Wie schreibt man seinen Namen in Hieroglyphen? – für Fortgeschrittene

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Ein Gastbeitrag von Thomas Vonk

Museumsbesucher, Touristen oder einfach nur Ägyptenbegeisterte fühlen sich oft dem Wunsche ausgesetzt, ihre eigenen Namen in Hieroglyphen zu schreiben und so finden sich nicht zuletzt auf touristischen Souvenirs oder in zahlreichen Büchern zum Thema ägyptische Hieroglyphen“alphabete“, die mitunter auch noch verschiedene Zeichen für verschiedene Buchstaben haben.

So ist der ein oder andere Laie vielleicht verunsichert, der Kenner aber wird stutzig: Denn informiert man sich sorgfältig über die Hieroglyphenschrift (z. B. hier), stellt man nicht nur fest, dass die Ägypter gar keine Vokale schrieben (bis auf mögliche Ausnahmen bei /i/ oder /u/ am Ende des Wortes)1, sondern auch, dass es nie ein ägyptisches Alphabet gab. Dieser Gastbeitrag möchte ein wenig zur Aufklärung beitragen und ganz nebenbei einige Möglichkeiten präsentieren, wie man denn nun seinen Namen in Hieroglyphen schreiben kann.

1. Ein ägyptischer Name für eine ägyptische Schrift

Die altägyptische Hieroglyphenschrift ist eine stark an die altägyptische Sprache gebundene Schrift: Zwar sind Logogramme („Wortzeichen“) nicht zwingend sprachgebunden (Die Zeichengruppe raliest der Ägypter etwa raʕaw (bzw. wir wissen nicht genau, wie er es gelesen hat; dazu später mehr), ein Deutscher eben „Sonne“, ein Engländer „sun“, ein Franzose „soleil“, usw.), wohl aber beruht gerade die Lautschrift auf dem Prinzip der Homophonie (d.h. was gleich oder ähnlich klingt, kann mit dem gleichen Zeichen geschrieben werden) und dem Rebusprinzip und ist damit vollständig an die zugrunde liegende ägyptische Sprache gebunden. Ein Beispiel: sa sr („Graugans“) klingt im ägyptischen wie sa-u („Sohn“) und kann deswegen für die Schreibung des Wortes Sohn verwendet werden (warum das so ist, siehe unten). Im Deutschen klingt „Gans“ aber keineswegs wie „Sohn“, aber man könnte im Rebusrätsel das Bild einer Gans verwenden um das gleich klingende Wort „ganz“ anzudeuten. Die ägyptische Hieroglyphenschrift stieß also immer dann an ihre Grenzen, wenn es darum ging Fremdwörter oder fremdsprachige Orts- oder Personennamen zu schreiben. Um unsere Namen also in Hieroglyphen schreiben zu können, bräuchten wir am besten einen ägyptischen Namen! Also besteht die erste Möglichkeit, seinen Namen in Hieroglyphen zu schreiben, darin, seinen Namen schlicht ins Ägyptische zu übersetzen und dann nach den Regeln der ägyptischen Schrift niederzuschreiben:

Alexander ist ein altgriechischer Name und bedeutet soviel wie Beschützer (genauer: der, der den Mann verteidigt/beschützt). Ins Ägyptischen könnte man Mkj-s.j übersetzen und den Namen demnach alexanderschreiben. Tatsächlich wählte Alexander der Große den Horusnamen Mkj-Km.t, Beschützer Ägyptens!

Nun gibt es allerdings zu genüge Namen, deren Bedeutung unbekannt oder nicht eindeutig ist oder die sich schlicht nicht übersetzen lassen (z.B. Wolfgang, da es kein ägyptisches Wort für das in Ägypten unbekannte Tier, den Wolf, gibt). Wir brauchen also doch ein Alphabet.