Die Reise in das Jenseits
Nach dem Tod musste der Ka durch die 12 Pforten der Duat
(Unterwelt) reisen, die für die
12 Stunden der Nacht standen. Diese Reise war mit Gefahren und Prüfungen versehen, die
der Verstorbene alle meistern musste, bevor er von Osiris in das Totenreich eingelassen
wurde. So musste er z.B. die Krüge der Sturmgöttin Elephantine benennen, den Atem der
Schlange des Tals, und die 37 Formen der Sonne wenn sie durch die Unterwelt fährt wissen.
Vor mit Messern bewaffnete Gottheiten fliehen, die sich "wie ein stinkender Atem in
die Nasen der Mumien schleichen...". Durch Gebete und Hymnen musste er das Wohlwollen
der Wächter und Götter erlangen.
Eine der letzten und bekanntesten Prüfungen war das Totengericht. In der Halle
der Wahrheit legte man das Herz des Verstorbenen auf eine Waagschale und als Gegengewicht
ein Symbol (meistens eine Feder) der Göttin Maat, nach der ägyptischen Vorstellung
Göttin der Gerechtigkeit und Ordnung. Nur wenn das Herz genauso leicht war wie das Symbol
der Maat, also frei von schlimmen Taten, konnte der Tote in die schönen Gefilden
einziehen. Wenn das Herz aber durch zu viele Sünden schwerer war, wurde es von der
"Fresserin", ein Untier mit dem Hinterteil eines Nilpferdes, dem Vorderteil
eines Löwen und dem Kopf eines Krokodils gefressen und der Tote konnte somit nicht
weiterleben.

Das Totengericht aus dem Totenbuch der Taherit.
Links steht Taherit vor der Waagschale mit ihrem Herzen. Horus (meistens
Anubis, oder
beide) wägt vorsichtig die Schalen und Thot, rechts daneben, wird das Ergebnis notieren.
Die Göttin Maat ist hier auch in Person vertreten. Den Aufsicht über das Gericht hat
immer Osiris. Unter der Waagschale lauert die "große Fresserin"
Neben der Wägung des Herzens musste der Verstorbene auch noch vor 42 Totenrichtern ein
"negatives Sündenbekenntnis" ablegen. Hier ein Auszug aus dem
Totenbuch:
Was zu sprechen ist, wenn man zu dieser Halle der Vollständigen Wahrheit
gelangt. Den Verstorbenen von allen bösen Handlungen zu befreien, die er begangen hat;
das Angesicht der Götter zu schauen.
Der Verstorbene sagt:
Gruß dir, du Größter Gott, Herr der Vollständigen Wahrheit!
Ich bin zu dir gekommen, mein Herr,
ich bin geholt worden, um deine Vollkommenheit zu schaun.
Ich kenne dich, und ich kenne deinen Namen,
ich kenne die Namen dieser 42 Götter,
die mit dir sind in dieser Halle der Vollständigen Wahrheit,
die von denen leben, die zum Bösen gehören,
und sich von ihrem Blut nähren
an jenem Tag, an dem Rechenschaft abgelegt wird vor Osiris
(...)
Ich habe kein Unrecht gegen Menschen begangen,
und ich habe keine Tiere misshandelt.
Ich habe nichts "Krummes" anstelle von Recht getan.
(...)
Ich habe keinen Gott beleidigt.
Ich habe kein Waisenkind um sein Eigentum gebracht.
Ich habe nicht getan, was die Götter verabscheuen.
Ich habe keinen Diener bei seinem Vorgesetzten verleumdet.
Ich habe nicht Schmerz zugefügt und ich habe niemanden hungern lassen,
ich habe keine Tränen verursacht.
Ich habe nicht getötet,
und ich habe (auch) nicht zu töten befohlen;
niemanden habe ich ein Leid angetan.
Ich habe die Opferspeisen in den Tempeln nicht vermindert
und die Götterbrote nicht angetastet;
ich habe die Opferkuchen der Verklärten nicht fortgenommen.
(...)
Es folgt die Anrufung der 42 Richter
O Weitausschreitender, der aus Heliopolis hervorgeht:
ich habe kein Unrecht getan.
O du, der die Flamme umarmt, der aus Cheraha hervorgeht:
ich habe nicht gestohlen.
O du mit dem Schnabel, der aus Hermopolis hervorgeht:
ich war nicht habgierig.
O Schattenverschlinger, der aus der Grube hervorgeht:
ich habe mir nichts angeeignet.
O Schreckgesicht, der aus Rasetau hervorgeht:
ich habe keine Menschen umgebracht.
O Löwenpaar, das aus dem Himmel hervorgeht:
ich habe das Hohlmaß nicht verletzt.
O du, dessen Augen Messer sind, der aus Letopolis hervorgeht:
ich habe nichts "Krummes" getan.
O Brennender, der umgedreht hervorgeht:
ich habe mir keinen Tempelbesitz angeeignet.
O Knochenzerbrecher, der aus Herakleopolis hervorgeht:
ich habe keine Lüge gesagt.
O Flammenreicher, der aus Memphis hervorgeht:
ich habe keine Nahrung gestohlen.
(...)
(nach E. Hornung)
Ganz wichtig war auch der 2. Name des Verstorbenen, den niemand außer ihm
wusste und ohne den er nicht durch die Unterwelt reisen, geschweige denn von den Göttern
akzeptiert werden konnte.
Um bei den Prüfungen auch ja keine Fehler zu machen, legte man dem
Verstorbenen ein Totenbuch (siehe "Die Totenbücher")
mit ins Grab, das ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen sollte.
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