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Buchcover: Das Geheimnis des Pharaos

Das Geheimnis des Pharaos. Eine Zeitreise zu den alten Ägyptern

Nachdem die Zwillinge Mathilda und Felix durch Zufall entdeckt haben, dass sie mit Hilfe von Museumsstücken in die Vergangenheit reisen können, brechen sie in diesem Buch zu ihrer zweiten, diesmal allerdings geplanten Zeitreise auf, und zwar in das Ägypten der Pramidenbauer.

Kurz nach ihrer Ankunft dort rettet Felix ein Mädchen vor dem Ertrinken. Zum Dank nimmt die gerettete Merit die Zwillinge mit zu sich nach Hause. Mathilda und Felix leben sich schnell in der kleinen Familie ein. Felix geht mit Pamu, Merits Bruder, tagsüber auf die Baustelle an der Pyramide, wo Pamu als Bildhauer arbeitet. Mathilda versieht mit Merit die typischen Hausarbeiten, wie Einkaufen und Bierbrauen. Die Geschwister lernen so den Alltag der Ägypter des Alten Reiches, ca. 2200 Jahre vor unserer Zeitrechnung, kennen.

Die kleine Dienerfigur, ein Uschebti, mit deren Hilfe sie ihre Reise im Museum gestartet haben, soll auch ihre Rückfahrkarte sein. Doch dafür müssen sie die Figur genau an die Stelle bringen, an die sie zu diesem Zeitpunkt in der Vergangenheit auch gehört – und das ist die Grabpyramide des Pharaos Pepi II., der aber noch quicklebendig auf seinem Thron sitzt.
Doch dann wird ihnen bei einem Besuch im Palast das Uschebti weggenommen und zu allem Überfluss werden die Zwillinge auch noch voneinander getrennt! Wenn sie je wieder in die Gegenwart zurück wollen, müssen sie sich nicht nur wiederfinden, sie müssen das Ushebti auch zurückholen und es zur Bestattung des Pharaos auch noch irgendwie in die bestens gesicherte Grabpyramide bringen. Ein fast unmögliches Vorhaben…

Die Autorin Sabine Wierlemann hält sich nicht mit langen Vorreden auf: Schon auf der ersten Seite des Romans landen die Zwillinge – schwups – im Matsch des Nilufers in der Nähe von Memphis, der unterägyptischen Hauptstadt des Alten Reichs. Von da an beginnt ihr Abenteuer, das sowohl gefährliche Situationen, wie auch viele glückliche Zufälle für sie bereit hält.

Sehr schön ist, dass dabei auch der Gegensatz zwischen unserer heutigen, fast „sorglosen“ Zeit und dem damals recht mühsamen Leben beschrieben wird. So soll Felix ein Huhn fangen und schlachten, damit dieses für das Abendessen zubereitet werden kann und seine Schwester neckt ihn damit, dass er danach endlich einmal wisse, wo die von ihm heißgeliebten Chicken Nuggets eigentlich herkommen. Doch auch Mathilda kommt dabei nicht ungeschoren davon, denn das Huhn muss anschließend auch noch gerupft und ausgenommen werden!

Die Geschwister werden dabei sehr positiv und liebevoll beschrieben. So ist Mathilda die Intelligentere und Planvollere der Beiden, die immer alles wissen und lernen möchte. Felix hingegen ist der spontane, sportliche und zuverlässige Typ, der es mit dem Lernen allerdings nicht immer so genau nimmt. Dass beide aus ihren Fähigkeiten das Beste machen und sich sogar sehr schön ergänzen, ist ein gutes Beispiel für jugendliche Leser. Ein geschickter Schachzug der Autorin ist es noch dazu, zwei Helden zu haben; und das nicht nur, weil damit sowohl Jungen wie Mädchen angesprochen werden, sondern auch deshalb, weil dadurch ganz leicht zwei Erzählstränge aufgebaut werden können, die sich immer wieder abwechseln und so die jungen Leser leichter fesseln können.

Denn – und das wurde noch gar nicht erwähnt – dies ist ein Buch für Kinder und Jugendliche. Das in der »Kollektion OLMS junior« erschienene Buch soll laut Verlagsangaben für Kinder ab 10 Jahren geeignet sein. Etwas schade ist, dass man diese Information nirgendwo auf dem Cover oder den ersten Seiten auch finden kann, denn beim Kauf eines Kinderbuchs ist es ja schon entscheidend, für welche Altersgruppe dieses Buch gedacht ist. Auch das Alter der Helden, das ja in der Regel Aufschluss darüber gibt, für welche Zielgruppe ein Buch geschrieben wurde, wird im ganzen Roman nirgendwo erwähnt. Vermutlich hatte die Autorin die Zwillinge in ihrem ersten Roman ausführlicher vorgestellt. Wer aber, wie ich, nur diesen zweiten Band liest, der kann über das genaue Alter der Protagonisten nur Mutmaßungen anstellen.

Sehr erfreulich ist, dass die Autorin auch vor etwas schwierigeren Themen nicht zuückschreckt. So soll die kleine Merit, die altersmäßig erst am Beginn der Pubertät steht, bereits heiraten – und dann auch noch einen viel älteren Mann, den sie gar nicht liebt. Aber da sie keine Eltern mehr haben und die Großmutter schon sehr alt ist, möchte ihr älterer Bruder sie eben gut versorgt wissen, und hat daher diese Ehe arrangiert. Und Merit weiß selbst, dass es vermutlich so am besten ist. Unsere zeitreisenden Zwillinge sind darüber zwar schockiert, wissen aber auch, dass wir unsere heutigen Werte nicht einfach zur Beurteilung einer fremden Kultur heranziehen können. Ein Gedanke, der im Schulunterricht (und die Autorin – selbst Lehrerin – bietet zu dieser Geschichte auch unterrichtsbegleitendes Material an) gerne einmal tiefer besprochen werden sollte, wenngleich das in keiner Weise bedeuten soll, dass wir diese spezielle Praktik in unserer heutigen Zeit gutheißen können. Aber darüber nachzudenken, dass die eigene Kultur nicht das Maß aller Dinge ist, schadet unseren Schülern sicher nicht.

Lobenswert ist das ausführliche Glossar, das die verschiedenen Götter und altägyptischen Ausdrücke erklärt. Allerdings hat sich hier ein Fehler eingeschlichen, denn es wird mehrfach von Pharao Pepi I. und dessen Regierungszeit gesprochen, obwohl es im Roman um Pepi II. geht, was durch die Verwendung seines Thronnamens Neferkare eindeutig ist. Auch auf dem, vom Hamburger Illustrator Christoph Clasen sehr schön gestalteten, Umschlag sieht man auf dem abgebildeten Uschebti ganz klar die Namenskartuschen von Pepi II.

