformen, welche die fremdländischen Pflanzen haben. Hier hätte ich mehrmals gerne einfach vorgeblättert, bis wieder etwas passiert. Richtig gut und spannend ist der Roman nur am Anfang und am Ende, wenn die Geschichte in Ägypten spielt.

Die vielen modernen Fremdworte, die ich in den ersten beiden Bänden kritisiert hatte, haben mich in diesem dritten Band nicht mehr so gestört (obwohl sie natürlich da waren: Inbsubordination, Warlords, Nonchalant…). Vielleicht hatte ich mich inzwischen aber auch einfach nur daran gewöhnt. Ebenso ägypten-untypisch ist die Anleihe an den Crocodile Dundee Film: “Das nennst Du eine Messer? DAS HIER ist ein Messer!”
Positiv dagegen die unterschwellige Einarbeitung des Themas Homosexualität, von dem wir in kaum einem Ägyptenroman lesen können, obwohl es sie doch in jeder Epoche der Menschheit gegeben haben muss.

Ganz schwach fand ich auch die Auflösung des Mordfalls. Der böse Killer ist am Ende eine Person, der man das nun überhaupt nicht zugetraut hätte. Und diese Überraschung wird auf den vorangegangenen 400 Seiten auch mit keiner Silbe vorbereitet, sondern Bums, da ist sie! Das hätte man wirklich besser machen können.

Erfreulich ist, dass der Autor der Versuchung widerstanden hat, ein Happy End zu basteln. Die Geschichte endet mit einem bitteren Beigeschmack, weil wohl jeder Süchtige, der für seine “Droge” alles aufs Spiel setzt, letztlich als Verlierer dasteht.

Trotzdem: Wegen der vielen “überflüssigen” Seiten, auf denen nur gereist und beschrieben wird, und wegen der unglaubwürdigen Auflösung des Bösewichts ist dies für mich, trotz des gelungenen, zu Herzen gehenden Endes, der schwächste Teil der Rahotep-Trilogie.

Buchcover Kathrin Brückmann: Bitter schmeckt der Tod. © Hannah Böving

Bitter schmeckt der Tod. Hori & Nachtmin, Bd. 3

Nach ihrem letzten, gefährlichen Abenteuer erhalten die Palastärzte Hori und Nachtmin vom Pharao einige freie Tage, in denen sie zur Erholung nach Waset reisen wollen. Allerdings bittet der Pharao sie, auf der Reise dorthin die Augen offen zu halten, denn er befürchtet, dass nicht alle südlichen Gaufürsten wirklich fest zu ihm stehen.
Hori hat aber auch noch einen anderen Grund, der ihn nach Waset zieht: die Ärztin Useret, in die er sich verliebt hat, obwohl diese gar nichts von ihm wissen will. Hori will Useret helfen, die Anklage gegen ihren Vater zu entkräften, der angeblich den Tod eines Patienten verursacht haben soll.

Schnell merken Hori und Nachtmin aber, dass ihre Nachforschungen im verzwickten Fall um Userets Vater gefährlich sind. Werden sie beobachtet? Und wieso ist fast jeder, mit dem sie deswegen sprechen, kurze Zeit später tot? Wie in den vorangegangenen beiden Kriminalfällen, wird es auch hier lebensgefährlich für die beiden jungen Ärzte und sie müssen eine Gefahr abwenden, die die Ordnung Ägyptens bedroht.

Kathrin Brückmanns dritter Roman der Hori & Nachtmin-Reihe beginnt eher langsam. Die beiden jungen Ärzte wollen Urlaub machen und reisen dazu in den Süden des Landes. In diesem ersten Teil des Buches geht es vorrangig um die Gespräche zwischen den Figuren und um Beschreibungen der Szenerie. Hier beeindruckt Brückmann wieder mit den humorvollen Dialogen zwischen Nachtmin und seiner scharfzüngigen Ehefrau Muti sowie mit der entstehenden Komik, wenn die beiden ihren verliebten Freund Hori aufziehen.

Erst in der zweiten Hälfte des Romans beginnt der Leser zu erkennen, dass die Nachforschungen der Drei wie das Stochern in einem Wespennest sind: Es kann nicht lange gut gehen und könnte böse enden. Und ab diesem Zeitpunkt wird die Geschichte dann peu à peu auch so spannend, dass man das Buch zum Ende hin nur noch schwer aus der Hand legen kann. Das liegt auch daran, dass Brückmann die Handlung zum Ende hin in zwei Erzählstränge aufgliedert, da die beiden Protagonisten voneinander getrennt werden, und sie die jeweilige Erzählung immer an einer besonders spannenden Stelle abbricht und dann zum anderen Helden wechselt.

Erfreulich, dass sie hier den verliebten Hori nicht ganz so dusselig dastehen lässt, wie in Band 2, wo dessen liebeskrankes Verhalten doch ein wenig unrealistisch daherkam. Spaß machen auch immer wieder die zeitgemäßen Ausdrücke und Redewendungen, die es einem leicht machen, sich in die Zeit der alten Ägypter zurück zu versetzen. So mag man zwar bezweifeln, dass die pharaonischen Ärzte das Krankheitsbild Diabetes bereits kannten, aber die Bezeichnung Honigkrankheit passt in jedem Fall genau. Wie auch “Du hast wohl zu lange unter Res Strahlen gesessen” für das moderne “Du spinnst wohl”.

Leider hat dieses Buch kein Thema mehr, das die Autorin den Lesern so ganz nebenbei nahebringt. War es im ersten Band die Einbalsamierung und im zweiten der Glaube an das Leben nach dem Tode, so tritt hier kein Aspekt des altägyptischen Lebens oder Glaubens über den gesamten Roman in den Vordergrund. Allerdings liefert die Erzählung einige geschichtliche Fakten, z.B. dass Pharao Sesostris III. die Macht der Gaufürsten stark einschränkte oder dass ihm ein Sohn und Thronfolger zunächst verwehrt blieb. Sehr schön auch das Nachwort, in dem die Autorin einige ihrer Gedankengänge zur Geschichte vorstellt. Personenverzeichnis, Ortsverzeichnis, Glossar und eine Erklärung des altägyptischen Kalenders runden das Begleitmaterial für diesen historischen Roman perfekt ab.

Der dritte Band steht seinen beiden Vorgängern in nichts nach. Die Gefahr für die beiden Protagonisten ist hier realer und körperlicher, als in Band 2, was der Spannung insgesamt gut tut. Bleibt nur zu hoffen, dass Kathrin Brückmann im nächsten Band wieder einen Aspekt der altägyptischen Kultur zum Leitmotiv für die Handlung macht und ihn so den Lesern mit ein paar Hintergrundinformationen vorstellt. Mit der vielschichtigen ägyptischen Götterwelt, der Schrift, der mächtigen Priesterschaft oder der Baukunst gäbe es genügend interessante Themen. Aber wie auch immer: Man kann den nächsten Band “blind” kaufen, sobald er erschienen ist, denn diese Romanreihe gehört qualitativ auf jeden Fall zu den besten Ägyptenromanen der letzten Jahre.