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Grab und Grabbeigaben

Um sein jenseitiges Leben genauso, wie im Diesseits verbringen zu können, legte man dem Verstorbenen seine Lieblingsgegenstände und Nützliches für den Alltag im Jenseits mit in sein Grab. Keiner wollte gerne auf den Boden sitzen und schlafen, weshalb die Reichen Stühle und Betten mit in ihr Grab nahmen. Frauen und auch Männer wollten im Jenseits gut aussehen und so nahmen sie Kosmetika, Salben, Öle, Schminke, Spiegel, Schmuck und Perücken mit ins Jenseits. Natürlich konnten sie auch nicht jeden Tag das Gleiche tragen und so gehörte Kleidung ebenfalls zur Grabausstattung. Für ihre Versorgung legten sie Krüge mit Wein und Bier, Körbe mit Brote und Obst sowie mumifiziertes Fleisch und Geflügel mit ins Grab. Lampen sollten dem Verstorbenen auf seinem Weg durch die dunklen Wege des Jenseits Licht spenden. Waffen, wie Dolche und Schwerter, vor den bösartigen Dämonen des Jenseits Schutz bieten.

Das Grab - Wohnort der Toten

Blick ins Grab Tausret/Sethnacht

Blick ins Grab der Tausret, das später von ihrem Nachfolger Sethnacht usurpiert wurde.
Mit 112m Länge zählt es mit zu den größten Gräbern im Tal der Könige.
Neues Reich, 19./20. Dynastie

Das ägyptische Grab hatte eine große Bedeutung. Es war der Ort, an dem man sich an das diesseitige Leben des Grabherrn erinnern konnte und es war für den Toten ein Übergang zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Während der tote Körper im tiefsten Bereich des Grabes lebte, konnten die Hinterbliebenen im oberen Kultbereich Opfer darlegen und Rituale für seine Wiederauferstehung und sein Wohlergehen im Jenseits sprechen.

Die Gräber waren die Wohnungen der Toten, daher bestanden sie auch nicht aus nur einem Raum, sondern aus mehreren, mit langen Fluren und verwinkelten Nebenräumen, genau wie in einem richtigen Haus. Die Wände schmückten Szenen aus dem Alltag des Verstorbenen, die als ewige Erinnerung in das Grab eingemeißelt oder gemalt wurden und die der Tote mit in sein jenseitiges Leben nehmen konnte. So sollten z.B. aufgemalte Opfergaben dem Toten nach Beendigung seines Totenkultes die ewige Versorgung seines Kas sichern. Genauso wie Jagdszenen, die Fleisch und Geflügel auf dem ewigen Speiseplan sichern sollten. Einige Abbildungen waren wichtig für ein schönes Leben im Jenseits. Die eben angesprochenen Jagdszenen sollten den Triumph der Ordnung über das Chaos symbolisieren. Szenen aus dem Leben des Verstorbenen, wie das Eintreiben von Steuern oder die Aufsicht über handwerkliche Arbeiten, sollten die Stellung des Verstorbenen im Jenseits betonen. Darstellungen von Festbanketten, die anlässlich von Totenfeiern wie "Das Schöne Fest im Wüstental" abgehalten wurden, sollten dem Verstorbenen die Teilnahme an einem solchen Fest mit seinen lieben Verwandten sichern, auch wenn viele Jahre nach seinem Tod vergangen waren und sein Grab anlässlich solcher Feierlichkeiten nicht mehr besucht wurde. Szenen aus dem Totenkult, wie die Bestattungsprozession oder das Mundöffnungsritual (→ Bestattungsriten) sollten dem Verstorbenen helfen, in das Reich des Osiris einzutreten und als Verklärter dort ein gerechtfertigtes Leben zu führen.