Einige weitere, kleine Ungenauigkeiten – z.B. gab es im alten Ägypten die Musikinstrumente Klarinette und Oboe noch nicht – trüben den Lesegenuss aber ebensowenig, wie manche nicht ganz logischen Passagen – wenn z.B. darauf hingewiesen wird, dass aus Geheimhaltungsgründen nur wenige ausgewählte Künstler in der Grabkammer des Pharaonengrabes arbeiten dürfen, aber Felix als fremder Besucher einfach so dorthin mitgenommen werden kann. Oder wenn am Anfang Mathilda ihrem Bruder erklärt, dass die Ägypter einfache Gewänder aus weißem Leinen trugen, aber mit keinem Wort darauf eingegangen wird, warum dann die Zwillinge in ihrer „modernen“ Kleidung dort nicht auffallen. Aber wer will in einem Zeitreiseroman schon nach Logik suchen…

Leider wird die Geschichte um Merits arrangierte Ehe am Ende nicht mehr aufgenommen. Hier hat die Autorin die Chance vertan, die darin liegende Bitterkeit durch eine kleine Wendung etwas abzumildern – was sie für Merits Bruder Pamu durchaus schafft, der von den Zwillingen vor dem selbst gewählten Tod bewahrt wird.

Insgesamt ein sehr gutes Jugendbuch, das die altägyptische Kultur kindgerecht aufleben lässt. Wie hart die Menschen arbeiten mussten, woran sie glaubten, welche Feste sie feierten und welche ungeschriebenen Regeln es gab, die teilweise völlig von unseren heutigen Werten abweichen, in all das bekommt der Leser einen guten Einblick. Die Idee, Kinder von heute in eine vergangene Epoche reisen und dort Abenteuer erleben zu lassen, macht Geschichte greifbar und erlebbar. Aber das Buch ist nicht einfach nur die Fortsetzung des Geschichtsunterrichts „mit anderen Mitteln“, sondern auch ein spannendes Abenteuer, das man einfach nur so zum Spaß lesen kann. Ganz ohne an Schule zu denken.

Buchcover Spielvogel/Rohrmüller: Das Siegel des Sahure

Das Siegel des Sahure

Pharao Sahure wird alt; mit seiner Gesundheit steht es nicht mehr zum Besten. Ha-San-Bi, der Arzt des Pharaos und Vorsteher des Heiltempels, kennt einen Stein, der, an einer Kette um den Hals getragen, eine positive Wirkung auf die Gesundheit des Pharaos haben müsste. Aber diesen wohl wertvollsten Stein der Welt gibt es in ganz Ägypten nicht und auch nicht in den Nachbarländern, mit denen Ägypten in der Zeit des Alten Reiches Handel treibt. So wird eine Karawane zusammengestellt, die weit in den Osten reisen und im Land der Maharadjas einen geeigneten Stein finden soll. Mit der Führung dieser Fernkarawane wird Rakenefer beauftragt, der gerade erst in den Dienst des Königs getreten ist und eigentlich gar keine Erfahrung mit großen Karawanen hat. Aber König Sahure und Ha-San-Bi haben das Gefühl, dass er genau der richtige Mann für diese Aufgabe ist. So reist Rakenefers Karawane ab gen Osten, um dieses unbekannte Land und den großen Heilstein zu finden.

Auf den ersten Seiten des Buchs schildert Regina Rohrmüller, wie ihr vor vielen Jahren die Übersetzung eines verschollenen altägyptischen Papyrus zugespielt wurde. In diesem Schriftstück aus dem Grab eines Priesters des Alten Reiches war vom ältesten Heiltempel Ägyptens die Rede, in dem mit Edelsteinen geheilt wurde. Rohrmüller, ausgebildete Goldschmiedin und schon immer am alten Ägypten interessiert, befasste sich von da an weiter mit dem Thema und schrieb dann mit ihrem Mann und Geologen Gernot Spielvogel diesen Roman über den alten Tempel Ha-abeti und das Heilen mit Edelsteinen.

Dass sich die Autoren mit den beiden Themenbereichen wirklich auskennen, merkt man dem Buch deutlich an. Es werden unglaublich viele altägyptische Begriffe verwendet, die Rohrmüller auch immer gleich im Kontext erklärt, so dass sie auf ein Glossar, das ansonsten wirklich umfangreich hätte ausfallen müssen, verzichtet. Für den Leser ist es allerdings eine Herausforderung, sich die Bedeutung all der altägyptischen Namen und Titel zu merken, die immer wieder vorkommen, aber ja nur beim ersten Mal erklärt worden sind.

Ebenfalls merkt man den Autoren ihr Fachwissen an, wenn sie über Edelsteine, deren Herkunft, Wirkung und Verwendung berichten. Auch über die Gewinnung der Steine in den Minen und die nötigen Verarbeitungsprozesse erfährt der Leser Einiges. Dass einige Steinarten nicht nur durch Auflegen wirken sondern auch zu Pulver zermahlen eingenommen werden können, ist sicher vielen Lesern neu. Die durch Steine erzielten Heilerfolge scheinen einem skeptischen Leser wie mir allerdings allzu glorios dargestellt. Sie können nicht nur einen verjüngenden Effekt haben, wie sich der Heilpriester dies für seinen Pharao ja von einem großen Diamanten erhofft, auf der Reise der Karawane werden durch Steinwirkung auch Epilepsie geheilt, eine Lähmung beseitigt und sogar ein schielendes Auge wieder begradigt.

Die Geschichte selbst verspricht Spannung: Eine Karawane reist ins Unbekannte – durch Länder, die mit Ägypten befreundet sind und durch andere, die es nicht sind. Und wenn alles gut geht, haben sie auf dem Rückweg eine so wertvolle Fracht dabei, dass sie für Räuber ein lohnendes Ziel sind. Gefährliche Situationen, Kämpfe und Verluste werden nicht zu vermeiden sein.

Leider entwickeln die Autoren diese Geschichte dann aber fast gänzlich ohne Spannung. Die Karawanenführer sind gute Menschen, die überall, wo sie auftauchen, schnell den Reskpekt der heimischen Bevölkerung erfahren. Manche der Fremden sind sogar so angetan von der ägyptischen Karawane, dass sich Kämpfer, Prinzessinnen und Elefanten dem Zug anschließen, der dadurch immer größer und mächtiger wird. Und so kehrt die Karawane nach mehr als zwei Jahren deutlich größer zurück von ihrer gefährlichen Reise und hat nicht einen Mann und nicht ein Tier verloren! Das ist nicht nur unglaubwürdig sondern leider auch gar nicht spannend.

