Tag 4 – Der Fluch der Mut, der Sachmet und des Souk

Der Karnak-Tempel und wieder der Souk

‚Ding Dong!‘,’Ding Dong!‘, was der Muezzin nicht schafft, schafft spätestens der Fahrstuhl. Ein Zimmer gegenüber dem Fahrstuhl ist nicht unbedingt empfehlenswert. Aber wenigstens etwas länger konnten wir heute schlafen, da wir erst um 10 Uhr mit Sayed verabredet waren und ansonsten nur der Karnak-Tempel auf dem Programm stand.

Sayeds russische Verkaufsstrategie

In einem von drei Geschäften hat sich Sayed auf Russen spezialisiert, die busweise nach dem Karnak-Tempel zu einem großen Parfum-Shop gekarrt werden, neben dem er sein kleines Geschäft hat. Die Nachfrage bestimmt hier das Angebot. Möglichst billig, golden und glitzernd. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen schlugen auch wir zu.

Auch an den Klamotten-Shops vorm Karnak-Tempel konnten wir nicht vorbei gehen. Während der Anprobe schälten wir uns aus unserem winterlichen Zwiebel-Look und konnten danach die Hälfte unserer Kleidung in den Rucksack stopfen. Es war heute endlich mal ein sehr warmer Tag – meine Jeans konnte im Hotel bleiben.

Touristen! Es gibt sie wieder!

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Schon auf dem Parkplatz war zu sehen, dass bereits 8 Reisebusse da waren und entsprechend voll war es ab der Sphingen-Allee. Es tummelten sich hauptsächlich asiatische Touristen in dem Tempel und wir beobachteten belustigt eine ägyptische Reiseführerin mit Kopftuch und dicken Fellstiefeln, die fließend chinesisch sprach. Ein Multikulti-Anblick.

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Wegen der Menschenmassen entschlossen wir uns, zuerst ins Freilichmuseum zu gehen. Hier waren wir wie immer alleine. Keine Hektik wie im Karnak-Tempel, hübsche Kapellen, Statuen und Reliefblöcke und ein paar schattige Plätze, die zum Verweilen einladen.

Die verfluchte Sachmet

K1024_IMG_3939Die letzten Male hatte ich immer verpasst zum Ptah-Tempel zu gehen, in der die Statue der Göttin Sachmet steht. Laut einer Legende soll sie des nachts herumstreifen, um kleine Kinder zu fressen. Eine Schande, dass er mir schon zweimal entgangen ist.

Auf dem Rückweg vom Freilichtmuseum bogen wir an der Außenmauer des Karnak-Tempels links ab in Richtung Ptah-Tempel. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir linker Hand zwei winzige aber mit ungewöhnlichen Darstellungen verzierte Kapellen. Zu wem sie gehören, konnten wir anhand der Kartuschen nicht erkennen, werden wir aber herauskriegen.

Der Wärter schloss uns die Räume für das Innere des Heiligtums auf und glücklich schoss ich ein paar Fotos der Göttin Sachmet. So wie von jeder einzelnen noch so kleinen Ecke des Tempels.

Dollarkrise in Ägypten – Der Tempel der Mut

Der andere abseits gelegene Tempel, den wir sehen wollten war der neu eröffnete Mut-Tempel. Doch wo gibt es die Tickets? Am Freilichtmuseum wie vorher recherchiert zumindest nicht, wie uns der Beamte am Museum selbst nach ungläubigen Rückfragen versicherte. Also schickten wir Jolly los, um das herauszufinden. Beschäftigungstherapie. Denn so konnte ich in aller Ruhe jede Säule aus 6 verschiedenen Perspektiven fotografieren und Nadine machte das Gleiche mit Selfies.

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Von Pontius zu Pilatus gelaufen, kam Jolly völlig verschwitzt um die Säule. Das Ergebnis seiner Rercherche: Zwei von drei Wächtern glaubten, man müsse das Mut-Ticket am normalen Ticketschalter vor dem Karnak-Tempel kaufen. Der dritte glaubte, man könne es am Freilichtmuseum kaufen. Der lag zumindest schon mal falsch.