Uschebtis

Uschebtis

Uschebtis
Mit freundlicher Genehmigung
© Ägyptisches Museum München
Fayence
Spätzeit, 600-300 v.Chr

Damit der Verstorbene im Jenseits keine unliebsamen Aufgaben erledigen musste, legte man ihm seit dem Alten Reich kleine Dienerfiguren mit ins Grab, die für ihn backen, brauen oder rudern sollten. In der chaotischen 1. Zwischenzeit, in der keine Zeit für eine aufwändige Mumifizierung blieb, legte man mumienförmige Figuren als eine Art Ersatzleichnam mit ins Grab. Daraus entwickelten sich im Mittleren Reich die Uschebtis, die "Antworter". Diese mumienförmigen Figuren legte man in großen Holzkästen mit in das Grab, zusammen mit kleinen Modellen der benötigten Werkzeuge. Später malte man die benötigten Gerätschaften einfach auf den Uschebtis. In den Händen tragen sie in der Regel zwei Hacken für das Bestellen der Felder. Die Uschebtis, die meistens aus Fayence oder aus Holz gearbeitet wurden, trugen folgenden Spruch auf der unteren Hälfte ihres Körpers:

"O ihr Uschebti
Wenn ich verpflichtet werde, irgendeine Arbeit zu leisten,
die dort im Totenreich geleistet wird -
wenn nämlich ein Mann dort zu seiner Arbeitsleistung verurteilt wird -,
dann verpflichte du dich zu dem, was dort getan wird,
um die Felder zu bestellen und die Ufer zu bewässern,
um den Sand des Ostens und des Westens überzufahren.
"Ich will es tun - hier bin ich!", sollst du sagen.
nach E. Hornung: Tal der Könige. Ruhestätte der Pharaonen, S. 196

Die Anzahl der Uschebtis, die dem Verklärten im Jenseits ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen sollten, variiert je nach Stellung und Geldbeutel. In der Regel waren es 365, einen für jeden Tag. Es konnten aber auch über 400 mit ins Grab gegeben werden. Einen Arbeiter für jeden Tag, einen Aufseher für jede Woche (10 Tage) und zusätzlich einen Aufseher für je einen Monat (30 Tage).

Kanopen

In 4 Kanopen legten die Ägypter ihre mumifizierten Eingeweide, wozu der Darm, die Leber, die Lunge und der Magen gehörte. Die ovalen Gefäße verschloss man ursprünglich mit einem flachen Deckel. Im Neuen Reich stellten die Deckel den Kopf des Verstorbenen dar und ab der 18. Dynastie erhielten sie die Form der 4 Horussöhne, die für den Schutz der Kanopen zuständig waren. Den Darm bewachte nun der falkenköpfige Kebehsenuef, die Leber der menschenköpfige Amset, die Lunge der pavianköpfige Hapi und der Magen der schakalköpfige Duamutef. Die 4 Horussöhne standen zusätzlich unter dem Schutz der 4 Göttinnen Selket (Kebehsenuef, Darm), Isis (Amset, Leber), Nephthys (Hapi, Lunge) und Neith (Duamutef, Magen).

Kanopen

Diese zwei wunderschönen Scheinkanopen tragen die Köpfe von zwei der vier Horussöhne. In der Kanope mit dem schakalköpfigen Duamutef wurde der Magen aufbewahrt. Den Darm des Verstorbenen legten die Einbalsamierer in die Kanope des falkenköpfigen Kebehsenuef.
Mit freundlicher Genehmigung
© Ägyptisches Museum München
Scheinkanopen
Holz , bemalt wohl aus Theben
3. Zwischenzeit, um 1000 v. Chr. München, ÄS 27, 28

Der Gott Kanopus

Der Name "Kanope" war die Folge einer Verwechslung. Die Menschen in Kanopus, bei Alexandria, verehrten in später Zeit den hellenistischen Gott Kanopus, dessen Körper die Form eines Kruges hatte. Die Antiquitätenhändler des vorletzten Jahrhunderts verwechselten die beiden Gefäße miteinander, so dass der Name Kanope bis zu der heutigen Zeit erhalten blieb.

Weitere Grabbeigaben waren ein → Totenbuch sowie → Amulette für die sichere Reise ins Jenseits, worauf in den einzelnen Themen noch mal gesondert eingegangen wird.

Die Göttin Selket