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Das Siegel des Sahure

Auch die Beziehungen der Hauptpersonen untereinander werden nicht speziell herausgearbeitet. Zwar mögen und respektieren sich alle, denn sie sind ja alle Gutmenschen, aber es gibt weder eine starke Frauen- oder Männerfreundschaft, die über dieses Mögen hinausgeht, noch eine Liebesbeziehung. Aufkeimende Gefühle zwischen Mann und Frau bleiben stets im Stadium „Sie sah ihn an und errötete“ stecken. 450 Seiten und ein Zeitraum von fast drei Jahren hätten doch nun wirklich Platz genug für eine gefährliche Intrige oder eine schöne Liebesgeschichte geboten! So aber ist dieser Roman weder spannend noch berührend. Allerdings ist er interessant, was die Informationen über Edelsteine und den alten Heiltempel Ha-abeti angeht (den die Autoren übrigens geortet haben wollen und den sie gerne wieder aufbauen würden). Und einen Sonderpunkt bekommen die Autoren für das Bemühen um historische Genauigkeit und die vielen altägyptischen Ausdrücke, die auch meist erklärt werden. Trotzdem war ich froh, als ich endlich das Ende des Buches erreicht hatte.

Buchcover "Der Fischer und die Königin"

Der Fischer und die Königin

Der 15-jährige Fischerjunge Hori rettet in Theben ein junges Mädchen aus den Fluten des Nils. Hori und die gerettete Inet-Amun, eine Tänzerin im Tempel des Amun, verlieben sich ineinander und verleben einige glückliche Tage, bevor Hori zurück muss in seine Heimatstadt Swenue. Sie versprechen sich ewige Liebe und planen ein gemeinsames Leben. Aber dann kommt der junge Pharao Ramses nach Theben, sieht die Tempeltänzerinnen bei einem Auftritt und beschließt, Inet-Amun zu seiner Frau zu machen. Und sich dem Wunsch des Pharaos zu widersetzen, ist undenkbar.

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Buchcover Die Seherin des Amun von Birgit Furrer-Linse

Die Seherin des Amun

Nachdem Hatschepsut gestorben ist, liegt nun auch ihre Halbschwester Nenefer, Priesterin des Amun mit seherischen Fähigkeiten, im Sterben. Um ihre Taten vor den Göttern zu rechtfertigen, schreibt sie ihr Leben auf Papyrus nieder. Thutmosis III, nach Hatschepsuts Tod endlich an der Macht, hatte Zeit seines Lebens Angst vor dieser Seherin. Die Papyrusrollen der Nenefer bieten ihm die Möglichkeit, die Wahrheit über die Vergangenheit herauszufinden. War es ein Komplott seiner Tante Hatschepsut, die ihn so lange von der Macht fernhielt? Oder war es tatsächlich der Wille Amuns, wie es Nenefer so oft behauptet hatte? Nach Nenefers Tod kann er der Gelegenheit nicht widerstehen, ihre persönlichen Aufzeichnungen zu lesen – obwohl sie das ausdrücklich verboten hatte.

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Hypatia

Der aus der Sklaverei in die Freiheit entlassene Schreiber Thonis will sein Glück im reichen Alexandria versuchen, das von den Griechen verwaltet wird. Alexandria ist in dieser Zeit ein brodelnder Schmelztiegel, in dem nicht nur Ägypter und Griechen aufeinander treffen sondern auch mehrere unterschiedliche Religionsgruppen. Neben den Anhängern der „alten Götter“ gibt es auch Juden und Christen in der Stadt und die Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Gruppen verschärfen sich von Tag zu Tag.

Mit etwas Glück findet Thonis eine Anstellung bei der Gelehrten Hypatia, die am Musaion, der griechischen Hochschule, Vorlesungen über Philosophie hält. Ihre auf Mathematik, Astronomie und Logik basierende Weltsicht stößt allerdings bei Vielen auf Unverständnis, von denen sie als „gottlos“ verunglimpft wird. Insbesonderem dem immer mächtiger werdenden christlichen Bischof Kyrill ist die Freidenkerin ein Dorn im Auge.

Hypatia gerät schließlich zwischen alle Fronten und auch Thonis muss sich für eine Seite entscheiden, als sein alter Lehrer Petrus, der inzwischen im Dienst des Bischoffs steht, von ihm Informationen über seine Herrin fordert. Und Petrus lässt keinen Zweifel daran, wie ernst ihm die Sache ist.

Der Roman spielt ca. 400 n.Chr. in der Zeit, da Ägypten unter der Herrschaft von Griechen und Römern stand und ihnen als Kornkammer diente. Alexandria wird zwar von einem griechischen Statthalter regiert, aber die religiösen Führer der Juden und Christen drängen ebenfall danach, Alexandrias Geschicke zu bestimmen.

Es ist erschreckend, wieviele Parallelen zur Jetztzeit bestehen: religiöse Gruppen, denen man Anschläge zutraut, und Einheimische, die sich von den vielen Fremden im eigenen Land bedroht fühlen und „Ägypten den Ägyptern“ rufen.

Dabei schildert Arnulf Zitelmann die Zuspitzung der Ereignisse relativ emotionslos. Keine seiner Figuren löst beim Leser tiefe Gefühle aus. Nicht einmal die Liebesgeschichte oder das brutale Zusammenschlagen des Helden konnte mich wirklich berühren. Trotzdem ist die Geschichte um die ungewöhnliche Hypatia irgendwie interessant und konnte mich phasenweise sogar fesseln. Zitelmann schafft es außerdem insbesondere in den Beschreibungen des Haushalts der Hypathia, dem ägypteninteressierten Leser auch den Flair der damaligen Epoche zu vermitteln, wenn er z.B. über die Angestellten oder deren Mahlzeiten oder Feste schreibt.

Der Roman zeigt zudem, wie Ägypten endete: als politisch bedeutungslose Provinz unter einem griechischen Statthalter und einem römischen Kaiser. Die alten Götter werden kaum noch verehrt und das aufkommende Christentum verbreitet sich überall, sogar unter den Ägyptern. Die Konflikte ztwischen den verschiedenen Religionen und Weltanschauungen müssen gerade im griechisch orientierten Alexandria zu massiven Konflikten geführt haben.

