Hidden Luxor

von Jane Akshar
Buchcover Hidden LuxorSeit 2003 lebt die ägyptenbegeisterte Engländerin Jane Akshar in Luxor. Sie kennt sich dort also wirklich aus und weiß genau, welche Monumente von den großen Reisegesellschaften angefahren werden. Vor allem aber weiß sie, was die Touristen dabei alles verpassen – und genau das beschreibt sie in ihrem Buch „Hidden Luxor“. Dieses englischsprachige Buch richtet sich also an all jene Besucher, die den „Grundkurs Luxor“, z.B. im Rahmen einer Nilkreuzfahrt, bereits absolviert haben und die die Stadt nun erneut besuchen wollen.

Insider und Orte, die wir noch nicht gesehen haben

Nun könnte man denken, die klassischen Sehenswürdigkeiten kämen in diesem Buch also gar nicht vor, da sie ja schon während der Pauschalreise besichtigt wurden. Das trifft allerdings nur für die Memnon-Kolosse zu, die tatsächlich gar nicht erwähnt werden. Bei allen anderen Stätten zeigt uns Jane Akshar, was wir während des ersten Besuches z.B. im Hatschepsut-Tempel oder im Tal der Könige vermutlich noch nicht gesehen haben. Und natürlich im Karnak-Tempel: Wer je dort war weiß, dass man vermutlich 1 Woche lang jeden Tag dorthin gehen könnte, ohne sich zu wiederholen. In Hidden Luxor steht, wohin die Pauschaltouristen nie kommen und wo man selbst an einem gut besuchten Tag vermutlich kaum Leute antreffen wird.

Daneben werden diejenigen Stätten auf Luxors Westbank beschrieben, die von den großen Reisebussen nie angefahren werden, z.B. der Tempel von Sethos I., oder das kleine aber feine Museum beim Merenptah-Tempel. Auch einige der Tempel und Gräber in Luxors Umgebung, an der Straße nach Qena (in Richtung Norden) oder nach Assuan (Süden), die man am besten mit einem Taxi erreicht, stellt sie vor.

Grundlegendes Wissen über das alte Ägypten

Jane Akshar, die in einem Fernstudium Ägyptologie studiert, zählt aber nicht nur einzelne Sehenswürdigkeiten auf. Sie nutzt häufig die Gelegenheit, dem Leser an geeigneter Stelle auch grundlegendes Wissen z.B. über die Begräbnisrituale, die Mumifizierung oder die Streitwagen- und Waffentechnik der alten Ägypter zu vermitteln. Dabei schreibt sie nie wissenschaftlich oder lehrbuchhaft sondern in einer lockeren und humorvollen Sprache, als säße sie dem Leser gegenüber und würde ihm „unter der Hand“ ein paar Insidertipps geben.

Fotos, Bakschisch, Wächter

Sehr hilfreich sind die kleinen Infoboxen, in denen sie praktische Tipps gibt, z.B. welche der Sphinxen vor dem Karnaktempel sich am besten für ein Foto eignet, wo man evtl. die Wächter ansprechen kann, um gegen ein kleines Bakschisch eine Besonderheit sehen zu können, oder wo es neben den Tempeln und Gräbern ein Café oder ein einheimisches Restaurant zum Rasten gibt.
Praktisch ist auch, dass sie Links zu weiterer Literatur oder zu Websites aufführt, auf denen der Leser mehr über das jeweilige Thema lesen kann. Leider sind natürlich auch diese weiterführenden Infos alle auf Englisch.

Kleine Kritikpunkte

Natürlich gibt es auch ein paar Kritikpunkte am Buch. Dass es nur Schwarzweißfotos gibt, ist sicher den Druckkosten geschuldet – schade ist es trotzdem. Zudem fallen die Fotos auch noch sehr klein aus. Was nützt ein Satellitenbild von Deir El Medina, das die Lage der Gräbern und des Tempels verdeutlichen soll, wenn die Beschriftung darauf nicht zu lesen ist?

Es verwundert auch, dass manche Stätten kurz und knapp, andere dagegen wirklich ausführlich beschrieben werden. Am krassesten ist dieser Gegensatz beim Tal der Könige zu merken. Wenn man von dem in einem ruhigen Seitental gelegenen Grab des Eje absieht, widmet sie dieser wohl bekanntesten Stätte Ägyptens gerade mal eine einzige Seite! Dagegen ist allein ihre Beschreibung des Grabes von Irinefer in Deir El Medina fast drei Seiten lang und darin werden sogar die Szenen einzelner Register auf den verschiedenen Grabwänden beschrieben. Natürlich sind wir für diese genaue Beschreibung dankbar – schließlich ist Irinefers Grab nicht oft geöffnet – aber ihre Lieblingsgräber im Tal der Könige hätte sie dem Leser doch ebenfalls beschreiben können.

Ein großer Kritikpunkt bleibt natürlich: Das Buch ist leider nur in Englisch erhältlich. OK, wer indivduell nach Ägypten reisen will, wird vermutlich zumindest ein wenig Englisch können. Aber 160 Seiten über archäologische Besonderheiten auf Englisch zu lesen, und dabei über Fachvokabeln wie „scaffolding“ oder „nave“ zu stolpern, ist dann doch eine andere Sache.

Planungshilfe für Individualtouristen

Richtig gut ist dagegen am Ende ihre Auflistung, in der sie verschiedene Sehenswürdigkeiten so zusammenstellt, dass diese sinnvoll an einem Tag besichtigt werden können. Diese 10 Tagesprogramme sind geordnet nach Wichtigkeit; wer also 6 Tage Luxor vor sich hat, könnte die ersten 6 Ausflugsprogramme ihrer Liste nehmen und hätte die sehenswertesten Stätten gesehen. Das ist wirklich hilfreich! Positiv für Familien sind auch die Tipps, welche Gräber für Kinder am interessantesten sind und wo man Pause machen und evtl. etwas spielen kann. Diesem Thema hat sie sogar ein eigenes Buch (Hidden Luxor for Kids) gewidmet.

„Hidden Luxor“ richtet sich an Reisende, die Luxor das erste Mal selbständig besuchen und somit für die Planung ihrer Ausflugsziele selbst verantwortlich sind. Sie sollten sich für die alte Kultur wirklich interessieren und über gute Englischkenntnisse verfügen.

Einem deutschsprachigen Urlauber würde ich dennoch Wil Tondoks „Ägypten individuell“ als erste Reiselektüre empfehlen, bei der das Kapitel über Luxor auf 80 eng beschriebenen Seiten ebensoviel Text enthält, wie „Hidden Luxor“ auf seinen 160 Seiten, und das zudem auch grundlegende Infos über Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants bereit hält. Aber „Hidden Luxor“ ist eine sehr schöne Ergänzung, weil es auf humorvolle und sehr direkte Art dem Leser Wissen vermittelt und ihm vor allem die Stellen zeigt, an denen die Masse der Touristen immer vorbei läuft. Und dann erfährt der Leser auch noch ein Geheimnis, nämlich wie es Jane Akshar schaffte, dass neben all den Pharaonen auch ihr Vater seine letzte Ruhestätte im Tal der Könige fand…

Jolly Thews
Bestellmöglichkeiten findet ihr auf der Seite der Autorin

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