Tag 4 – Sonnenaufgang am Hatschepsut-Tempel

Gesehen: Deir el Bahari, Assasif, Das Tal der Könige

Heute ging es schon um 5.45 Uhr los, um den Sonnenaufgang am Hatschepsut-Tempel zu erhaschen. Es war ein trüber Morgen und daher war der Sonnenaufgang leider nicht ganz so spektakulär wie wir erhofft hatten.

In der Ferne sahen wir Heißluftballons in allen erdenklichen Farben, die in den grauen Morgendunst emporstiegen. Zusammen mit zwei jungen Engländern waren wir die Ersten und wir freuten uns auf einen nahezu touristenfreien Tempel. Schon alleine deswegen hatte sich das frühe Aufstehen gelohnt. Wir kauften unsere Tickets, ließen unsere Taschen durchleuchten und stiegen die erste Rampe hinauf.

Sonnenaufgang, Blick über das Assasif

Der Hatschepsut-Tempel

So schön die Architektur des Tempels auch ist, so schlecht erhalten sind die Reliefs und ich hätte schwören können, dass ihr Zustand vor 15 Jahren, als ich mit meinen Eltern eine Nilkreuzfahrt gemacht hatte, weitaus besser war. An einigen Stellen sind die Farben und Formen so stark verwittert, dass man nur erahnen kann, was dort dargestellt ist. An anderen Stellen wiederum fehlen sogar ganze Blöcke. Vor den meisten Reliefs befinden sich Absperrungen, um die Touristen daran zu hindern, die wertvollen Reliefs anzufassen und noch mehr Schaden anzurichten, als es schon längst geschehen ist. Zudem sind auch noch das Hathor-Heiligtum sowie alle Nebenräume der Terrasse nicht zugänglich.
Etwas enttäuscht verließen wir den Tempel gleichzeitig mit den Engländern, die sich mit „Sorry, for destroying your photos“ grinsend dafür entschuldigten, dass sie die einzigen waren, die uns vor die Linse gelaufen sind. Wir grinsten zurück, verabschiedeten uns und gingen strammen Schrittes in das naheliegende Assasif-Gräberfeld.

Auf dem Weg zum Hatschepsut-Tempel, Deir el Bahari

Das Assasif

Ein wenig orientierungslos stolperten wir durch die Steinwüste. Um uns herum befanden sich Überreste von Mauern aus gebrannten Ziegeln und etwas weiter entfernt entdeckten wir ein imposantes Grabmal, das in den Fels gehauen war. Doch wo war der Wärter? Obwohl man uns versicherte, dass uns sofort ein solcher entgegen laufen würde, sobald wir auch nur einen Fuß in das Areal setzen würden, war weit und breit niemand zu sehen. Daher versuchten wir mit lauten „Helllooooo“-Rufen auf uns aufmerksam zu machen und tatsächlich kamen ein wenig später doch noch zwei Wärter mit ihren langen weißen Galabiyas (Kaftan-ähnliche Gewänder) aus ihrem Häuschen, die bei unserem Anblick im Eiltempo uns zukamen. Wir gaben ihnen das Ticket, was wir beim Hatschepsut-Tempel gekauft hatten und folgten ihnen.

Tief im Grab

Tief unter der Erde liegen auch einige (echte?) Knochenreste

Der jüngere von beiden führte uns sehr tief in ein Grab herein (eigentlich sind es mehrere miteinander verbundene Gräber), wo wir durch enge Gänge kriechen und in tiefe Schächte springen und wieder herausklettern mussten (die Gräber sind übrigens eigentlich nicht öffentlich zugänglich und einige nach uns haben vergeblich versucht in die Gräber zu kommen – vielleicht hatten wir den Frauen-Bonus). Ein Schacht bereitete mir als kleine Person besondere Probleme. Er ging sehr tief runter und ich musste mit dem einen Fuß in eine linke Einbuchtung innerhalb des Schachtes Halt suchen und mit den anderen in einer gegenüberliegenden Einbuchtung, so dass ich fast einen Spagat hinlegen musste. Und von dieser Position sollte ich dann auch noch zwei Meter in die Tiefe springen. Beim Absprung klammerte ich mich zittrig an den Hals unseres Führers. Der hatte wahrscheinlich sein Highlight der Woche…

Fledermäuse, Mumien, Dunkelheit und jede Menge Staub – Was für ein Erlebnis!