In diesem Buch geht es nicht in erster Linie um Ägypten; es geht um die historische Figur der Hypatia, die eine der ersten großen Frauengestalten der Antike war und die von religiösen Fanatikern grausam ermordet wurde. Heute ist leider nur wenig über diese Anhängerin der Lehren Platons und Sokrates‘ bekannt. Keine ihrer Schriften blieb erhalten. Es ist daher schön, dass Zitelmann sie mit seinem Buch ein wenig aus dieser Vergessenheit herausholt. In einem Nachwort stellt er dann auch die wenigen bekannten Fakten vor, die ihm als Grundlage für seine Geschichte dienten.

Buchcover Monika Mangal: Der Retter der beiden Länder

Der Retter der beiden Länder (2 Bände)

Der junge Arzt und Sechmetpriester Senmut führt ein einfaches, aber glückliches Leben mit seiner Familie in der Hauptstadt Mennefer. Doch seine heile Welt beginnt zu wanken, als eines Tages ein Toter vor seiner Haustür liegt, der ein Anhänger des Aton-Kults zu sein scheint und ihm anscheinend aufgelauert hatte. Kurz darauf wird er in den Palast gerufen zum mächtigsten Beamten des Landes: Amunhotep, Sohn des Hapu. Dieser bittet ihn darum, die Zähne des schwächelnden Pharaos höchstpersönlich zu behandeln. Und niemand, auch nicht der Leibarzt des Pharaos, darf davon wissen. Senmut kann sich das Ganze nicht erklären. Warum wird ein kleiner, unbedeutender Arzt ans Krankenbett des Pharaos gerufen? Warum interssieren sich die Mächtigen auf einmal für ihn? Und will ihn wirklich jemand umbringen? Die Antwort, die er von Königin Teje auf diese Fragen erhält, ist unglaublich: Der Wesir Amunhotep hat in einem Traum gesehen, dass Senmut einmal die beiden Länder vor dem Untergang retten wird. Auf einmal hat Senmut heimliche Förderer – aber auch Feinde. Sein bisher ruhiges Leben gerät allmählich aus den Fugen.

Dieser Zweiteiler ist Monika Mangals dritter Ägyptenroman. Wie auch in ihren beiden früheren Romanen hat sie sich wieder eine interessante Story ausgedacht und viele Details aus der geschichtlichen Epoche recherchiert. Dabei hat sie auch neuere archäologische Funde berücksichtigt, wie die über 100 Skelette eines Friedhofs in Amarna, auf dem überwiegend Kinder und Jugendliche begraben waren. Ihre Skelette zeigten Verletzungen und Deformitäten, wie sie nur von schwerster körperlicher Arbeit kommen können. Die Autorin bindet diese Tatsache elegant in ihren Roman um die Ereignisse am Hofe Echnatons ein.

Auch in diesem Roman würde man sich wieder wünschen, dass die Charaktere der handelnden Personen und ihre Beziehungen zueinander mehr entwickelt würden. Ihren Figuren Komplexität und Tiefe zu geben, ist keine der Stärken der Autorin. Und trotz einiger Spannungsbögen – Senmut wird vor Gericht gestellt, ins Gefängnis geworfen und muss außer Landes fliehen – konnte mich die Geschichte auch nicht so fesseln, dass ich das Buch in einem Rutsch verschlungen hätte. Ich konnte es leicht mal für ein paar Tage beiseite legen.

Aber Monika Mangal ist eben eine gute Erzählerin. Die Geschichte um den Arzt Senmut, dem prophezeit wird, dass er der Retter Ägyptens sein soll und der glaubt, er müsse dafür verhindern, dass Echnaton einen männlichen Nachfolger bekommt, ist nicht nur gut ausgedacht, sondern auch locker und flüssig erzählt. Hinzu kommt die Genauigkeit, mit der die Autorin sich um korrekte Namen und Beschreibungen der Örtlichkeiten bemüht. Die ausführliche Beschreibung des Sed-Festes des alten Pharaos Amunhotep ist ein kleines Highlight für den ägyptophilen Leser. Die Lektüre macht daher durchaus Spaß und man nimmt das Buch auch immer wieder gerne zur Hand, um weiterzulesen.

Der Ausgangspunkt der Geschichte, nämlich dass Senmuts Schicksal einem Hofbeamten in einem Traum vorhergesagt wurde und deswegen ein kleiner Mann umgehend ein sehr hohes Amt erhält, ist allerdings ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Ebenso wie der Falke am Himmel, der Senmut bei seiner Flucht den richtigen Weg zeigt. Aber haben nicht auch die alten Ägypter an solche Wunder und die Kraft der Götter geglaubt? Es passt daher wohl in die Zeit, auch wenn wir heute ein wenig darüber die Nase rümpfen.

Sehr informativ ist das Nachwort der Autorin, in dem sie begründet, warum sie Echnaton und Nofretete in dieses spezielle, etwas unschöne Licht gerückt hat und welche Fakten ihr beim Schreiben der Geschichte halfen. Insgesamt ein guter und leicht zu lesender Roman dem es nur ein wenig an Spannung und Charakterentwicklung fehlt.

Anchesenamun. Das Buch des Chaos

Im abschließenden dritten Teil seiner Trilogie um den Ermittler Rahotep wählt Nick Drake als Thema die sogenannte Dahamunzu-Affäre. In einem auf Tontafeln erhaltenen Brief bat eine kinderlose ägyptische Königswitwe den feindlichen Hethiterkönig Schuppiluliuma darum, ihr einen seiner Söhne zu schicken, der dann ihr Gemahl und Pharao von Ägypten werden sollte. Ob diese Königin eine der drei Witwen Echnatons oder aber Tutanchamuns Gemahlin Anchesenamun war, ist bis heute umstritten. In diesem Roman macht sich Rahotep im Auftrag der Königin Anchesenamun auf, den brisanten Brief in die Hauptstadt des Hethiterreiches zu bringen.

Obwohl der Wahrheitssucher Rahotep seiner Frau nach seinem letzten lebensgefährlichen Fall versprochen hatte, die Familie nie wieder allein zu lassen, kann er sich diesem Auftrag, der ihn monatelang von Ägypten fernhalten wird, nicht entziehen. Und er will diesen Auftrag auch gar nicht ablehnen, wurde doch erst kurz zuvor sein Freund Kheti bestialisch ermordet, und die Reise nach Hattuscha bietet Rahotep die Möglichkeit, eventuell die Hintergründe dieses Mordes aufzudecken. Für diese Chance, am Mörder seines Freundes Rache nehmen zu können, setzt er das Wichtigste aufs Spiel, das er hat: das Glück seiner Ehe und Familie.