Also schickten wir Jolly ein zweites Mal los, die Tickets zu besorgen. Dieses Mal zum Haupt-Tickethäuschen, wo wir schon zuvor die Karten für den Karnak-Tempel besorgt hatten. Mehr Zeit für noch mehr Perspektiven.

Jolly kam noch verschwitzter wieder. Unwillig bemerkte ich, dass er die Tickets wieder nicht dabei hatte.

  • 1. Grund: Wir hätten vom Karnak-Tempel gar nicht wie geplant zum Mut-Tempel gehen können, denn der Weg zum Mut-Tempel führt nur außerhalb des Areals dorthin.
  • 2. Grund: Die Tickets sollten 5$ kosten, die Jolly aber nicht hatte, und auch hier konnte nicht mit ägyptischen Pfund bezahlt werden.

Anscheinend sind alle neu eröffneten Tempel (wie der von Deir el-Schelwit, siehe Bericht gestern) mit Dollar-Tickets versehen. Werden etwa alle Tickets in Zukunft nur noch in Dollar bezahlt werden können? (Stand 2016 gibt es die Tickets jetzt aber auch in Pfund)

Also erst Karnak, dann Mut. Mittlerweile war es Mittag und der Tempel war fast wie ausgestorben. Wir stampften durch das Labyrinth von Säulen und Gängen. Jolly hatten wir irgendwann verloren. Glücklicherweise trafen wir ihn an der mittlerweile geschlossenen Cola-Oase wieder.

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Wir wunderten uns über eine Menschentraube von Polizisten und Reportern, die um einen wichtig ausschauenden Mann standen. Meine erste Hoffnung war, dass es sich bei dem Mann um den Antikenminister handelte. Leider war es nur der Polizeipräsident, wie uns die Wächter erklärten.

Mittlerweile war es 15.30 Uhr geworden und ich drängte die beiden nach einer kurzen Pause zum Aufbruch. Nur noch anderthalben Stunden bis zur Schließung der Tempelanlage. Ab zum Mut-Tempel! Auf den Weg zurück kamen uns wieder die Menschenmassen entgegen. Die nächste Busladung war angekommen.

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Während wir unsere letzten Dollarreserven zusammenkratzten, wies uns der Ticketverkäufer genüsslich darauf hin, das der Mut-Tempel bereits um 16 Uhr schließt. Zu knapp für meine Fotosession. Missmutig kauften wir die drei Tickets und verlegten unseren Besuch auf den morgigen Tag.

Buschfunk im Souk

Was tun mit dem angebrochenen Tag? Nadine und ich wussten die Antwort: Shopping. Und unsere Mienen erhellten sich schlagartig wieder, Jollys nicht. Fieberhaft suchte er nach einem Ausweg aber er hatte genügend Briefmarken. Also schleiften wir ihn zur Kalesche und fuhren zum Souk. Wir hatten gestern dort bestimmt etwas übersehen.

Heute war das Objekt meiner Begierde ein königsblaues Schmuckkästchen. Beim ersten Händler konnten wir uns trotz zäher Verhandlung nicht auf einen Preis einigen. Er forderte mich sogar heraus, mir das Kästchen zu schenken, wenn ich es unter seinem letzten Gebot bekommen würde. Da nahm das Unglück seinen Lauf. Kein einziger Händler bot mir dasselbe Schmuckkästchen zu einem günstigeren Preis an. Und der letzte grinste mich sogar frech an und sagte: „I think, you know the price.“ Anscheinend funktionieren die Buschtrommeln im Souk hervorragend. Also entschädigte ich mich mit einem weiteren Schal, denn ich hatte gestern ja erst 5 gekauft.

Tag 5 – Mit Mut in den Morgen, mit Memnon in den Abend

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