Ich bereute es meinen schweren Kamerarucksack nicht am Eingang gelassen zu haben, denn er war mir hier des öfteren im Weg. Schlecht erging es auch der Sonnenbrille meiner Reisebegleiterin, die sie in den Tiefen des Grabes auf den Kopf geschoben hatte und die unglücklicherweise mit einem dicken Kratzer wieder herauskam. Doch die Mühe lohnt sich für alle Abenteurer, die das Besondere erleben möchten! Fledermäuse, aufgeschreckt durch das Licht unserer Taschenlampe, flatterten über unsere Köpfe hinweg (wir waren froh, unsere eigene dabei zu haben, denn unser Führer hatte nur eine lichtschwache Funzel bei sich). Im Schein unserer Lampe wirbelten dichte Wolken von Staub auf, der in unseren Nasen kribbelte und das Atmen erschwerte.

In einigen Räumen lagen Scherben und die Überreste von angeblichen Mumien, die fein säuberlich auf einen Haufen gelegt waren. Als wir mehrere Meter unter der Erde in einem engen Raum hockten, bat unser Führer das Licht zu löschen und einfach nur zu lauschen. Eine schwärzere Dunkelheit und eine tiefere Stille hatten wir noch nie zuvor gesehen und gehört. Die Welt schien für einen kurzen Moment stillzustehen…

Nach ungefähr einer halben Stunde, erreichten wir wieder das Tageslicht. Wir sahen aus als ob wir uns im Staub gewälzt hätten.

Die Gräber von Cheriuf und Anch-Hor

Prinzessinnen im Grab von Cheruef

Beim nächsten Grab wurde es weitaus weniger sportlich, dafür erfreuten wir uns an den wundervollen Darstellungen im Grab des Cheriuf, Vermögensverwalter der Königin Teje, aus der 18. Dynastie. Wir sahen König Amenophis III., der zusammen mit Teje dem Treiben des königlichen Jubiläumsfestes (Hebsed) zuschaut. Tänzerinnen und Tänzer, die seltsame Boxbewegungen wie in einem Schaukampf machen. Menschen, die in die Hände klatschen und Musikanten, die ein Lied spielen. Die Szenerie ist von einer Lebendigkeit, die unter Amenophis‘ Sohn Echnaton weitergeführt und bis ins Äußerste ausgereizt wurde.

Wir zeigten in den beiden Gräbern so viel Begeisterung, dass unsere beiden Wärter uns noch ein drittes Grab zeigten, obwohl nur zwei im Eintrittspreis vorhanden waren. So sahen wir denn auch noch das wenig spektakuläre Grab von Anch-Hor, Haushofmeister der 26. Dynastie, in dem das seltene Abbild eines Imkers zu sehen ist. Wir verabschiedeten uns mit gutem Bakschisch und fuhren mit Mahmoud zurück ins Hotel, um uns dort ein wenig Pause zu gönnen und im wundervollen Garten des Hotels zu dösen und Postkarten an die Lieben daheim zu schreiben und von unserem spannenden Tag heute zu berichten.

Das Tal der Könige

Taf Taf Bahn

n der Hoffnung, dass nur wenig Besucher so verrückt sein würden wie wir, machten wir uns in der glühenden Mittagshitze auf in die berühmteste Stätte Oberägyptens – das Tal der Könige. Wir kauften unser Ticket am dortigen Schalter. Dieses gilt für drei Gräber und wird beim Besuch eines jeden Grabes einmal durchlocht. Direkt daneben besorgten wir uns ein Ticket für die taf taf-Bahn (wir würden vielleicht Bimmelbahn dazu sagen), die uns ein kurzes Stück bis hin zum Tal bringen sollte.