Auch in diesem dritten Teil der Trilogie muss man Nick Drake bescheinigen, dass er wieder ein interessantes Thema gefunden und ausführliche Recherche dazu betrieben hat. Das wird auch in seinem Nachwort deutlich, in dem er einige Erläuterungen zur historischen Faktenlage gibt.

War schon der zweite Teil etwas gewalttätiger als der erste, so ist dieser abschließenden Teil nun noch deutlich düsterer und brutaler geworden. Wenn Gefangene reihenweise brutal abgeschlachtet werden und abgeschlagene Köpfe am Sattel befestigt herumgetragen werden, dann trifft das sicher nicht Jedermanns Geschmack.

An manch anderer Stelle ist die Geschichte dafür leider etwas zu langatmig geworden. Über mehr als 100 Seiten erzählt der Autor die Reise der ägyptischen Delegation in die hethitische Hauptstadt Hattuscha. Während dieser Reise passiert nichts wirklich Spannendes, dafür beschreibt Drake die verschiedenen Städte, durch die gereist wird, die Landschaften, das Wetter, bis hin zu den Blattformen, welche die fremdländischen Pflanzen haben. Hier hätte ich mehrmals gerne einfach vorgeblättert, bis wieder etwas passiert. Richtig gut und spannend ist der Roman nur am Anfang und am Ende, wenn die Geschichte in Ägypten spielt.

Die vielen modernen Fremdworte, die ich in den ersten beiden Bänden kritisiert hatte, haben mich in diesem dritten Band nicht mehr so gestört (obwohl sie natürlich da waren: Inbsubordination, Warlords, Nonchalant…). Vielleicht hatte ich mich inzwischen aber auch einfach nur daran gewöhnt. Ebenso ägypten-untypisch ist die Anleihe an den Crocodile Dundee Film: „Das nennst Du eine Messer? DAS HIER ist ein Messer!“
Positiv dagegen die unterschwellige Einarbeitung des Themas Homosexualität, von dem wir in kaum einem Ägyptenroman lesen können, obwohl es sie doch in jeder Epoche der Menschheit gegeben haben muss.

Ganz schwach fand ich auch die Auflösung des Mordfalls. Der böse Killer ist am Ende eine Person, der man das nun überhaupt nicht zugetraut hätte. Und diese Überraschung wird auf den vorangegangenen 400 Seiten auch mit keiner Silbe vorbereitet, sondern Bums, da ist sie! Das hätte man wirklich besser machen können.

Erfreulich ist, dass der Autor der Versuchung widerstanden hat, ein Happy End zu basteln. Die Geschichte endet mit einem bitteren Beigeschmack, weil wohl jeder Süchtige, der für seine „Droge“ alles aufs Spiel setzt, letztlich als Verlierer dasteht.

Trotzdem: Wegen der vielen „überflüssigen“ Seiten, auf denen nur gereist und beschrieben wird, und wegen der unglaubwürdigen Auflösung des Bösewichts ist dies für mich, trotz des gelungenen, zu Herzen gehenden Endes, der schwächste Teil der Rahotep-Trilogie.

Buchcover Kathrin Brückmann: Bitter schmeckt der Tod. © Hannah Böving

Bitter schmeckt der Tod. Hori & Nachtmin, Bd. 3

Nach ihrem letzten, gefährlichen Abenteuer erhalten die Palastärzte Hori und Nachtmin vom Pharao einige freie Tage, in denen sie zur Erholung nach Waset reisen wollen. Allerdings bittet der Pharao sie, auf der Reise dorthin die Augen offen zu halten, denn er befürchtet, dass nicht alle südlichen Gaufürsten wirklich fest zu ihm stehen.
Hori hat aber auch noch einen anderen Grund, der ihn nach Waset zieht: die Ärztin Useret, in die er sich verliebt hat, obwohl diese gar nichts von ihm wissen will. Hori will Useret helfen, die Anklage gegen ihren Vater zu entkräften, der angeblich den Tod eines Patienten verursacht haben soll.

Schnell merken Hori und Nachtmin aber, dass ihre Nachforschungen im verzwickten Fall um Userets Vater gefährlich sind. Werden sie beobachtet? Und wieso ist fast jeder, mit dem sie deswegen sprechen, kurze Zeit später tot? Wie in den vorangegangenen beiden Kriminalfällen, wird es auch hier lebensgefährlich für die beiden jungen Ärzte und sie müssen eine Gefahr abwenden, die die Ordnung Ägyptens bedroht.

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Schatten der Verdammten. Hori und Nachtmin, Band 2

Die beiden jungen Ärzte Hori und Nachtmin haben sich gerade an ihre neue Stellung als Palastärzte gewöhnt, da taucht in der Weryt, der Stätte der Einbalsamierer, ein überzähliges Herz auf. Wo ist der Körper dazu? Und wer hat diesen Frevel begangen? Da nur Hori diese Stätte besuchen und wieder verlassen darf, schickt Pharao Sesostris III. ihn los, um diesen Fall zu untersuchen. Schnell stellt sich heraus, dass es noch viel, viel schlimmer ist: Es muss einen Verräter geben, der die geheimsten Sprüche und die gefährlichsten Geheimnisse der Weryt kennt und sie an die Außenwelt verkaufen will. Mit diesem Wissen könnte jemand die Schatten der Verdammten beschwören, also derjenigen Verstorbenen, die nicht ins jenseitige Leben gelangen konnten. Das könnte ganz Ägypten in Gefahr bringen, denn die verderbliche Kraft der Schatten ist unermesslich.

Kathrin Brückmann gelingt es, den zweiten Band dieser Reihe fast nahtlos an den ersten anschließen zu lassen, ohne dass der erste Band zum Verständnis zwingend nötig ist. Anders gesagt: Dieser Band macht auch Spaß, wenn man den ersten nicht gelesen hat. Und Spaß macht das Lesen wirklich. Brückmann schreibt mit viel Sachverstand, Humor und einem guten Gespür für die zwischenmenschlichen Töne. Das wird besonders deutlich, wenn Nachtmin mit seiner scharfzüngigen Frau Mutnofret streitet, oder wenn Hori mit seinen ehemaligen Arbeitskollegen in der Weryt flachst.
Etwas übertrieben fand ich allerdings das Benehmen des verliebten Hori. Dass sich ein Mann im besten Alter erstmals in seinem Leben verliebt und sich dann so trottelig anstellt, empfand ich als nicht sehr glaubwürdig. Sehr schön allerdings der Cliffhanger, mit dem uns die Autorin Appetit auf den dritten Band macht, wenn am Ende Horis über viele Kapitel abgetauchte Angebetete wieder ins Spiel gebracht wird und man ahnt, dass diese Liebe wohl in Band 3 neu erblühen wird.

