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Bestattungsriten

Was bei der Mumifizierung begonnen hatte, musste nun beim Bestattungsritual zu Ende geführt werden: Die Seelen Ka und Ba sollten in den Körper des Verstorbenen zurückkehren, damit er seine Reise in die Unterwelt antreten konnte.
Die folgende Beschreibung des Bestattungsrituals passt hauptsächlich auf die Begräbnisse höhergestellter Personen. Der Großteil der Bevölkerung konnte sich kein so pompöses Begräbnis leisten.

Die Pilgerreise nach Abydos

Mit einem Schiff brachten die Angehörigen die Mumie oder eine Statue des Verstorbenen nach Abydos. Einer Legende nach wurde hier der Totengott Osiris begraben. Durch die Nähe des Gottes sollte sich der Verstorbene mit ihm identifizieren und, wie Osiris, wieder von den Toten auferstehen. Wenn man von einem Verstorbenen sprach, fügte man daher auch den Ehrentitel Osiris vorweg (z.B. Osiris Ptahhotep). Spätestens seit dem Neuen Reich ließ man von dieser Sitte wieder ab. Die Pilgerreise wurde nur noch symbolisch durchgeführt, in dem man die Mumie an Stätten vorbeiführte, die mit Abydos oder auch anderen Kultstätten im Zusammenhang standen.

Die Prozession zum Grab

Am Tag der Bestattung legte man den Sarkophag des Verstorbenen auf den Nachbau eines Schiffes. Das Schiff stand auf einem großen Schlitten, der entweder von Ochsen oder von Freunden und Verwandten gezogen wurde. Hinter dem Schlitten folgte der Zug der trauernden Freunde und Angehörigen, die oftmals von professionellen Klageweibern begleitet wurden. Die eigens für diesen Zweck engagierten Frauen entblößten unter lautem Geschrei ihre Brüste. Sie weinten und trauerten um den Verstorbenen und streuten sich vielleicht sogar Erde auf ihr Haupt. Priester begleiteten den Zug mit Gesängen und Ritualen. Ein weiterer Schlitten mit einem großen Kasten, in dem die Eingeweide in ihren Kanopen lagen, folgte den Trauernden. Zum Schluss kamen die Träger mit den Grabbeigaben.

Grabprozession im Grab des Ramose

Verschiedene Grabbeigaben werden in einer Trauerprozession zum Grab getragen
Grab des Ramose (TT55), Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Am Grab – Das Mundöffnungsritual

Mundöffnungsritual

Ein Priester mit Anubis-Maske hält die senkrecht aufgestellte Mumie des Roy. Ein Sem-Priester hält in beiden Händen ein Gefäß, mit dem er ein Trankopfer  durchführt. Der Mann neben dem Priester (vielleicht sein Sohn?) wird mit einer Dechsel das Mundöffnungsritual durchführen.
© Elvira Kronlob
Grab des Roy (TT255), Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Am Grab angekommen, stellte man die Mumie, begleitet von Beschwörungsformeln, die den Ba und Ka dazu animieren sollten, wieder in den Körper des Toten zurückzukehren, in eine senkrechte Position. Es folgten Reinigungen, Räucherungen und Opferungen. Der wichtigste Teil der Bestattungsprozedur war das Mundöffnungsritual. Mit einer Dechsel oder anderen Ritualwerkzeugen berührte der älteste Sohn bzw. ein Priester den Mund des Verstorbenen, damit dieser wieder sprechen, essen und trinken konnte. Augen, Nase und Ohren wurden berührt, damit er wieder sehen, hören und riechen konnte. Das Mundöffnungsritual begleiteten die Priester erneut mit Gesängen und Gebeten. Die Sinne des Verstorbenen konnten so komplett wieder hergestellt werden. Ein anschließendes Stieropfer sollte für das leibliche Wohl des Verstorbenen sorgen. Duftende Salböle, mit denen die Priester die Mumie einrieben, sollten sein Herz erfreuen und Weihrauchopfer ihn näher zu den Göttern bringen.

Das Festmahl

Den Sarkophag mit der Mumie und die persönlichen Gegenstände des Verstorbenen trug man nun ins Grab, das anschließend verschlossen und versiegelt wurde. Angehörige und Freunde hielten ein Festmahl vor dem Grab ab. Der Geist des Verstorbenen war ihrem Glauben nach dabei anwesend. Um sich in einen Rauschzustand zu versetzen, der sie näher in die Sphäre des Verstorbenen bringen sollte, tranken die Gäste jede Menge Alkohol.

Die Göttin Selket