Rucksackkontrolle

Am Tickethäuschen sprach uns ein Polizist an und fragte, ob wir eine Kamera mitführen würden. Das Tal der Könige ist diesbezüglich ein heißes Pflaster geworden und es drohen empfindliche Strafen (gerüchteweise um die 1000$), sollte man gegen die Auflagen verstoßen und eine Kamera mit in das Tal nehmen. Als wir unsere Taschen öffnen wollten, winkte er mit den Worten „It’s ok, I trust you“ ab und wir konnten in die taf taf-Bahn steigen und endlich das Tal der Könige betreten.

Holztreppe zum Grab Thutmosis III.

Das Grab Thutmosis III. – eine schweißtreibende Angelegenheit

Trotz der Mittagshitze, die sich in dem Tal fast unerträglich staute, waren doch erstaunlich viele Touristen hierhergekommen. Wir beschlossen zuerst bis ganz am Ende des Tals zum Grab Thutmosis III. zu gehen, das nur über eine steile Holztreppe zu erreichen ist. Ächzend hievten wir uns die vielen Sprossen hoch. Im Grab selbst war es vor Hitze kaum auszuhalten. Ein Ventilator, der in der Grabkammer aufgestellt war, brachte nur sehr wenig Erleichterung. Die wenigen Touristen, die den anstrengenden Aufgang der steilen Leiter nicht gescheut hatten, kapitulierten schließlich in dem Grab und taumelten schon nach wenigen Augenblicken heraus, so dass wir schließlich alleine in der Grabkammer standen.

Wir versuchten die unerträgliche Hitze aus unseren Köpfen zu vertreiben und stattdessen die faszinierenden Grabmalereien aus den ägyptischen Totenbüchern „Amduat“ und „Litanei des Re“ auf uns wirken zu lassen. Doch nach nur wenigen, schweißtreibenden Minuten, gingen auch wir wieder aus dem Grab und waren heilfroh als wir unsere Lungen wieder mit frischer Luft füllen konnten.

Touristenmassen im Grab Ramses IV.

In den Gräbern von Tausret und Ramses III. (?) war die Luft etwas besser als im Grab Thutmosis III (wir hatten von den Forums-Leuten noch ein nur einmal durchlochtes Ticket bekommen und konnten so zusätzlich ein weiteres Grab in Augenschein nehmen). Ein Graus war das Grab Ramses IV., in denen sich die Touristen-Massen in einer langen Reihe und in einem ungehörigen Tempo durch das Grab schoben. In diesem Moment wussten wir: mit unserer Entscheidung eine Individual-Reise zu organisieren, haben wir alles richtig gemacht!

Das Grab Ramses VI. – jedes Extra-Pfund wert

Ein besonderes Bonbon hielten wir uns bis zum Schluss auf – das Grab Ramses VI. Mit 50LE zusätzlichem Eintritt, verirren sich nur wenige Touristen dorthin. Doch der Besuch dieses Grabes ist jedes Pfund wert! 120m in den Fels gehaun, erstaunt es den Besucher mit den schönsten Bebilderungen unterschiedlicher Totenbücher im Tal der Könige. Der lange Gang endet in der Grabkammer, mit einem zerstörten Granitsarkophag, die aber nicht betreten werden darf. Hier standen wir sehr lange und versuchten so viel Details wie möglich von den reich verzierten Seitenwänden aufzusaugen. Die Decke mit der doppelten Himmelsgöttin Nut, die Rücken an Rücken fast die gesamte Decke der Grabkammer umspannt, hätte ich mir ewig anschauen können – wäre da nicht ein bestialischer Gestank nach Urin gewesen. Ich ärgerte mich maßlos darüber, wie unwürdig manche Ägypter mit der Vergangenheit ihres Landes umgehen.

Von Touristen und Händlern

Jede Menge Touristen im Tal der Könige

Nachdem wir aus dem Grab heraustraten, setzten wir uns ein Weilchen hin und beobachteten den Trubel um uns herum. Ein Reiseführer kam gerade mich hocherhobenen Regenschirm als Erkennungszeichen für seine Gruppe das Tal hoch und ging strammen Schrittes und „jalla jalla“-rufend vor seiner Touristengruppe her, die sogleich „jalla jalla“ zurück rief und sich schließlich dankbar seufzend in den Schatten niederließ.