Die Autorin bleibt ihrem Stil treu, viele Originalbezeichnungen zu verwenden. Dabei versucht sie, diese bei ihrem ersten Auftauchen auch gleich im Text zu erklären, so dass der Leser nicht jedes Mal im Glossar nachschlagen muss. Erfreulich die auch in diesem Band wieder jedes Kapitel einläutenden Zeitangaben nach dem altägyptischen Kalender. Da die ganze Geschichte im selben Monat spielt, wären sie nicht wirklich notwendig gegwesen, aber sie machen einem immer wieder bewusst, wo man sich gerade befindet, nämlich im alten Ägypten.

Dass Kathrin Brückmann nicht einfach nur gut recherchiert sondern tatsächlich Ägyptologie studiert hat, merkt man auch an vielen kleinen Dingen, z.B. an der selbstverständlichen Verwendung des Plural-U hinter manch altägyptischem Begriff, wenn er die Mehrzahl ausdrücken soll. Das könnte den unbedarften Leser allerdings auch verwirren, wenn es mal Wab und dann wieder Wabu heißt. Und leider wird das im (sonst sehr guten) Glossar auch nicht erklärt.

Beschäftigte sich der erste Band mit der Behandlung von Leichnamen und ihrer Mumifizierung, so hat sich die Autorin hier das Leben nach dem Tode und vor allem den starken Glauben der alten Ägypter an Geister, Amulette und Beschwörungen zum Thema genommen. Nach der Lektüre dieses Romans hat der Leser eine gute Ahnung davon, wie sich die Ägypter das vorstellten, was nach dem Tode passieren würde, welche Rituale zu durchlaufen waren und welche Gefahren auf dem Weg ins glückliche Jenseits warten konnten.

Extra loben möchte ich auch die Covergestaltung. Die drei bislang vorliegenden Bände sind im gleichen Stil gehalten: Auf einem Papyrusfetzen, vor einem schwarzen Hintergrund, stellt eine im altägyptischen Stil gezeichnete Szene das Thema des jeweiligen Bandes dar. Für Band 1 war das die Mumifizierung einer Leiche, in diesem 2. Band ist des das Leben nach dem Tode: Hori und Nachtmin mit den Seelen der Verstorbenen, die die Ägypter als Vögel mit Menschenkopf darstellten und – natürlich – mit den Schatten der Verdammten. Die Bochumer Grafikerin Hannah Böving hat mit den Buchcovern nicht nur eine gemeinsame Identität geschaffen – man sieht sofort, dass diese Bücher zur selben Reihe gehören – sie drückt auch das jeweilige Romanthema auf dem Cover aus und schafft es dabei auch noch, dass die Szenen so authentisch aussehen, als wären sie von echten altägyptischen Papyri aus einem Museum abgezeichnet. Brückmann, mit ihrem Bemühen um altägyptische Authenzität und Originalbezeichnungen, hat mit dieser Grafikerin eine kongeniale Mitstreiterin gefunden.

Auch dieser zweite Band ist wieder ein rundum gelungenes Werk, in dem eine interessante Geschichte, ein anregender Schreibstil und viel Fachwissen zusammenkommen. Nach der Lektüre dieses Buches freut man sich schon auf das nächste Abenteuer der beiden jungen Ärzte. Wie gut, dass Band 3 bereits auf meinem Tisch liegt…

Buchcover, Monika Mangal: Der vergessene Prinz

Der vergessene Prinz. Die Herausforderung

Dass Siamun ein leiblicher Sohn des jung verstorbenen Pharaos Tutanchamun ist, hat er sein Leben lang geheim gehalten. Zu gefährlich wäre es für ihn, wenn die derzeitigen Machthaber, die aus keiner königlichen Blutlinie stammen, von seiner Existenz erführen. So macht er eine Ausbildung zum Baumeister und wird aufgrund seines Talents bald vom regierenden Pharao Seti für dessen große Bauvorhaben, die Säulenhalle in Ipet-Sut (Karnak) und einen großen Tempel in Abedju (Abydos) verpflichtet. Hierdurch lernt er auch die Prinzessin Tia kennen und lieben.

Doch immer wieder muss er mitansehen, wie die neuen Machthaber das Andenken an seinen Vater Tutanchamun und Großvater Echnaton vernichten, indem sie deren Inschriften zerstören, ihre Bauwerke usurpieren, und versuchen, ihre Namen aus der Geschichte zu tilgen. Dieser Frevel kann nicht im Sinne der Maat, der Wahrheit und Ordnung, sein. Aber soll er sich wirklich als Königssohn zu erkennen geben, einen Aufstand anzetteln und nach der Krone greifen? Wenn er scheiterte, würde er alles verlieren: seine befriedigende Arbeit, seine große Liebe und vermutlich sogar sein Leben. Doch dann geschieht etwas, dass das Fass zum Überlaufen bringt.

Dieser Roman schließt an Monika Mangals ersten Roman „Tutanchamun und die Tochter des Mondes“ an, der damit endete, dass nach dem Tod Tutanchamuns und seiner Ehefrau Sitiah die Amme Meritamun mit den drei königlichen Kindern flieht, da diese sonst ebenfalls dem Tod geweiht wären. In diesem Buch sind aus den Kindern nun erwachsene Leute geworden, die jedoch noch immer ihre wahre Abstammung verschweigen müssen. Dieser Folgeroman erzählt aber eine eigenständige Handlung – man muss das erste Buch also nicht gelesen haben, um diese Geschichte zu verstehen.

Wie schon in ihrem ersten Roman fällt auch hier wieder positiv auf, dass sich die Autorin um die korrekten Bezeichnungen der Ortsnamen bemüht. Ebenso, dass sie den Eigennamen der Pharaonen nicht die moderne „Nummer“ (also Sethos I.) sondern statt dessen lieber den Thronnamen (also Menmaatre) anhängt. Und auch sonst bemüht sie sich, den Lesern Sitten und Gebräuche der damaligen Zeit zu erklären. So wird bei einer Einbalsamierung der Sinn des Herzskarabäus erwähnt, der zwischen die Mumienbinden gelegt wurde oder die Zeremonie der Grundrissvermessung eines Bauvorhabens durch den Pharao höchstpersönlich. Und die ausführliche Beschreibung des Scheinbegräbnisses des Osiris in Abydos vermittelt nicht nur das Wissen über dieses Fest sondern ist so detailliert, dass man als Leser fast das Gefühl hat, bei dieser Prozession selbst am Straßenrand zu stehen.

Ein wenig inhaltliche Kritik gibt es dennoch. So kommt der Sinneswandel Siamuns, sein Versteckspiel aufzugeben, sehr plötzlich. Das hätte die Autorin besser vorbereiten sollen, indem sie ihn immer wieder und immer mehr damit hätte hadern lassen können. Ebenso wird der Prozess der Aufdeckung viel zu schnell und glatt dargestellt. Hier hat sie eine Chance vergeben, Dramatik und Gefahr in den Roman hineinzubringen. Und auch in diesem Roman sind viele Nebenfiguren wieder eher eindimensional dargestellt, nur ganz wenige Charaktere werden ausführlich und kontrovers entwickelt, z.B. der Pharao Seti, dem sehr wohl bewusst ist, dass in seinen Adern kein einziger Tropfen königlichen Blutes fließt und dem die Ähnlichkeit seines Sohnes Ramses mit seinem ehemaligen Vermögensverwalter nicht entgangen ist.

Dennoch macht sie in diesem Roman auch einiges besser als in ihrem ersten Buch: Die große Liebe des Helden ist hier stets präsent und stellt eine Konstante dar im Auf und Ab der Gefühle und der Handlung der Geschichte. Auch das recht bittere Ende passt sehr gut. Ein durchaus denkbares Hollywood-Happyend wäre einfach zu platt und kitischig gewesen.

Obwohl es diesmal erfreulicherweise Seitenzahlen gibt, zeigen einige Formalien doch deutlich, dass hier kein professioneller Verlag im Hintergrund gestanden hat. Da ist zum einen die große Schrift, die fast an ein Kinderbuch erinnert. An den fehlenden Blocksatz gewöhnt man sich zwar im Laufe des Lesens, dem optischen Eindruck ist es dennoch nicht zuträglich. Auch die Tatsache, dass für die Umschlaggestaltung eine Grafik auf die benötigte Größe hochskaliert wurde und dass dadurch der Text auf der Rückseite stark verpixelt ist, lässt das Buch minderwertig erscheinen.

Aber das Wichtigste an einem Buch ist ja die Geschichte und nicht die Verpackung. Und Monika Mangal beweist mit diesem Roman erneut, dass sie einen ungewöhnlichen Gedanken – hier die Tatsache, dass Tutanchamun Kinder gehabt haben könnte – in eine sehr realistische und gut erzählte Geschichte einpacken kann, die dazu auch noch einige historische Fakten vermittelt.

Buchcover Sati. Töchter der Sonne

Sati. Töchter der Sonne

Die Zwillingsschwestern Majet und Inti werden während einer Sonnenfinsternis geboren. Majet kommt genau in der Zeit der Dunkelheit zur Welt, ihre Schwester Inti kurze Zeit später. Für die Dorfbewohner ist dies ein klares Zeichen, dass von den beiden Mädchen nichts Gutes ausgehen kann, da sich der Sonnengott Re bei Ihrer Geburt abgewendet hat. Die Familie wird daraufhin von der Dorfgemeinschaft gemieden und die Mädchen verspottet. Erst als in der fernen Hauptstadt Men-nefer ein Orakel der Königin Nitokris voraussagt, dass die Dürre, die Ägypten seit Jahren heimsucht, nur durch ein Zwillingspaar beendet werden kann, das zur Zeit der Dunkelheit geboren wurde, ändert sich das Leben der beiden Schwestern. Sie werden in die Hauptstadt geholt und zu Priesterinnen ausgebildet. Was sie nicht wissen: Das Orakel prophezeite auch, dass für die Genesung Ägyptens eines der Zwillingsmädchen sterben muss.

Birgit Fiolkas Heldinnen sind stets starke Frauen, die ihren eigenen Weg gehen. Das trifft auch für ihre bisherigen fünf Ägyptenromane zu. In dieser Erzählung gibt es erstmals eine kleine Variation zu diesem Motiv, denn hier sind es ja zwei Protagonistinnen. Und wie es bei eineiigen Zwillingen häufig ist, so gleichen sie sich zwar äußerlich, unterscheiden sich aber im Charakter deutlich. Majet ist die Härtere und Stärkere, Inti die Zurückhaltende, Weichere der beiden. Und während Majet sich freut, dem ärmlichen Dorfleben und der Verachtung durch die Dorfbewohner entflohen zu sein, und das sorgenfreie Leben in der Hauptstadt in vollen Zügen genießt, hat Inti Heimweh, leidet unter der Situation und zieht sich mehr und mehr zurück. Inti entspricht damit so gar nicht den Frauengestalten, die sonst Birgit Fiolkas Romane bestimmen. Majet fehlt dagegen die Warmherzigkeit, die eine Heldin eben auch haben muss. Die Autorin hat die üblichen Charaktereigenschaften diesmal also auf zwei Figuren aufgeteilt.

Fiolka gelingt es meisterhaft, das langsame Auseinanderdriften der beiden Schwestern, die als Kinder unzertrennlich waren, zu beschreiben. Diese langsame Entfremdung wird natürlich von der Königin Nitokris unterstützt, die ja weiß, dass sie eine der beiden Schwestern töten und die andere diese Entscheidung dann akzeptieren muss. Mit Bangen verfolgt man, wie die beiden Mädchen immer häufiger streiten und sich langsam sogar voneinander abwenden.

Die Geschichte spielt im Alten Reich, also in der Zeit der Pyramidenbauer. Wie auch in ihren früheren Büchern, so hat sich Birgit Fiolka das historische Umfeld der Geschichte genau angesehen. Die Handlung um die Königin Nitokris geht auf eine durch den grichischen Geschichtsschreiber Herodot überlieferte Sage zurück. Ob es diese Königin Nitokris wirklich gab, ist umstritten. Fakt ist aber, dass in dieser Zeit der 6. Dynastie das Alte Reich zugrunde ging und es zur sogenannten 1. Zwischenzeit kam, in der Ägypten zerfiel. Die Autorin gibt eine nachvollziehbare Erklärung dafür, wie sich Ober- und Unterägypten so voneinander entfernen konnten, dass es schließlich zum Bruch kommen musste.