Zirkusatmosphäre im ehrwürdigen Tal

Wir sahen Frauen, die in Hotpants und sogar bauchfrei herumliefen. Ein Mann mit dicker Wampe und einer Brustbehaarung, die einem Braunbären alle Ehre gemacht hätte, schlurfte mit offenem Hemd an uns vorbei. Es war sehr laut und hektisch und ein Wirrwarr von unterschiedlichen Sprachen, von lachend gackerten Frauen und quengelnden Kindern erfüllte die Luft. In der letzten Ruhestätte der Pharaonen, das von der natürlichen Berg-Pyramide Qurn überragt wird, die einst der Göttin Meretseger – die das Schweigen liebt – geweiht war, herrscht heute Zirkusatmosphäre.

Der – Name ist Programm – „fliegende“ Händler

So auch auf dem Parkplatz, wo wir auf unseren Fahrer warteten. Dort beobachteten wir Szenen, die besser als jeder Film waren. Ein russisches Pärchen, das anscheinend während ihres Spießrutenlaufes durch die Händlergasse nicht bestimmend genug nein gesagt hat, stand vor einem fliegenden Händler, der aggressiv und wild gestikulierend seine Waren feilbot. Anscheinend hatten die beiden von ihrem Reiseführer den gleichen Tipp wie wir von den Forums-Leuten erhalten und so rannten sie von jetzt auf gleich so schnell los wie ihre Beine sie tragen konnten zum rettenden Bus, der ihnen auch schon in weiser Voraussicht entgegen kam.

Doch die Strecke war zu kurz und der Händler zu hartnäckig und so stürmte er ihnen laut schreiend hinterher und stieg sogar halb mit in den Bus ein. Schnell schloss der Fahrer die Tür und der Händler konnte sich nur noch mit einem beherzten Satz nach hinten davor retten, nicht eingeklemmt zu werden. In diesem Moment fragten wir uns, ob die Ägypter nicht erfolgreicher im Verkauf wären, wenn sie die Touristen nicht so belästigen würden. In den Händlergassen, die überall im Westufer verstreut liegen, haben wir kaum gewagt auch nur einen einzigen Blick auf die Waren zu werfen, da wir die Befürchtung hatten, die Verkäufer würden dies als Aufforderung sehen, uns massiv mit dem Feilbieten ihrer Waren belästigen. Andererseits hatten wir schon ein schlechtes Gewissen als wir mit Tunnelblick durch die Händlergassen fegten, denn wir Touristen sind immerhin die einzige Lebensgrundlage dieser Händler.

Weihrauchschwenken

Da war auch schon Mahmoud. Wir stiegen ins Taxi und fuhren zurück ins Hotel. Ich sehnte mich nach einer kalten Dusche… Kaum waren wir ausgestiegen, kam ein weihrauchschwenkender Junge auf uns zu, der auch noch meinte sein Gefäß direkt vor unserer Nase wirbeln zu müssen und dafür auch noch Bakschisch zu verlangen. Entschieden sagten wir nein, denn die ägyptischen Kinder sollen lieber in die Schule gehen als den vermeintlich erträglicherem Gewerbe nachzugehen, den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Als er sich beleidigt trollte, mussten wir dann doch noch aufgrund der Dreistigkeit des kleinen Jungen lachen.

Ein Verehrer…

Vor dem Hotel deckten wir uns wie jeden Abend in einem kleinen Laden mit Wasserflaschen für den nächsten Tag ein. Im selben Atemzug, wie der junge Händler uns den Preis für die Flaschen nannte, fragte er mich, ob ich ihn diesen Abend auf eine Hochzeit begleiten würde. Ich war so perplex darüber, dass mir im ersten Moment nichts anderes einfiel, als verlegen zu lachen und mit dem Kopf zu schütteln. Weil er so ein enttäuschtes Gesicht machte, stammelte ich lächelnd ein paar Ausreden hervor und versprach ihm, morgen wieder bei ihm zu kaufen. „Du hast einen Vereeeehrer….!“ Meine Reisebegleitung knuffte mich lachend in die Seite. „Tja, Blondinen bervorzugt“ entgegnete ich verlegen und ging strammen Schrittes ins Hotel.

Tag 5 – Im Tal der Affen