Beeindruckend ist wieder einmal die Sprache, die Birgit Fiolka für ihre Geschichte gefunden hat. Nicht nur, dass sie viele altägyptische Originalbezeichnungen verwendet und wirklich schöne Eigennamen für die Figuren gefunden hat, es sind vor allem die passenden Sprachbilder, die den Leser auch formal in eine lang zurückliegenden Zeit entführen. Eine Zeit, in der man sein Alter an der Anzahl der Nilüberschwemmungen, die man erlebt hatte, ablas, und in der es abends nicht einfach dunkel wurde, sondern die Göttin Nut ihren Leib wie einen schwarzen Mantel über das Land ausbreitete. Mit Bedacht vermeidet sie auch das Wort Zwillinge, das ja germanischen Ursprungs ist, und verwendet dafür, wie schon im im Roman über Hatschepsut, die Umschreibung „Schwestern der Geburtsstunde“.

Obwohl der Roman nicht besonders lang ist — das Buch hat incl. Nachwort und Glossar gerade einmal 190 Seiten – hat man nicht das Gefühl, dass etwas fehlt. Ich habe das Buch sogar mit einem guten Gefühl zugeklappt, denn am leise befürchteten, aber dennoch wohlgewählten, Ende schließt sich ein Kreis, und die Geschichte war für mich wahrhaftig zuende erzählt.

Wie schon mit ihrem Hatschepsut-Zweiteiler beweist Birgit Fiolka auch mit diesem Buch, dass sie zu den besten zeitgenössischen Autorinnen von Ägyptenromanen gehört, die eine gute Erzählung mit vielen Informationen über die gewählte Epoche und einem passenden historischen Ambiente verbinden können. Für mich ist dies trotz seiner Kürze sogar ihr bester Roman, denn hier kommt zu allem, was sie auch schon in ihren letzten Ägyptenromanen richtig gemacht hatte, hinzu, dass sie eine wirklich zu Herzen gehende Geschichte gefunden hat, die den Leser nicht unberührt lassen kann. Besser kann man nicht machen – allenfalls länger. Ein Top-Ägyptenroman!

Buchcover Tutanchamun. Das Buch der Schatten

Tutanchamun. Das Buch der Schatten

Rahotep, Ermittler bei den Medjai, den Ordnungshütern der Hauptstadt Theben, wird erneut an den Königshof gerufen. Bereits vor einigen Jahren hatte der damalige Pharao Echnaton ihn gebeten, das Verschwinden seiner Gemahlin Nofretete aufzuklären – nun ruft ihn Nofretetes Tochter Anchesenamun, denn im Palast geschehen unheimliche Dinge.

Obwohl Anchesenamun und Tutanchamun offiziell das Königspaar sind, haben der alte Eje und General Haremhab die wahre Macht im Lande. Und diese sind auch gar nicht begeistert, dass Rahotep nun vor ihrer Nase Ermittlungen anstellen soll. Aber dem Wunsch der Königin können sie sich nicht widersetzen.

Neben den Ermittlungen am Hofe muss Rahotep aber auch seine normale Polizeiarbeit machen. Und da hält ihn eine Mordserie auf Trab, deren Mörder unvorstellbar grausam vorgeht und seinen Opfern auch noch die Augäpfel herausschneidet. Als Indizien darauf hinweisen, dass die bedrohlichen Vorkommnisse am Palast mit dieser Mordserie in Zusammenhang stehen, ist Rahotep klar, dass er nun noch eine dritte Aufgabe bewältigen muss: Er muss das junge Königspaar beschützen. Und wenn ihm das nicht gelingt, werden Haremhab und Eje ihn den Preis dafür zahlen lassen.

Dies ist der zweite Band von Nick Drakes Trilogie um den Ermittler Rahotep. Wieder führt er ihn an den Königshof und wieder ist Rahotep in der Zwickmühle: Er muss das Geheimnis lösen oder er wird seinen Kopf verlieren. Anders als im ersten Band tragen seine Ermittlungen hier aber wirklich dazu bei, den Fall zu lösen. Und diesmal ist auch das Ende der Geschichte glaubhaft. Zudem schafft Drake es hier, auch Rahoteps Familie mehr in den Roman einzubinden, indem er sie echter Gefahr aussetzt. Überhaupt gehören für mich die Beschreibungen dieses Widerspruchs und die Gespräche, die Rahotep darüber mit seiner Frau führt, dass er nämlich seine Familie wirklich liebt, sie aber durch seine Arbeit immer wieder in Gefahr bringt, zu den Highlights des Buches. Insofern macht der Autor hier vieles besser als im ersten Band der Trilogie.

Nicht besser gelöst hat Drake aber die viel zu modernen Ausdrücke, die in ihrer Menge einfach nicht zu übersehen sind und die mich wirklich gestört haben. Dabei könnte ich über neuzeitliche Begriffe wie Schnäppchenpreis oder Happy End noch hinwegesehen, denn irgendwie werden die alten Ägypten diese Dinge ja auch bezeichnet haben. Aber es gab im alten Ägypten eben keine Bücher, und wenn Haremhab die Königin mit Madame anspricht, dann sträuben sich mir die Nackenhaare. Und wenn Figuren sagen: „Du bist so burgeois“ oder: „ihn faszinieren halluzinogene Substanzen“, dann ist das wie ein Schluckauf, der einen immer wieder aus der Geschichte und aus dem Lesefluss reißt.

Schade, denn die Geschichte ist gut, sie ist spannend, unvorhersehbar und hat einige sehr glaubhafte zwischenmenschliche Ebenen. Und an anderen Stellen kann Drake es doch auch richtig gut machen: Wenn Rahotep in seinen Ermittlungen nicht weiterkommt und sich fühlt, als sei er „die einzige Figur auf dem Brett, die noch immer auf dem ersten Spielfeld steht“, dann ist das doch ein wunderbar in die Zeit passender Ausdruck. Wenn er dann aber an anderer Stelle denkt, er habe „die Arschkarte gezogen“, dann ist er wieder da: der Schluckauf!

Obwohl Nick Drake also in diesem Buch eine bessere Geschichte gefunden hat und diese auch mit sehr viel Spannung erzählt, kann ich mich aufgrund der vielen wirklich unpassenden Ausdrücke nicht zum vierten Stern entschließen. Vielleicht klappt das ja dann beim letzten Band der Trilogie, in dem Rahotep für Anchesenamun den gefährlichsten Auftrag seines Lebens annimmt.